{"id":6289,"date":"2018-05-12T01:04:00","date_gmt":"2018-05-11T23:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=6289"},"modified":"2023-05-13T11:10:09","modified_gmt":"2023-05-13T09:10:09","slug":"igel-angebote-teuer-manchmal-nutzlos-oder-schdlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/05\/12\/igel-angebote-teuer-manchmal-nutzlos-oder-schdlich\/","title":{"rendered":"IGeL-Angebote: Teuer, manchmal nutzlos oder sch&auml;dlich"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" alt=\"Gesundheit\" width=\"60\" height=\"56\" align=\"left\" border=\"0\" \/>F\u00fcr Patienten kostenpflichtige IGeL-Angebote sind h\u00e4ufig nicht nur \u00fcberfl\u00fcssig, sondern oft auch nutzlos oder sogar sch\u00e4dlich. Die Krankenkassen schlagen jetzt Alarm.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Worum geht es?<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/4247f587827b45bd85159be082e7d82a\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Individuelle_Gesundheitsleistung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Individuelle Gesundheitsleistungen<\/a> (IGeL), die von vielen \u00c4rzten angeboten werden, m\u00fcssen von Kassenpatienten selbst bezahlt werden. Sie dienen dem Arzt zur Aufbesserung seiner Praxiseinnahmen, haben aber einen zweifelhaften Ruf.<\/p>\n<p>Jeder Zweite bekommt beim Arztbesuch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die privat zu bezahlen sind, so eine Untersuchung der Krankenkassen. Der IGeL-Monitor hat in einer repr\u00e4sentativen Umfrage erstmals die Top 10 der meistverkauften IGeL ermittelt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Medizin\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/69SlbLU.jpg\" alt=\"Medizin\" \/><br \/>\n(Quelle: Pexels\/Pixabay CC0 Lizenz)<\/p>\n<h2>Die Top 10 der IGeL-Angebote<\/h2>\n<p>Auf Wikipedia findet sich eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Individuelle_Gesundheitsleistung#Klassifikation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hitliste der IGEL-Untersuchungen<\/a> aus Vorjahren \u2013 Ultraschalluntersuchungen und Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Erkennung belegen Spitzenpl\u00e4tze. F\u00fcr 2018 hat der IGeL-Monitor folgende Hitliste der Top 10 vorgelegt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"IGeL Top 10\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/VkT2gqSB\/a6Om28s.jpg\" alt=\"IGeL Top 10\" \/><\/p>\n<p>Fazit des IGEL-Monitors: In den Praxen werden h\u00e4ufig Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen wie Ultraschall, Augeninnendruckmessung und \u00c4hnliches verkauft. Viele der Topseller widersprechen Empfehlungen medizinischer Fachverb\u00e4nde, weil ihr Schaden den Nutzen \u00fcberwiegt. Auch die neue Bewertung \u201eMRT zur Fr\u00fcherkennung von Brustkrebs\" erh\u00e4lt von den Wissenschaftlern des IGeL-Monitors die Bewertung \u201etendenziell negativ\".<\/p>\n<h2>Untersuchung der Krankenkassen<\/h2>\n<p>Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) hat in einer Untersuchung die IGEL-Angebote gepr\u00fcft und kommt zu einem ern\u00fcchternden Ergebnis: Die in Arztpraxen angebotenen Selbstzahlerleistungen bringen in vielen F\u00e4llen mehr Schaden als Nutzen. Das geht aus dem am 3. Mai 2018 vorgelegten IGEL-Report des MDS hervor.<\/p>\n<p>IGel sind gut bekannt und sie werden auch oft in Anspruch genommen. Zu den h\u00e4ufigsten angebotenen und angenommen Leistungen geh\u00f6rt die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Fr\u00fcherkennung. Diese Leistung wurde jedem f\u00fcnften Versicherten (22 Prozent), der mit IGeL beim Praxisbesuch in Kontakt kam, angeboten und landete auf Platz 1 der Top 10-Liste. Die zweith\u00e4ufigste und bei den Frauen (30 Prozent) am meisten angebotene Leistung war der Ultraschall der Eierst\u00f6cke zur Krebsfr\u00fcherkennung. Weitere Topseller sind der Ultraschall des Bauchraums und der PSA-Test zur Fr\u00fcherkennung von Prostatakrebs bei M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Die Top 10-Liste wurde im Auftrag des MDS vom Marktforschungsinstitut aserto durch eine repr\u00e4sentative Umfrage bei 2.072 gesetzlich Versicherten ermittelt. Die Liste deckt \u00fcber die H\u00e4lfte aller angebotenen Leistungen ab (53 Prozent).<\/p>\n<p>Die Top 10 werden von Leistungen angef\u00fchrt, die vom IGeL-Monitor als \u201enegativ\" oder \u201etendenziell negativ\" bewertet worden sind. Beim Ultraschall der Eierst\u00f6cke handelt es sich sogar um eine Leistung, von der die Fachgesellschaft der Frauen\u00e4rzte abr\u00e4t, da in Studien kein Nutzen gezeigt werden konnte und es durch \u00dcberdiagnosen zu erheblichen Sch\u00e4den kommen kann.<\/p>\n<p>\u201eUnser Fazit ist: Die IGeL-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen, sondern an den Vorlieben einzelner Arztgruppen und an den Umsatzinteressen der Praxen. Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar\", fasst Dr. Peter Pick, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des MDS, die zentralen Ergebnisse zusammen.<\/p>\n<h2>Patienten w\u00fcnschen nur selten von sich aus IGeL<\/h2>\n<p>In der Umfrage wurden die Patientinnen und Patienten auch gefragt, ob sie selbst IGeL nachgefragt haben. Nur bei vier Prozent der erbrachten IGeL ging die Initiative von Patienten aus. \u201eWenn \u00c4rzte IGeL anbieten, dann geschieht das nur in seltenen F\u00e4llen auf Wunsch der Patienten\", sagt Dr. Christian Weymayr, freier Medizinjournalist und Projektleiter des IGeL-Monitors. Nur 68 Prozent der Befragten sind mit der Reaktion des Arztes oder der \u00c4rztin zufrieden, wenn sie eine IGeL angeboten kommen und diese auch annehmen. \u201eMehr als jeder dritte Patient gab sogar an, dass er sich bedr\u00e4ngt oder unter Druck gesetzt f\u00fchlte. Das best\u00e4tigt sich auch in den Zuschriften, die wir von Nutzerinnen und Nutzern des IGeL-Monitors erhalten\", erl\u00e4utert Weymayr.<\/p>\n<h2>IGeL-Monitor oft im Einklang mit medizinischen Leitlinien<\/h2>\n<p>Ein h\u00e4ufiges Argument f\u00fcr IGeL ist, dass sie in den Arztpraxen als medizinisch notwendig empfohlen werden. Wenn man aber die Bewertungen des IGeL-Monitors mit den Leitlinien, also systematisch entwickelten wissenschaftlichen Handlungsempfehlungen f\u00fcr \u00c4rzte und Patienten vergleicht, kommt man zu einem anderen Schluss.<\/p>\n<p>\u201eDie Bewertungen des IGeL-Monitors sind oft im Einklang mit nationalen und internationalen Leitlinienempfehlungen. Dagegen raten sie von den IGeL, so wie sie in der Praxis angeboten werden, eher ab\", sagt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS.<\/p>\n<p>Eikermann verdeutlicht am Beispiel Ultraschall zur Eierstockkrebs-Fr\u00fcherkennung, dass das Wissen um m\u00f6gliche Sch\u00e4den und den geringen Nutzen seit Langem bekannt sind. Diese Erkenntnis wird aber zu wenig in der Praxis umgesetzt. \u201eWissen und daraus abgeleitete Empfehlungen, die aus aufw\u00e4ndig entwickelten evidenzbasierten Leitlinien resultieren, kommen in der Arztpraxis nicht an.<\/p>\n<p>Wir sehen ein gro\u00dfes Potenzial zur Bereinigung des IGel-Marktes und zum Schutz der Patientinnen und Patienten vor unn\u00f6tigen und sch\u00e4dlichen Leistungen. Das vorhandene Wissen muss in die Versorgung gebracht werden \u2013 hier sehen wir die medizinischen Fachgesellschaften und Fachverb\u00e4nde in der Pflicht.\"<\/p>\n<h3>MRT zur Fr\u00fcherkennung von Brustkrebs und Osteopathie bei Kreuzschmerz<\/h3>\n<p>Auch die j\u00fcngste Bewertung des IGeL-Monitors, die Magnetresonanztomographie zur Fr\u00fcherkennung von Brustkrebs sieht das Wissenschaftlerteam eher kritisch. Die Experten konnten keine Hinweise f\u00fcr einen Nutzen aber Hinweise f\u00fcr Sch\u00e4den durch die mit der Untersuchung verbundenen Nebenwirkungen in den Studien finden. Daher bewerten sie die Leistung, die Frauen ohne stark erh\u00f6htes Brustkrebsrisiko erg\u00e4nzend oder alternativ zur Mammographie angeboten wird, als \u201etendenziell negativ\".<\/p>\n<p>Die zweite neue Bewertung ist die Osteopathie bei Kreuzschmerz, bei der eine systematische Recherche und Analyse durchgef\u00fchrt wurde. Zehn randomisierte kontrollierte Studien wurden auf Nutzen und Schaden unter die Lupe genommen. Insgesamt war die Qualit\u00e4t der Studien schlecht. Nur aus einer methodisch besseren und gr\u00f6\u00dferen dieser Studien konnten erste Hinweise abgeleitet werden, nach denen die Patienten durch die Therapie weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit erzielten.<\/p>\n<p>Die Studien sagten aber nichts \u00fcber die Entwicklung der gesundheitsbezogenen Lebensqualit\u00e4t und die Arbeitsunf\u00e4higkeit der Patienten aus. Hinweise auf Sch\u00e4den konnten in den Daten ebenfalls nicht gefunden werden. Daher bewertet der IGeL-Monitor diese Leistung mit unklar.<\/p>\n<h2>Zum Hintergrund<\/h2>\n<p>Das Internetportal <a href=\"http:\/\/www.igel-monitor.de\/\">www.igel-monitor.de<\/a> wird vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverband (MDS) betrieben. Es bietet Versicherten eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfe f\u00fcr oder gegen die Inanspruchnahme von Selbstzahlerleistungen. Die Bewertungen des IGeL-Monitors basieren auf den Methoden der Evidenzbasierten Medizin (EbM). F\u00fcr die Bewertung von Nutzen und Schaden einer IGeL-Leistung recherchiert das Team aus Medizinern und Methodikern beim MDS in medizinischen Datenbanken. Die Wissenschaftler tragen die Informationen nach einer definierten Vorgehensweise zusammen und werten sie systematisch aus. Das IGeL-Team w\u00e4gt Nutzen und Schaden gegeneinander ab und fasst das Ergebnis in einer Bewertungsaussage zusammen, die von \u201epositiv\", \u201etendenziell positiv\" und \u201eunklar\" bis zu \u201etendenziell negativ\" und \u201enegativ\" reicht.<br \/>\nAlle Analyseschritte einer Bewertung sind auf dem IGeL-Monitor dokumentiert. Jede bewertete IGeL wird in mehreren Ebenen dargestellt, die von Stufe zu Stufe ausf\u00fchrlicher und fachlicher werden: von der zusammenfassenden Bewertungsaussage bis hin zu den f\u00fcr ein Fachpublikum hinterlegten Ergebnissen der wissenschaftlichen Recherche und Analyse. Versicherte erfahren au\u00dferdem, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen bei den Beschwerden \u00fcbernommen werden, f\u00fcr die der Arzt die IGeL-Leistung anbietet. Sie erhalten auch Auskunft \u00fcber die Preisspanne. Und schlie\u00dflich gibt der IGeL-Monitor Tipps, wie sich Versicherte im konkreten Fall verhalten k\u00f6nnen, wenn ihnen IGeL angeboten werden.<\/p>\n<p>Der MDS (Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes) ber\u00e4t den GKV-Spitzenverband in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert und f\u00f6rdert die Durchf\u00fchrung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) auf Landesebene in medizinischen und organisatorischen Fragen.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/03\/31\/ab-1-april-2018-hhere-zuzahlung-fr-medikamente-und-mehr\/\">Ab 1. 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