{"id":4613,"date":"2017-11-22T01:30:00","date_gmt":"2017-11-22T00:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=4613"},"modified":"2017-11-21T17:32:16","modified_gmt":"2017-11-21T16:32:16","slug":"34-000-jahre-alte-elfenbein-venus-aus-sachsen-anhalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/11\/22\/34-000-jahre-alte-elfenbein-venus-aus-sachsen-anhalt\/","title":{"rendered":"34.000 Jahre alte Elfenbein-Venus aus Sachsen-Anhalt"},"content":{"rendered":"<p>Auch in Sachsen-Anhalt lebten in der Altsteinzeit Menschen, die der Kunst zugetan waren. Im Jahre 2012 wurden mehrere Elfenbeinfragmente entdeckt, die erst k\u00fcrzlich von Grabungsleiter Dr. Olaf J\u00f6ris und seinem Team als Bruchst\u00fccke einer sogenannten \u201eVenus\"-Figur aus Elfenbein erkannt wurden. Sie stellen die \u00e4ltesten Funde dieser Art au\u00dferhalb S\u00fcddeutschlands dar. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\" https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/8e610383d1574415aebbcd30844d5df1\" width=\"1\" height=\"1\">Die aus Mammut-Elfenbein geschnitzte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Venus_vom_Hohlefels\" target=\"_blank\">Venus aus der Hohle Fels-H\u00f6hle<\/a> auf der Schw\u00e4bischen Alb gilt als \u00e4lteste Menschenfigur der Welt. Die Figur wurde vor 31.000 bis 35.000 Jahren gefertigt (siehe auch <a href=\"http:\/\/www.scinexx.de\/wissen-aktuell-9912-2009-05-14.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>). Aber auch Sachsen-Anhalt hatte seine schnitzenden Altsteinzeitler, wie man jetzt wei\u00df. <\/p>\n<p>Im Rahmen eines internationalen Kooperationsprojektes f\u00fchrt das Forschungszentrum und Museum f\u00fcr menschliche Verhaltensevolution MONREPOS in Neuwied in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege und Arch\u00e4ologie Sachsen-Anhalt seit 2009 Ausgrabungen auf dem fr\u00fch-jungpal\u00e4olithischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fundplatz_Breitenbach\" target=\"_blank\">Fundplatz Breitenbach bei Zeitz<\/a> im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) durch, wie man <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news684978\" target=\"_blank\">hier nachlesen<\/a> kann. <\/p>\n<h2>Die Mammutelfenbeinwerkstatt <\/h2>\n<p>Die Grabungsstelle erwies sich dabei als besonders ergiebig f\u00fcr Funde aus der Altsteinzeit. Bei Ausgrabungen wurde 2012 auf dem Fundplatz bei Breitenbach nahe Zeitz eine Mammutelfenbeinwerkstatt entdeckt. Dort wurden winzige Perlen aus der \u00e4ltesten Elfenbeinwerkst\u00e4tte der Welt mit klar voneinander abgegrenzten Arbeitsbereichen nachgewiesen. Verarbeitet wurde in dieser Werkstatt nicht nur \u201efrisches\", sondern auch sehr viel \u00e4lteres Mammutelfenbein, das offensichtlich vor deutlich mehr als 200.000 Jahren in Breitenbach angesp\u00fclt und abgelagert worden war.<\/p>\n<h2>Die Venus von Breitenbach<\/h2>\n<p>Aus dieser Grabungskampagne von 2012 stammen auch verschiedene Elfenbeinfragmente, die jetzt zu einem Sensationsfund wurden. Es handelt sich um drei kleine, nur zwischen 1,4 cm und 1,8 cm gro\u00dfe, auf den ersten Blick sehr unscheinbare, jedoch sorgf\u00e4ltig oberfl\u00e4chig bearbeitete und polierte Elfenbeinfragmente. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Projektion der Breitenbacher Elfenbeinfragmente auf die Oberschenkel und Brustpartie der &raquo;Venus vom Hohle Fels&laquo; und einer Venusfigur aus Elfenbein von der Fundstelle Kostenki 1\" src=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/newsimage?id=294977&amp;size=screen\" width=\"599\" height=\"398\"><br \/><em>Projektion der Breitenbacher Elfenbeinfragmente auf die Oberschenkel und Brustpartie der \u00bbVenus vom Hohle Fels\u00ab und einer Venusfigur aus Elfenbein von der Fundstelle Kostenki 1 [<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/image?id=294977&amp;size=screen\" target=\"_blank\">Quellenangabe<\/a>: <em>Fotos \u201eVenus vom Hohle Fels\", Breitenbacher Elfenbeinfragmente (links und rechts): J. Lipt\u00e1k (M\u00fcnchen); Foto Venus Kostenki 1 (Mitte): MAE (Kunstkamera) RAS, St. Petersburg, Russia, MAE #4464-1]<\/em><\/em>  <\/p>\n<p>Diese Bruchst\u00fccke wurden von Grabungsleiter Dr. Olaf J\u00f6ris und seinem Team k\u00fcrzlich als Fragmente einer sog. \u201eVenus\"-Figur aus Elfenbein erkannt. Die sorgf\u00e4ltig polierten Elfenbeinfragmente werden auf ein Alter von 34.000 Jahren gesch\u00e4tzt und lassen sich m\u00fchelos in vollst\u00e4ndig erhaltene Figuren einpassen, wie sie etwa aus dem \u201eHohle Fels\" in der Schw\u00e4bischen Alb bekannt sind (siehe obige Abbildung). <\/p>\n<h2>Zum Hintergrund<\/h2>\n<p>Vor etwas mehr als 40.000 Jahren besiedelte der moderne Mensch, Homo sapiens, erstmals Europa. Er traf dort auf Populationen von Neandertalern, die er nach und nach verdr\u00e4ngte, wenngleich es auch einen begrenzten genetischen Austausch zwischen beiden gab. Mit dem Auftreten des modernen Menschen lassen sich in Europa erstmalig Schmuck und Kunst nachweisen.<\/p>\n<p>Freilandfundstellen aus dieser fr\u00fchen Phase des Jungpal\u00e4olithikums sind relativ selten erhalten. Die meisten Funde dieser Zeit stammen daher aus H\u00f6hlen, die jedoch durch sp\u00e4tere Nutzung vielfach \u00fcberpr\u00e4gt sind. Im ausgehenden Aurignacien lag Breitenbach wegen der eiszeitlichen Vergletscherung am n\u00f6rdlichsten Rand der bewohnten Welt.<\/p>\n<p>Im Aurignacien waren plastisch gearbeitete Statuetten bislang nur aus H\u00f6hlen der Schw\u00e4bischen Alb bekannt. Erst mit dem nachfolgenden \u201eGravettien\" (ca. 33.500 &#8211; 23.500 vor heute) finden sich fig\u00fcrliche Plastiken dann im gesamten eurasischen Raum. <\/p>\n<p>Die Funde von Breitenbach zeigen, dass fig\u00fcrlich gearbeitete Plastiken im Aurignacien Teil einer Tradition sind, die in Mitteleuropa entstand und nicht allein auf den s\u00fcddeutschen Raum begrenzt war. Daneben zeigen sie, dass sich diese Idee erst mit dem \u00dcbergang vom Aurignacien zum \u201eGravettien\" ausbreitete. Breitenbach steht damit an der Wende eines \u00fcberregionalen kulturellen Umbruchs, der sich wohl als ein Wandel der damaligen Weltanschauungen und des sozialen Miteinanders verstehen l\u00e4sst. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in Sachsen-Anhalt lebten in der Altsteinzeit Menschen, die der Kunst zugetan waren. Im Jahre 2012 wurden mehrere Elfenbeinfragmente entdeckt, die erst k\u00fcrzlich von Grabungsleiter Dr. Olaf J\u00f6ris und seinem Team als Bruchst\u00fccke einer sogenannten \u201eVenus\"-Figur aus Elfenbein erkannt wurden. &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/11\/22\/34-000-jahre-alte-elfenbein-venus-aus-sachsen-anhalt\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[173],"class_list":["post-4613","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-archaeologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4613"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4613\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}