{"id":30044,"date":"2026-06-16T00:02:48","date_gmt":"2026-06-15T22:02:48","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=30044"},"modified":"2026-06-15T11:32:33","modified_gmt":"2026-06-15T09:32:33","slug":"hautkrebs-screening-senkt-sterblichkeit-fuer-schwarzen-hautkrebs-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/06\/16\/hautkrebs-screening-senkt-sterblichkeit-fuer-schwarzen-hautkrebs-nicht\/","title":{"rendered":"Hautkrebs-Screening senkt Sterblichkeit f\u00fcr schwarzen Hautkrebs nicht"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Gesundheit-klein.jpg\" alt=\"Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)\" width=\"200\" border=\"0\" \/>Deutschland ist das einzige Land auf der Welt mit einem bev\u00f6lkerungsweiten Hautkrebsscreening. Der Nutzen ist seit Jahren umstritten und dieses Screening soll als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen abgeschafft werden. Eine OFFIS-Studie weckt neue Zweifel, da das Screening die Sterblichkeit bei schwarzem Hautkrebs, im Vergleich zu L\u00e4ndern ohne Screening, nicht senkt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Hautkrebsscreening ab 35 Jahren<\/h2>\n<p>In Deutschland k\u00f6nnen gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre ein sogenanntes Hautkrebsscreening beim Arzt in Anspruch nehmen. Das wird von der zust\u00e4ndigen gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. So sollen Anzeichen von Hautkrebs fr\u00fchzeitig erkannt werden, um dann eine Behandlung einzuleiten.<\/p>\n<p>Dieses fl\u00e4chendeckende Hautkrebsscreening ist aber hoch umstritten, da es Kosten verursacht, ohne dass, laut Kritikern, ein Nutzen erkennbar ist. Im Rahmen der Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen ist auch geplant, das Hautkrebsscreening aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen &#8211; Patienten k\u00f6nnten dann das Screening als IGEL-Paket beim Arzt in Anspruch nehmen und dann selbst zahlen.<\/p>\n<h2>Neue OFFIS-Studie weckt Zweifel an Wirksamkeit<\/h2>\n<p>Die Anfang Juni 2026 in JAMA Dermatology ver\u00f6ffentlichte Studie <a href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jamadermatology\/article-abstract\/2849622\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Population Skin Cancer Screening and Melanoma Mortality Rates<\/a> hat einige Diskussionen \u00fcber den Sinn des Hautkrebsscreening ausgel\u00f6st. Was ist Sache?\u00a0Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Klinischen Landesauswertungsstelle Niedersachsen (KLast), des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) haben die Wirksamkeit des Hautkrebsscreening untersucht.<\/p>\n<p>Das Team um Privatdozent Dr. Dr. Joachim H\u00fcbner, Leiter der Klinischen Landesauswertungsstelle, ging von einer einfachen Annahme aus: Wenn das Hautkrebsscreening den erhofften Nutzen hat, m\u00fcsste sich die Melanomsterblichkeit in Deutschland seit der Einf\u00fchrung des Screenings im Jahr 2008 g\u00fcnstiger entwickelt haben als in den neun Nachbarl\u00e4ndern, in denen es kein entsprechendes Programm gibt.<\/p>\n<p>Diese Erwartung best\u00e4tigte sich nicht. Im Beobachtungszeitraum 2009 bis 2022 zeigten die Trends in allen untersuchten L\u00e4ndern einen R\u00fcckgang der Sterblichkeit \u2013 im Durchschnitt um ca. 2% j\u00e4hrlich. Im Gruppenvergleich fiel der R\u00fcckgang in Deutschland sogar (trotz Screening) etwas schw\u00e4cher aus als in den Nachbarl\u00e4ndern.<\/p>\n<h2>Entt\u00e4uschendes Ergebnis<\/h2>\n<p>\"Das Ergebnis ist entt\u00e4uschend\", wird Dr. Dr. Joachim H\u00fcbner in dieser Meldung des Informationsdiensts Wissenschaft (idw) zitiert. \"Bereits fr\u00fchere Untersuchungen konnten keinen eindeutigen Nutzen des Screenings zeigen. Allerdings sind die methodischen Herausforderungen eines solchen Nachweises nicht zu untersch\u00e4tzen.\" Ein naheliegender Forschungsansatz sei, die Sterblichkeit von Personen, die am Screening teilnehmen, mit der Sterblichkeit von Nichtteilnehmenden zu vergleichen.<\/p>\n<h3>Problem der Studien<\/h3>\n<p>Dieses Vorgehen ist in klinischen Studien \u00fcblich, hei\u00dft es. Da solche Studien aber extrem aufwendig sind, haben fr\u00fchere Studien Routinedaten aus der Versorgung genutzt. Dabei hat sich gezeigt, dass ein entscheidendes Detail in den Abrechnungsdaten nicht zuverl\u00e4ssig abgebildet ist. Es bleibt unklar, ob es sich bei der dokumentierten Untersuchung um ein anlassloses Screening gehandelt hat oder ob jemand wegen einer verd\u00e4chtigen Hautver\u00e4nderung untersucht wurde.<\/p>\n<h3>Sterblichkeit als Untersuchungskriterium<\/h3>\n<p>Die neue Studie, die nicht Personen, sondern L\u00e4nder mit und ohne allgemeines Screeningangebot vergleicht, vermeidet dieses Abgrenzungsproblem. \"Nat\u00fcrlich ist auch unsere Studie nicht frei von m\u00f6glichen Fehlerquellen\", sagt H\u00fcbner. \"Die Aussagekraft unserer Ergebnisse h\u00e4ngt davon ab, dass Deutschland und die Nachbarl\u00e4nder in Bezug auf andere Faktoren, die die Entwicklung der Sterblichkeit beeinflussen k\u00f6nnen, vergleichbar sind. Zu denken ist etwa an den Einsatz neuer Medikamente zur Behandlung des metastasierten Melanoms. Wir konnten diesen Einfluss zumindest ansatzweise kontrollieren, indem wir zus\u00e4tzliche Analysen f\u00fcr Teilzeitr\u00e4ume durchgef\u00fchrt haben.\"<\/p>\n<p>Unter dem Strich bleibt aber das Ergebnis der Studie: Die Sterblichkeit bei schwarzem Hautkrebs hat sich in Deutschland, trotz Hautkrebsscreening, im Vergleich zu den Nachbarl\u00e4ndern ohne Screening, nicht reduziert.<\/p>\n<h3>Unklar, warum das Ergebnis so schlecht ausf\u00e4llt<\/h3>\n<p>Warum Deutschland trotz des Hautkrebsscreenings keine g\u00fcnstigere Entwicklung zeigt, l\u00e4sst sich auf Grundlage der Studie nicht beantworten, hei\u00dft es.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Arzt\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/J3cUMGL.jpg\" alt=\"Arzt\" width=\"467\" height=\"622\" data-cmp-info=\"10\" \/><br \/>\n(Quelle: Pexels\/Pixabay CC0 Lizenz)<\/p>\n<p>Die Forschenden diskutieren verschiedene m\u00f6gliche Ursachen. \"Es ist denkbar, dass die Untersuchung im Praxisalltag nicht immer mit der erforderlichen Qualit\u00e4t durchgef\u00fchrt wird\", deutet Prof. Dr. Alexander Katalinic, Direktor des Instituts f\u00fcr Sozialmedizin und Epidemiologie der Universit\u00e4t zu L\u00fcbeck und Koautor der Studie, an. Als weiterer m\u00f6glicher Grund\u00a0 f\u00fcr das Ergebnis wird auch folgendes in Erw\u00e4gung gezogen: \"M\u00f6glicherweise erreicht das Screeningangebot auch nicht die Menschen, die davon am meisten profitieren k\u00f6nnten. Wenn vor allem Menschen mit niedrigem Risiko teilnehmen, muss der Erfolg des Screenings begrenzt bleiben.\"<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist das einzige Land auf der Welt mit einem bev\u00f6lkerungsweiten Hautkrebsscreening. Der Nutzen ist seit Jahren umstritten und dieses Screening soll als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen abgeschafft werden. 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