{"id":5753,"date":"2018-04-03T00:51:00","date_gmt":"2018-04-02T22:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=5753"},"modified":"2024-10-01T13:19:09","modified_gmt":"2024-10-01T11:19:09","slug":"die-krux-mit-schufa-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/04\/03\/die-krux-mit-schufa-co\/","title":{"rendered":"Die Krux mit Schufa &amp; Co."},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/DNxhm89.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/>Wer eine schlechte Bonit\u00e4t besitzt, bekommt keine Kredite, keine Handyvertr\u00e4ge, gegebenenfalls keinen Mietvertrag, keinen Leasing-Vertrag f\u00fcr ein Auto und so weiter. Basis f\u00fcr solche Beurteilen ist der Bonit\u00e4tswert einer Person bei Wirtschaftsauskunfteien wie der Schufa. Was aber, wenn dieser Bonit\u00e4tswert auf falschen Daten oder fehlerhaften Annahmen beruht?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/f40f77e81d7a4ee69e5cc5dfa8ba4af5\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Wirtschaftsauskunfteien wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schufa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schufa<\/a> (Schutzgemeinschaft f\u00fcr allgemeine Kreditsicherung) sammeln viele Einzeldaten \u00fcber nat\u00fcrliche Personen, um daraus deren Bonit\u00e4t abzuleiten. Laut Wikipedia verf\u00fcgt die Schufa \u00fcber 813 Millionen Einzeldaten zu 67.2 Millionen nat\u00fcrlichen Personen und zu 5,3 Millionen Unternehmen. Pro Jahr werden 140 Millionen Anfragen zur Kreditw\u00fcrdigkeit von Personen und Firmen beantwortet.<\/p>\n<h2>Notwendig aber nicht immer hilfreich<\/h2>\n<p>Die Wirtschaft muss wissen, ob ein Gesch\u00e4ftspartner, f\u00fcr den man in Vorleistungen tritt, auch gen\u00fcgend Bonit\u00e4t besitzt, um die Leistungen bezahlen zu k\u00f6nnen. Ein Mieter, der seit Jahren seine Vermieter prellt, eine Person, die im Katalog oder Online bestellt, aber auf einem riesigen Schuldenberg an unbeglichenen Forderungen sitzt, ein potentieller Handy-Vertragskunde, der seine Rechnungen nicht bezahlt. Das ist der Alptraum eines jeden Anbieters, der auf seinen Kosten sitzen bleibt.<\/p>\n<p>Von daher haben Wirtschaftsauskunfteien durchaus ihre Berechtigungen. Wenn jemand Opfer eines Identit\u00e4tsbetrugs wurde und Dritte auf dessen Kosten Waren bestellen, kann eine Meldung an die Schufa hilfreich sein. Diese <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20190812205127\/https:\/\/www.schufa.de\/de\/einmeldung-identitaetsmissbrauch.jsp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bietet<\/a> seit 2016 Opfern eine M\u00f6glichkeit an, so etwas zu melden.<\/p>\n<p>Aber es gibt auch eine Schattenseite. Nicht immer basieren die Angaben der Wirtschaftsauskunfteien auf nachvollziehbaren, belegbaren oder objektiven Daten. Unternehmen wie Schufa &amp; Co. scheinen sich f\u00fcr manche Betroffene zum Alptraum zu entwickeln, auch wenn sich diese nichts zu schulden kommen lie\u00dfen. Zudem gibt es immer wieder Skandale, weil vertrauliche Daten von Wirtschaftsauskunfteien an die \u00d6ffentlichkeit gelangen (siehe meine Blog-Beitr\u00e4ge <a href=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/2017\/09\/08\/gau-us-wirtschaftsauskunftei-equifax-gehackt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GAU: US Wirtschaftsauskunftei Equifax gehackt<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/2017\/12\/27\/datenleck-bei-schweizer-inkassounternehmen-eos\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenleck bei Schweizer Inkassounternehmen Eos<\/a>).<\/p>\n<h2>Wenn die Schufa ein falsches Risiko berechnet<\/h2>\n<p>Manchmal fallen die Puzzleteile ins Bild. K\u00fcrzlich stie\u00df ich auf den Artikel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/service\/schufa-wie-ich-zum-deutlich-erhoehten-risiko-wurde-a-1193506.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wie ich bei der Schufa zum \"deutlich erh\u00f6hten Risiko\" wurde<\/a>, wo ein Redakteur seine eigene Geschichte einer Schufa-Bonit\u00e4tsbeurteilung dokumentiert. F\u00fcr ihn gab es zwei Datens\u00e4tze, die unterschiedliche und nicht auf Fakten basierende Datens\u00e4tze enthielten. Das f\u00fchrte zu einer schlechten Schufa-Bonit\u00e4tsbeurteilung, wodurch das Anmieten einer Wohnung, das Abschlie\u00dfen von Telefonvertr\u00e4gen etc. unm\u00f6glich wurden. Und das, obwohl keine Schulden vorlagen oder Rechnungen unbezahlt waren. Recherchen f\u00f6rderten eine ziemliche Schlamperei ans Tageslicht.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzung: Inzwischen bin ich auch auf <a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/schufa-eintrag-kleinganoven-ueberforderte-hotlines-und-ein-einfaches-konto-1804-133251.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen Artikel<\/a> gesto\u00dfen. Ich formuliere es mal so: Die Schufa ist offenbar das Problem, zeit etwas zu \u00e4ndern (siehe unten).<\/p>\n<h2>Eigene merkw\u00fcrdige Erfahrungen<\/h2>\n<p>Im Oktober diesen Jahres bin ich seit 25 Jahren freiberuflich als Autor t\u00e4tig. Es ist schon einige Jahre her, als pl\u00f6tzlich das Telefon in meinem B\u00fcro klingelte. Der Anrufer war ein Mitarbeiter der Wirtschaftsauskunftei <a href=\"https:\/\/www.creditreform.de\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Creditreform<\/a>, der gleich zur Sache kam. Ich h\u00e4tte ja ein Unternehmen und mit Sicherheit ein Interesse, dass die \u00fcber mich bei ihnen erfassten Daten korrekt seien. Er br\u00e4uchte nur noch die Jahresums\u00e4tze samt Gewinn aus meiner Bilanz. Als ich ihm zu verstehen gab, dass ich keine Veranlassung s\u00e4he, Dritten (au\u00dfer dem Finanzamt) \u00fcber meine Gesch\u00e4ftsums\u00e4tze Auskunft zu geben, war er etwas verschnupft. So ganz nebenbei erw\u00e4hnte er, dass er gesehen h\u00e4tte, dass ich ja in Sachen Flugl\u00e4rm arg gebeutelt sei.<\/p>\n<p>Ich war da schon etwas konsterniert und habe mir Gedanken gemacht, wie die Creditreform an diese Informationen kam. Das Thema Flugl\u00e4rm ist schnell gekl\u00e4rt: Ich war viele Jahre im Vorstand eines eingetragenen und als gemeinn\u00fctzig anerkannten Umweltschutzvereins. Als Autor fiel mir nat\u00fcrlicherweise die Aufgabe des Pressesprechers zu. Offenbar habe ich meine (ehrenamtliche) Arbeit gut gemacht, denn meine Pressemitteilungen waren h\u00e4ufig in Zeitungen (teilweise \u00fcberregional) zu finden. Nat\u00fcrlich kam mein Name damit im Internet, im Zusammenhang mit der Berichterstattung vor. Die Verkn\u00fcpfung meines Namens und der T\u00e4tigkeit als Pressesprecher f\u00fcr eine Umweltschutzverein mit einer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit ist schon eine besondere Sauerei, hat sie doch mit Bonit\u00e4t herzlich wenig zu tun.<\/p>\n<p>Die Informationen \u00fcber meine Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit samt Adresse hat auch eine sehr einfache Quelle. Da ich f\u00fcr meine Autorent\u00e4tigkeit eine Webseite aufgesetzt hatte, musste ich, wegen gesetzlicher Auflagen, meine Anschrift und weitere Daten als Administrator der Webseite sowohl der Registrierungsstelle f\u00fcr die Webadresse mitteilen. Als auch diese Angaben im Impressum der Webseite angeben.<\/p>\n<p>Diese Informationen wurden von einer Reihe zwielichtiger Institutionen ausgewertet. In der Folge erhielt ich viel unverlangte Werbung, um mein Gesch\u00e4ft irgendwo kostenpflichtig einzutragen, um \u00fcber Google Werbung zu schalten und was wei\u00df ich.<\/p>\n<p>Die Creditreform hatte \u00fcber diese Quelle meine Daten bezogen und sich offenbar etwas 'zusammengebastelt'. Irgendwann, Wochen nach dem Anruf, erhielt ich per Post dann einen Auszug meiner 'Gesch\u00e4ftsdaten', in der sogar ein Jahresumsatz genannt wurde. Dem Schreiben lag die Bitte bei, die Daten zu kontrollieren, ggf. zu korrigieren und zur\u00fcckzusenden. Der Brief ist dann in den Papierkorb gewandert, da der Datensatz aus fiktiven Angaben bestand, die sich irgend jemand bei der Creditreform zusammen gelogen hatte. Seit dieser Zeit ist die Institution bei mir unten durch. Der Fall zeigte mir aber, wie in der Branche gearbeitet wird.<\/p>\n<h2>Kostenlose Selbstauskunft bei der Schufa<\/h2>\n<p>Wer auf Kredite oder Mietvertr\u00e4ge angewiesen ist und wissen will, was die Schufa \u00fcber einen gespeichert hat, kann eine Selbstauskunft beantragen. Die Schufa bietet auf dieser Seite die M\u00f6glichkeit einen Datenauszug nach \u00a7 34 BDSG anzufordern. Prominent wird aber die kostenpflichtige Online-Option beworben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Euro-Noten\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/sBffKkL.jpg\" alt=\"Euro-Noten\" \/><br \/>\n(Quelle: Pexels CC0 Lizenz)<\/p>\n<p>Man kann diese Daten\u00fcbersicht nach \u00a7 34 BDSG aber auch kostenfrei auf Papier von der Schufa anfordern. Der oben verlinkte Spiegel Online-Bericht weist darauf hin. Der <a href=\"http:\/\/www.t-online.de\/finanzen\/geldanlage\/id_62394750\/schufa-auskunft-kostenlos-anfordern-so-geht-s.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel hier<\/a> bei T-Online enth\u00e4lt noch einige Informationen zum Thema.<\/p>\n<h2>Das Projekt Open Schufa<\/h2>\n<p>Offenbar kumuliert das Thema momentan. Bei der Zeitschrift Zeit Online bin ich fast zeitgleich mit dem obigen Spiegel Online-Artikel auf den <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2018-03\/openschufa-schufa-transparenz-score-algorithmen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag zu OpenSchufa<\/a> gesto\u00dfen. Auch bei Spiegel Online ist dieses Projekt der gemeinn\u00fctzigen Organisationen Open Knowledge Foundation und AlgorithmWatch erw\u00e4hnt. Hintergrund: Ohne Schufa geht bei Krediten, Mietvertr\u00e4gen etc. nichts mehr.<\/p>\n<p>Das Problem: Die private Firma ist m\u00e4chtig, aber wie die Schufa die Bonit\u00e4t eines einzelnen berechnet, ist geheim. Ein Crowdsourcing-Projekt mit dem Namen <a href=\"https:\/\/www.startnext.com\/openschufa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Open Schufa<\/a> will das \u00e4ndern. Crowdsourcing hei\u00dft dabei, dass dieses Projekt \u00fcber die Masse an interessierten Menschen finanziert wird. 50.000 Euro werden an Spenden ben\u00f6tigt, etwas mehr als 43.000 Euro hat man inzwischen eingeworben.<\/p>\n<p>Das Projekt will herausfinden, ob die SCHUFA eine Gruppe von Menschen gegen\u00fcber einer anderen benachteiligt und Ungerechtigkeiten verst\u00e4rkt. Ziel ist nicht, die Schufa abzuschaffen, aber das Ganze transparent zu machen. Dazu will man die Daten aus Schufa-Selbstausk\u00fcnften sammeln und auswerten. Dann sollen die Einflussfaktoren und Gewichtungen f\u00fcr die Bewertung rekonstruiert werden. Welchen Einfluss hat eine schlechte Wohngegend auf die Bonit\u00e4t bei der Schufa und was wirkt sich noch auf diesen Wert aus? Das k\u00f6nnten Fragen sein, auf die man Antworten zu finden hofft. Der Zeit-Artikel enth\u00e4lt eine Reihe an Informationen zu diesem Projekt und auch die Reaktionen der Schufa auf die Initiative. Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks und des SPIEGEL wollen die Daten zusammen mit den Initiatoren anschlie\u00dfend anonymisiert auswerten. Ein spannendes Feld \u2013 so notwendig Kreditauskunfteien sind, mehr Transparenz kann nicht schaden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer eine schlechte Bonit\u00e4t besitzt, bekommt keine Kredite, keine Handyvertr\u00e4ge, gegebenenfalls keinen Mietvertrag, keinen Leasing-Vertrag f\u00fcr ein Auto und so weiter. Basis f\u00fcr solche Beurteilen ist der Bonit\u00e4tswert einer Person bei Wirtschaftsauskunfteien wie der Schufa. 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