Gerade bin ich auf eine Nachricht gestoßen, dass Boeing bald die einzige Firma sei, die Astronauten mit ihrer Starliner-Kapsel ins All befördern könne. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA läuft absehbar in Probleme, Astronauten ins All und zur Internationalen Raumstation zu transportieren.
SpaceX will Crew Dragon einstellen
Derzeit befördert die US-Raumfahrtbehörde NASA ihre Astronauten mit der Crew Dragon-Raumkapsel ins All und hat Transportflüge mit Besatzung zur Internationalen Raumstation gebucht. Die Crew Dragon-Kapsel ist bewährt und mit der Falcon 9 Trägerrakete sehr zuverlässig.
Allerdings hat SpaceX angekündigt, die Falcon 9 Trägerrakete und die Crew Dragon-Kapsel auslaufen zu lassen. Im Jahr 2023 soll das Ganze außer Dienst gestellt werden, da SpaceX sich auf das Starship konzentriert, dessen 14. Testflug gerade teilweise erfolgreich absolviert wurde (siehe SpaceX Starship Testflug 14 bisher erfolgreich; frühzeitiger Abbruch). Die Seite Gizmodo berichtete in diesem Beitrag über die Pläne zur Einstellung der Crew Dragon-Raumkapsel durch SpaceX.
Boeing Starliner soll übernehmen
Der Gizmodo Beitrag und der Beitrag Boeing "incredibly excited" to serve as nation's only astronaut transportation machen bereits auf das potentielle Drama aufmerksam, was sich abzeichnet.
Wenn SpaceX keine Crew Dragon-Raumschiffe mehr bereitstellt, wie kommen Astronauten ins All? Russland fällt aus politischen Gründen mit seinen Saljut-Sojus-Raumfahrzeugen weitgehend aus. Bleibt nur noch Boeing mit seinem Starliner-Raumschiff.
Und damit sind wir bei "Houston, wir haben ein Problem". Denn der Starliner hat seinen unbemannten Jungfernflug bereits verpatzt, worauf der nachgeholt werden musste. Der erste bemannte Flug entwickelte sich zum Desaster, die Besatzung strandete auf der Internationalen Raumstation und musste mit einem Ersatz Crew Dragon-Raumschiff von SpaceX zur Erde zurück kehren.
Ich hatte im Blog-Beitrag Starliner-Raumkapsel: Boeing und NASA haben gepatzt; ob das Raumschiff noch fliegen wird? die Pannenserie, sowie die Erkenntnisse aus einer Untersuchung aufbereitet. Dort war gefragt worden, ob die Starliner-Raumkapsel überhaupt noch fliegen wird. Aber unverhofft kommt oft – nachdem SpaceX aus dem Crew Dragon-Projekt aussteigt, bleibt nur noch Boeing. Die verkünden zwar stolz, dass sie die Einzigen seien, die Astronauten ins All transportieren können. Ob der Starliner aber je sicher fliegen wird, steht buchstäblich in den Sternen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem, was der Beitrag Boeing "incredibly excited" to serve as nation's only astronaut transportation anspricht. Boeing ist die Rakete, auf der das Raumschiff ins All startet, abhanden gekommen. Denn die bewährte Atlas-V-Trägerrakete wird außer Dienst gestellt.
Die NASA hat am Montag (28.9.2026) bekannt gegeben, dass sie Optionen zum Kauf von zwei weiteren Flügen mit dem Starliner von Boeing ausüben werde. Außerdem wird die NASA Boeing finanziell dabei unterstützen, das bemannte Raumschiff wieder flugfähig zu machen und nach dem Auslaufen der Atlas-V-Trägerrakete eine neue Trägerrakete zu für den Transport finden. Damit sind die Randbedingungen hinreichend umrissen: Man setzt auf eine Technik, die noch nie zuverlässig geflogen ist, während SpaceX bewährte Technik einmottet. Mit weiteren Dramen ist also zu rechnen.
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Zahlendreher?
3.Abs. 2.Zeile: "Im Jahr >2023< soll das Ganze außer Dienst gestellt werden…"
oder hab' ich was falsch verstanden?
Liebe Grüße
In meinen Augen steht eine kritische Wende in der amerikanischen bemannten Raumfahrt bevor:
SpaceX plant, seine erfolgreiche Crew-Dragon-Kapsel sowie die Falcon-9-Rakete bis zum Jahr 2030 einzustellen, um sich vollständig auf das neue Megaprojekt Starship zu fokussieren. Die bisherigen „Arbeitspferde" werden also ausgemustert.
Da die Internationale Raumstation (ISS) zeitnah vor der Ausmusterung steht und die USA den unabhängigen Zugang zum All nicht verlieren wollen, sieht sich die NASA gezwungen, voll auf Boeings krisengeplagten Starliner zu setzen.
NASA unterstützt Boeing nun mit zusätzlichem Geld und weiteren Missionen, obwohl der Starliner in der Vergangenheit durch schwere Pannen Schlagzeilen machte.
Da SpaceX bald "aussteigt" und keine kurzfristigen Drittanbieter (wie z. B. Blue Origin) bereitstehen, bleibt der NASA faktisch keine andere Wahl, als Boeing zur Einsatzbereitschaft zu verhelfen.
Das kommt Boeing natürlich sehr entgegen, denn nach massiven Verlusten von über 2 Milliarden Dollar und Rufen nach einem Verkauf der Rüstungssparte erhält das Unternehmen eine immense Chance zur Rehabilitation.
Da der bisherige Starliner-Träger (die Atlas V-Rakete) eingestellt wird, muss der Starliner aufwendig für eine neue Rakete (Vulcan) zertifiziert werden, was zusätzliche Verzögerungen und Kosten verursacht.
Die Raumfahrtbehörde muss somit Hunderte Millionen Dollar (u.a. 359 Millionen $ für Modifikationen und Raketen-Zertifizierungen) in ein System stecken, das zuvor als „Type A Mishap" (schwerwiegender Zwischenfall) eingestuft wurde.
Die NASA verfolgt ja seit Jahren das Ziel des "Commercial Crew Programs", zwei unabhängige US-Transportsysteme zu haben, um bei Ausfall eines Partners nicht den Zugang zum All zu verlieren.
Aus diesem strategischen Dilemma geht SpaceX als der mit Abstand klarste und strategisch stärkste Gewinner hervor.
Bevor die Kapsel (Crew Dragon) eingemottet wird, streicht SpaceX einen finalen Vertrag über 946 Millionen Dollar für drei zusätzliche ISS-Flüge bis zum Ende des Jahrzehnts ein.
Während Boeing gezwungen ist, Hunderte Millionen in die Modernisierung einer alten Kapselarchitektur zu stecken, kann Elon all seine Ingenieure und Ressourcen auf die Zukunft (Starship) konzentrieren.
Dieses Geld fehlt der NASA an anderen Stellen – beispielsweise bei der Erforschung des Deep Space oder dem Artemis-Mondprogramm. Von anderen zukünftig geplanten, wissenschaftlichen Missionen ("The Planetary Society" sprach zuletzt von 41) ganz zu Schweigen. Darunter z.B. auch das Landsat-Programm, welches seit den 1970er Jahren die Veränderung der Erdoberfläche und Vegetation überwacht.
Ich sehe aber auch die Gefahr für die Mitarbeiter, die heirmit einhergeht.
Durch die Budgetunsicherheiten und den Fokus auf Boeing/Artemis haben z.B. das Jet Propulsion Laboratory (JPL) und das Goddard Space Flight Center einen erheblichen Teil ihrer zivilen Belegschaft und Vertragspartner durch Kündigungen und Sparmaßnahmen verloren.
Und zu guter Letzt: Wer zahlt die Zeche schlussendlich? Der amerikanische Steuerzahler
Sorry, ich wollte gar nicht so viel dazu schreiben 🫣
Aber diese Themen sind nun mal ein Hobby von mir und ich bin von der Ingenieursleistung und den Fortschritten einfach fasziniert.
Ich hoffe, wir erleben in diesem Jahrzehnt noch eine bemannte Mondlandung.
Der „Space Race" zwischen den USA und China ist ja bereits gestartet …