Viele Leute haben heutzutage ein eBike, neumodisch Pedelec genannt. Problem ist, dass die Akkus irgendwann schlapp machen. Sonntagmorgen, die Lieblingsrunde zum Café am See. Beim Losfahren zeigt der Akku vier Balken, am Berg auf dem Rückweg plötzlich nur noch einen. Zu Hause an der Steckdose sind es wieder drei. Ist der Akku müde, oder ist die Anzeige nur launisch? Das lässt sich klären, ohne Werkzeug und ohne Werkstatt. Ein Akku-Spezialist hat mir entsprechende Informationen zukommen lassen.
Vier Beobachtungen auf der gewohnten Runde reichen, um Ihren E-Bike-Akku zu testen, schreiben die Battery Pros, die sich auf die Vermittlung von Akku-Reparaturen in Fachbetrieben spezialisiert haben. Eine Reparatur kommt dabei vor, aber erst am Ende, als eine von drei Möglichkeiten.
Was die Prozentanzeige wirklich sagt (und was nicht)
Die Anzeige an Ihrem Pedelec ist wie die Tankanzeige im Auto: Sie zeigt, wie voll der Tank gerade ist, nicht, wie groß er noch ist. Beim Auto ändert sich die Tankgröße nie. Beim Akku schrumpft sie mit den Jahren, leise und ohne Hinweis auf dem Display. Fachleute unterscheiden deshalb zwei Werte.
- Der Ladestand sagt, wie viel Energie gerade nutzbar ist.
- Der Gesundheitszustand, auf Englisch State of Health, kurz SoH, sagt, wie viel von der ursprünglichen Kapazität überhaupt noch übrig ist. Quelle
Die DEKRA rechnet es für Elektroautos vor, für Ihr Rad heißt das als Beispielrechnung: Ein 500-Wattstunden-Akku mit 80 Prozent Gesundheit fasst noch 400 Wattstunden, und die Anzeige sagt trotzdem fröhlich „100 Prozent".

Genau diese Zahl fehlt am E-Bike, nur der Fachhandel kann sie auslesen. Bis dahin hilft Beobachten statt Ablesen, und das kostet nichts.
Warum ein Pedelec-Akku altert, auch wenn er nur im Keller steht
Bosch nennt den Akku in seinem Akku-Guide ein Verschleißteil und beschreibt zwei Arten von Alterung: die zyklische durch Laden und Entladen, und die kalendarische, die auch im Regal stattfindet, weil in den Zellen chemische Reaktionen weiterlaufen (Quelle). Der ADAC beziffert diesen stillen Schwund mit bis zu 0,5 Prozent im Monat, ab dem Tag der Fertigung. Hitze und extreme Ladestände beschleunigen das laut Bosch zusätzlich.
„Auch unabhängig von der Nutzung verlieren die Zellen mit der Zeit an Kapazität; einige Prozent Verlust pro Jahr sind möglich."
Stiftung Warentest, E-Bike-Akku-Ratgeber vom 10. Mai 2026
Einen Memory-Effekt wie bei den Akkus der Neunziger gibt es bei Lithium-Ionen-Zellen nicht. Sie dürfen nach jeder Runde nachladen. Schädlich ist Vergessen: im Oktober mit letzter Ladung in die Garage, bis Ostern nicht angerührt.
Aus der Praxis
Bei den Akkus, die über uns in der Partnerwerkstatt landen, ist die Winterpause eines der häufigsten Muster: Rad im Herbst gesund abgestellt, im Frühjahr tut sich nichts mehr, und das Ladegerät bleibt grün, als wäre gar kein Akku angeschlossen. Dahinter steckt meist die Schutzelektronik, die nach einer Tiefentladung den Eingang gesperrt hat. Der ADAC nennt die Tiefentladung die häufigste Ursache dafür, dass ein Akku getauscht werden muss.
E-Bike-Akku testen in vier Schritten, ganz ohne Werkzeug
Sie brauchen nur Ihre gewohnte Runde, ein bisschen Geduld und einen Zettel.

Schritt 1: Die Vergleichsfahrt
Fahren Sie Ihre Standardrunde mit derselben Unterstützungsstufe wie immer, möglichst bei ähnlichem Wetter, und notieren Sie Balken oder Prozent vor und nach der Fahrt. Erst nach zwei oder drei Runden sehen Sie ein Muster, eine einzelne Fahrt bei Gegenwind sagt nichts.
Schritt 2: Die Berg-Probe
Beobachten Sie die Anzeige an der steilsten Stelle. Fällt sie dort deutlich ab und erholt sich oben wieder um einen Balken, knickt der Akku unter Last ein. Apple beschreibt dasselbe fürs Handy: Je schlechter der Batteriezustand, desto weniger Spitzenleistung. Beim Rad ist der Berg die Spitzenleistung.
Schritt 3: Die Ladezeit
Ein kleiner gewordener Tank ist schneller voll. Meldet der Akku nach einer Fahrt, die früher drei Stunden Laden brauchte, heute nach zwei Stunden „voll", hat er Kapazität verloren. Bleibt die Leuchte am Ladegerät dagegen dauerhaft grün und tut sich nichts, ist meist nicht der Akku leer, sondern seine Elektronik verriegelt.
Schritt 4: Die Sichtprüfung
Schauen Sie sich das Gehäuse in Ruhe an: Beulen, Risse, Feuchtigkeit an den Kontakten, ein süßlicher Geruch oder ein Akku, der beim Laden ungewöhnlich warm wird. Der ADAC rät, nach Stürzen im Zweifel auf einen weiteren Ladevorgang zu verzichten, weil Schäden für Laien nicht immer erkennbar sind. Dann ist der Selbsttest zu Ende, und der Fachhandel ist dran.
| Beobachtung | Das steckt meistens dahinter | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| Gleiche Runde, ein bis zwei Balken weniger als vor zwei Jahren | Normale Alterung, der Tank ist kleiner geworden. | Weiterfahren, Reserve einplanen, Lagerung prüfen. |
| Anzeige bricht am Berg ein und erholt sich danach | Gealterte oder ungleiche Zellen, die unter Last einknicken. | Vom Fachhandel auslesen lassen, bevor Sie Geld ausgeben. |
| Akku ist deutlich schneller „voll" als früher | Kapazität gesunken. | Mit Schritt 1 vergleichen; Messung einplanen. |
| Ladegerät bleibt grün, nichts passiert | Elektronik hat nach Tiefentladung gesperrt, oder Ladegerät beziehungsweise Buchse sind defekt. | Erst Ladegerät und Buchse ausschließen, dann zur Werkstatt. |
E-Bike-Akku prüfen lassen: Was der Fachhandel misst
Wenn die vier Schritte ein ungutes Gefühl hinterlassen, kommt die Messung. Der Fachhandel kann bei Bosch-Akkus die aktuell verfügbare Kapazität mit dem CapacityTester bestimmen, andere Werkstätten messen Zelle für Zelle. Der ADAC empfiehlt eine solche Messung vor allem vor dem Kauf eines gebrauchten E-Bikes; ein Zustandszertifikat kostet 20 bis 50 Euro. Es gibt allerdings keine einheitliche Berechnung des Gesundheitszustands, die Werte verschiedener Hersteller sind nur bedingt vergleichbar. Und ein Messgerät sieht nicht alles: Ein Händlerprotokoll meldete einem Kunden „98 Prozent, alles gut", an den Kontakten lag trotzdem fast nichts an, weil der Ausgang gesperrt war.
Achtung
Kein Multimeter an die Kontakte, kein Schraubendreher ans Gehäuse. Der ADAC warnt ausdrücklich vor Eigenreparaturen: Die Brandgefahr durch Fehler ist zu hoch, und die Gewährleistung ist weg. Bosch erlaubt das Öffnen nur geschulten Fachleuten.
Weiterfahren, Pedelec-Akku reparieren oder ersetzen?
Drei Möglichkeiten bleiben, und die Reihenfolge ist Absicht.
Weiterfahren. Die DEKRA nennt einen Gesundheitszustand zwischen 80 und 100 Prozent gut. Passt Ihre Lieblingsrunde noch bequem hinein, gibt es keinen Grund für Hektik. Lagern Sie den Akku in Pausen halb voll, also bei 30 bis 60 Prozent, trocken bei 10 bis 20 Grad, und holen Sie ihn im Winter vor der Fahrt ins Warme, denn Kälte kostet vorübergehend Leistung.
Ersetzen. Gibt es den Akku noch als Original, ist das die unkomplizierteste Wahl, aber meist die teurere: Rechnen Sie laut Händlerangaben mit 700 bis 1.000 Euro, eine Reparatur kostet oft nur rund die Hälfte. Der alte Akku geht kostenlos zum Fachhändler zurück, nie in den Hausmüll!.
Reparieren. Ich verdiene mit Akkureparaturen Geld, deshalb lasse ich hier zuerst die anderen sprechen. Der ADAC rät Privatleuten derzeit von Akku-Reparaturen ab, nennt Werkstattpreise von 150 bis 600 Euro und vermisst Prüfzertifikate für Zellen-Bausätze. Bosch empfiehlt bei alten oder defekten Akkus den Tausch gegen ein neues Original. Der TCS sieht es differenzierter: Fachmännisch gemachte Reparaturen „können absolut funktionstüchtig sein". Eine Reparatur passt vor allem dann, wenn es kein Original mehr gibt, und nur unter den zwei Bedingungen, die auch der ADAC nennt: Die Werkstatt tauscht alle Zellen und gibt Gewährleistung. Ist die Elektronik vergossen oder ohne Ersatz, hilft der beste Zellentausch nichts. Welche Marken und Systeme sich reparieren lassen, zeigt diese Übersicht nach Marke und Modell.
Bevor Sie Geld ausgeben: fünf Minuten Vorarbeit
- Ladegerät und Buchse ausschließen: anderes Ladegerät oder anderes Rad probieren, wenn möglich. In der Partnerwerkstatt wurde einmal ein Akku zerlegt, bevor sich herausstellte: Die Ladebuchse am Rad war defekt.
- Kontakte reinigen, mit einem trockenen Tuch, nie mit Wasser.
- Vergleichsfahrt notieren: Datum, Kilometer, Balken.
- Ladestand prüfen: nie wochenlang leer stehen lassen, Tiefentladung ist der größte Feind.
- Beim Händler fragen, ob es den Akku noch als Original gibt und was das Auslesen kostet.
Fazit: Erst beobachten, dann messen, dann entscheiden
Wer seinen E-Bike-Akku testen will, braucht zuerst vier Beobachtungen auf der gewohnten Runde, dann eine Messung im Fachhandel, und erst dann steht die Entscheidung an: weiterfahren, ersetzen oder in seltenen Fällen reparieren. Günter hat 2018 im Beitrag Pedelec: Wenn der Akku schlapp macht geschrieben, was passiert, wenn der Akku schlapp macht. Mein Wunsch für Sie ist, dass Sie es ein paar Wochen früher merken als der Akku. Und dass die Sonntagsrunde zum Café weiter mit vier Balken endet.
Über den Autor
Conrad Glitza, Gründer von Battery Bros. Conrad Glitza hat Battery Bros in Berlin mitgegründet, eine Plattform für die Reparatur von E-Bike- und E-Scooter-Akkus. Vorher Innovationsmanagement, heute vor allem Fragen wie: Lohnt sich das noch? Er schreibt über Akkus so, wie er es seinen Eltern erklären würde. Mehr zu Reparatur oder Ersatz: batterybros.de

