Krebs ist keine "moderne Krankheit", die erst in den letzten 100 Jahren zuschlägt. Es sind Krebserkrankungen aus dem alten Ägypten bekannt. Kürzlich haben Forscher Krebsviren in der Mumie von Özi sowie in einer vor 45.000 Jahre lebenden Person nachgewiesen. Es scheint, dass Krebs die Menschheit seit Jahrtausenden begleitet.
Krebs, eine moderne Krankheit?
Krebs wird in der modernen Medizin als eine genetische Krankheit definiert, die ein breites Spektrum von Zuständen umfasst, bei denen Zellen beginnen, sich unkontrolliert im ganzen Körper zu vermehren (National Cancer Institute, USA).
Es handelt sich also eher um einen komplexen Sachverhalt als um eine einzelne Krankheit, was der Name vielleicht suggeriert. Das erschwert auch die Erkennung und Behandlung diverse Krebsarten bis heute – auch wenn die moderne Medizin in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat.
Es sind Krebserkrankungen bei Menschen, die in der Steinzeit lebten, nachgewiesen. In der historischen Vergangenheit wurden Krebserkrankungen (Neoplasmen) sogar bis zu einem gewissen Grad erkannt. Zudem sind bösartige Krebserkrankungen in den altägyptischen paläopathologischen Aufzeichnungen nachgewiesen. Die heutige Auffassung ist, dass Krebs auch in historischen Zeiträumen viel weiter verbreitet war als bisher angenommen.
In Ägypten hat man möglicherweise vor 4000 Jahren bereits versucht, Krebsgewebe chirurgisch zu entfernen. Dies schließen Archäologen aus zwei gefundenen Schädeln mit entsprechenden Spuren. Ich hatte im Beitrag Ägypten vor 4000 Jahren: Ärzte versuchen Krebsoperation darüber berichtet. Eine gewisse Rolle bei der Krebsentstehen spielen dabei Viren, z.B. Humane Papillomviren (HPVs).
Krebsviren in alten Mumien gefunden
Kürzlich gab es neue Erkenntnisse, dass Menschen in der Steinzeit und in der Bronzezeit bereits krebs auslösende Humane Papillomviren (HPVs) in sich trugen. Humane Papillomviren (HPVs) sind uralte Viren mit unterschiedlichen Abstammungslinien, die Epithelgewebe von Primaten und Menschen infizieren.
Obwohl ihre heutige Verbreitung und klinische Bedeutung gut verstanden sind, gibt es nur begrenzte Kenntnisse über ihr Vorkommen in prähistorischen menschlichen Populationen.
In einer Studie haben Wissenschaftler das Vorhandensein von HPV bei alten anatomisch modernen Menschen (AMHs) untersucht, wie sie in dieser Veröffentlichung schreiben. Dazu verwendeten sie Genomsequenzierungsdaten von zwei außergewöhnlich gut erhaltenen Individuen zur Analyse:
- Ust'-Ishim ein Mensch, der vor ca. ~45.000 Jahren lebte
- Ötzi, der Eismann, der vor ca. ~5.300 Jahren lebte.
Die Wissenschaftler konnten bei beiden Individuen Papillomavirus-Fragmente mit hoher Zuverlässigkeit nachweisen. Weitere phylogenetische und vergleichende Analysen ergaben, dass die rekonstruierten Sequenzen zu HPV16 gehören. Die Studie liefert den frühesten molekularen Nachweis von HPV16 bei anatomisch modernen Menschen (AMHs). Damit wird die Vorstellung in Frage gestellt, dass HPV16A durch Kreuzungen mit Neandertalern in den Homo sapiens gelangte.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass HPV16 bereits in der Altsteinzeit bei modernen Menschen vorhanden war. Das legte eine langjährige Wirt-Virus-Beziehung, unabhängig von einer Übertragung durch Neandertaler. Eine deutschsprachige Aufbereitung des oben verlinkten Forschungsberichts findet sich auf scinexx.de.

