{"id":30309,"date":"2026-07-29T00:03:15","date_gmt":"2026-07-28T22:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=30309"},"modified":"2026-07-24T11:29:11","modified_gmt":"2026-07-24T09:29:11","slug":"lichtschwaechster-jemals-von-der-erde-aus-fotografierter-planet-nach-ueber-zehn-jahren-versteckspiel-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/07\/29\/lichtschwaechster-jemals-von-der-erde-aus-fotografierter-planet-nach-ueber-zehn-jahren-versteckspiel-entdeckt\/","title":{"rendered":"Lichtschw\u00e4chster jemals von der Erde aus fotografierter Planet nach \u00fcber zehn Jahren Versteckspiel entdeckt"},"content":{"rendered":"<p>Ein Team aus Astronominnen und Astronomen hat einen dritten Planeten entdeckt, der den Stern Beta Pictoris umkreist. Der neue Planet, Beta Pictoris d, ist einhundertmal lichtschw\u00e4cher als Beta Pictoris b \u2013 der erste in diesem System entdeckte Planet \u2013 und geh\u00f6rt zu den masse\u00e4rmsten Exoplaneten, die jemals von der Erde aus direkt abgebildet werden konnten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nachdem das Team den Planeten mithilfe des Very Large Telescope der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO-VLT) aufgesp\u00fcrt hatte, stellte sich heraus, dass er sich \u00fcber ein Jahrzehnt lang in Archivdaten verborgen hatte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Planet Beta Pictoris b\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/d1Wk452d\/image.png\" alt=\"Planet Beta Pictoris b\" width=\"496\" height=\"300\" \/><br \/>\nPlanet Beta Pictoris b, Quelle: EESO\/B. Sutlieff, M. Bonse et al.<\/p>\n<p>\"Dies war eine Zufallsentdeckung\", <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2609\/?nolang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sagt<\/a> Ben Sutlieff, Co-Leiter der heute in den The Astrophysical Journal Letters ver\u00f6ffentlichten Studie und Astronom an der Universit\u00e4t Edinburgh (Gro\u00dfbritannien). \"Eigentlich wollten wir einen bereits bekannten Planeten in dem System, Beta Pictoris b, genauer untersuchen, um dessen zeitliche Ver\u00e4nderung zu untersuchen\", f\u00fcgt er hinzu. Als das Team jedoch mit der Analyse der Bilder des Systems begann, bemerkte es abseits von Beta Pictoris b ein weiteres Signal, das die Forschung in eine v\u00f6llig neue Richtung lenkte.<\/p>\n<p>\"Da ist noch etwas, hast du das gesehen?'\", erinnert sich Markus Bonse, ESO-Astronom in Deutschland und der andere Co-Leiter der Studie, an seine Worte beim Blick auf die Daten. Um abzusichern, worum es sich bei dem nachgewiesenen Objekt genau handelt, durchsuchte das Team das ESO-Archiv, einen Katalog fr\u00fcherer Beobachtungen mit ESO-Teleskopen. Sie fanden den neuen Planeten Beta Pictoris d auf mehreren Aufnahmen, die bis zu elf Jahre zur\u00fcckreichen \u2013 darunter eine, auf der er sich nur m\u00fchsam gegen das blendende Licht seines gr\u00f6\u00dferen Nachbarn Beta Pictoris b durchsetzen konnte. \"Planet d hat mit uns offenbar \u00fcber ein Jahrzehnt lang Verstecken gespielt, und erst jetzt k\u00f6nnen wir sagen: \u201aHab dich!'\", sagt Jayne Birkby, Co-Autorin der Studie und Astronomin an der Universit\u00e4t Oxford (Gro\u00dfbritannien).<\/p>\n<p>Der neu entdeckte Planet ist, wie die beiden anderen im System, ein Gasriese, \u00e4hnlich wie Jupiter oder Saturn. Allerdings hat Beta Pictoris d eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Umlaufbahn als die Planeten Beta Pictoris b und Beta Pictoris c. W\u00e4hrend die beiden ersten Planeten jeweils etwa die zehnfache Masse des Jupiters aufweisen, besitzt der neue Himmelsk\u00f6rper nur die 2,4-fache Jupitermasse. Damit ist er einer der masse\u00e4rmsten Planeten, die je von der Erde aus direkt abgebildet werden konnten. Der Planet ist zudem vergleichsweise kalt und leuchtet daher im Vergleich zu seinem Zentralstern extrem schwach.<\/p>\n<p>Die direkte Abbildung, bei der das Licht eines Objekts wie auf einer Fotografie eingefangen wird, funktioniert nur bei Planeten, die hell genug sind, um sich neben ihren weitaus helleren Zentralsternen abzuheben. Ein direktes Bild eines so lichtschwachen Planeten wie Beta Pictoris d aufzunehmen, ist daher ein bedeutender Erfolg. \u201eDer neue Planet ist einhundertmal lichtschw\u00e4cher als Beta Pictoris b, der ber\u00fchmte Planet im selben System. Das macht ihn zum lichtschw\u00e4chsten Exoplaneten, der jemals direkt von der Erde aus fotografiert wurde\", erkl\u00e4rt Bonse.<\/p>\n<p>Ber\u00fccksichtigt man die Entfernung des Systems, ist Beta Pictoris d der lichtschw\u00e4chste jemals von der Erde aus direkt abgebildete Exoplanet. Das bedeutet, dass er die geringste absolute Helligkeit besitzt (was ausschlie\u00dflich auf seine Gr\u00f6\u00dfe und Temperatur zur\u00fcckzuf\u00fchren ist) und nicht die geringste scheinbare Helligkeit (bei der auch die Entfernung zur Helligkeitsabnahme beitr\u00e4gt).<\/p>\n<p>Diese erste eindeutige Detektion von Beta Pictoris d, der 63 Lichtjahre von uns entfernt ist, gelang Sutlieff, Bonse und ihrem Team mithilfe des ERIS-Instruments am VLT. Ein unabh\u00e4ngiges Team unter der Leitung von Aidan Gibbs an der University of California (USA) entdeckte denselben Planeten ebenfalls mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST), einer Gemeinschaftseinrichtung der US-amerikanischen, europ\u00e4ischen und kanadischen Weltraumbeh\u00f6rden. Ihre Ergebnisse wurden heute ebenfalls in den The Astrophysical Journal Letters ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Um die Entdeckung eines Planeten abzusichern, m\u00fcssen Astronominnen und Astronomen normalerweise Nachfolgebeobachtungen durchf\u00fchren. Dieses System war jedoch bereits intensiv untersucht worden, sodass in den Wissenschaftsarchiven von ESO und JWST zahlreiche Aufnahmen vorlagen. \"Zu unserer Freude tauchte er pl\u00f6tzlich in fr\u00fcheren SPHERE-Beobachtungen auf\", sagt Birkby und bezieht sich dabei auf ein anderes VLT-Instrument, das zuvor zur Untersuchung des Beta-Pictoris-Systems eingesetzt worden war. Der Planet wurde auch in Archivdaten von NIRCam, einem JWST-Instrument, aufgesp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Da das Team nun wusste, wo es nach dem potenziellen neuen Planeten suchen musste, \"stellte sich heraus, dass er sich die ganze Zeit in den Daten versteckt hatte!\", so Birkby. Co-Autor Valentin Christiaens, Forscher am CEA Paris-Saclay (Frankreich), f\u00fcgt hinzu: \u201eDie Nachweise in den SPHERE-Archivdaten sind nicht nur an sich hochgradig spannend, sie zeigen vor allem auch, dass in den Archiven der VLT-Instrumente noch etliche Sch\u00e4tze verborgen liegen!\"<\/p>\n<p>Beta Pictoris ist nach HR 8799 erst das zweite System, in dem mehr als zwei Planeten direkt abgebildet werden konnten. \"Systeme mit mehreren direkt abgebildeten Exoplaneten gelten als die Kr\u00f6nung solcher Entdeckungen. Sie verraten uns viel dar\u00fcber, wie sich unterschiedliche Exoplaneten in ein und derselben Entstehungsumgebung entwickeln\", sagt Sutlieff.<\/p>\n<p>Beta Pictoris geh\u00f6rt zu einer Gruppe von Sternen gleichen Alters, die gemeinsam entstanden sind und von denen einige ebenfalls Planeten besitzen. Beta Pictoris d scheint fast ein Zwilling eines dieser Planeten, 51 Eridani b, zu sein. Dies erm\u00f6glicht es Astronomen, beide Objekte als Referenzpunkte zu nutzen, um ihre Modelle zur Entstehung und zeitlichen Entwicklung von Planeten abzusichern.<\/p>\n<p>Beta Pictoris d l\u00f6st zudem ein R\u00e4tsel in seinem Planetensystem, da er genau die richtige Masse und Position besitzt, um die auff\u00e4llige Form der umgebenden Tr\u00fcmmerscheibe zu erkl\u00e4ren, die aus den \u00dcberresten der Planetenentstehung besteht.<\/p>\n<p>Die Entdeckung von Beta Pictoris d auf diesem Weg macht Mut f\u00fcr weitere direkte Abbildungen von Planetensystemen, in denen sich lichtschwache Planeten unbemerkt vor aller Augen verborgen haben k\u00f6nnten \u2013 unter anderem mit dem zuk\u00fcnftigen Extremely Large Telescope (ELT) der ESO. \"Planeten scheinen in Gesellschaft aufzutreten\", sagt Beth Biller, ebenfalls Co-Autorin der Arbeit und Astronomin an der Universit\u00e4t Edinburgh. \u201eViele der bekannten Systeme mit direkt abgebildeten Exoplaneten beherbergen mehrere Riesenplaneten. Wahrscheinlich verbergen sich in diesen Systemen noch weitere Planeten mit geringerer Masse, die mit den Instrumenten des ELT sichtbar gemacht werden k\u00f6nnten.\"<\/p>\n<p>Diese Forschungsarbeiten werden in einem Fachartikel in den The Astrophysical Journal Letters erscheinen (https:\/\/doi.org\/10.3847\/2041-8213\/ae80a0).\u00a0An der Publikation unter der gemeinsamen Leitung von B. J. Sutlieff und M. J. Bonse sind mehr als 90 Autorinnen und Autoren aus aller Welt beteiligt, darunter aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, der Schweiz, Gro\u00dfbritannien und Chile.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Team aus Astronominnen und Astronomen hat einen dritten Planeten entdeckt, der den Stern Beta Pictoris umkreist. 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