{"id":9446,"date":"2019-06-17T07:30:30","date_gmt":"2019-06-17T05:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=9446"},"modified":"2020-10-18T22:35:24","modified_gmt":"2020-10-18T20:35:24","slug":"tropen-zecke-berwintert-erstmals-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2019\/06\/17\/tropen-zecke-berwintert-erstmals-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Tropen-Zecke &uuml;berwintert erstmals in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Gesundheit\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" border=\"0\" alt=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" width=\"60\" height=\"56\">Die eingewanderte tropische Hyalomma-Zecke scheint jetzt erstmals in Deutschland eingewandert und heimisch geworden zu sein. Die Universit\u00e4t Hohenheim in Stuttgart bittet die Bev\u00f6lkerung erstmals um Mithilfe, um die Verbreitung der Zeckenart zu ermitteln.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Neu eingewanderte Zeckenart<\/h2>\n<p>Die auff\u00e4llige Hyalomma-Zecke, die urspr\u00fcnglich aus Afrika, Asien und S\u00fcdeuropa stammt, wurde vermutlich durch V\u00f6gel in Deutschland eingeschleppt. Die Universit\u00e4t Hohenheim in Stuttgart vermeldete vergangenen Jahr&nbsp; die ersten Funde der tropischen Hyalomma-Zecke in Deutschland. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Zecken in Deutschland\" alt=\"Zecken in Deutschland\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/id7rkbj.jpg\"><br \/>Quelle: Uni Hohenheim\/Marco Drehmann<\/p>\n<p><em>Die Zecke ist bis zu dreimal so gro\u00df wie ihr europ\u00e4ischer Verwandter, der gemeine Holzbock (obiges Foto M\u00e4nnchen links, Weibchen Mitte) &#8211; die tropische Zecke Hyalomma (rechts) \u2013 siehe obiges Bild. <\/em><\/p>\n<p>Hyalomma-Zecken haben geringelte Beine und sind doppelt bis dreimal so gro\u00df wie ihre europ\u00e4ischen Verwandten. Die Heimat der Hyalomma-Zecken liegt urspr\u00fcnglich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und S\u00fcdeuropas.<\/p>\n<h2>Die Zecke \u00fcberwintert in Deutschland<\/h2>\n<p>Experten der Universit\u00e4t Hohenheim und des Instituts f\u00fcr Mikrobiologie der Bundeswehr wiesen in den vergangenen Tagen sechs Exemplare der Gattung Hyalomma nach, so der Deutschlandfunk. Diese seien in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen entdeckt worden. F\u00fcnf Zecken&nbsp; in einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen, eine auf einem Pferd in Niedersachsen: \u201eWir haben die ersten Nachweise dieses Jahres von <em>Hyalomma<\/em>-Zecken in Deutschland\", meldet Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universit\u00e4t Hohenheim. <\/p>\n<p>\u201eBeide Funde sind in den letzten Tagen erfolgt, also praktisch zeitgleich\", erkl\u00e4rt PD Dr. Dobler. \u201eWir gehen deshalb davon aus, dass die drei hei\u00dfen Tage daf\u00fcr verantwortlich waren, dass die w\u00e4rmeliebenden <em>Hyalomma<\/em>-Zecken jetzt ziemlich gleichzeitig an unterschiedlichen Orten aktiv wurden.\"<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Exemplare letztes Jahr h\u00f6chstwahrscheinlich noch mit Zugv\u00f6geln eingeschleppt wurden, d\u00fcrfte das diesmal nicht der Fall sein. \u201eDie Jugendstadien der Zecken, die Larven und Nymphen, sind oft an Zugv\u00f6geln zu finden\", erl\u00e4utert Prof. Dr. Mackenstedt. \u201eSie lassen sich dann einfach abfallen.\" Doch die jetzt gefundenen Tiere seien relativ fr\u00fch im Jahr aufgetaucht. \u201eWenn man den Entwicklungszyklus zur\u00fcckrechnet, h\u00e4tten sie also zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden m\u00fcssen, als die Zugv\u00f6gel noch gar nicht da waren. \u201eUnd diesmal m\u00fcssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland \u00fcberwintern konnten.\" <\/p>\n<p>Damit habe die invasive Art einen wesentlichen Schritt erreicht, um sich langfristig hierzulande zu etablieren, berichten die Forschenden der Universit\u00e4t Hohenheim. \u201eDer Klimawandel scheint es der Hyalomma Zecke zu erlauben, auch dauerhaft in Deutschland Fu\u00df zu fassen\", erkl\u00e4rt Prof. Dr. Mackenstedt, Parasitologin und Expertin f\u00fcr Zecken an der Universit\u00e4t Hohenheim. <\/p>\n<h2>Anderes Verhalten als der Holzbock<\/h2>\n<p>In in ihrem Jagdverhalten unterscheidet sich die neue Art von ihren europ\u00e4ischen Verwandten: Letztere klettern an Gr\u00e4sern, Kr\u00e4utern und B\u00fcschen in die H\u00f6he, wo sie sich von Wildtieren und Wanderern abstreifen lassen. \u201eDie Hyalomma-Zecke jagt dagegen aktiv: Sie erkennt Warmbl\u00fctler auf Distanzen von bis zu 10 Metern und kann sie \u00fcber mehrere 100 Meter verfolgen\", so Prof. Dr. Mackenstedt.<\/p>\n<h2>Uni bittet Bev\u00f6lkerung um Mithilfe<\/h2>\n<p>Um die Ausbreitung und m\u00f6gliche Gefahren durch die neue Hyalomma-Zecke zu erforschen, bittet die Zecken-Expertin nun die Bev\u00f6lkerung um Mithilfe: \u201eWir sind dankbar um jede eingesandte Hyalomma-Zecke, die wir im Labor erforschen k\u00f6nnen.\"<br \/>Vor allem Reiterinnen und Reiter sollten beim t\u00e4glichen Pferdestriegeln aufmerksam sein, da die Hyalomma-Zecke gerne gro\u00dfe S\u00e4ugetiere bef\u00e4llt. Festgebissene Zecken am besten wie auch europ\u00e4ische Zecken mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernen und in kleinen, festverschlossenen Containern senden an<\/p>\n<p>Universit\u00e4t Hohenheim<br \/><b>Prof. Dr. Ute Mackenstedt<\/b><br \/>Fachgebiet f\u00fcr Parasitologie<br \/>Emil-Wolff-Stra\u00dfe 34<br \/>70599 Stuttgart<\/p>\n<h2>Die Zecke ist Krankheits\u00fcbertr\u00e4ger<\/h2>\n<p>Wie weit die neue Art auch Krankheiten \u00fcbertr\u00e4gt, ist noch unklar \u201eIn ihrer Heimat gilt die Hyalomma-Zecke als \u00dcbertr\u00e4gerin einiger Krankheitserreger. Dazu geh\u00f6ren die Erreger des sogenannten Krim-Kongo H\u00e4morrhagischen Fiebers, des Arabisch H\u00e4morrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers.\" Letztere (Rickettsien) seien in einigen der 2018 gefundenen Exemplare auch nachgewiesen worden. Die Erreger der h\u00e4morrhagischen Fieber-Formen bislang jedoch noch nicht.<\/p>\n<h2>Rekordjahr f\u00fcr FSME-Erkrankungen<\/h2>\n<p>Auch in anderer Hinsicht war das vergangene Jahr 2018 auff\u00e4llig: \u201eDie hohen Temperaturen und eine hohe Aktivit\u00e4t der Zecken bescherten uns auch ein Rekordjahr an FSME-Erkrankungen\", diagnostizierte PD Dr. Gerhard Dobler, Mikrobiologe und Leiter des Nationalen Konsiliarlabors f\u00fcr Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis (FSME) am Institut f\u00fcr Mikrobiologie der Bundeswehr.<\/p>\n<p>Bundesweit erkrankten 583 Menschen an der eigentlich vermeidbaren Erkrankung. \u201eDiese hohen Krankheitszahlen sind eigentlich unn\u00f6tig\", betont Mikrobiologe PD Dr. Dobler. Anders als z.B. in \u00d6sterreich seien in Deutschland nur 20 bis 40 Prozent der Bev\u00f6lkerung gegen FSME geimpft. Die Krankheitszahlen in Deutschland l\u00e4gen deshalb rund viermal h\u00f6her als in der Alpenrepublik, wo 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung geimpft seien.<\/p>\n<p>Hier kann ich Personen, die in Risikogebieten leben und sich viel drau\u00dfen aufhalten, nur eine <a href=\"https:\/\/www.zecken.de\/de\/fsmeimpfung\/fsmeimpfung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Impfung empfehlen<\/a>. Ich selbst lasse mir diese Impfung regelm\u00e4\u00dfig auffrischen, um gegen FSME (Hirnhautentz\u00fcndung) gesch\u00fctzt zu sein. F\u00fcr die \u00dcbertragung von <a href=\"https:\/\/www.zecken.de\/de\/krankheit-borreliose\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Borreliose<\/a> (Bakterien) durch die Zecken gibt es leider keine Impfung. Daher sollte man im Freien lange Kleidung tragen und nach einem Aufenthalt die Haut nach Zecken absuchen. <\/p>\n<h2>Neue HotSpots f\u00fcr FSME<\/h2>\n<p>Zum besonderen HotSpot f\u00fcr FSME entwickle sich der Landkreis Ravensburg, so die Forscher. \u201eBereits im Jahr 2017 traten dort 19 F\u00e4lle auf. Mit 23 F\u00e4llen hat sich die Zahl im Jahr 2018 noch einmal gesteigert\", so Dr. Oehme. Aber Deutschland wird zum bundesweiten Risikogebiet, denn auch in den n\u00f6rdlicheren Bundesl\u00e4ndern ist der FSME-Erreger auf dem Vormarsch. \u201eErstmals finden wir 2018 mit dem Landkreis Emsland auch in Niedersachsen ein Risikogebiet\", berichtet PD Dr. Dobler.<\/p>\n<p>\u201eGenerell beobachten wir seit einigen Jahren, dass sich das Risiko nicht mehr lokal eingrenzen l\u00e4sst\", erl\u00e4utert Prof. Dr. Mackenstedt. Manche HotSpots mit besonders hohem Krankheitsrisiko blieben \u00fcber Jahre stabil. Andere tauchten von Jahr zu Jahr neu auf, versch\u00f6ben sich und verschw\u00e4nden wieder. \u201eIm vergangenen Jahr trat jede f\u00fcnfte Erkrankung au\u00dferhalb der bekannten Risikogebiete auf.\"<\/p>\n<p>\u201eEin Fazit ist, dass man dem FSME-Risiko in Deutschland nicht mehr ausweichen kann\", erkl\u00e4rt die Parasitologin. Das gelte nicht nur f\u00fcr Waldgebiete, sondern auch f\u00fcr Gr\u00fcnanlagen oder den eigenen Garten, wie die Universit\u00e4t Hohenheim bereits zwischen 2014 bis 2016 in Studien belegt habe.<\/p>\n<p>Grund zur Panik sei dies jedoch keiner: \u201eUnsere Nachbarl\u00e4nder machen uns vor, wie erfolgreich eine m\u00f6glichst fl\u00e4chendeckende Impfung die Krankheitszahlen nach unten dr\u00fcckt. Die Impfung werde von der Krankenkasse bezahlt und wird in endemischen Regionen gleich f\u00fcr die ganze Familie empfohlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die eingewanderte tropische Hyalomma-Zecke scheint jetzt erstmals in Deutschland eingewandert und heimisch geworden zu sein. Die Universit\u00e4t Hohenheim in Stuttgart bittet die Bev\u00f6lkerung erstmals um Mithilfe, um die Verbreitung der Zeckenart zu ermitteln.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32,13],"tags":[83,119],"class_list":["post-9446","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheit","category-natur","tag-gesundheit","tag-natur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9446\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}