{"id":3572,"date":"2017-08-06T01:23:00","date_gmt":"2017-08-05T23:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=3572"},"modified":"2021-03-21T00:09:55","modified_gmt":"2021-03-20T23:09:55","slug":"methadon-zur-schmerzbehandlung-bei-krebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/08\/06\/methadon-zur-schmerzbehandlung-bei-krebs\/","title":{"rendered":"Methadon zur Schmerzbehandlung bei Krebs"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" alt=\"Gesundheit\" width=\"60\" height=\"56\" border=\"0\" \/>Methadon ist ein opioides Schmerzmittel und ist vor allem als Ersatzdroge f\u00fcr Heroinabh\u00e4ngige bekannt. Dabei kann Methadon als opioides Schmerzmittel zur Behandlung von Personen mit durch Krebs verursachten Schmerzen eingesetzt werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine von zwei oder drei Personen, die an Krebs erkranken, leidet an moderaten oder schweren Schmerzen. Der Schmerz verschlimmert sich h\u00e4ufig bei fortschreitender Krebserkrankung. Methadon wird seit vielen Jahren, als eines von mehreren Schmerzmitteln, gegen durch Krebs verursachte Schmerzen, verwendet.<\/p>\n<p>Oral (durch den Mund) eingenommenes Methadon f\u00fchrt zu einer guten Schmerzlinderung f\u00fcr die meisten Erwachsenen mit moderaten oder schweren Krebsschmerzen. Das hat jetzt ein Cochrane-Review aus insgesamt 6 Studien mit insgesamt 388 erwachsenen Teilnehmern ergeben.<\/p>\n<h2>Studienmerkmale<\/h2>\n<p>Im aktualisierten Cochrane-Review wollte man wir herausfinden, wie gut Methadon wirkt, wie viele Menschen Nebenwirkungen hatten, und wie schwer diese Nebenwirkungen waren. Beispielsweise: Gibt es Nebenwirkungen, die so schwerwiegend waren, dass die Teilnehmer die orale Einnahme von Methadon beendeten.<\/p>\n<p>Im Mai 2016 fanden die Cochrane-Reviewer lediglich sechs Studien mit insgesamt 388 erwachsenen Teilnehmern. Die Studien waren oft klein, und verglichen verschiedene Pr\u00e4parate. Daher wird die Qualit\u00e4t der Evidenz von den Reviewern als niedrig oder sehr niedrig (d.h. als weniger verl\u00e4sslich) eingestuft.<\/p>\n<h2>Die Hauptergebnisse des Reviews<\/h2>\n<p>Bei der Linderung von Schmerzen scheint es keinen gro\u00dfen Unterschied zwischen Methadon und Morphium zu geben. Bei den meisten Personen wurde der Schmerz mit Methadon von moderat bis stark zu mild oder keinem Schmerz reduziert. Unerw\u00fcnschte Wirkungen, verbunden mit Methadon, sind vor allem Schlafst\u00f6rungen, Verstopfung und ein trockener Mund. Diese k\u00f6nnen so schwerwiegend sein, dass die Menschen aufh\u00f6ren Methadon zu nehmen. Es gab keine Daten zur Behandlung von Kindern mit Methadon.<\/p>\n<p>Die Cochrane-Reviewer schreiben: Wir w\u00fcrden gerne mehr Konsistenz im Studiendesign sehen, und vor allem in der Berichterstattung der Studien. Diese sollte Informationen \u00fcber unerw\u00fcnschte Wirkungen und den Endpunkt einer Schmerzlinderung bis zu einem tolerierbaren Niveau umfassen. D.h. nicht schlimmer als leichte Schmerzen, so dass Menschen mit Krebs durch den Schmerz nicht gest\u00f6rt sind.<\/p>\n<p>Nicholson AB. Methadone for cancer pain. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 4. Art. No.: CD003971. DOI: 10.1002\/14651858.CD003971.pub3<\/p>\n<h2>Nachtrag: Methadon zur Krebsbek\u00e4mpfung?<\/h2>\n<p>Die Intension des Artikels war urspr\u00fcnglich, die Verwendung von Methadon als Schmerzmittel in der Krebstherapie darzustellen. Es gibt aber eine Ulmer Wissenschaftlerin, die Methadon eine Wirksamkeit bei der Bek\u00e4mpfung von Krebs nachsagt. Bei SWR ist der Beitrag\u00a0Methadon: Eine echte Hilfe gegen Krebs? (gel\u00f6scht)\u00a0ver\u00f6ffentlicht worden, der einige Informationen enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Eine gute \u00dcbersicht zu diesem Thema findet sich in <a href=\"http:\/\/www.scinexx.de\/wissen-aktuell-21804-2017-08-23.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesem Artikel<\/a> bei\u00a0scinexx.de.\u00a0Zudem ist in der Sendung 'Hauptsache gesund' des MDR das Thema <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20171002210447\/http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Hauptsache-gesund\/Methadon-als-Krebsmedikament-der-Zukunft\/MDR-Fernsehen\/Video?bcastId=7545180&amp;documentId=45274846\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">behandelt worden<\/a>. Botschaft der Sendung: Offenbar hat die Pharmaindustrie kein Interesse am Thema, weil diese Therapie &#8211; im Vergleich zur viel teureren Behandlung mit Krebsmedikamenten &#8211; sehr preiswert ist. Auch auf NDR ist <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/ratgeber\/gesundheit\/Methadon-gegen-Krebs-Kaum-Nebenwirkungen,methadon132.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier das Thema aufgegriffen<\/a> worden.<\/p>\n<h2>Erg\u00e4nzende Stellungnahme des Uniklinikum Ulm<\/h2>\n<p>In den Medien scheint es Berichte gegeben zu haben, dass Methadon auch die Wirkung bei der Behandlung von Krebserkrankungen verst\u00e4rke. Dies basiert wohl auf vorklinischen Experimenten an Zellkulturen, die\u00a0am Institut f\u00fcr Rechtsmedizin der Universit\u00e4t Ulm durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Das Thema hat zwar wenig mit der oben erw\u00e4hnten Cochrane-Studie zu tun, die auf mehreren anderen Studien aufsetzt. Aber ich stelle die betreffende Information an dieser Stelle ebenfalls ein. Denn in\u00a0einer gemeinsamen\u00a0Stellungnahme gehen die Medizinische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Ulm, das Universit\u00e4tsklinikum Ulm und dasComprehensive Cancer Center Ulm auf das Thema 'Methadon zur Tumorbehandlung' ein. Sie schreiben: '<\/p>\n<blockquote><p>Durch aktuelle Beitr\u00e4ge in Print- und Online-Medien, Rundfunk und Fernsehen entstand bei Patienten und manchen \u00c4rzten der Eindruck, dass es gute klinische Evidenz daf\u00fcr g\u00e4be, dass eine Behandlung mit Methadon bei Patienten mit verschiedenen Tumorerkrankungen (insbesondere Glioblastomen und Leuk\u00e4mien) die Wirkung von Chemotherapien verst\u00e4rkt. Es wurde dargestellt, dass dieses Therapiekonzept sich insbesondere bei Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung bew\u00e4hrt habe, insgesamt seien \u00fcber 80 Patienten erfolgreich behandelt worden.'<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Patienten wurden nicht am Universit\u00e4tsklinikum Ulm und nicht im Rahmen einer klinischen Studie behandelt, sondern erhielten Methadon entweder als Schmerztherapeutikum bei Tumorschmerzen oder im Rahmen eines\u00a0 \u201eOff Label\"-Einsatzes des Medikaments.<\/p>\n<p>Die wissenschaftlichen Daten, die von der Arbeitsgruppe der Chemikerin Frau Dr. Friesen, die am Institut f\u00fcr Rechtsmedizin der Universit\u00e4t Ulm als Wissenschaftlerin t\u00e4tig ist, erhoben wurden, beziehen sich ausschlie\u00dflich auf vorklinische Experimente, d.h. Experimente in Zellkulturen oder wenige tierexperimentelle Studien. Diese Daten lassen sich nicht automatisch auf die Situation beim Patienten \u00fcbertragen. Es gibt in der Fachliteratur zahlreiche Berichte zur m\u00f6glichen Wirkungsverst\u00e4rkung von Chemotherapeutika, oder zur Resensitivierung von Tumoren f\u00fcr eine bestimmte Systemtherapie. Viele dieser vorklinischen Konzepte zeigten allerdings in kontrollierten Studien bei Patienten dann nicht den gew\u00fcnschten Effekt.<\/p>\n<p>Bei den bisher vorliegenden retrospektiven Analysen von Einzelf\u00e4llen, bei denen eine Kombination aus Chemotherapie und Methadon eingesetzt wurde,\u00a0 bleibt unklar, ob die beobachteten Therapieverl\u00e4ufe direkt auf die Methadon-Einnahme zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Um die Wirksamkeit des Einsatzes von Methadon zur Co-Therapie von Tumoren tats\u00e4chlich zu beurteilen, ist es daher unbedingt notwendig, prospektive, kontrollierte, randomisierte Studien durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir stimmen daher mit der k\u00fcrzlich von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr H\u00e4matologie und Medizinische Onkologie (DGHO) verfassten Stellungnahme \u00fcberein, dass die Wirksamkeit von Methadon in kontrollierten Studien \u00fcberpr\u00fcft werden muss und eine unkritische Off-Label-Anwendung von Methadon nicht gerechtfertigt ist. Dies gilt umso mehr, wenn Patienten im Glauben an die Wirksamkeit von Methadon gut etablierte und\u00a0 wirksame Therapiekonzepte f\u00fcr ihre Tumorerkrankung ablehnen, da sie mit Methadon behandelt werden wollen.<\/p>\n<p>\u00dcberdies ist festzuhalten, dass Methadon als Opioid, dessen Verschreibung dem Bet\u00e4ubungsmittelgesetz unterliegt, deutliche Nebenwirkungen haben kann, die u.a. die Lebensqualit\u00e4t von Patienten beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Medizinische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Ulm, das Universit\u00e4tsklinikum Ulm und das Comprehensive Cancer Center Ulm unterst\u00fctzen daher nachdr\u00fccklich die Durchf\u00fchrung kontrollierter klinischer Studien, um auf der Basis von belastbaren pr\u00e4klinischen Daten die Frage der Wirksamkeit und Vertr\u00e4glichkeit einer Methadontherapie bei Patienten mit Tumorerkrankungen nach etablierten wissenschaftlichen Standards zu kl\u00e4ren. Au\u00dferhalb klinischer Studien unterst\u00fctzen die genannten Institutionen jedoch aus den oben genannten Gr\u00fcnden den unkontrollierten Einsatz von Methadon in der Tumortherapie nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Methadon ist ein opioides Schmerzmittel und ist vor allem als Ersatzdroge f\u00fcr Heroinabh\u00e4ngige bekannt. 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