Wer hat Schuld am Starliner-Debakel? Management-Kultur ist die Ursache

Die USA-Raumfahrtbehörde NASA hat die Ergebnisse der Untersuchung der Gründe, die zum Scheitern der Starliner-Mission, bei der eine Astronautin und ein Astronaut für ca. ein halbes Jahr auf der Internationalen Raumstation (ISS) strandeten und mit einem anderen Raumschiff zur Erde zurückkehren mussten veröffentlich. Eine falsche Management-Kultur bei der NASA (und wohl auch beim Hersteller Boeing) ist wohl die Ursache für das Scheitern.

Rückblick auf das Starliner-Desaster

Der Starliner ist eine Raumkapsel, die von Boeing entwickelt wurde, und sollte  amerikanische Astronauten ins Weltall (z.B. zur Internationalen Raumstation) befördern und sicher zur Erde zurückbringen. Das Raumschiff sollte für die US-Raumfahrtbehörde NASA eine Alternative zur SpaceX Crew Dragon-Raumkapsel, die seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz ist, darstellen.

Boeing Starliner an ISS angedocktBoeing Starliner an ISS angedockt; Quelle: NASA

Das Projekt entwickelte sich aber zum Desaster: Erst gab es riesige Verzögerungen, bis das Raumschiff, um Jahre verspätet, einsetzbar war.

Der Starliner flog unbemannt zur Erde zurück und konnte auch sicher landen (Starliner-Raumschiff soll heute leer von der ISS zur Erde zurückkehren).

Wer ist für das Desaster verantwortlich?

Gebaut wurde das Starliner Raumschiff von Boeing, einem großen US-Hersteller von Flugzeugen und Raumfahrtkomponenten. Das Unternehmen geriet nach zwei 737 Max Flugzeugabstürzen 2018 und 2019 in eine große Krise. Hintergrund waren gravierende Versäumnisse bei Boeing sowie bei der US-Zulassungsbehörde – bedingt durch Personalmanangel und eine toxische Management-Kultur, bei der Profite höher als Sicherheit wogen.

Ein schlechtes Omen für den Starliner, der von diesem Unternehmen gebaut wurde. The Register hat in diesem Artikel den Untersuchungsbericht der NASA zum Starliner-Debakel aufbereitet. Obwohl die technischen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind, räumt die NASA ein, dass es ein Fehler war, darauf zu vertrauen, dass Boeing eine gründliche Arbeit abliefert.

NASA-Administrator Jared Isaacman musste während einer Pressekonferenz am  letzten Donnerstag auch ein Führungsversagen innerhalb der NASA-Organisation einräumen. Es habe zwar definitiv technische Probleme mit dem Starliner-Raumschiff während des bemannten Fluges gegeben. Diese technischen Probleme seien jedoch nur aufgrund von Führungs- und Aufsichtsmängeln aufgetreten.

"Wir haben die Besatzung sicher zurückgebracht, aber der Weg, den wir eingeschlagen haben, spiegelte nicht das Beste der NASA wider", sagte Isaacman. Er sagte, dass es der Missionskontrolle und der Besatzung zu verdanken sei, dass die Astronauten sicher auf der ISS angekommen seien. "Wären andere Entscheidungen getroffen worden, hätte das Ergebnis dieser Mission ganz anders aussehen können", wird Isaacman zitiert.

Der 311-seitige Bericht der NASA [PDF] zur Untersuchung erwähnt zwar bekannte technische Probleme mit dem Starliner. Aber der Bericht führt das Scheitern der Mission, wurde von der NASA als Unfall der Kategorie A eingestuft, jedoch auf organisatorische Probleme zurück.

Zu den technischen Problemen mit dem Raumfahrzeug gehörten unzureichende Tests des Antriebssystems des Starliner, niedrige Telemetrieraten und ein Mangel an Datenspeicherplatz an Bord während zweier vorheriger Orbitalflugtests. Das führte zu unzureichenden Flugdaten, um Anomalien richtig zu diagnostizieren. Das führte dann wiederum dazu, dass unerklärliche Anomalien akzeptiert wurden, ohne dass die Ursache behoben wurde.

NASA gab zu, dass sie nur begrenzten Einblick in die Daten der Subunternehmer hatte und daher nicht in der Lage war, die Betriebsbereitschaft der Starliner-Systeme zu überprüfen. Zeitdruck führte zu einer "restriktiven Initiative zur Risikominderung", und das Modell der gemeinsamen Verantwortung im Rahmen des Commercial Crew Program (CCP) "wurde nur unzureichend verstanden und uneinheitlich angewendet" heißt es. Am Ende kam es zu einem Mangel an Verantwortungsbewusstsein, der zu kritischen Problemen und zum Scheitern der Mission führte.

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