{"id":30357,"date":"2026-08-04T00:03:44","date_gmt":"2026-08-03T22:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=30357"},"modified":"2026-07-31T15:49:47","modified_gmt":"2026-07-31T13:49:47","slug":"40-000-jahre-alte-mini-voegel-aus-elfenbein-in-eiszeithoehle-hohle-fels-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/08\/04\/40-000-jahre-alte-mini-voegel-aus-elfenbein-in-eiszeithoehle-hohle-fels-entdeckt\/","title":{"rendered":"40.000 Jahre alte Mini-V\u00f6gel aus Elfenbein in Eiszeith\u00f6hle \"Hohle Fels\" entdeckt"},"content":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte und die \"Sensation des Jahres\" f\u00fcr die Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Einem arch\u00e4ologischen Team der Universit\u00e4t T\u00fcbingen ist in der Eiszeith\u00f6hle \"Hohle Fels\" bei Schelklingen ein spektakul\u00e4rer Fund gelungen: Zwei 40.000 Jahre alte Mini-V\u00f6gel aus Elfenbein. Die Funde aus 2025 wurde Ende Juni 2026 der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Karsth\u00f6hle <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hohler_Fels\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hohler Fels<\/a> liegt etwa einen Kilometer \u00f6stlich des Stadtkerns von Schelklingen im baden-w\u00fcrttembergischen Alb-Donau-Kreis in Deutschland. Die H\u00f6hle besteht aus einem 30 Meter langen Gang und der darauffolgenden Halle, aus der zu beiden Seiten ein jeweils etwas \u00fcber 20 m langer Gang auszweigt. Die H\u00f6hlenhalle ist mit bis zu 30 m H\u00f6he, 500 m\u00b2 Grundfl\u00e4che und einem Rauminhalt von 6000 m\u00b3 eine der gr\u00f6\u00dften der Schw\u00e4bischen Alb.<\/p>\n<p>Die H\u00f6hle ist seit dem 19. Jahrhundert einer der bedeutendsten arch\u00e4ologischen Fundpl\u00e4tze des Jungpal\u00e4olithikums in Mitteleuropa. Die Wikipedia listet die Funde, die 1830 begannen, als der T\u00f6pfer Karl Friedrich Rixinger in der H\u00f6hle beim Graben nach Lehm und Tonerde auf Knochen von H\u00f6hlenb\u00e4ren stie\u00df, auf.<\/p>\n<p>2025 wurden in den unteren Aurignacien-Schichten zwei etwa 40.000 Jahre alte Vogelfiguren aus Mammutelfenbein geborgen und 2026 vorgestellt. Eine Figur zeigt einen ruhenden, m\u00f6glicherweise br\u00fctenden Vogel. Die zweite Figur zeigt einen Vogel mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln; der linke Fl\u00fcgel ist abgebrochen. Parallele Ritzlinien stellen das Federkleid dar. Mit einer L\u00e4nge von etwa zwei Zentimetern gilt sie als das kleinste bislang bekannte Eiszeitkunstwerk der UNESCO-Welterbe-Region<\/p>\n<h2>Der Fund der beiden V\u00f6gel<\/h2>\n<p>In <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/universitaet\/aktuelles-und-publikationen\/pressemitteilungen\/newsfullview-pressemitteilungen\/article\/zwei-vogelfiguren-sind-fund-des-jahres-aus-der-unesco-welterbehoehle-hohle-fels\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Mitteilung<\/a> der Universit\u00e4t T\u00fcbingen spricht man von einer spektakul\u00e4ren Entdeckung in der UNESCO-Welterbe-H\u00f6hle Hohle Fels auf der Schw\u00e4bischen Alb. Die zwei aus Mammutelfenbein geschnitzte Vogelfiguren sind kaum mehr als daumennagelgro\u00df und detailreich gestaltet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Figuren von V\u00f6geln\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/Pqt3dPR7\/image.png\" alt=\"Figuren von V\u00f6geln\" width=\"640\" height=\"516\" \/><\/p>\n<p>Geborgen wurden sie von einem arch\u00e4ologischen Team der Universit\u00e4t T\u00fcbingen aus den unteren Schichten der altsteinzeitlichen Kultur des Aurignaciens, die auf 40.000 Jahre vor heute datiert werden. Diese Schichten haben sich als enorm fundreich f\u00fcr die \u00e4lteste fig\u00fcrliche Kunst der Menschheit erwiesen.<\/p>\n<p>Bei den neuesten Funden handelt es sich um eine fast vollst\u00e4ndige Darstellung eines ruhenden, vielleicht br\u00fctenden, Vogels und um die Darstellung eines Vogels mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln, dessen linker Fl\u00fcgel jedoch abgebrochen ist und aufgrund fehlender Teile nicht angesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Ob die Figuren aus einer Hand stammen oder ob sie in unterschiedlichen Generationen geschaffen wurden, ist unklar, da sie zwar in der gleichen Schicht, aber etwa eineinhalb Meter voneinander entfernt aufgefunden wurden.<\/p>\n<p>\"Die Figurinen f\u00fchren uns aber vor Augen, dass die Schnitzerinnen und Schnitzer der \u00e4ltesten Kunst der Welt V\u00f6gel auf vielf\u00e4ltige und extrem filigrane Weise darstellen konnten und bestimmte Motive f\u00fcr bestimmte Fundst\u00e4tten spezifisch zu sein scheinen\", sagte Forschungsleiter Professor Nicholas Conard aus der Ur- und Fr\u00fchgeschichte der Universit\u00e4t T\u00fcbingen bei der Pr\u00e4sentation der Vogelfiguren als \"Fund des Jahres\" am 27. Juli 2026 in Blaubeuren.<\/p>\n<h2>Arg kleine Figuren<\/h2>\n<p>Die neu entdeckten Figuren der beiden V\u00f6gel sind ausgesprochen klein. Mit zwei Zentimetern L\u00e4nge, einem Zentimeter Breite und einem halben Zentimeter H\u00f6he ist der Vogel mit den ausgebreiteten Fl\u00fcgeln sogar das kleinste aller bisher bekannten Eiszeitkunstwerke der Welterbe-Region. Die meisten anderen Eiszeitfiguren weisen Ma\u00dfe zwischen drei und neun Zentimetern auf.<\/p>\n<p>Trotz ihrer geringen Gr\u00f6\u00dfe sind die V\u00f6gel au\u00dfergew\u00f6hnlich sorgf\u00e4ltig ausgearbeitet: So hat der ruhende Vogel auff\u00e4llige runde Augen, der andere Vogel einen markanten Schnabel sowie parallele Markierungen auf den Fl\u00fcgeln, die das Federkleid des Vogels wiedergeben.<\/p>\n<p>\"Hier ist dem Mammutsto\u00dfzahn nicht nur irgendeine vereinfachte Form eines Vogelk\u00f6rpers abgerungen worden\", meint Conard, \"hier wurden exakte Naturbeobachtungen in Figuren umgesetzt, deren Detailreichtum selbst eine Auseinandersetzung mit den Fragen erm\u00f6glicht, welche Vogelart dargestellt ist und was diese tut.\"<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Mehrheit der eiszeitlichen Tierfiguren in einer statischen Haltung wiedergegeben ist, zeigen die Vogelfiguren spezifische Verhaltensweisen. So deutet das Team um Professor Conard den ruhenden Vogel wegen seiner ausgebreiteten und flachrundlichen Haltung mit stark an den K\u00f6rper herangezogenem Kopf und eingezogenen Beinen als m\u00f6glicherweise br\u00fctend.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Tier mit den weit ausgef\u00e4cherten Fl\u00fcgeln und dem lang gestreckten Hals reichen die Interpretationen von fliegend oder auf dem Wasser landend \u00fcber drohend bis hin zu balzendem Imponieren. Ebenso wenig wie die K\u00f6rpersprache der Tiere l\u00e4sst sich die Vogelart mit Sicherheit bestimmen. M\u00f6glicherweise handelt es sich um Schneeh\u00fchner, deren Knochenreste im Grabungsbefund der Region h\u00e4ufig vorkommen; aber auch andere fasanenartige V\u00f6gel wie das Auerhuhn oder bestimmte Greifvogelarten ziehen die Wissenschaftler in Betracht.,<\/p>\n<h3>Echte Leichtgewichte aus den Eiszeit-Ateliers<\/h3>\n<p>\"Mit nur knapp 1,3 und 0,7 Gramm sind die beiden neu entdeckten Elfenbeinv\u00f6gel echte Leichtgewichte\", sagt Conard, \u201eaber sie stellen uns vor viele spannende wissenschaftliche Fragen.\" Nur eine weitere davon sei zu ermessen, was die V\u00f6gel den eiszeitlichen J\u00e4gern und Sammlern tats\u00e4chlich bedeutet haben k\u00f6nnten \u2212 etwa als individueller Talisman oder als identit\u00e4tsstiftendes Gruppensymbol. Auch ungekl\u00e4rt sei die Frage, warum die Menschen am Hohle Fels bei Schelklingen im Achtal vor 40.000 Jahren gerade V\u00f6gel so besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich habe die H\u00f6hle mit dem vor einem Vierteljahrhundert ebendort ausgegrabenen Wasservogel nun gleich drei Vogeldarstellungen aufzuweisen, w\u00e4hrend an den anderen drei Fundpl\u00e4tzen eiszeitlicher Kunstwerke im UNESCO-Welterbe-Gebiet zwar eine Vielzahl imposanter Tierdarstellungen wie Mammut, H\u00f6hlenl\u00f6we oder Wildpferd gefunden wurde \u2212 darunter aber kein einziger Vogel, berichtet Conard: \"Wir erkennen daher zusehends, dass die Menschen individuelle Werke fertigten, f\u00fcr die sie je nach Elfenbeinwerkst\u00e4tte auf unterschiedliche Motive zur\u00fcckgriffen \u2013 jede Fundstelle tr\u00e4gt dadurch ihre eigene einzigartige Signatur.\"<\/p>\n<h3>Ausstellung bis April 2027<\/h3>\n<p>Die Figuren werden bis zum 4. April 2027 in unmittelbarer N\u00e4he ihres Fundorts im Blaubeurer Museum f\u00fcr Urgeschichte und Eiszeitkunst (urmu) in der Ausstellung \u201eFederleicht und Forschungsschwer \u2013 Entdecke die Miniaturv\u00f6gel der Eiszeitkunst\" pr\u00e4sentiert. \u201eUnsere Landschaft hier bot immer schon unterschiedlichsten Vogelarten einen Lebensraum, sie hat heute mit dem Schmiechener See sogar ein Europ\u00e4isches Vogelschutzgebiet\", sagt Dr. Stefanie K\u00f6lbl, gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin im urmu, \u201eauch vor 40.000 Jahren waren V\u00f6gel immer pr\u00e4sent: Sie begr\u00fc\u00dften den Tag mit Gezwitscher, sie k\u00fcndigten mit ihrem Zug gen S\u00fcden den Jahreszeitenwechsel an, sie warnten als aufgeschreckte Schw\u00e4rme vor Gefahr. Ihren Gesang konnten die Menschen auf Knochenfl\u00f6ten imitieren \u2026 wie wunderbar, dass sie diese bezaubernden Gesch\u00f6pfe auch so lebhaft in Elfenbein geformt haben.\" Kostenlose F\u00fchrungen zum \u201eFund des Jahres\" gibt es am Samstag, 1. August, und Sonntag, 2. August, jeweils um 14.30 Uhr.<\/p>\n<p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeith\u00f6hlen, die von der UNESCO 2017 zum Welterbe \u201eH\u00f6hlen und Eiszeitkunst der Schw\u00e4bischen Alb\" ernannt wurden. Das Museum f\u00fcr altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-W\u00fcrttemberg und Forschungsmuseum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen erkl\u00e4rt das eiszeitliche Leben der J\u00e4ger und Sammler am Rand der Schw\u00e4bischen Alb vor 40.000 Jahren. H\u00f6hepunkte sind die \u00e4lteste Kunst und die \u00e4ltesten Musikinstrumente der Menschheit mit Originalfunden aus der Region. Prominentestes Exponat ist das Original der \u201eVenus vom Hohle Fels\".<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte und die \"Sensation des Jahres\" f\u00fcr die Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Einem arch\u00e4ologischen Team der Universit\u00e4t T\u00fcbingen ist in der Eiszeith\u00f6hle \"Hohle Fels\" bei Schelklingen ein spektakul\u00e4rer Fund gelungen: Zwei 40.000 Jahre alte Mini-V\u00f6gel aus Elfenbein. 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