Eine Grabbeigabe belegt, dass die alten Ägypter bereits vor 5.300 Jahren das Bohren mit einem Bogen beherrschten. Das sind gut 2.000 Jahre früher, als bisherige Funde vermuten lassen. Das Objekt wurde bereits in den 1920er Jahren gefunden, fand aber bisher keine Beachtung, weil es als "Ahle" interpretiert wurde.
Heute greift man zur Bohrmaschinen, um Löcher zu bohren. Aber wann beherrschten die Menschen das erstmalig? Ich hätte spontan behauptet, dass die Menschen in der Altsteinzeit bereits mit einem Bogen in der Lage waren, feine Löcher zu bohren.

Obiges Foto im Post zeigt einen Bogenbohrer in Aktion, Grabmalerei aus dem Neuen Reich aus West-Theben, Grab von Rekhmire, Objekt 31.6.25, The Metropolitan Museum of Art, gemeinfrei
Kürzlich bin ich auf BlueSky auf obigem Post gestoßen, der auf neue Erkenntnisse aus dem alten Ägypten abstellt. Die Universität von New Castle (Großbritannien) hat zum 9. Februar 2026 in einer Mitteilung 5,300-year-old 'bow drill' rewrites story of ancient Egyptian tools auf die neuesten Erkenntnisse einer Studie aus dem alten Ägypten hingewiesen. In der neuen Studie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Ägypter schon viel früher als bisher angenommen ein mechanisch ausgeklügeltes Bohrwerkzeug verwendeten.
Bogenbohrer sind aus späteren Perioden der ägyptischen Geschichte gut bekannt, darunter erhaltene Exemplare aus dem Neuen Reich aus der Mitte bis zum Ende des zweiten Jahrtausends v. Chr., mit Grabszenen, die Handwerker beim Bohren von Perlen und Holzarbeiten zeigen. Die Gräber befinden sich im heutigen Westjordanland in der Region Luxor.
Alter Grab-Fund neu bewertet
Forscher der Newcastle University und der Akademie der bildenden Künste in Wien haben ein kleines Objekt aus einer Kupferlegierung, das vor einem Jahrhundert auf einem Friedhof in Badari in Oberägypten ausgegraben wurde, erneut untersucht. Dabei sind die Forscher zum Schluss gekommen, dass es sich um den ältesten identifizierten Drehbohrer aus Metall aus dem alten Ägypten handelt. Das Werkzeug stammt aus der prädynastischen Zeit (Ende des 4. Jahrtausends v. Chr.), bevor die ersten Pharaonen herrschten.
Das Artefakt (katalogisiert als 1924.948 A im Museum für Archäologie und Anthropologie der Universität Cambridge) wurde in Grab 3932 gefunden, der Grabstätte eines erwachsenen Mannes. Als es in den 1920er Jahren erstmals veröffentlicht wurde, wurde das Artefakt – das nur 63 Millimeter lang ist und etwa 1,5 Gramm wiegt – als „kleine Kupferahle, um die ein Lederriemen gewickelt ist" beschrieben. Diese kurze Notiz war leicht zu übersehen, und das Objekt fand jahrzehntelang wenig Beachtung.
Unter dem Vergrößerungsglas stellten die Forscher jedoch fest, dass das Werkzeug deutliche Abnutzungsspuren aufweist, die auf Bohrvorgänge hindeuten: feine Riefen, abgerundete Kanten und eine leichte Krümmung am Arbeitsende – alles Merkmale, die auf eine Drehbewegung und nicht auf einfaches Durchstechen hindeuten.
Die in der Fachzeitschrift Egypt and the Levant veröffentlichte Studie beschreibt auch sechs Windungen eines extrem empfindlichen Lederriemens, bei dem es sich nach Ansicht der Forscher um einen Rest der Bogensehne handelt, die zum Antrieb eines Bogenbohrers verwendet wurde. Das ist ein altes Äquivalent eines Handbohrers, bei dem ein um einen Schaft gewickelter Strick mit einem Bogen hin und her bewegt wird, um den Bohrer schnell zu drehen.
Dr. Martin Odler, Gastwissenschaftler an der Fakultät für Geschichte, Klassische Philologie und Archäologie der Universität Newcastle und Hauptautor der Studie, erklärt: "Die alten Ägypter sind berühmt für ihre Steintempel, bemalten Gräber und prächtigen Schmuckstücke, aber hinter diesen Errungenschaften stehen praktische, alltägliche Technologien, die in den archäologischen Aufzeichnungen selten erhalten geblieben sind. Eine der wichtigsten davon war der Bohrer: ein Werkzeug zum Durchbohren von Holz, Stein und Perlen, das alles von der Möbelherstellung bis zur Herstellung von Schmuckstücken ermöglichte.
Diese erneute Analyse hat eindeutige Beweise dafür geliefert, dass dieses Objekt als Bogendrehbohrer verwendet wurde – wodurch eine schnellere und kontrolliertere Bohrbewegung erzielt werden konnte als durch einfaches Drücken oder Drehen eines ahlenartigen Werkzeugs von Hand. Dies deutet darauf hin, dass ägyptische Handwerker bereits mehr als zwei Jahrtausende vor einigen der am besten erhaltenen Bohrersätze das zuverlässige Drehbohren beherrschten."
Die chemische Analyse des Teams unter Verwendung von tragbarer Röntgenfluoreszenz (pXRF) ergab, dass der Bohrer aus einer ungewöhnlichen Kupferlegierung hergestellt wurde. Mitautor Jiří Kmošek erklärt: „Der Bohrer enthält Arsen und Nickel sowie nennenswerte Mengen an Blei und Silber. Eine solche Zusammensetzung hätte im Vergleich zu normalem Kupfer ein härteres und optisch unverwechselbares Metall ergeben. Das Vorhandensein von Silber und Blei könnte auf eine bewusste Legierungswahl hindeuten und möglicherweise auf ein breiteres Netzwerk von Materialien oder Know-how, das Ägypten im vierten Jahrtausend v. Chr. mit dem gesamten östlichen Mittelmeerraum verband."
Die Studie, die mit dem von UKRI finanzierten Projekt EgypToolWear (Horizon Europe Guarantee) in Verbindung steht, zeigt auch, dass Museumssammlungen nach wie vor wichtige Entdeckungen liefern können. Ein kleines Objekt, das vor langer Zeit ausgegraben und in einer einzigen Zeile beschrieben wurde, bewahrt nicht nur frühe Metallverarbeitung, sondern auch seltene Spuren organischen Materials, die Aufschluss darüber geben, wie das Werkzeug tatsächlich verwendet wurde.
Reference: "The Earliest Metal Drill of Naqada IID Dating", Martin Odler and Jiří Kmošek Ägypten und Levante / Egypt and the Levant (Vol. 35, 2025) DOI: 10.1553/AEundL35s289

