{"id":5391,"date":"2018-02-20T00:36:00","date_gmt":"2018-02-19T23:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=5391"},"modified":"2022-03-07T22:45:13","modified_gmt":"2022-03-07T21:45:13","slug":"auge-mehr-als-500-millionen-jahre-alt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/02\/20\/auge-mehr-als-500-millionen-jahre-alt\/","title":{"rendered":"Auge mehr als 500 Millionen Jahre alt"},"content":{"rendered":"<p>Faszinierende Erkenntnis, die Forscher der Universit\u00e4t K\u00f6ln vor einiger Zeit ver\u00f6ffentlicht haben. In mehr als 500 Millionen Jahre alten Fossilien wurden versteinerte Augen gefunden. Die Erkenntnis: Moderne Facettenaugen folgen in ihrem Konstruktionsprinzip im Wesentlichen einer schon mehr als 500 Millionen Jahre alten Funktionsweise.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Zoologin Brigitte Schoenemann (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) und ihren Kollegen Helje P\u00e4rnaste (Tallinn, Estland) und Euan Clarkson (Edinburgh, Schottland) ist es gelungen, die Struktur, und damit auch die Funktionsweise des wohl \u00e4ltesten bisher gefundenen Facettenauges aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ein au\u00dfergew\u00f6hnlich gut erhaltenes Fossil eines Trilobiten (Schmidtiellus reetae), mehr als eine halbe Milliarde Jahre alt, zeigt die zellul\u00e4ren Strukturen eines Facettenauges. Es verr\u00e4t damit nicht nur, wie dieses Auge aufgebaut war, sondern auch, wie es funktionierte, welche Leistung es erbrachte und wie es sich von den heutigen Formen unterschied.<\/p>\n<h2>Facettenauge in Fossilien<\/h2>\n<p>Die Arbeit der Wissenschaftler zeigt, dass die modernen Facettenaugen einer im Wesentlichen schon einer mehr als einer halben Milliarde Jahre alten Funktionsweise folgen, in ihrer Struktur sehr konservativ und \u00e4u\u00dferst erfolgreich sind. \u201eDas Prinzip unseres modernen Facettenauges entstand demnach wahrscheinlich schon vor dem ersten Fossilienbefund, befand sich aber vor einer halben Milliarde Jahre noch quasi in den Kinderschuhen und mit dieser Arbeit werden wir Zeuge der ersten Schritte dieses so erfolgreichen visuellen Prinzips\", so Schoenemann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Fossilie\" src=\"https:\/\/www.portal.uni-koeln.de\/sites\/uni\/_processed_\/e\/3\/csm_20171206_trilobit1_714441a9e1.jpg\" alt=\"Fossilie\" \/><br \/>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.portal.uni-koeln.de\/sites\/uni\/_processed_\/e\/3\/csm_20171206_trilobit1_714441a9e1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t K\u00f6ln<\/a>, Foto: G. Baranov)<\/p>\n<p>Das Auge geh\u00f6rt zu einem in Estland gefundenen Trilobiten, einem jener ausgestorbenen Arthropoden (Gliedertiere), die die Ozeane des Pal\u00e4ozoikums beherrschten. Die Fossilien dieser Schicht geh\u00f6ren zu den allerersten Nachweisen komplexer Tiere. Das rechte Auge des untersuchten Trilobits ist leicht zerst\u00f6rt, erlaubt aber Einblicke in dessen Inneres. Es ist ein typisches Facettenauge, bestehend aus etwa 100 Untereinheiten, welche im Vergleich zu modernen Formen relativ weit auseinander stehen.<\/p>\n<h2>Facettenauge noch ohne Linse<\/h2>\n<p>Die Autoren konnten zeigen, dass jede dieser Untereinheiten (Ommatidien) wie in modernen Facettenaugen aus 8 Sinneszellen bestand, die sich um ein zentrales Lichtleiterst\u00e4bchen (Rhabdom) gruppieren. Letzteres enth\u00e4lt die Sehpigmente und vermittelt den Lichteindruck an das Zentralnervensystem des Tieres. \u201eIm Unterschied zu modernen Facettenaugen von Bienen, Libellen oder vielen Krebstieren hat dieses sehr alte Facettenauge jedoch noch keine Linse\", erkl\u00e4rt Dr. Schoenemann. \u201eDies wohl deshalb, da diesen noch recht weichschaligen Gliedertieren die entscheidende, linsenbildende Schicht in ihrem Panzer noch fehlte.\"<\/p>\n<p>Das zentrale Lichtleiterst\u00e4bchen (Rhabdom) sorgt durch seine physikalischen Eigenschaften daf\u00fcr, dass jede Facette nur ein bestimmtes Blickfeld umf\u00e4ngt. Gleichzeitigt sorgen die Facetten daf\u00fcr, dass das insgesamt entstehende Bild, das dieser Trilobit gesehen hat, bereits den mosaikartigen Charakter eines modernen Facettenauges erreicht.<\/p>\n<p>Die Genauigkeit eines solchen Auges, wird u.a. durch die Anzahl der Facetten bestimmt, wie Pixel die Genauigkeit einer Computergraphik bestimmen. \u201eMit etwa 100 \u201aPixeln' ist die Leistung dieses mehr als eine halbe Milliarden Jahre alten Auges nicht sehr exzellent. Sie reichte aber aus, dem Trilobiten Information \u00fcber Bewegungen innerhalb seines Blickfelds, etwa sich n\u00e4hernder Fressfeinde, zu vermitteln. Er konnte eine grobe Helligkeitsverteilung in seiner Umwelt wahrnehmen, oder Hindernissen ausweichen\", erkl\u00e4rt Brigitte Schoenemann.<\/p>\n<p>Die Biologin und ihre Kollegen konnten in ihrer Arbeit ebenfalls zeigen, dass nur wenige Millionen Jahre nach Schmidtiellus schon weiterentwickelte, hochaufl\u00f6sendere Facettenaugen existierten, die denen heutiger Libellen nicht oder nur kaum nachstehen, und zwar ebenfalls bei einem baltischen Trilobiten, n\u00e4mlich Holmia kjerulfi. Eine physikalische Analyse des Facettenauges beider Trilobiten ergab, dass sie in lichtdurchfluteten Gew\u00e4ssern, wahrscheinlich im k\u00fcstennahen Schelfbereich eines pal\u00e4ozoischen Ozeans lebten.<\/p>\n<p>Der Artikel von Brigitte Schoenemann et al. ist mit Fotos im November 2017, in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20180816030336\/http:\/\/www.pnas.org:80\/content\/early\/2017\/11\/28\/1716824114.full?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erschienen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Faszinierende Erkenntnis, die Forscher der Universit\u00e4t K\u00f6ln vor einiger Zeit ver\u00f6ffentlicht haben. In mehr als 500 Millionen Jahre alten Fossilien wurden versteinerte Augen gefunden. 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