{"id":2971,"date":"2017-05-07T12:50:45","date_gmt":"2017-05-07T10:50:45","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=2971"},"modified":"2020-10-03T10:34:02","modified_gmt":"2020-10-03T08:34:02","slug":"wiesn-zeit-saufen-bis-zum-vorhofflimmern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/05\/07\/wiesn-zeit-saufen-bis-zum-vorhofflimmern\/","title":{"rendered":"Wiesn-Zeit: &lsquo;Saufen bis zum Vorhofflimmern&rsquo;?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Gesundheit\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" border=\"0\" alt=\"Gesundheit\" src=\"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" width=\"60\" align=\"left\" height=\"56\">Die M\u00fcnchener Wiesn gilt ja als eines der gr\u00f6\u00dften Volksfeste weltweit. Und von den Teilnehmern wird kr\u00e4ftig Bier konsumiert. Das Alkohol in gro\u00dfen Mengen genossen, nicht gesundheitsf\u00f6rderlich ist, wei\u00df man. Neue Erkenntnis von Medizinern aus 'Wiesn-Beoabachtungen': Der Alkoholkonsum beeinflusst das Auftreten von Herzrhythmusst\u00f6rungen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Forscher des Klinikums der Universit\u00e4t M\u00fcnchen und des Deutschen Zentrums f\u00fcr Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK) haben sich die Gelegenheit der Wiesn nicht entgehen lassen. An Besuchern des M\u00fcnchner Oktoberfests konnten die Forscher zeigen, dass mit h\u00f6herem Alkoholspiegel das Risiko f\u00fcr Herzrhythmusst\u00f6rungen ansteigt. Die Studie, die im Fr\u00fchjahr 2017 in der Zeitschrift <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/attachment57257\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">European Heart Journal ver\u00f6ffentlicht<\/a> wurde, untersucht erstmals einen Zusammenhang zwischen akutem Alkoholkonsum und Herzrhythmusst\u00f6rungen an einer gro\u00dfen Anzahl von Probanden.<\/p>\n<h3>Studie auf der Wiesn<\/h3>\n<p>Die Studie lief unter der F\u00fchrung der Wissenschaftler PD Dr. med. Stefan Brunner und PD Dr. med. Moritz Sinner, beide aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Klinikums der Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Es konnten im Jahr 2015 an allen 16 Festtagen auf dem M\u00fcnchener Oktoberfest 3.028 freiwillige Teilnehmer untersucht werden. Dabei hatten die Teilnehmer unterschiedliche Mengen an Alkohol konsumiert. Die Alkoholspiegel reichten dementsprechend von 0 bis 3,0 Promille (0-3,0 g\/kg), der laut Studienprotokoll f\u00fcr die Teilnahme maximal erlaubten Alkoholmenge. <\/p>\n<p>Das Alter der Teilnehmer lag im Mittel bei 35 Jahren, 30 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Forscher registrierten Elektrokardiogramme (EKGs) mit einem tragbaren, Smartphone-basierten System, um den Herzrhythmus zu analysieren. Der Alkoholspiegel wurde mit einem Atemalkoholmessger\u00e4t erfasst. Bei der Durchf\u00fchrung des Projektes wurden die Autoren durch die Stiftung f\u00fcr Biomedizinische Alkoholforschung, das Deutsche Zentrum f\u00fcr Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK) und die Europ\u00e4ische Kommission unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h3>Kora-Studie belegt den Zusammenhang<\/h3>\n<p>Die Forscher untersuchten, laut <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20200123115634\/http:\/\/www.klinikum.uni-muenchen.de:80\/de\/das_klinikum\/zentrale-bereiche\/weitere-informationen-presse\/pressemeldungen\/170426_alkohol-und-herzrhythmusstoerungen\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Pressemitteilung<\/a>, zus\u00e4tzlich den Einfluss von gewohnheitsm\u00e4\u00dfigem, chronischen Alkoholkonsum bei 4131 Teilnehmern der sogenannten KORA S4 Studie (Kooperative Gesundheitsforschung im Raum Augsburg), einer Untersuchung in der Allgemeinbev\u00f6lkerung.  <\/p>\n<p>\"Diese Teilnehmer entsprechen der typischen Allgemeinbev\u00f6lkerung. Die Allermeisten waren bei der Untersuchung gesund und allenfalls wenige waren schwere Trinker. F\u00fcr diese Studie quantifizierten wir die mittlere konsumierte Alkoholmenge in Gramm pro Tag\", erkl\u00e4rt Dr. Sinner. In der KORA Studie wiesen nur 2,7 Prozent der Teilnehmer Herzrhythmusst\u00f6rungen auf, wobei 0,4 Prozent eine Sinustachykardie hatten. Es bestand dennoch auch hier eine geringe, jedoch signifikante Assoziation zwischen der t\u00e4glichen Alkoholmenge und Sinustachykardie.  <\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit hierf\u00fcr erh\u00f6hte sich um drei Prozent pro zus\u00e4tzlichem Gramm Alkohol pro Tag. \"Wir best\u00e4tigten den Zusammenhang zwischen Sinustachykardie und chronischem Alkoholkonsum in der KORA Studie. Zwar war der Effekt deutlich schw\u00e4cher verglichen mit dem Einfluss von akutem Alkoholkonsum, dennoch konnten wir unsere Hauptergebnisse auf dem Oktoberfest best\u00e4tigen\", erg\u00e4nzt Dr. Sinner. <\/p>\n<h3>'Holiday Heart Syndrom' als Ausgangspunkt<\/h3>\n<p>\"Der Ausgangspunkt unserer Untersuchungen waren die nicht ausreichend schl\u00fcssigen Berichte \u00fcber das 'Holiday Heart Syndrom', das durch akuten Alkoholkonsum ausgel\u00f6ste Vorhofflimmern. \"In unserer Studie konnten wir zwar nicht unmittelbar nachweisen, dass es aufgrund von akutem Alkoholkonsum sofort zu Vorhofflimmern kommt. Jedoch fanden wir eine sehr starke und robuste Assoziation mit zwischen Alkohol und Herzrhythmusst\u00f6rungen, die als Vorstufe von Vorhofflimmern angesehen werden k\u00f6nnen\", geben die Autoren an. <\/p>\n<p>Insbesondere zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Ver\u00e4nderungen in den atemabh\u00e4ngigen Schwankungen der Herzrate, der sogenannten respiratorischen Sinusarrhythmie. Die respiratorische Sinusarrhythmie spiegelt ein Ungleichgewicht in der autonomen Nervenversorgung des Herzens wider \u2013 also im unbewussten Kontrollsystem, welches die K\u00f6rperfunktionen wie Herzschlag oder Atmung kontrolliert.  <\/p>\n<p>\"Es ist bekannt, dass Vorhofflimmern auftreten kann, wenn Patienten eine durch ein autonomes Ungleichgewicht ausgel\u00f6ste Sinustachykardie entwickeln\", sagt Dr. Sinner. \"Unsere Studie konnte das 'Holiday Heart Syndrom' nicht prospektiv beweisen, aber sie wird Klinikern und Wissenschaftlern helfen, die Ver\u00e4nderungen im Kreislauf besser einzuordnen. Au\u00dferdem haben wir die Voraussetzungen f\u00fcr weitere Forschung auf diesem Gebiet geschaffen. Hierzu sind bereits mehrere Nachfolgestudien in Arbeit.\"  <\/p>\n<h3>Zeitlich begrenzter Effekt der Herzrhythmusst\u00f6rungen? <\/h3>\n<p>Die Forscher hegen den Verdacht, dass die auf dem Oktoberfest erfassten Herzrhythmusst\u00f6rungen oftmals nur zeitlich begrenzt waren und diese zu einem Ende kamen, wenn die Teilnehmer wieder n\u00fcchtern wurden. Sicher ist dies jedoch nicht, da die EKGs nur einmalig registriert wurden. Sollten Teilnehmer bereits eine zugrundeliegende Herzerkrankung aufweisen, k\u00f6nnte die durch den Alkohol ausgel\u00f6ste Herzrhythmusst\u00f6rung auch fortdauern. \"Um diese Fragen endg\u00fcltig beantworten zu k\u00f6nnen, werden wir weitere Forschungsergebnisse mit l\u00e4ngerer Erfassung des EKGs nach Alkoholkonsum ben\u00f6tigen\", fassen die Autoren zusammen. <\/p>\n<h3>H\u00e4ufigkeit von Herzrhythmusst\u00f6rungen in der Allgemeinbev\u00f6lkerung <\/h3>\n<p>Die H\u00e4ufigkeit der Herzrhythmusst\u00f6rungen in der Allgemeinbev\u00f6lkerung liegt bei ca. 1 bis 4 Prozent. In ihrer Studie fanden die Forscher Herzrhythmusst\u00f6rungen bei 30,5 Prozent der Teilnehmer. In 25,9 Prozent der F\u00e4lle lag dabei eine sogenannte Sinustachykardie vor, bei der das Herz schneller als normal schl\u00e4gt. Die Atemalkoholkonzentration war dabei signifikant mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Herzrhythmusst\u00f6rungen in Verbindung zu bringen: pro zus\u00e4tzlichem Gramm pro Kilogramm Alkohol erh\u00f6hte sich das Risiko f\u00fcr Herzrhythmusst\u00f6rungen um 75 Prozent. <\/p>\n<h3>Warum das wichtig ist<\/h3>\n<p>Die Ergebnisse sind deshalb von besonderer Bedeutung, da Mediziner seit langem vermuten, dass durch Alkohol ausgel\u00f6ste Herzrhythmusst\u00f6rungen unter Umst\u00e4nden zu Vorhofflimmern f\u00fchren k\u00f6nnen. Besteht Vorhofflimmern \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum, k\u00f6nnen Schlaganf\u00e4lle oder eine Herzschw\u00e4che die Folge sein. Dieser vermutete Zusammenhang zwischen dem Genuss gro\u00dfer Alkoholmengen \u00fcber einen kurzen Zeitraum und dem Auftreten von Herzrhythmusst\u00f6rungen bei sonst eigentlich Herzgesunden wird als (das oben bereits erw\u00e4hnte) \"Holiday Heart Syndrome\" bezeichnet. Nun gibt es also einige Ergebnisse, auf denen man aufbauen kann. <\/p>\n<p>Erkenntnis: Im Einklang mit Ludwig Erhard gilt 'Ma\u00df halten' \u2013 ein Gl\u00e4schen in Ehren, wird niemand einem Gesunden verwehren \u2013 von einem oder mehreren Ma\u00df Bier steht in diesem Spruch nichts. Wer dagegen bereits Vorerkrankungen hat, sollte auf Alkoholkonsum verzichten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die M\u00fcnchener Wiesn gilt ja als eines der gr\u00f6\u00dften Volksfeste weltweit. Und von den Teilnehmern wird kr\u00e4ftig Bier konsumiert. Das Alkohol in gro\u00dfen Mengen genossen, nicht gesundheitsf\u00f6rderlich ist, wei\u00df man. 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