{"id":6371,"date":"2018-05-21T00:26:00","date_gmt":"2018-05-20T22:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=6371"},"modified":"2022-12-03T17:27:54","modified_gmt":"2022-12-03T16:27:54","slug":"nein-die-honigbiene-wird-nicht-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/05\/21\/nein-die-honigbiene-wird-nicht-sterben\/","title":{"rendered":"Nein, die Honigbiene wird nicht sterben!"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren beherrscht ein Thema die \u00d6ffentlichkeit: Das Bienensterben. Umweltorganisationen tragen das Thema st\u00e4ndig auf die Agenda. Dabei wird teilweise Schindluder mit dem Thema getrieben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Die Wildbienen sterben<\/h2>\n<p>Was Umweltverb\u00e4nde wie der BUND zu Recht anprangern, ist das Sterben der Wildbienen. Allerdings vermittelt auch das an Landwirtschaftsministerin Kl\u00f6ckner und Umweltministerin Schulze gerichtete <a href=\"https:\/\/aktion.bund.net\/a-place-to-bee?gclid=EAIaIQobChMI9IuT4KuV2wIVV4GyCh3xGAeREAAYASAAEgLROfD_BwE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schreiben des BUND<\/a> dem unaufmerksamen Leser den Eindruck, dass es um Bienen geht \u2013 auch wenn Wildbienen erw\u00e4hnt sind.<\/p>\n<h2>Die Bienensterben-Panikmache<\/h2>\n<p>Auch das Umweltinstitut vermischt auf <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220708043608\/http:\/\/www.umweltinstitut.org\/themen\/landwirtschaft\/artensterben\/bienen\/gruende-fuer-das-bienensterben.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Seite<\/a> munter Gr\u00fcnde f\u00fcr das Bienensterben, ohne zwischen Wildbienen und Honigbienen zu unterscheiden \u2013 wobei man fairerweise sagen muss, dass dort nur Gr\u00fcnde f\u00fcr das Bienensterben aufgef\u00fchrt werden. Der Leser wirft das aber in einem Tops und denkt: Es geht allen Bienen an den Kragen \u2013 ging auch mir so.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Biene\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/cQX2Bxm.jpg\" alt=\"Biene\" \/><\/p>\n<p>Bei Greenpeace geht es schon nicht mehr um Differenzierung, da wird munter das 'Bienensterben' <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210508071653\/https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/landwirtschaft\/bienen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bek\u00e4mpft<\/a>. Wenn aber Supermarktregale (wie <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/service\/bienensterben-penny-aktion-in-hannover-so-leer-waere-ein-supermarkt-ohne-bienen-a-1207703.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diese Penny-Aktion<\/a>) leer ger\u00e4umt werden, um zu zeigen, was uns fehlt, wenn es keine Bienen mehr g\u00e4be, ist das billige Propaganda. Denn Pflanzen werden auch ohne Bienen best\u00e4ubt \u2013 Bienen tragen nur einen Teil dazu bei.<\/p>\n<h2>Fakten zum Weltbienentag<\/h2>\n<p>Am 20. Mai war Weltbienentag. Anl\u00e4sslich dieses Tags gab es einige erstaunliche Artikel, die ein wenig Licht in die Angelegenheit bringen. <a href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/wissen\/tiere\/bienensterben-gross-gefahr-32971274\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier<\/a> findet sich ein Beitrag, der klar zwischen dem Insektensterben, welches auch Wildbienen betrifft, und Honigbienen unterscheidet. Honigbienen, wie sie von Imkern gehalten werden, sind keineswegs am Aussterben \u2013 lediglich die Wildbienen sind in Gefahr.<\/p>\n<p>Bereits 2017 hat der WDR <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/wissen\/natur\/zur-lage-der-bienen-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">einen Artikel<\/a> mit einem Interview mit Bienen-Fachmann Peter Rosenkranz ver\u00f6ffentlicht. Tenor: Die Lage f\u00fcr Wildbienen ist wohl dramatisch und auch die Honigbiene leidet, wegen Parasitenbefall (z.B. Varroa-Milbe). Aber die Kernaussage lautet: Die Honigbiene wird wohl als letztes aussterben. Solange es Imker gibt, gibt es auch Honigbienen \u2013 auch wenn Bienenv\u00f6lker schon mal sterben. Aktuell lohnt sich das Imkern wohl wieder, wodurch die Zahl der Imker und der Bienenv\u00f6lker <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201111074013\/https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/152920\/umfrage\/bienenvoelker-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zunimmt<\/a> (kann man auch auf <a href=\"http:\/\/deutscherimkerbund.de\/161-Imkerei_in_Deutschland_Zahlen_Daten_Fakten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Seite<\/a> an verschiedenen Grafiken erkennen).<\/p>\n<h2>Untersuchung der Uni Halle<\/h2>\n<p>Interessant ist auch <a href=\"http:\/\/pressemitteilungen.pr.uni-halle.de\/index.php?modus=pmanzeige&amp;pm_id=2510\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diese Pressemitteilung<\/a> der Uni Halle aus 2016 zu diesem Forschungsbericht (gel\u00f6scht). Bienen erf\u00fcllen f\u00fcr Mensch und Natur viele wichtige Aufgaben. Dazu geh\u00f6rt vor allem das Best\u00e4uben von Nutzpflanzen. Dort erf\u00e4hrt man auch: W\u00e4hrend in der Landwirtschaft der Best\u00e4ubungs-Bedarf in den letzten 50 Jahren um \u00fcber 300 Prozent angewachsen ist, stieg die Zahl der Bienenv\u00f6lker weltweit nur um 60 Prozent an.<\/p>\n<p>Entgegen der Panikmache der Umweltverb\u00e4nde wie Greenpeace, sind auch nicht Pestizide und Parasiten f\u00fcr den regionalen R\u00fcckgang von Honigbienenv\u00f6lkern verantwortlich. Vielmehr spielen politische und sozio-\u00f6konomische Ver\u00e4nderungen, wie Revolutionen oder auch B\u00fcrgerkriege, und der globale Honighandel eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Rolle. Weltweit w\u00e4chst die Zahl der Bienenv\u00f6lker und es wird auch mehr Honig produziert.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Forschung haben die Wissenschaftler der Uni Halle die statistischen Angaben der Weltern\u00e4hrungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu Honigproduktion und -handel der letzten 50 Jahre aus rund 100 L\u00e4ndern ausgewertet. Dazu geh\u00f6ren Angaben \u00fcber die Anzahl der Bienenv\u00f6lker in einem Land, die Menge an j\u00e4hrlich produziertem Honig sowie Aussagen dar\u00fcber, wie viel Honig ein Land pro Jahr importiert und exportiert.<\/p>\n<p>Der extreme R\u00fcckgang der Bienenv\u00f6lker in Europa Anfang der 1990er Jahre f\u00e4llt zeitlich mit dem Ende der Sowjetunion und auch der politischen Wende in Deutschland zusammen. \"Vor 1989 wurde die Imkerei in der DDR staatlich stark subventioniert\", so Robin Moritz. Die Imker h\u00e4tten ihren Honig zu hohen Preisen an den Staat verkaufen k\u00f6nnen, der den Honig dann deutlich g\u00fcnstiger weiterverkaufte. Nach der Wiedervereinigung verlor die Imkerei durch die fehlenden Subventionen an Attraktivit\u00e4t, zudem nahm die Bev\u00f6lkerung in den neuen Bundesl\u00e4ndern rapide ab. Dadurch ging auch die Anzahl der Bienenv\u00f6lker um bis zu 50 Prozent zur\u00fcck. \"Das zeigt deutlich, dass politische Entwicklungen einen starken Einfluss auf die Zahl der Bienenv\u00f6lker haben k\u00f6nnen\", fasst Moritz zusammen.<\/p>\n<p>n den Medien werde jedoch h\u00e4ufig die These vertreten, dass vor allem der Einsatz von Pestiziden, Parasiten oder Wetterextreme f\u00fcr den R\u00fcckgang von Bienenv\u00f6lkern verantwortlich sind. \"F\u00fcr die Bienenv\u00f6lker, die von Imkern gehalten werden, trifft das aber nur bedingt zu\", so Silvio Erler. W\u00fcrde ein Bienenvolk zum Beispiel in Folge eines besonders harten Winters sterben, so gleichen die Imker dies in der Regel im Folgejahr aus. Faktoren, wie Pestizide oder Krankheiten, h\u00e4tten zwar Einfluss auf das Bienensterben, aber keinen gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Zahl der gehaltenen Bienenv\u00f6lker. Dies gilt jedoch nur f\u00fcr von Imkern gehaltene Honigbienen, sie lassen keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Sterben der vielen Wildbienen zu, die keine Imker haben, die sich um die Bienen k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Die Statistik der FAO zeigt, dass der globale Honighandel in einem sehr engen Zusammenhang mit der Zahl der Bienenv\u00f6lker steht: L\u00e4nder, in denen sich Honig relativ einfach und kosteng\u00fcnstig produzieren l\u00e4sst, verkaufen diesen auf dem Weltmarkt zu g\u00fcnstigen Preisen. Diese L\u00e4nder haben auch viele Bienenv\u00f6lker. \"L\u00e4nder, die viel Honig importieren, erleiden hingegen einen R\u00fcckgang an Bienenv\u00f6lkern\", erg\u00e4nzt Erler. F\u00fcr einige dieser L\u00e4nder haben die Wissenschaftler eine kuriose Beobachtung gemacht: Obwohl die Zahl der Bienenv\u00f6lker zur\u00fcckgeht, bleibt die Menge des erzeugten Honigs konstant. \"Besonders erstaunlich ist, dass die Produktivit\u00e4t eines Bienenvolks oft exakt mit der Menge des importierten Honigs zunimmt. Das w\u00e4re nur m\u00f6glich, wenn die Bienen vorher w\u00fcssten, wie viel Honig im n\u00e4chsten Jahr importiert wird, um sich dann beim Sammeln besonders anzustrengen\", so Moritz. Das sei biologisch wenig plausibel und ein Grund zur Annahme, dass in einigen L\u00e4ndern im gro\u00dfen Ma\u00dfstab importierter Honig als selbst erzeugter ausgegeben wird.<\/p>\n<p>Aus der FAO-Statistik l\u00e4sst sich noch eine weitere Beobachtung ableiten: \"In Asien kommt die westliche Honigbiene immer h\u00e4ufiger als die einheimische Honigbiene zum Einsatz.\" Die westliche Honigbiene werde von asiatischen Imkern bevorzugt, weil sie einfacher in der Haltung ist und ihre V\u00f6lker mehr Honig produzieren. Aus dieser Entwicklung ergebe sich nicht nur ein Problem f\u00fcr die Imkerei, sondern auch f\u00fcr die Artenvielfalt. Die Varroamilbe, urspr\u00fcnglich ein eher harmloser Parasit der asiatischen Honigbiene, wurde durch die Importe nach Asien weltweit ein gef\u00e4hrlicher Bienenparasit f\u00fcr die westliche Honigbiene. Da die westliche Honigbiene immer h\u00e4ufiger in weiten Teilen Asiens eingesetzt wird, droht einerseits die Gefahr neuer Krankheiten durch weitere Erreger, zum anderen werden die urspr\u00fcnglichen Arten der Honigbiene in Asien verdr\u00e4ngt. Derzeit gibt es in Asien noch neun unterschiedliche Bienenarten. Das k\u00f6nnte sich aber innerhalb weniger Jahre \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Eine sehr ausf\u00fchrliche Betrachtung zum Thema Bienen im Faktencheck findet sich in <a href=\"https:\/\/www.iva.de\/sites\/default\/files\/benutzer\/%25uid\/publikationen\/iva_1601_br_010_faktencheck_bienen_rz_201609015_low.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesem PDF-Dokument<\/a>. Zum Weltbienentag hat auch Spiegel Online diesen ganz <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/weltbienentag-die-honigbienen-sterben-nicht-a-1208252.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">lesenswerten Beitrag<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Unter dem Strich: Ja, unsere Insekten sterben \u2013 und Wildbienen geh\u00f6ren dazu. Aber die Panikmache, dass es bald keinen Bienen gibt, ist ungerechtfertigt.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/01\/31\/lithiumchlorid-gegen-varrosa-milben-bei-bienen\/\">Lithiumchlorid gegen Varrosa-Milben bei Bienen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/11\/10\/tolle-idee-nektarhektar-hilfe-fr-die-bienen\/\">Tolle Idee: Nektar Hektar, Hilfe f\u00fcr die Bienen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/09\/29\/silberlinden-als-bienen-und-hummel-killer\/\">R\u00e4tsel gel\u00f6st: Silberlinden als Bienen- und Hummel-Killer<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/10\/20\/bienensterben-durch-varosa-milbe-per-solarzellen-stoppen\/\">Bienensterben durch Varroamilbe per Solar-beheiztem Bienenstock stoppen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/03\/08\/import-bienen-als-gefahr-fr-heimische-bienenvlker\/\">Import-Bienen als Gefahr f\u00fcr heimische Bienenv\u00f6lker<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren beherrscht ein Thema die \u00d6ffentlichkeit: Das Bienensterben. 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Dabei wird teilweise Schindluder mit dem Thema getrieben.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[617],"class_list":["post-6371","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-natur","tag-bienen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6371"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6371\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20787,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6371\/revisions\/20787"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}