Eisenklumpen aus der Donau stammen aus der La-Tène-Zeit

Es ist ein Sensationsfund, der bei Baggerarbeiten am Ufer der Donau gemacht wurde. Was erst wie "verrostete Eisenklumpen" in Kies aussah, entpuppte sich als Eisenbarren aus der La-Tène-Zeit (Mitte des 5. bis 1. Jahrhunderts v. Chr.). Es muss gut eine Tonne Eisen gewesen sein, welches vor über 2000 Jahren dort mit einem Schiff unterging.

Zufallsfund beim Kiesabbau

Es war im Jahr 2019, als bei  Kiesab­bau­ar­beiten an der Donau in Ober­ös­ter­reich eine große Menge verros­teter Eise­nob­jekte entdeckt wurden. Zum 21. September 2026 gingen die Archäologen um Peter Treb­sche von der Univer­sität Inns­bruck mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit.

Eisenfund in der Donau

Durch­ge­führte Analysen und Radio­kar­bon­da­tie­rungen iden­ti­fi­zierten den eine Tonne schweren Sensa­ti­ons­fund als "rostigen Schatz". Es handelt sich um Europas größten bekannten Massen­fund eisen­zeit­li­cher Eisen­bar­ren.

Eisenproduktion in Europa

Während der La-Tène-Zeit (Mitte des 5. bis 1. Jahrhunderts v. Chr.) nahm die Eisenproduktion in Europa stark zu. Große Mengen und eine breite Vielfalt an Objekten fanden auf dem gesamten Kontinent zunehmend Verbreitung. Obwohl bekannt ist, dass Eisen in spezialisierten Produktionszentren hergestellt wurde, war das genaue Ausmaß des Handels bislang nur unzureichend erforscht.

"Halbfabrikate – vorgefertigte, aber noch nicht endgültig ausgeformte Eisenprodukte – werden von Findern häufig nicht als solche erkannt und lassen sich zudem nur schwer präzise datieren", begründet Trebsche die Forschungslücke.

Die Entdeckung zahlreicher doppelspitziger Eisenobjekte (die nur als verrostete Eisenklumpen erkennbar waren) bei Kiesabbauarbeiten entlang der Donau im oberösterreichischen Deinham bot Archäologen die einzigartige Gelegenheit, die prähistorische Eisenproduktion sowie den Eisenhandel zu untersuchen.

Die insgesamt rund eine Tonne schweren Barren hätten für ungefähr 500 Schwerter mit einem durchschnittlichen Gewicht von 1,5 bis 2 Kilogramm gereicht und weisen auf bislang unbekannte Dimensionen von Eisenproduktion und -handel in der La-Tène-Zeit hin, schreiben die Wissenschaftler.

"Es grenzt an ein kleines Wunder, dass dieser außergewöhnliche Fund nicht bei Schrotthändlern gelandet ist, sondern dem österreichischen Bundesdenkmalamt gemeldet wurde", sagt der Hauptautor der Studie, Peter Trebsche, Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck. "Ich bin dankbar, dass die Finder sich entschlossen haben, ihn einer öffentlichen Museumssammlung zu übergeben."

Eisenbarren aus der La-Tène-Zeit

Peter Trebsche und seine Fachkollegin Marion Berranger von der Université de Technologie de Belfort Montbéliard konnten nach aufwändigen Analysen nachweisen, dass es sich tatsächlich um einen umfangreichen Bestand an Eisenbarren aus der La-Tène-Zeit handelt. Mit mindestens 500 Eisen-Halbfabrikaten und einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne sind die in Deinham geborgenen Barren der umfangreichste derzeit bekannte Fundkomplex aus der Eisenzeit in Europa.

Eisenbarren
Eine Auswahl an Eisenbarren aus Deinham, die für eine Weiterverarbeitung bestimmt war. Quelle: Universität Innsbruck

Schiffsunglück vermutet

Das Eisen – so vermuten die Forsche – wurde wahrscheinlich für den Handel auf der Donau flussabwärts transportiert und ging bei einem Schiffsunglück verloren. "Das unterstreicht die leistungsfähigen, gut organisierten Möglichkeiten der Binnenschifffahrt in den mitteleuropäischen Gesellschaften der späten Urgeschichte", verdeutlicht Trebsche. Wahrscheinlich wurden sie in Bayern geschmiedet, wo in der Nähe mehrerer Oppida – der charakteristischen großflächigen befestigten Siedlungen des eisenzeitlichen Europas – Eisenproduktionsstätten nachgewiesen wurden. Das eigentliche Ziel der Eisenbarren ist jedoch weiterhin unbekannt.

Wert der Barren immens

"Selbst wenn man Materialverluste bei der Verarbeitung berücksichtigt, hätte das Eisen aus Deinham ausgereicht, um eine große Gruppe von Kriegern mit Waffen auszustatten." Der Wert der Ladung muss also immens gewesen sein.

Die La-Tène-Zeit ist für ihre großen Goldmünzschätze bekannt, darunter ein Fund von 443 Münzen mit einem Gesamtgewicht von 3,7 Kilogramm Gold im bedeutenden Oppidum von Manching in Bayern. Manching liegt nahe eines großen Eisenerzabbaugebiets, aus dem das Eisen für die Barren stammen könnte. Der Wert dieser Münzen könnte durchaus dem einer Tonne Eisen entsprochen haben. Es ist daher möglich, dass Transaktionen dieser Größenordnung durch die zunehmende Monetarisierung während der La-Tène-Zeit ermöglicht wurden.

"Es ist beeindruckend, dass eine so große Menge Eisen auf einmal transportiert wurde und in der späten Eisenzeit in einer einzigen Tausch- oder Handelsaktion verfügbar war", so Trebsche abschließend. "Dieser Fund belegt die erheblich gesteigerten Kapazitäten der Eisenproduktion, die im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. im Donauraum erreicht wurden."

Publikation: A sunken ship cargo of 500 bipyramidal bars? Implications for La Tène period iron production and trade along the Danube. Antiquity, 2026
Peter Trebsche & Marion Berranger DOI: https://doi.org/10.15184/aqy.2026.10404

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