{"id":3196,"date":"2017-06-07T00:33:00","date_gmt":"2017-06-06T22:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=3196"},"modified":"2023-02-13T04:51:43","modified_gmt":"2023-02-13T03:51:43","slug":"unsere-altsteinzeitler-konnten-schon-wurzelbehandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/06\/07\/unsere-altsteinzeitler-konnten-schon-wurzelbehandlung\/","title":{"rendered":"Unsere Altsteinzeitler konnten schon Wurzelbehandlung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" alt=\"Gesundheit\" width=\"60\" height=\"56\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Allgemein herrscht ja die Vorstellung, dass unsere fr\u00fchen Vorfahren in der Steinzeit nur primitive Werkzeuge kannten. Die Arch\u00e4ologie liefert uns aber immer wieder faszinierende Einblicke in das Leben vor 10.000 Jahren und fr\u00fcher. So kannten die Vorfahren wohl auch schon Zahn- und Wurzelbehandlungen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\" https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/4713f76ebab4412894a5ce4d364e8909\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Wenn der Zahn kari\u00f6s wird und die Wurzeln sich entz\u00fcnden, meldet sich der Nerv und es gibt oft tierische Zahnschmerzen. Fr\u00fcher wurde der Zahn gezogen und es war (hoffentlich) Ruhe. Die moderne Zahnheilkunde kennt zus\u00e4tzlich eine Wurzelbehandlung, bei der der Wurzelkanal unter lokaler Bet\u00e4ubung mit feinen Feilen freigelegt und dann mit einem Material gef\u00fcllt wird. Die Wikipedia h\u00e4lt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wurzelkanalbehandlung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> eine Beschreibung der Prozedur vor. Auch auf dem Medizinportal Jameda.de kann man sich \u00fcber das Thema <a href=\"https:\/\/www.jameda.de\/gesundheit\/zaehne-mund\/wurzelbehandlung\/kategorie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">informieren<\/a>.<\/p>\n<h2>In der Altsteinzeit konnte man das auch schon!<\/h2>\n<p>Bereits vor 13.000 Jahren, also in der sogenannten Altsteinzeit, gab es wohl Menschen, die sich einer Wurzelbehandlung unterzogen und dies sogar \u00fcberlebt haben. Offenbar gab es Zahnheilkundige Menschen, die \u00fcber sehr feine Bohrer aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feuerstein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Flintstein<\/a> oder Knochen verf\u00fcgten, um den Wurzelkanal aufzubohren und zu s\u00e4ubern. Als F\u00fcllung kam dann ein St\u00fcck Bitumen in den Hohlraum.<\/p>\n<p>Das Ganze wurde von Forschern der Universit\u00e4t Bologna entdeckt und von einem Anthropologen-Team rund um den Associate Professor Stefano Benazzi im Magazin Physical Antropology (Englisch) <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170814112802\/http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/ajpa.23216\/full\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ver\u00f6ffentlicht<\/a>. Demnach fand man vor 20 Jahren in der Toskana, in den Bergen von Riparo Fredian, ca. 75 km nordwestlich von Florenz, Z\u00e4hne von sechs Menschen unter einem Fels\u00fcberhang.<\/p>\n<p>Bei einer erneuten Untersuchung der Z\u00e4hne entdeckten die Forscher beim Fundst\u00fcck Fredian 5 zwei obere mittlere Schneidez\u00e4hne, die ein zentrales Loch aufwiesen. Kratzspuren an den Zahnw\u00e4nden bewiesen: Die sogenannte Pulpenh\u00f6hle der jeweiligen Z\u00e4hne, in denen der Nerv liegt, waren beim betreffenden Individuum zu dessen Lebzeiten k\u00fcnstlich erweitert worden. Die Sensation: Der betreffende Mensch muss vor 13.000 bis 12.740 Jahren in der Region gelebt haben.<\/p>\n<p>Der steinzeitliche 'Zahnarzt' musste mit feinen Bohrern aus Feuerstein (Flint) oder Knochen den entz\u00fcndeten Wurzelkanal ge\u00f6ffnet, ges\u00e4ubert und erweitert haben. In den erweiterten Wurzelkan\u00e4len entdeckte man Reste von Bitumen, sowie Pflanzenfasern und Tierhaare. Die Vermutung geht dahin, dass mit dem Bitumen der erweiterte Wurzelkanal verschlossen wurde. Das Bitumen diente wohl, zusammen mit Pflanzen, auch als Antiseptikum, um die Bakterien abzut\u00f6ten und sollte den aufgebohrten Kanal von Speiseresten frei halten. Was die Tierhaare sollten, bliebt aber unklar.<\/p>\n<p>Der englischsprachige <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170814112802\/http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/ajpa.23216\/full\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> im Magazin Physical Antropology ist leider kostenpflichtig. Aber eine italienische Webseite (<a href=\"http:\/\/www.popsci.it\/ritrovata-in-italia-lotturazione-piu-antica-al-mondo.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">deutsche \u00dcbersetzung<\/a>), die italienische Ausgabe des Fokus (<a href=\"http:\/\/www.focus.it\/cultura\/storia\/le-piu-antiche-otturazioni-dentali-scoperte-in-italia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> die deutsche \u00dcbersetzung). Ein sehr interessanter, deutschsprachiger, <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170628183333\/http:\/\/www.zm-online.de\/home\/zahnmedizin\/Die-aelteste-Fuellung-ist-13-000-Jahre-alt_398705.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> findet sich auf ZM Online (ZM steht f\u00fcr Zahn\u00e4rztliche Mitteilung) \u2013 dem Informationsmedium f\u00fcr Zahn\u00e4rzte. Dort sind auch Fotos der aufgebohrten Z\u00e4hne zu finden. Einige Informationen sind zudem in <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/altsteinzeit-wurzelbehandlung-vor-13-000-jahren-a-1149017.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesem<\/a> deutschsprachigen Spiegel Online-Artikel zu beiden Funden nachzulesen.<\/p>\n<h2>Noch ein aufgebohrter Zahn<\/h2>\n<p>In ZM-Online gibt es diesen Artikel, der sich mit einem noch \u00e4lteren Fund besch\u00e4ftigt. Der kari\u00f6se Weisheitszahn eines Menschen, der vor mindestens 14.000 Jahren lebte, wurde wohl ebenfalls aufgebohrt. Interessant ist an beiden Funden, dass die Eingriffe zu einer sehr fr\u00fchen Zeit stattfanden (bisher kannte man nur einen Fund aus Pakistan, wo vor 6500 Jahren ein Zahn aufgebohrt und mit einer F\u00fcllung auch Wachs verschlossen worden war). Dieser Artikel in ZM Online geht n\u00e4her auf dieses Thema ein, wobei dort ebenfalls Bitumen erw\u00e4hnt wird.<\/p>\n<p>Zudem ger\u00e4t die These, dass Karies erst in der sp\u00e4ten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jungsteinzeit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jungsteinzeit<\/a> (vor ca. 12.000), als die Leute sesshaft wurden und Getreide als Nahrung nutzten, ins wanken. Entweder war die Ern\u00e4hrung damals viel fr\u00fcher umgestellt. Oder auch die fr\u00fchen Jungsteinzeitmenschen litten bereits unter Karies.<\/p>\n<h2>Der Neandertaler kannte 'Aspirin'<\/h2>\n<p>In den Artikeln zu obigem Thema wird auch erw\u00e4hnt, dass es in der ferneren Vergangenheit noch nicht die Bet\u00e4ubungsmittel der modernen Zahnmedizin gab. Dies stimmt zwar, aber der Mensch kannte seit fr\u00fchester Zeit Rauschmittel wie Alkohol und vermutlich auch andere, schmerzstillende Substanzen. In <a href=\"https:\/\/www.atterwiki.at\/index.php?title=Pflanzen_der_Steinzeit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pflanzen der Steinzeit<\/a> sind eine Reihe Heilpflanzen, auch Mohn, genannt. M\u00f6glicherweise war auch schon Opium bekannt. Auch <a href=\"https:\/\/bessergesundleben.de\/6-schmerzstillende-pflanzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> werden schmerzstillende Pflanzen genannt.<\/p>\n<p>Selbst die Neandertaler kannten 'Aspirin'. Bei Recherchen bin ich auf <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/wissen\/article162787275\/Was-Zahnstein-aus-der-Steinzeit-verraet.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesen Beitrag<\/a> aus der Online-Ausgabe der Welt gesto\u00dfen. Forscher analysierten den Zahnstein von Neandertaler, um deren Ern\u00e4hrungsgewohnheiten zu entschl\u00fcsseln. Ein Individuum hatte wohl einen Zahnabzess, der ziemlich schmerzhaft gewesen sein muss. Im Zahnstein fand man DNA-Reste der westlichen Balsam-Pappel (Populus trichocarpa). Die Wissenschaftler, die die Z\u00e4hne untersuchten, folgerten, dass der Neandertaler Papel-Zweige und Bl\u00e4tter gekaut und gegessen haben musste. Diese Nahrung enth\u00e4lt aber Salicyls\u00e4ure, der gleiche Stoff, auf dem auch Aspirin (allerdings in h\u00f6herer Konzentration) basiert. Also selbst die Neandertaler kannte bereits medizinische Pflanzen mit heilender und schmerzstillender Wirkung.<\/p>\n<p>Faszinierend, finde ich! Und wir bilden uns ein, wir leben in modernen Zeiten, w\u00e4hrend fr\u00fcher finstere Zeiten waren. Sicher war es kein Zuckerschlecken, und recht beschwerlich, in der Steinzeit, oder zu Zeiten der \u00c4gypter, R\u00f6mer oder Griechen zu leben. Aber dumm und hilflos waren unsere Altvorderen gewiss nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allgemein herrscht ja die Vorstellung, dass unsere fr\u00fchen Vorfahren in der Steinzeit nur primitive Werkzeuge kannten. Die Arch\u00e4ologie liefert uns aber immer wieder faszinierende Einblicke in das Leben vor 10.000 Jahren und fr\u00fcher. 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