Neandertaler-Mord? Speer durch die Brust

Es ist ein bemerkenswerter Fund, den Archäologen bei Ausgrabungen gemacht haben. Ein Skelett-Teil, dessen Schulterblatt ein Loch aufwies. Die Knochen stammen von einem Neandertaler, der von einem Speer in die Brust getroffen wurde und starb.

Shanidar ist der Name einer Höhle im Norden des Iraks in der Provinz Erbil der autonomen Region Kurdistan, die in 745 m Höhe am Großen Zab in den Ausläufern des Zagrosgebirges liegt.

Zwischen 1953 und 1960 wurden in der Höhle Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurden auch insgesamt neun Neandertaler ausgegraben (Shanidar 1 bis 9). Ihr Alter wird mit 45.000 bis 50.000 Jahren angegeben. Die Überreste von drei jungen männlichen Neandertalern waren besonders gut erhalten.

Forscher der Universität Cambridge (unter der Leitung von Dr. Emma Pomeroy und Professor Graeme Barker) haben entdeckt, dass ein 75.000 Jahre altes Neandertaler-Skelett namens „Shanidar A" aus der Shanidar-Höhle ein kreisförmiges, 15 mm große Einstichloch im Schulterblatt (Scapula) aufweist, das wahrscheinlich von einem geschärften Holzspeer verursacht wurde.

Schulterblatt mit Loch; Quelle: Univerität Cambridge

Der Holzspeer durchbohrte dabei die Brust (wobei er eine Lunge und wichtige Arterien durchstach) und trat durch das linke Schulterblatt wieder aus. Dies hinterließ ein rundes Loch. Theoretisch könnte das Ganze auf einen Jagdunfall zurückzuführen sein. Aber die Forscher diskutieren in dieser Mitteilung, dass der Speer gewaltsam von vorne in den Neandertaler gestoßen worden sein musste. Dies könnte der früheste bekannte Nachweis tödlicher zwischenmenschlicher Gewalt mit einem Holzspeer im Fossilienbestand der Hominiden sein.

Der Artikel der Welt diskutiert die Frage, ob kriegerische Auseinandersetzungen keine Frage der Moderne, die mit der Sesshaftigkeit des Menschen begann, sondern tief in den Wurzeln verankert ist, sei.

Spannend ist auch die Erkenntnis, dass der Humanoide ein Jahre vor seinem Tod einige Verletzungen erlitt, die versorgt wurden und die der Neandertaler überlebt hat. Die Überreste zeigen, dass Shanidar A mindestens ein Jahr vor seinem Tod eine schwere, nicht tödliche Gesichtsverletzung und ein Zahntrauma überlebt hatte. Das deutet darauf hin, dass der Neandertaler vor seinem gewaltsamen Tod von anderen Neandertalern versorgt und unterstützt wurde.

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