{"id":30382,"date":"2026-08-10T00:02:58","date_gmt":"2026-08-09T22:02:58","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=30382"},"modified":"2026-08-04T20:37:36","modified_gmt":"2026-08-04T18:37:36","slug":"neuentdeckung-eines-sogenannten-exomondes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/08\/10\/neuentdeckung-eines-sogenannten-exomondes\/","title":{"rendered":"Neuentdeckung eines sogenannten Exomondes"},"content":{"rendered":"<p>Krasse Geschichte: Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO-VLT) liefern Hinweise auf ein mond\u00e4hnliches Objekt im System CD-35 2722. Im Gegensatz zu den Monden in unserem Sonnensystem umkreist das neu entdeckte Objekt keinen Planeten, was Fragen bez\u00fcglich seiner Bezeichnung aufwirft. Stattdessen zieht es seine Bahn um einen Braunen Zwerg \u2013 ein Objekt, das gr\u00f6\u00dfer als ein Planet ist und selbst den Stern CD-35 2722 umkreist. Sollte sich die Entdeckung best\u00e4tigen, k\u00f6nnte dies als der erste Nachweis eines \"Mondes\" au\u00dferhalb unseres Sonnensystems gelten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Kevin Hoy, ESO-Student in Chile und Erstautor der im Juli 2026 (laut <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2610\/?nolang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Meldung<\/a>) in Nature ver\u00f6ffentlichten Studie, beschreibt das von ihm monatelang analysierte System als \u201esupermerkw\u00fcrdig\" im Vergleich zu unserem eigenen. Das gr\u00f6\u00dfte und massereichste Objekt in diesem jungen System ist der Stern CD-35 2722, der etwa die halbe Masse der Sonne besitzt. Der Stern wird von einem Braunen Zwerg umkreist \u2013 einem Objekt, das zu massereich f\u00fcr einen Planeten, aber zu klein f\u00fcr einen Stern ist. Das neu entdeckte Objekt umkreist wiederum diesen Braunen Zwerg.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/9QMJDc44\/image.png\" alt=\"Exomond\" width=\"625\" height=\"370\" \/><br \/>\nQuelle: ESO\/M. Kornmesser<\/p>\n<p>\u201eDieses System l\u00e4sst sich nur schwer mit Begriffen beschreiben, die auf dem Sonnensystem basieren, wie etwa \u201aPlanet' und \u201aMond'\", erkl\u00e4rt Hoy, der auch an der Universidad Diego Portales und dem Millennium Nucleus of Young Exoplanets and their Moons (YEMS) in Chile t\u00e4tig ist. Das neue Objekt, das das Team als Exosatelliten bezeichnet, besitzt mindestens die Masse des Jupiters, w\u00e4hrend der Braune Zwerg mehr als die 30-fache Jupitermasse aufweist. \u201eDer Exosatellit ist eindeutig massereich genug, um ein Planet zu sein. Er umkreist jedoch keinen Stern, sondern ein Objekt, das seinerseits einen Stern umkreist\", sagt Hoy. \u201eDass er in diesem System als drittes Mitglied dem Braunen Zwerg zuzuordnen ist, verleitet dazu, ihn als Mond zu bezeichnen \u2013 auch wenn er absolut nichts mit den kleinen, felsigen Monden in unserem System gemein hat.\"<\/p>\n<p>Dieser Exosatellit oder \u201eExomond\" \u2013 ein nat\u00fcrlicher Satellit au\u00dferhalb unseres Sonnensystems \u2013 l\u00e4sst sich aufgrund der Unterschiede dieses Systems zu unserem eigenen nur schwer einordnen. Alice Zurlo, YEMS-Direktorin und Mitwirkende in der Studie, f\u00fchrt aus: \u201eBei dem von uns beschriebenen Satelliten handelt es sich um einen gasf\u00f6rmigen Riesenk\u00f6rper, der einen \u00e4u\u00dferst massereichen Begleiter umkreist, welcher selbst ein Vielfaches der Jupitermasse besitzt.\"<\/p>\n<p>\u201eIm Sonnensystem haben wir eine klare Abgrenzung zwischen den Planeten und der Sonne, weshalb die Definition von Objekten wie Monden einfach ist. Im System CD-35 2722, in dem die Grenzen zwischen Sternen, Planeten und Monden verschwimmen, wird die Beschreibung des Ganzen wesentlich komplizierter\", erg\u00e4nzt Zurlo, die ebenfalls als Astrophysikerin an der Universidad Diego Portales forscht.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Benennung dieses Objekts versuchen Astronom*innen seit Jahren, Satelliten au\u00dferhalb unseres Sonnensystems nachzuweisen. Bislang konnte jedoch keiner zweifelsfrei best\u00e4tigt werden. Trotz der mehr als 6000 bisher entdeckten Exoplaneten wurden nur wenige Exomond-Kandidaten aufgesp\u00fcrt, und die Hinweise, die f\u00fcr sie sprechen, sind begrenzt. Erst vor wenigen Monaten berichtete ein Team um Quentin Kral \u00fcber Beobachtungen mit dem Very Large Telescope Interferometer der ESO im Sternsystem HD 206893, die Hinweise auf einen Satelliten ergaben, jedoch keinen eindeutigen Nachweis erbrachten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Beobachtungen von CD-35 2722 nutzten Hoy, Zurlo und ihr Team das Instrument CRIRES+ am VLT der ESO. Sie wandten dabei dieselbe Methode an, mit der einst der erste Exoplanet um einen sonnen\u00e4hnlichen Stern entdeckt wurde: Mithilfe dieser Radialgeschwindigkeitsmethode wiesen sie minimale Taumelbewegungen des Braunen Zwergs nach, die durch das ihn umkreisende Objekt verursacht werden. Das Team sieht darin eine starke Evidenz f\u00fcr diesen \u201eMond\". \u201eSo exotisch es auch sein mag: Dieses System ist wahrhaft einzigartig und stellt einen Durchbruch dar \u2013 den ersten plausiblen Nachweis eines Exosatelliten\", so Zurlo.<\/p>\n<p>\u00dcber die Faszination hinaus, neue Objektklassen zu entdecken, kann der Nachweis von Satelliten in anderen Planetensystemen dazu beitragen, die Vielfalt ihrer Entstehung und Entwicklung zu verstehen. Das kommende Extremely Large Telescope (ELT) der ESO wird mit seinem 39-Meter-Spiegel und seiner fortschrittlichen Instrumentierung in der Lage sein, auch kleinere Exomonde aufzusp\u00fcren. Entdeckungen mit dem ELT werden uns weiter dazu veranlassen, die Klassifikation planetarer Objekte aus Systemen, die sich von unserem unterscheiden, neu zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Diese Forschungsergebnisse wurden in einer Studie mit dem Titel \u201e<em>Planetary-Mass Exosatellite Detected Around a Star's Substellar Companion<\/em>\" pr\u00e4sentiert, die in\u00a0<em>Nature<\/em>\u00a0erscheint (DOI:\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41586-026-10751-w\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">10.1038\/s41586-026-10751-w<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krasse Geschichte: Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO-VLT) liefern Hinweise auf ein mond\u00e4hnliches Objekt im System CD-35 2722. 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