{"id":3497,"date":"2017-07-28T00:22:00","date_gmt":"2017-07-27T22:22:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=3497"},"modified":"2017-07-24T01:08:16","modified_gmt":"2017-07-23T23:08:16","slug":"risiko-reis-arsenverbindungen-bisher-unbeachtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/07\/28\/risiko-reis-arsenverbindungen-bisher-unbeachtet\/","title":{"rendered":"Risiko Reis &ndash; Arsenverbindungen bisher unbeachtet"},"content":{"rendered":"<p>Dass Reis eventuell gesundheitsgef\u00e4hrdende Mengen an Arsen enth\u00e4lt, ist dem Einen oder Anderen bekannt. Aber es gibt auch Arsenverbindungen im Reis, die bisher in der Bewertung der Gesundheitsrisiken unbeachtet blieben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\" https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/ef32d9a7b7414aec81b0e24c825bc3b4\" width=\"1\" height=\"1\">Reis ist in vielen Regionen der Erde ein Grundnahrungsmittel, enth\u00e4lt aber nicht selten gesundheitsgef\u00e4hrdende Mengen von Arsen. Dieses Element kommt nat\u00fcrlich im Reiskorn vor. In gro\u00dfen Mengen kann anorganisches Arsen Krebs ausl\u00f6sen. Auf Reis verzichten muss man, aber <a href=\"https:\/\/www.verbraucherzentrale.de\/arsen-in-reis\" target=\"_blank\">laut Warentest<\/a>, aber nicht. Betroffen von gesundheitlich problematischen Arsenmengen sind Personen, die sehr viel Reis essen sowie (kleine) Kinder. Einen guten \u00dcbersichtsartikel findet sich <a href=\"http:\/\/schrotundkorn.de\/ernaehrung\/lesen\/arsen-truebt-reis-genuss.html\" target=\"_blank\">bei Schrot &amp; Korn<\/a>. Es wird empfohlen, Reis mit viel Wasser zu kochen und dieses dann abzusch\u00fctten. Das reduziert die Arsenmenge um 75 %. Zudem kann man Reis ja mit anderen Getreidearten abwechseln. <\/p>\n<h2>Arsenverbindungen bisher unbeachtet<\/h2>\n<p>K\u00fcrzlich bin ich auf eine Presseinfo gesto\u00dfen, die eine weitere Gefahr f\u00fcr Reisesser aufzeigt. Eine interdisziplin\u00e4re Forschergruppe der Universit\u00e4t Bayreuth hat festgestellt, dass es Arsenverbindungen gibt, die eine giftige Wirkung auf Pflanzen haben, aber bei chemischen Analysen von Reis und bei der Absch\u00e4tzung des Gesundheitsrisikos f\u00fcr den Menschen bisher nicht ber\u00fccksichtigt wurden. <\/p>\n<p>Es handelt sich um Thioarsenate, Verbindungen von Arsen mit Schwefel, die auf Reisfeldern m\u00f6glicherweise h\u00e4ufiger vorkommen, als bisher angenommen wurde. \u00dcber ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler in der Zeitschrift Environmental Science and Technology.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Britta Planer-Friedrich, Tanja K\u00fchnlenz, Dipti Halder, Regina Lohmayer, Nathaniel Wilson, Colleen Rafferty, and Stephan Clemens, <em>Thioarsenate Toxicity and Tolerance in the Model System Arabidopsis thaliana<\/em>,<br \/>Environmental Science &amp; Technology (2017), DOI: 10.1021\/acs.est.6b06028<\/p>\n<\/blockquote>\n<h2>Erh\u00f6hte Konzentrationen auf Reisfeldern?<\/h2>\n<p>Thioarsenate entstehen im Oberfl\u00e4chen-, Boden- und Grundwasser, falls das Wasser einen hohen Sulfid-Anteil aufweist. Sulfid ist die reduzierte Form von Sulfat, es reagiert spontan mit Arsen und kann Thioarsenate bilden. Reisfelder bieten f\u00fcr diese Prozesse g\u00fcnstige Voraussetzungen. \u201eReis wird meist auf gefluteten Feldern angebaut. Wegen des daraus resultierenden Sauerstoffmangels im Boden kann Sulfat zu Sulfid reduziert werden. Wir konnten erstmals nachweisen, dass ein nicht unerheblicher Teil des Arsens in Reisfeldern \u2013 n\u00e4mlich 20 bis 30 Prozent \u2013 in Form von Thioarsenaten gebunden ist\", erkl\u00e4rt Prof. Dr. Britta Planer-Friedrich, Professorin f\u00fcr Umweltgeochemie an der Universit\u00e4t Bayreuth. \u201eWeitere Forschungsarbeiten, die \u00fcber die Ausbreitung von Thioarsenaten genauere Erkenntnisse liefern, sind umso dringlicher, als wir jetzt erstmals zeigen konnten, dass Thioarsenate von Pflanzen aufgenommen werden k\u00f6nnen und sch\u00e4dlich f\u00fcr sie sind.\"<\/p>\n<p>Die Bayreuther Doktorandinnen Carolin Kerl M.Sc. und Colleen Rafferty M.Sc. (v.l.) untersuchen die Aufnahme von Thioarsenaten in der Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana).  <\/p>\n<h2>Sch\u00e4dlichkeit f\u00fcr biologischen Modellorganismus<\/h2>\n<p>Die Bayreuther Untersuchungen, an denen auch einige Doktoranden mitarbeiteten, konzentrierten sich auf die Acker-Schmalwand (<em>Arabidopsis thaliana<\/em>), eine auf Wiesen in Europa und Asien weitverbreitete Pflanze, die sich in der biologischen Forschung als Modellorganismus bew\u00e4hrt hat. In Zusammenarbeit mit dem Pflanzenphysiologen Prof. Dr. Stephan Clemens wurden unterschiedliche Mutanten der Acker-Schmalwand im Labor daraufhin getestet, wie sie auf Thioarsenate reagieren, sobald diese ihrer N\u00e4hrfl\u00fcssigkeit beigegeben werden. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Pflanzen nehmen die Arsen-Schwefel-Verbindungen auf und werden in ihrem Wachstum sichtbar beeintr\u00e4chtigt. Je mehr Arsen auf diesem Weg in ihren Organismus gelangt, desto mehr verk\u00fcmmern ihre Wurzeln.<\/p>\n<h2>Toxisch auch f\u00fcr den Menschen?<\/h2>\n<p>\u201eAufgrund dieser beunruhigenden Erkenntnisse wollen wir in den n\u00e4chsten Monaten gezielt die Wirkungen von Thioarsenaten auf verschiedene Reissorten untersuchen. Bisher wissen wir noch zu wenig dar\u00fcber, ob und in welchem Umfang Reispflanzen das schwefelgebundene Arsen aufnehmen und wie gravierend ihr Stoffwechsel dadurch gest\u00f6rt wird. Vor allem ist unklar, ob Thioarsenate auch bis in die Reisk\u00f6rner gelangen\", erl\u00e4utert Prof. Clemens, Sprecher des Profilfelds \u201eLebensmittel- und Gesundheitswissenschaften\" an der Universit\u00e4t Bayreuth, und erg\u00e4nzt: \u201eAn der Universit\u00e4t Bayreuth verf\u00fcgen wir \u00fcber alle n\u00f6tigen Forschungstechnologien, um diese Untersuchungen vorantreiben zu k\u00f6nnen.  <\/p>\n<p>Sollte sich herausstellen, dass Thioarsenate von den Wurzeln der Reispflanzen aufgenommen werden und unver\u00e4ndert in die Reisk\u00f6rner vordringen k\u00f6nnen, besteht weiterer Forschungsbedarf. So muss dann insbesondere gekl\u00e4rt werden, ob Thioarsenate f\u00fcr den Menschen toxisch sind, falls sie \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume mit reishaltiger Nahrung aufgenommen werden. Dar\u00fcber hinaus sind \u2013 neben den bislang bekannten Arsenformen \u2013 k\u00fcnftig auch Thioarsenate zu ber\u00fccksichtigen, wenn es darum geht, Reispflanzen zu entwickeln, die weniger Arsen in den K\u00f6rnern akkumulieren. Dies ist ein Ziel, auf das heute weltweit zahlreiche Forschergruppen hinarbeiten.\"  <\/p>\n<p>\u201eNicht allein die EU, in der seit 2016 erstmals ein Grenzwert f\u00fcr Arsen in Reis gilt, sondern vor allem auch L\u00e4nder in Asien und Afrika, die oft einen j\u00e4hrlichen Reiskonsum von weit \u00fcber 100 Kilogramm pro Kopf haben, sollten die weitere Reisforschung aufmerksam verfolgen und ihren Verbraucherschutz entsprechend weiterentwickeln. Spuren von Arsen sind auch im Trinkwasser und in weiteren Lebensmitteln enthalten. Sie k\u00f6nnen sich schnell zu einer t\u00e4glichen Dosis summieren, die ein nicht zu untersch\u00e4tzendes Gesundheitsrisiko darstellt\", meint Prof. Planer-Friedrich.  <\/p>\n<p>Die Bayreuther Umweltgeochemikerin hat erst vor wenigen Jahren entdeckt, dass Thioarsenate f\u00fcr den Arsenhaushalt der Erde eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung haben k\u00f6nnten als bis dahin angenommen. Ausgangspunkt waren Untersuchungen an Thermalquellen im Yellowstone-Nationalpark in den USA. Hier stellte sich heraus, dass mehr als 80 Prozent des Arsens, das in diesen hei\u00dfen Quellen vorkommt, in Thioarsenaten gebunden sind. In den Folgejahren zeigte sich, dass Thioarsenate auch unter weniger extremen Bedingungen in B\u00f6den und im Grundwasser auftreten k\u00f6nnen. Hier k\u00f6nnen sie, je nach Sulfidgehalt, gut ein Viertel des Gesamtarsens ausmachen. Diese Erkenntnisse gaben den Ansto\u00df f\u00fcr weitere Untersuchungen zur Verbreitung dieser Arsenverbindungen, die sich an der Universit\u00e4t Bayreuth nun auf das Grundnahrungsmittel Reis konzentrieren werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Reis eventuell gesundheitsgef\u00e4hrdende Mengen an Arsen enth\u00e4lt, ist dem Einen oder Anderen bekannt. 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