{"id":30667,"date":"2026-09-29T00:01:03","date_gmt":"2026-09-28T22:01:03","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=30667"},"modified":"2026-09-23T01:02:57","modified_gmt":"2026-09-22T23:02:57","slug":"eisenklumpen-aus-der-donau-stammen-aus-der-la-tene-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/09\/29\/eisenklumpen-aus-der-donau-stammen-aus-der-la-tene-zeit\/","title":{"rendered":"Eisenklumpen aus der Donau stammen aus der La-T\u00e8ne-Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Sensationsfund, der bei Baggerarbeiten am Ufer der Donau gemacht wurde. Was erst wie \"verrostete Eisenklumpen\" in Kies aussah, entpuppte sich als Eisenbarren aus der La-T\u00e8ne-Zeit (Mitte des 5. bis 1. Jahrhunderts v. Chr.). Es muss gut eine Tonne Eisen gewesen sein, welches vor \u00fcber 2000 Jahren dort mit einem Schiff unterging.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Zufallsfund beim Kiesabbau<\/h2>\n<p>Es war im Jahr 2019, als bei \u00a0Kiesab\u00adbau\u00adar\u00adbeiten an der Donau in Ober\u00ad\u00f6s\u00adter\u00adreich eine gro\u00dfe Menge verros\u00adteter Eise\u00adnob\u00adjekte entdeckt wurden. Zum 21. September 2026 gingen die Arch\u00e4ologen um Peter Treb\u00adsche von der Univer\u00adsit\u00e4t Inns\u00adbruck mit <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2026\/rostiger-schatz-aus-der-donau-gibt-einblick-in-prahistorische-ei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ihren Erkenntnissen<\/a> an die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2026\/rostiger-schatz-aus-der-donau-gibt-einblick-in-prahistorische-ei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Eisenfund in der Donau\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/bJF1Kqd8\/image.png\" alt=\"Eisenfund in der Donau\" width=\"640\" height=\"533\" \/><\/a><\/p>\n<p>Durch\u00adge\u00adf\u00fchrte Analysen und Radio\u00adkar\u00adbon\u00adda\u00adtie\u00adrungen iden\u00adti\u00adfi\u00adzierten den\u00a0eine Tonne schweren Sensa\u00adti\u00adons\u00adfund als \"rostigen Schatz\". Es handelt sich um Europas gr\u00f6\u00dften bekannten Massen\u00adfund eisen\u00adzeit\u00adli\u00adcher Eisen\u00adbar\u00adren.<\/p>\n<h2>Eisenproduktion in Europa<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend der La-T\u00e8ne-Zeit (Mitte des 5. bis 1. Jahrhunderts v. Chr.) nahm die Eisenproduktion in Europa stark zu. Gro\u00dfe Mengen und eine breite Vielfalt an Objekten fanden auf dem gesamten Kontinent zunehmend Verbreitung. Obwohl bekannt ist, dass Eisen in spezialisierten Produktionszentren hergestellt wurde, war das genaue Ausma\u00df des Handels bislang nur unzureichend erforscht.<\/p>\n<p>\"Halbfabrikate \u2013 vorgefertigte, aber noch nicht endg\u00fcltig ausgeformte Eisenprodukte \u2013 werden von Findern h\u00e4ufig nicht als solche erkannt und lassen sich zudem nur schwer pr\u00e4zise datieren\", begr\u00fcndet Trebsche die Forschungsl\u00fccke.<\/p>\n<p>Die Entdeckung zahlreicher doppelspitziger Eisenobjekte (die nur als verrostete Eisenklumpen erkennbar waren) bei Kiesabbauarbeiten entlang der Donau im ober\u00f6sterreichischen Deinham bot Arch\u00e4ologen die einzigartige Gelegenheit, die pr\u00e4historische Eisenproduktion sowie den Eisenhandel zu untersuchen.<\/p>\n<p>Die insgesamt rund eine Tonne schweren Barren h\u00e4tten f\u00fcr ungef\u00e4hr 500 Schwerter mit einem durchschnittlichen Gewicht von 1,5 bis 2 Kilogramm gereicht und weisen auf bislang unbekannte Dimensionen von Eisenproduktion und -handel in der La-T\u00e8ne-Zeit hin, schreiben die Wissenschaftler.<\/p>\n<p>\"Es grenzt an ein kleines Wunder, dass dieser au\u00dfergew\u00f6hnliche Fund nicht bei Schrotth\u00e4ndlern gelandet ist, sondern dem \u00f6sterreichischen Bundesdenkmalamt gemeldet wurde\", sagt der Hauptautor der Studie, Peter Trebsche, Professor f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte an der Universit\u00e4t Innsbruck. \"Ich bin dankbar, dass die Finder sich entschlossen haben, ihn einer \u00f6ffentlichen Museumssammlung zu \u00fcbergeben.\"<\/p>\n<h2>Eisenbarren aus der La-T\u00e8ne-Zeit<\/h2>\n<p>Peter Trebsche und seine Fachkollegin Marion Berranger von der Universit\u00e9 de Technologie de Belfort Montb\u00e9liard konnten nach aufw\u00e4ndigen Analysen nachweisen, dass es sich tats\u00e4chlich um einen umfangreichen Bestand an Eisenbarren aus der La-T\u00e8ne-Zeit handelt. Mit mindestens 500 Eisen-Halbfabrikaten und einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne sind die in Deinham geborgenen Barren der umfangreichste derzeit bekannte Fundkomplex aus der Eisenzeit in Europa.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Eisenbarren\" src=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/media\/filer_public_thumbnails\/filer_public\/22\/e7\/22e715b3-68cd-4c35-8be3-bd4e6466c680\/02_eisenbarren_auswahl.jpg__975x1201_q85_crop_subsampling-2.jpg.webp\" alt=\"Eisenbarren\" width=\"629\" height=\"774\" \/><br \/>\nEine Auswahl an Eisenbarren aus Deinham, die f\u00fcr eine Weiterverarbeitung bestimmt war. Quelle: Universit\u00e4t Innsbruck<\/p>\n<h2>Schiffsungl\u00fcck vermutet<\/h2>\n<p>Das Eisen \u2013 so vermuten die Forsche \u2013 wurde wahrscheinlich f\u00fcr den Handel auf der Donau flussabw\u00e4rts transportiert und ging bei einem Schiffsungl\u00fcck verloren. \"Das unterstreicht die leistungsf\u00e4higen, gut organisierten M\u00f6glichkeiten der Binnenschifffahrt in den mitteleurop\u00e4ischen Gesellschaften der sp\u00e4ten Urgeschichte\", verdeutlicht Trebsche. Wahrscheinlich wurden sie in Bayern geschmiedet, wo in der N\u00e4he mehrerer Oppida \u2013 der charakteristischen gro\u00dffl\u00e4chigen befestigten Siedlungen des eisenzeitlichen Europas \u2013 Eisenproduktionsst\u00e4tten nachgewiesen wurden. Das eigentliche Ziel der Eisenbarren ist jedoch weiterhin unbekannt.<\/p>\n<h2>Wert der Barren immens<\/h2>\n<p>\"Selbst wenn man Materialverluste bei der Verarbeitung ber\u00fccksichtigt, h\u00e4tte das Eisen aus Deinham ausgereicht, um eine gro\u00dfe Gruppe von Kriegern mit Waffen auszustatten.\" Der Wert der Ladung muss also immens gewesen sein.<\/p>\n<p>Die La-T\u00e8ne-Zeit ist f\u00fcr ihre gro\u00dfen Goldm\u00fcnzsch\u00e4tze bekannt, darunter ein Fund von 443 M\u00fcnzen mit einem Gesamtgewicht von 3,7 Kilogramm Gold im bedeutenden Oppidum von Manching in Bayern. Manching liegt nahe eines gro\u00dfen Eisenerzabbaugebiets, aus dem das Eisen f\u00fcr die Barren stammen k\u00f6nnte. Der Wert dieser M\u00fcnzen k\u00f6nnte durchaus dem einer Tonne Eisen entsprochen haben. Es ist daher m\u00f6glich, dass Transaktionen dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung durch die zunehmende Monetarisierung w\u00e4hrend der La-T\u00e8ne-Zeit erm\u00f6glicht wurden.<\/p>\n<p>\"Es ist beeindruckend, dass eine so gro\u00dfe Menge Eisen auf einmal transportiert wurde und in der sp\u00e4ten Eisenzeit in einer einzigen Tausch- oder Handelsaktion verf\u00fcgbar war\", so Trebsche abschlie\u00dfend. \"Dieser Fund belegt die erheblich gesteigerten Kapazit\u00e4ten der Eisenproduktion, die im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. im Donauraum erreicht wurden.\"<\/p>\n<p><strong>Publikation:\u00a0<\/strong><em>A sunken ship cargo of 500 bipyramidal bars? Implications for La T\u00e8ne period iron production and trade along the Danube.<\/em>\u00a0Antiquity, 2026<br \/>\nPeter Trebsche &amp; Marion Berranger DOI:\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.15184\/aqy.2026.10404\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.15184\/aqy.2026.10404<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Sensationsfund, der bei Baggerarbeiten am Ufer der Donau gemacht wurde. Was erst wie \"verrostete Eisenklumpen\" in Kies aussah, entpuppte sich als Eisenbarren aus der La-T\u00e8ne-Zeit (Mitte des 5. bis 1. Jahrhunderts v. Chr.). Es muss gut eine &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/09\/29\/eisenklumpen-aus-der-donau-stammen-aus-der-la-tene-zeit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[690],"tags":[207],"class_list":["post-30667","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30667","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30667"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30667\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30668,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30667\/revisions\/30668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30667"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30667"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}