{"id":4260,"date":"2017-10-17T01:11:00","date_gmt":"2017-10-16T23:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=4260"},"modified":"2024-05-19T20:11:54","modified_gmt":"2024-05-19T18:11:54","slug":"ist-das-voynich-manuskript-entschlsselt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/10\/17\/ist-das-voynich-manuskript-entschlsselt\/","title":{"rendered":"Ist das Voynich-Manuskript entschl&uuml;sselt?"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen bin ich auf die Meldung gesto\u00dfen, dass das Voynich-Manuskript (mal wieder) 'entschl\u00fcsselt' worden seit. Es ist ein faszinierender Stoff, auf den ich erst durch diese Meldung aufmerksam wurde. Hier ein paar Hintergrundinformationen zum Voynich-Manuskript und dessen Geschichte der 'Entschl\u00fcsselung'. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\" https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/a9a23892ec874b708eba135f37ee179b\" width=\"1\" height=\"1\">Beim Voynich-Manuskript handelt es sich um ein in einer Geheimschrift auf Pergament verfasstes Buch, welches zwischen 1400 und 1500 nach Christus entstanden zu sein scheint. Bisher sind alle Versuche, diese Geheimschrift zu entschl\u00fcsseln, gescheitert. Alle paar Jahre findet sich eine Meldung, das jemand das Manuskript entschl\u00fcsselt haben will. K\u00fcrzlich gab es die Nachricht, dass das Voynich-Manuskripts erneut entschl\u00fcsselt worden sei. Das war f\u00fcr mich der Anlass, das Thema in einem Blog-Beitrag aufzugreifen. Blog-Leser\/-innen, die das Thema bereits kennen,&nbsp; k\u00f6nnen den Beitrag ja \u00fcberspringen.<\/p>\n<h2>Die Geschichte des Voynich-Manuskripts <\/h2>\n<p>Die Geschichte des Voynich-Manuskripts liest sich wie ein moderner Krimi. Das Manuskript soll sich einmal im Besitz des Kaisers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rudolf_II._(HRR)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rudolf II.<\/a> des Heiligen R\u00f6mischen Reichs befunden haben. 1962 datierte ein Expertenteam die Handschrift aufgrund von Material und Schreibstil auf etwa 1500 n. Chr. 2009 wurden an Instituten in Chicago und Arizona kleinste Proben von vier verschiedenen Seiten untersucht. In einer Radiokarbonanalyse konnte das Alter des verwendeten Pergaments mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit auf den Zeitraum zwischen 1404 und 1438 bestimmt werden.<\/p>\n<p>Die Folge der Vorbesitzer konnte bislang nur l\u00fcckenhaft und nicht mit Sicherheit ermittelt werden. Aus dem kaum leserlichen und wohl nicht eigenh\u00e4ndigen Namenseintrag <i>Jacobj 'a Tepenece<\/i> auf der ersten Manuskriptseite l\u00e4sst sich schlie\u00dfen (Echtheit vorausgesetzt), dass der b\u00f6hmische Hofpharmazeut <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jakub_Hor%C4%8Dick%C3%BD_z_Tepence\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jakub Hor\u010dick\u00fd z Tepence<\/a> das Exemplar zur Lekt\u00fcre in H\u00e4nden hatte oder sogar sein Eigent\u00fcmer war. Dieser Eintrag m\u00fcsste erst nach 1608 entstanden sein. In einem mit dem Manuskript gefundenen Brief schreibt dessen vermeintlicher Verfasser, der sp\u00e4tere Besitzer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johannes_Marcus_Marci\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Johannes Marcus Marci<\/a>, das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rudolf_II._(HRR)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rudolf II. von Habsburg<\/a>, Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches, Ger\u00fcchten zufolge Besitzer dieses Manuskriptes gewesen sei. Er habe es f\u00fcr die damals hohe Summe von 600 Dukaten einem unbekannten H\u00e4ndler abgekauft.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste bekannte Besitzer war nach dem Begleitbrief Georg Baresch, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Prag lebte. Dieser versuchte die Entschl\u00fcsselung, scheiterte aber. Bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Voynich-Manuskript\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a> findet sich ein detaillierterer Abriss der Abfolge der Vorbesitzer. <\/p>\n<p>Im Jahr 1912 erwarb der amerikanische Antiquar und B\u00fcchersammler <a title=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilfrid_Michael_Voynich\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilfrid_Michael_Voynich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wilfrid Michael Voynich<\/a>, zusammen mit etwa 30 anderen wertvollen Manuskripten, ein Buch, welches in einer Geheimschrift verfasst war. Michael Voynich ist damit der Namensgeber des Manuskripts. Laut <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Voynich-Manuskript\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a> schrieb Voynich zur Entdeckung:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\"Im Jahre 1912 [\u2026] stolperte ich \u00fcber eine sehr bemerkenswerte Sammlung kostbarer illuminierter Handschriften. Jahrzehntelang waren sie in Kisten begraben gewesen, wo ich sie in einem alten s\u00fcdeurop\u00e4ischen Schloss fand. Die Sammlung war dort anscheinend infolge der politischen Unruhen des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts untergebracht worden. [\u2026] W\u00e4hrend ich die Handschriften in Hinblick auf einen Ankauf wenigstens eines Teils der Sammlung untersuchte, wurde meine Aufmerksamkeit von einem Band besonders angezogen. Es war ein so h\u00e4ssliches Entlein, verglichen mit den anderen, mit Gold und Farben reich verzierten Manuskripten, dass meine Neugier sogleich erregt war. Ich stellte fest, dass es vollst\u00e4ndig in einer Geheimschrift geschrieben war. [\u2026] Dass ein Manuskript des 13. Jahrhunderts vollst\u00e4ndig in Geheimschrift verfasst war, \u00fcberzeugte mich von dessen au\u00dferordentlicher Bedeutung, da meines Wissens dergleichen in so fr\u00fcher Zeit nicht existierte, weshalb ich es den zu erwerbenden Manuskripten hinzuf\u00fcgte.\"<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Manuskript befindet sich seit 1969 unter Katalognummer MS 408 im Bestand der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beinecke_Rare_Book_and_Manuscript_Library\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beinecke Rare Book and Manuscript Library<\/a> der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yale_University\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Yale University<\/a> (siehe <a href=\"http:\/\/beinecke.library.yale.edu\/collections\/highlights\/voynich-manuscript\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auch<\/a>). Ein netter Artikel zum Buch, was noch niemand lesen kann, findet sich in der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article157847914\/Das-Buch-das-noch-niemand-lesen-kann.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Online-Ausgabe der Welt<\/a>.<\/p>\n<h2>Was steht nun im Voynich-Manuskript<\/h2>\n<p>Das Voynich-Manuskript hat die Form eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kodex\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kodex<\/a>, also eines Buches, das aus mehreren Lagen von Pergament-Bl\u00e4ttern zusammengeheftet ist. Das Manuskript bestand urspr\u00fcnglich aus (mindestens) 20 Lagen, von denen zwei (16 und 18) heute verloren sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Voynich-Manuskriptseite\" alt=\"Voynich-Manuskriptseite\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/MSmRpVl.jpg\" width=\"589\" height=\"775\"><br \/>(Seite aus dem Voynich-Manuskript)<\/p>\n<p>Eine Abbildung des Manuskripts kann als PDF-Dokument von <a href=\"http:\/\/www.holybooks.com\/voynich-manuscript-codex-serahinianus-pd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Webseite<\/a> herunter geladen werden. Das Manuskript enth\u00e4lt eine gro\u00dfe Zahl von in Tinte ausgef\u00fchrten und kolorierten Abbildungen. Zus\u00e4tzlich weisen die Seiten einen in einer Geheimschrift verfassten Text auf. Da der Text verschl\u00fcsselt ist, st\u00fctzt sich die folgende Gliederung des Inhalts nur auf die Art der Illustrationen.<\/p>\n<ul>\n<li>Kr\u00e4uterkundliche Sektion\n<li>Astronomische Sektion\n<li>Anatomisch-balneologische Sektion\n<li>Kosmologische Sektion\n<li>Pharmazeutische Sektion\n<li>Rezepte und Schl\u00fcssel<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Text insgesamt umfasst etwa 170.000 einzelne Glyphen (Schriftzeichen). Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Voynich-Manuskript\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a> erl\u00e4utert die Versuche der Entschl\u00fcsselung des Manuskripttexts. Ein paar Informationen (Englisch) zum Manuskript finden sich auch auf <a href=\"http:\/\/www.voynich.nu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Webseite<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/sanjindumisic.com\/voynich-manuscript-complete-pdf-book\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Die amerikanischen Botaniker, Arthur O. Tucker und Rexford H. Talbert, glauben, dass das Voynich-Manuskript Pflanzen mittelamerikanischer Herkunft zeigt und in einer Azteken-Sprache verfasst sei. Dann gibt es einen Linguisten Stephen Bax, der auch eine Theorie entwickelt hat. Zu beiden F\u00e4llen lassen sich <a href=\"http:\/\/scienceblogs.de\/klausis-krypto-kolumne\/2014\/02\/22\/ist-das-voynich-manuskript-schon-wieder-geloest\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> (und <a href=\"http:\/\/www.dailymail.co.uk\/sciencetech\/article-2551512\/Has-Voynich-manuscript-DECODED-Mysterious-15th-century-text-written-lost-Aztec-language.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> in Englisch) ein paar Informationen nachlesen. Auch der Focus hat in seiner Online-Ausgabe <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/wissen\/experten\/schmeh\/aufsehenerregende-forschungsarbeit-zum-voynich-manuskript-forscher-wollen-voynich-manuskript-entraetselt-haben_id_3586692.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">einen Artikel<\/a> zum Thema. <\/p>\n<p>Auf <a href=\"http:\/\/voynich-manuskript.de\/ms408\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Webseite<\/a> behauptet eine Jutta Kellner das Manuskript entschl\u00fcsselt zu haben und sucht auf diesem Wege 'Sponsoren', um ihre weitere Arbeit an der Entschl\u00fcsselung zu finanzieren. Zur Kurzweil ganz lesenswert \u2013 Kommentare dazu finden sich u.a. <a href=\"https:\/\/scilogs.spektrum.de\/con-text\/mythen-klauben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> sowie (in Englisch) <a href=\"http:\/\/ciphermysteries.com\/2014\/03\/18\/jutta-kellner-proposes-voynich-theory-asks-money\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.rbth.com\/science_and_tech\/2017\/04\/20\/russian-scholars-unlock-the-secret-of-the-mysterious-voynich-manuscript_746881\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Eine weitere Theorie russischer Experten ist <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170601212647\/http:\/\/www.galileo.tv:80\/science\/wurde-der-code-des-raetselhaften-voynich-manuskripts-endlich-entschluesselt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> (und <a href=\"http:\/\/scienceblogs.de\/klausis-krypto-kolumne\/2017\/04\/26\/has-the-voynich-manuscript-been-deciphered-by-russian-scientists\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> in Englisch) beschrieben. Diese glauben, dass das Buch in zwei Sprachen, Englisch und Deutsch verfasst wurde, einzelne Seiten aber in Latein oder Italienisch verfasst wurden. <\/p>\n<p>Die neueste Meldung stammt wohl vom September 2017. In <a href=\"https:\/\/www.the-tls.co.uk\/articles\/public\/voynich-manuscript-solution\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesem Text<\/a> behauptet Nicholas Gibbs den Text entschl\u00fcsselt zu haben. Bei Interesse, ein deutschsprachiger Artikel, der die Analysen von Gibbs zusammen fasst, findet sich <a href=\"https:\/\/futurezone.at\/science\/voynich-manuskript-angeblich-entschluesselt\/285.420.525\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> (und hier gibt es einen Kurzbeitrag). Englischsprachige Beitr\u00e4ge zu dieser Arbeit finden sich <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/science\/archive\/2017\/09\/has-the-voynich-manuscript-really-been-solved\/539310\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/arstechnica.com\/science\/2017\/09\/the-mysterious-voynich-manuscript-has-finally-been-decoded\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.&nbsp; Interessante Gedankeng\u00e4nge zur Person Nicholas Gibbs gibt es <a href=\"https:\/\/www.it-zoom.de\/mobile-business\/e\/codeknacker-mathematiker-und-skeptiker-17732\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> \u2013 und Klaus Schmeh macht sich <a href=\"http:\/\/scienceblogs.de\/klausis-krypto-kolumne\/2017\/09\/08\/the-voynich-manuscript-is-solved-or-is-it\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> ein paar Gedanken (leider in Englisch) zum Thema. <\/p>\n<p>Fazit: Das Voynich-Manuskript ist ein spannendes Thema, was wohl auch in Zukunft noch h\u00e4ufiger 'gel\u00f6st' bzw. dechiffriert werden wird. Vielleicht hat es ja auch bei Ihnen Lust auf eigene Forschungen geweckt.&nbsp; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen bin ich auf die Meldung gesto\u00dfen, dass das Voynich-Manuskript (mal wieder) 'entschl\u00fcsselt' worden seit. Es ist ein faszinierender Stoff, auf den ich erst durch diese Meldung aufmerksam wurde. 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