NASA kündigt Projekt "Space Reactor‑1" (Sonde mit Nuklearantrieb) an

Die US-Raumfahrtbehörde NASA zum 24. März 2026 im Rahmen der "Ignition"-Veranstaltung die aktuellen Projekte für die kommenden Jahre vorgestellt. Mondflüge stehen für 2026-2028 im Mittelpunkt. Aber die NASA kündigte auch Pläne für den "Space Reactor-1" an. Das bedeutet  den ersten Test eines nuklear-elektrischen Antriebs im Weltraum, der bereits im Jahr 2028 geplant ist. Die Mission soll mehrere Hubschrauber vom Typ "Ingenuity" zum Mars befördern.

Mir ist diese Erwähnung gestern in nachfolgendem Tweet auf BlueSky untergekommen. Das beigefügte Bild zeigt ein Foto der Sonde, die im Jahr 2028 zum Mars starten soll.

Nuklear-elektrischer Antrieb im Weltraum

Die Pressemitteilung der NASA zu den geplanten Projekten findet sich hier. Es heißt, dass die NASA sich zum Ziel gesetzt hat, erneut das fast Unmögliche zu erreichen: noch vor Ablauf der Amtszeit von Präsident Trump zum Mond zurückzukehren. Es soll eine Mondbasis errichtet und eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond aufgebaut werden, um die Führungsrolle der USA im Weltraum zu sichern.

Es sind sehr ambitionierte Pläne, Donald Trump muss sehr lange Präsident der USA bleiben, oder die NASA sollte eine Schippe bezüglich der Entwicklung zulegen. Derzeit haben die nicht mal eine zuverlässig funktionierende Rakete, um einfache Mondflüge durchzuführen. Jetzt will man schon eine Mondbasis vor 2030 errichten.

Spannend ist, dass man dabei wohl eine Raumstation in der Mondumlaufbahn (Lunar Gateway) aufgibt, wie The Register hier feststellt. Das düpiert die internationalen Partner, die so etwas eingeplant haben.

Nuklearantrieb für den Flug zum Mars

Mich hat aber die Erwähnung des Projekts "Space Reactor-1" sofort "getriggert", steht ein Nuklear-Antrieb doch bereits seit den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts auf der Wunschliste der Raumfahrtingenieure. Sowohl die US-Raumfahrtbehörde NASA als auch die US-Airforce (US-Luftwaffe) haben seit dem Projekt SNAP-10A vor mehr als 60 Jahren mit verschiedenen Arten von Nuklearraketen und Raumfahrzeugen experimentiert. Der SNAP-10A war der erste Kernreaktor, der 1965 per Satellit in die Erdumlaufbahn geschossen wurde. Der Reaktor versagte aber nach 43 Tagen wegen eines Fehlers und wegen der Risiken eines Absturzes wurden weitere Starts abgesagt.

Im Haushaltsentwurf der NASA für 2026 war die Einstellung der Mittel für den nuklearen thermischen Antrieb vorgesehen. Jetzt also die Kehrtwende der NASA, es soll bald eine Variante getestet werden, bei der elektrische Energie durch einen nuklearen Teil erzeugt und damit ein Ionentriebwerk damit versorgt werden.

In der Pressemitteilungen der NASA heißt es, dass man noch vor Ende 2028 den "Space Reactor-1 Freedom", als erstes interplanetares Raumfahrzeug mit Atomantrieb, zum Mars starten werde. Das wäre ein Projekt, um den fortschrittlichen nuklear-elektrischen Antrieb im Weltraum zu demonstrieren. Der nuklear-elektrische Antrieb bietet außergewöhnliche Möglichkeiten für den effizienten Massentransport im Weltraum und ermöglicht leistungsintensive Missionen jenseits von Jupiter, wo Solaranlagen nicht effektiv sind.

Nachfolgender BlueSky-Tweet zeigt das Schema dieses Raumfahrtzeugs. An der Spitze der Trägerkonstruktion befindet sich ein kleiner Kernreaktor, der Strom erzeugen soll. Die großen "Flügel", die an der Sonde sichtbar sind, stellen keine Solarzellen dar, sondern es sind Kühlflächen.

Nuklear-elektrische Raumsonde

Hinter den Kühlflächen, am Ende des Raumfahrtzeugs, findet sich dann der elektrische Antrieb (Ionenstrahl-Triebwerk). Das Prinzip des Antriebs ist diesem Dokument entnommen. Diese Technik der Ionenstrahl-Triebwerke ist bereits seit Jahren im Einsatz, wird bisher aber durch Solarzellen mit Strom gespeist. Durch Verwendung eines Kernreaktors könnten solche Antriebe aber auch für Missionen zum Jupiter und darüber hinaus genutzt werden. Dort reicht die Sonnenstrahlung nicht zur Energieversorgung eines elektrischen Antriebs.

Das Projekt SR-1 Freedom soll aber nur zum Mars gehen. Ist der Mars erreicht, soll die Skyfall-Nutzlast, bestehend aus Hubschraubern der Ingenuity-Klasse, ausgesetzt werden. Diese sollen weich auf dem Mars landen und diesen erforschen.

Das Projekt SR-1 Freedom soll Flugerfahrung mit nuklearer Hardware sammeln, regulatorische und starttechnische Präzedenzfälle schaffen und die industrielle Basis für zukünftige Kernspaltungsantriebssysteme in Antriebs-, Oberflächen- und Langzeitmissionen einleiten. Die NASA und ihr Partner, das US-Energieministerium, wollen so die Fähigkeiten, die für eine nachhaltige Erforschung jenseits des Mondes und für künftige Reisen zum Mars und in das äußere Sonnensystem erforderlich sind, erschließen. Ambitionierte Vorhaben, die aber neue Möglichkeiten eröffnen.

‪Corey S. Powell‬, der die obigen Tweets auf Bluesky gepostet hat, stellt dann auch die Frage, ob die NASA das nötige Budget und Personal erhalten wird, um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen? Und er fragt: "Kann die NASA ein nuklear-elektrisches Mars-Raumschiff entwickeln und es in weniger als drei Jahren startbereit machen?"

Das sei ein sehr ehrgeiziger Plan, vor allem wenn man bedenkt, dass der vorherige Vorschlag des Weißen Hauses eine Kürzung der NASA-Mittel um 25 % vorsah. Die Entwicklung eines nuklear-elektrischen Mars-Raumschiffs in 3 Jahren sei eine Weltraumfantasie, schließt er. Er geht davon aus, dass die Ankündigung für 2028 eine "Hausnummer" (eine politische Zahl), um Trump zu gefallen. Wenn es bis 2030 klappen würde, wäre das immer noch fantastisch. Aber immerhin gibt es wieder Pläne – ob es Geld gibt, ist eine andere Sache. Und wie die USA in vier Jahren da stehen, wird man abwarten müssen. Ergänzung: Die Kollegen von Golem haben sich die Präsentation angesehen und schreiben hier "vom Abstieg der NASA".

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