{"id":4444,"date":"2017-11-16T01:03:00","date_gmt":"2017-11-16T00:03:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=4444"},"modified":"2017-11-04T10:23:42","modified_gmt":"2017-11-04T09:23:42","slug":"ltere-patienten-in-deutschland-nicht-optimal-versorgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/11\/16\/ltere-patienten-in-deutschland-nicht-optimal-versorgt\/","title":{"rendered":"&Auml;ltere Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Gesundheit\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" border=\"0\" alt=\"Gesundheit\" src=\"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" width=\"60\" height=\"56\">In Deutschland liegen immer mehr \u00fcber 70-j\u00e4hrige multimorbide (an mehreren Krankheiten leidende) Geriatrie-Patienten im Krankenhaus. In den Jahren 2006 bis 2015 stieg ihre Zahl um 80 Prozent, von 1,1 auf zwei Millionen Personen. Wie gut werden diese \u00e4lteren Patienten in Deutschland versorgt? Der bereits im Sommer 2017 von der BARMER-Krankenkasse herausgegebene BARMER-Krankenhausreport 2017 gibt darauf einige Antworten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\" https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/348b3e1b592a4f1fa7b1868fb0e8f9eb\" width=\"1\" height=\"1\">Die Kurzusammenfassung: Finanzielle Fehlanreize k\u00f6nnen jedoch daf\u00fcr sorgen, dass Geriatrie-Patienten l\u00e4nger als n\u00f6tig oder k\u00fcrzer als erforderlich im Krankenhaus versorgt werden. Hintergrund dieser Entwicklung ist die starre, an der Dauer des Krankenhausaufenthalts orientierte Verg\u00fctung f\u00fcr die sogenannte geriatrische fr\u00fchrehabilitative Komplexbehandlung (GFKB). Sie kann nach der Behandlung einer akuten Erkrankung direkt im Krankenhaus erfolgen und auch auf eine klassische Reha-Behandlung vorbereiten. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Zunahme geriatrische Vresorgung 2006-2015\" alt=\"Zunahme geriatrische Vresorgung 2006-2015\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/ra7piyo.jpg\"><\/p>\n<p>Die GFKB l\u00e4sst sich nach Verweildauer und Anzahl der Therapieeinheiten unterteilen. Im Wesentlichen wird zwischen mindestens sieben, 14 und 21 Behandlungstagen differenziert. \u201eDie starren Kodiervorgaben f\u00fcr die geriatrische fr\u00fchrehabilitative Komplexbehandlung sind in ihrer jetzigen Form nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Die Dauer der Behandlung sollte sich st\u00e4rker am individuellen Bedarf des Patienten und an medizinischen Kriterien orientieren\", sagte der Vorstandsvorsitzende der BARMER, Prof. Dr. Christoph Straub.<\/p>\n<h3>Aufenthalt im Krankenhaus orientiert sich an Verg\u00fctungsstufen <\/h3>\n<p>Die GFKB stellt eine struktur- und verweildauerabh\u00e4ngige Verg\u00fctungskomponente im Rahmen des DRG-Systems dar. Kliniken k\u00f6nnen eine h\u00f6here Pauschale abrechnen, wenn ein Patient mindestens zwei Wochen lang station\u00e4r die GFKB erh\u00e4lt. Dies stellt aus BARMER-Sicht einen Fehlanreiz dar.  <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Krankenhausaufenthalt und Verg&uuml;tung\" alt=\"Krankenhausaufenthalt und Verg&uuml;tung\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/YZ7L8m1.jpg\">  <\/p>\n<p>\u201eIm Jahr 2006 wurden 58 Prozent der GFKB-Patienten nach 14 Tagen entlassen und im Jahr 2015 bereits 75 Prozent. Parallel dazu sank der Anteil sowohl bei der sieben- als auch bei der 21-t\u00e4gigen GFKB deutlich. Aus rein medizinischer Sicht darf man zumindest ein gro\u00dfes Fragezeichen hinter diese Praxis setzen\", sagte Straub und forderte in diesem Punkt eine Weiterentwicklung des Verg\u00fctungssystems.  <\/p>\n<h3>Komplexbehandlungen haben um 180 Prozent zugenommen <\/h3>\n<p>Straub mahnte, schon heute die n\u00f6tigen Strukturen zu entwickeln, um in der Zukunft Geriatrie-Patienten ad\u00e4quat behandeln zu k\u00f6nnen. Denn bis zum Jahr 2050 werde die Anzahl der Menschen in der Generation 70plus um 46 Prozent anwachsen, wodurch die Altersmedizin immer mehr Raum einnehmen werde. Wie aus dem Report hervorgeht, ist die Zahl der Geriatrie-Patienten mit einer GFKB allein in den Jahren 2006 bis 2015 um 180 Prozent gestiegen, und zwar von 79.600 auf 222.600 Patienten.  <\/p>\n<p>\u201eDie massiven Steigerungsraten bei der geriatrischen fr\u00fchrehabilitativen Komplexbehandlung sind nicht rein durch den demografischen Wandel erkl\u00e4rbar\", sagte der Autor des BARMER-Krankenhausreports, Professor Boris Augurzky vom RWI \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung. Das Thema sei auch \u00f6konomisch relevant. Schlie\u00dflich sei eine GFKB bei Oberschenkelhalsbruch mit 14 Behandlungstagen um 950 Euro teurer als eine klassische Rehabilitation, die je Geriatrie-Patient im Schnitt mit 3.100 Euro zu Buche schl\u00e4gt.  <\/p>\n<h3>Massive regionale Unterschiede bei geriatrischer Behandlung <\/h3>\n<p>Medizinisch ebenfalls nicht nachvollziehbar sind laut BARMER die deutlichen Unterschiede bei der jeweiligen Versorgungsform im Bundesgebiet. Wie ein \u00e4lterer Patient behandelt wird, h\u00e4ngt demnach auch davon ab, in welchem Bundesland er wohnt. Denn laut Report reicht der Anteil der Geriatrie-Patienten mit einer GFKB von 4,3 Prozent in Bayern bis zu 24,3 Prozent in Hamburg. F\u00fcr die Betroffenen sei das von gro\u00dfer Bedeutung, denn der Report lasse darauf schlie\u00dfen, dass das Behandlungsergebnis auch von der Versorgungsform abh\u00e4nge.  <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Komplexbehandlungen\" alt=\"Komplexbehandlungen\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/ddstxGK.jpg\">  <\/p>\n<p>So werden von den Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch 47 Prozent nach einer Komplexbehandlung und lediglich 40 Prozent nach einer Reha pflegebed\u00fcrftig. \u201eDie GFKB im Akutkrankenhaus weist im Vergleich zur Versorgung in klassischen Reha-Einrichtungen einen geringeren Behandlungserfolg auf. Daher sollte die Komplexbehandlung nur dann zum Einsatz kommen, solange der Patient noch einer Krankenhausbehandlung bedarf. Dies h\u00e4ngt aber von dessen individuellem Gesundheitszustand ab\", sagte Straub. Zudem m\u00fcsse st\u00e4rker auf Pr\u00e4vention gesetzt werden, um zum Beispiel St\u00fcrze zu vermeiden, durch die viele Oberschenkelhalsbr\u00fcche entstehen.  <\/p>\n<h2>Geriatrie in gro\u00dfen Kliniken ansiedeln <\/h2>\n<p>Neben \u00c4nderungen bei der GFKB-Verg\u00fctung gibt es auch Handlungsbedarf bei den Leistungserbringern. Denn der Report zeigt, dass Kliniken mit mindestens f\u00fcnf Fachabteilungen bei der Versorgung der Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch tendenziell erfolgreicher sind. Mehrere Fachdisziplinen gew\u00e4hrleisten demnach eine ganzheitlichere Sicht bei der Behandlung des Patienten. So sei das Risiko, im Anschluss an ein Pflegeheim \u00fcberwiesen zu werden, um sechs Prozentpunkte geringer, wenn die Betroffenen in einer gro\u00dfen anstatt einer kleineren Klinik behandelt werden. \u201eGeriatrie-Patienten sollten nach M\u00f6glichkeit an gr\u00f6\u00dferen, multidisziplin\u00e4r aufgestellten Krankenh\u00e4usern behandelt werden. Dort haben sie bessere Chancen, wieder auf die Beine zu kommen, um noch lange in ihren eigenen vier W\u00e4nden leben zu k\u00f6nnen\", sagte Augurzky.  <\/p>\n<h2>Daten aus dem BARMER-Krankenhausreport 2017 <\/h2>\n<p><strong>Kosten:<\/strong> Im Jahr 2016 lagen die durchschnittlichen Ausgaben je weiblicher Versicherter f\u00fcr den vollstation\u00e4ren Aufenthalt im Schnitt bei 771 Euro bei k\u00f6rperlichen und 99 Euro bei psychischen Erkrankungen. Je m\u00e4nnlichen Versicherten fielen 789 und 88 Euro an. Der Krankenhausaufenthalt einer Patientin kostete im Schnitt 3.664 Euro bei k\u00f6rperlichen und 7.110 Euro bei psychischen Erkrankungen. Bei einem Patienten betrugen die Kosten im Schnitt 4.145 Euro bzw. 5.650 Euro (Report S.12).  <\/p>\n<p><strong>Verweildauer:<\/strong> Die Patientinnen und Patienten bleiben immer k\u00fcrzer im Krankenhaus. So sank die Verweildauer von 8,51 Behandlungstagen im Jahr 2006 auf 7,49 Tage im Jahr 2015. Dieser volle Tag weniger entspricht einem R\u00fcckgang um zw\u00f6lf Prozent. Allerdings liegen psychisch erkrankte Menschen immer l\u00e4nger in der Klinik. Die Aufenthaltsdauer dieser Gruppe stieg in den Jahren 2006 bis 2016 im Schnitt von 22,15 auf 23,59 Tage. Das ist ein Zuwachs von 6,5 Prozent (Report S.34).  <\/p>\n<p><strong>Regionale Unterschiede:<\/strong> W\u00e4hrend in Baden-W\u00fcrttemberg im Jahr 2016 nur 177 und in Hamburg 188 von 1.000 Personen einen Krankenhausaufenthalt hatten, waren es in Sachsen-Anhalt 245 und in Th\u00fcringen sogar 247. Gro\u00dfe Unterschiede gab es auch bei den Kosten je Versicherten. Sie schwankten zwischen 647 Euro f\u00fcr k\u00f6rperliche und 93 Euro f\u00fcr psychische Erkrankungen in Baden-W\u00fcrttemberg und 917 Euro und 88 Euro in Th\u00fcringen (Report S.39 und 41).  <\/p>\n<p><strong>Diagnosen: <\/strong>Mit 41,3 F\u00e4llen je 10.000 Versicherten f\u00fchrte die Diagnose Herzinsuffizienz die Liste der h\u00e4ufigsten Hauptdiagnosen im Jahr 2016 an. Sie machte knapp 1,9 Prozent aller Krankenhausaufenthalte aus. An zweiter Stelle folgte mit 38,3 F\u00e4llen je 10.000 Versicherten die Diagnose Vorhofflattern und Vorhofflimmern. Danach kam auf Position drei die Diagnose Psychische und Verhaltensst\u00f6rungen durch Alkohol mit 36,5 Behandlungsf\u00e4llen je 10.000 Versicherten und auf Position vier die Diagnose Angina Pectoris mit 28,3 Behandlungsf\u00e4llen (Report S. 49).  <\/p>\n<h2>Auf einen Blick <\/h2>\n<h3>Was ist der Unterschied zwischen einer GFKB und einer Reha? <\/h3>\n<p>Die geriatrische fr\u00fchrehabilitative Komplexbehandlung (GFKB) greift in aller Regel bei multimorbiden Patienten \u00fcber 70 Jahre nach der Behandlung einer akuten Erkrankung. Sie erfolgt im Krankenhaus und die Reha in einer klassischen Rehabilitationseinrichtung. Beide Versorgungsformen sollen dazu beitragen, dass der Patient zum Beispiel nach einer Operation oder einem Schlaganfall wieder so fit wird, dass er im Optimalfall weiterhin zu Hause ohne fremde Hilfe leben kann.  <\/p>\n<h3>Wann kommt eine GFKB zum Einsatz, wann eine Reha? <\/h3>\n<p>Die GFKB erfolgt bei Patienten, die so schwer erkrankt sind, dass sie noch l\u00e4ngere Zeit in der Klinik bleiben m\u00fcssen. Denn wer l\u00e4nger bettl\u00e4gerig ist, der muss mit Muskel- und&nbsp; Knochenabbau sowie einem weiteren Kr\u00e4fteverlust rechnen. Genau das versucht die Komplexbehandlung durch fr\u00fchzeitige rehabilitative Ma\u00dfnahmen zu verhindern. Die GFKB kann auch in Vorbereitung f\u00fcr eine Reha erfolgen. Letztere kommt dann zum Einsatz, wenn es den Patienten wieder so gut geht, dass sie nicht mehr station\u00e4r versorgt werden m\u00fcssen. In den Jahren 2006 bis 2015 ist die Anzahl der Geriatrie-Patienten mit einer Komplexbehandlung um 180 Prozent gestiegen, von 79.600 auf 222.600 Betroffene.  <\/p>\n<h3>Wie wird die GFKB verg\u00fctet? <\/h3>\n<p>Die Behandlung von Patienten in Krankenh\u00e4usern wird mit Fallpauschalen nach diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG) verg\u00fctet. Mittlerweile gibt es 17 DRGs, in die die GFKB einflie\u00dft. Diese haben einen unterschiedlichen Leistungsumfang und sind mit einer abgestuften Verweildauer versehen, die einem Sieben-Tage-Intervall (7\/14\/21) folgt.  <\/p>\n<h3>Wie wird die Reha verg\u00fctet? <\/h3>\n<p>Im Gegensatz zur GFKB im Krankenhaus werden Rehabilitationseinrichtungen in der Regel nach tagesgleichen Pfleges\u00e4tzen verg\u00fctet. Diese sind zuvor mit den Einrichtungen und den Krankenkassen verhandelt worden. Im Schnitt schl\u00e4gt eine Reha f\u00fcr Geriatrie-Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch mit 3.100 Euro zu Buche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland liegen immer mehr \u00fcber 70-j\u00e4hrige multimorbide (an mehreren Krankheiten leidende) Geriatrie-Patienten im Krankenhaus. In den Jahren 2006 bis 2015 stieg ihre Zahl um 80 Prozent, von 1,1 auf zwei Millionen Personen. 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