BMW und die patentierte Spezialschraube: Bastler und freie Werkstätten ausgesperrt?

VW-KäferKurz vor Weihnachten ist mir noch ein "Aufreger" aus dem Automobilbereich untergekommen. BMW hat sich bereits 2024 neue Schrauben patentieren lassen. Die Köpfe  sind so geformt, dass man die Schrauben nur mit Spezialwerkzeug lösen kann. Das Ende der "Selbstschrauber-Szene" droht.


Eine Meldung im Internet

Es war nur ein einfacher Tweet, der mir die Tage vor Weihnachten ins Auge sprang und sofort mein Interesse weckte. Die Botschaft im ersten Satz: "BMW erschwert die 'illegale' Reparatur seiner Fahrzeuge." – gemeint sind wohl Reparaturen außerhalb einer "BMW-Vertragswerkstatt".

BMW-Schraube

Im Text heißt es weiter: "Das Unternehmen hat patentierte Schrauben mit einem logo-förmigen Kopf eingeführt, die derzeit nur für Vertragshändler erhältlich sind. Diese Befestigungselemente lassen sich nicht mit Standardschlüsseln entfernen, was unabhängige Reparaturen und Wartungsarbeiten in nicht offiziellen Werkstätten unmöglich machen könnte. Das Patent betrifft Innenraumkomponenten und wichtige Baugruppen – Sitze und Karosserieverbindungen."

Das steckt dahinter

Ich habe unwillkürlich auf den Kalender geschaut – nein, es war nicht der 1. April. Konnte es ein Fake sein, wie man in sozialen Medien häufig findet? Auch hier lautet die Antwort "Nein". Eine schnelle Suche im Internet brachte eine Reihe Berichte zum Thema hervor – nachfolgend ist der Artikel BMW-Patent ist der Horror für Selberschrauber von auto motor sport zu sehen.

Patentierte BMW-Schraube
Patentierte BMW-Schraube

Es stimmt also: Der Autohersteller BMW hat bereits im Sommer 2024 bei der WIPO (der Weltorganisation für geistiges Eigentum) ein Patent für neuartige Schraubenköpfe angemeldet. Dieses Patent wurde erteilt und Mitte Dezember 2025 veröffentlicht. Der Kopf trägt das BMW-Logo und ist mit Propeller-ähnlichen Formen versehen. Mit einem normalen Kreuzschlitz- oder Schlitz-Schraubendreher lässt sich die Schraube nicht lösen.

Der BMW-Patenteinreicher Ernst Lorenz schrieb, laut obigem Artikel, in der Anmeldung dazu: "Schrauben, insbesondere zum Einbringen in einen Untergrund, sind aus dem Stand der Technik dem Grunde nach bekannt. Nachteilig ist hierbei, dass derartige Antriebsstrukturen derart häufig auftreten, dass mit entsprechenden Schrauben erzeugte Schraubverbindungen durch Personen auf einfache Weise gelöst oder festgezogen werden können."

BMW sieht Anwendungsfälle wie Befestigung von Sitzen und Amaturenbrettern, bei denen es nur einer eingeschränkten Personengruppe ermöglicht werden soll, "die Schraubverbindung zu manipulieren bzw. eine Schraubverbindung zu lösen oder herzustellen", heißt es in obigem Artikel.

Wenn diese Schraube bei neuen BMW-Modellen verwendet wird, kann eine Reparatur nur von Fachwerkzeugen, die diese Werkzeugsätze bei BMW ordern müssen, ausgeführt werden. Macht das Beispiel Schule, hat gleich jeder Hersteller seine eigenen Schrauben mit Spezialköpfen, die Spezialwerkzeug zum Verarbeiten benötigen.

Dann ginge eine über 100 Jahre alte technische Übereinkunft "über den Jordan", dass technische Komponenten genormt werden. In Deutschland erschien die erste DIN-Norm "DIN 1 – Kegelstifte" am 1. März 1918 und galt bis 1992, als sie in eine europäische Norm EN 22339 über ging. Die Reaktionen aus obigem Tweet sind, speziell aus den USA, dann auch eindeutig: "Wenn das kommt, kaufe ich keinen BMW mehr".

Kann ich nachvollziehen – aber die "BMW-Schraube" ist doch längst in den Autos angekommen. Das Zauberwort heißt "Software defined vehicles" – sprich: "Heutige Autos sind rollende Computer, die nur noch von Vertragswerkstätten gewartet und vom Hersteller ganz schnell mal abgeschaltet werden können". Ein H-Kennzeichen nach 25 Jahren wird es bei modernen Fahrzeugen schlicht nicht mehr geben. Daher fahre ich mein jetzt 10 Jahre altes Auto, solange es noch geht. Die Werkstatt sagt: Solange die Jahresinspektion gemacht wird, bekomme ich weiter die Nissan-Mobilitätsgarantie und werde im Pannenfall auf Kosten von Nissan wieder flott gemacht – habe ich einmal nutzen müssen und hat mir einige Hundert Euro gespart.

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5 Antworten zu BMW und die patentierte Spezialschraube: Bastler und freie Werkstätten ausgesperrt?

  1. Schwarzes_Einhorn sagt:

    Ein H-Kennzeichen braucht nicht 25, sondern 30 Jahre und die Hürden für das Gutachten sind erstaunlich hoch, wie ich kürzlich feststellen mußte. Meines muß nochmal zur Nachbearbeitung – alles optische Dinge, technisch ist alles ok.
    Und sowas wie dieser Pippifax mit den Schrauben, zuviel Elektronik- und Digital-Mist, unbedienbare Touch-Boards und weiterer überflüssiger nerviger Krempel im Auto sind auch der Grund, wieso meines überhaupt zum Oldtimer werden darf. Und da bin ich nicht allein. Ich wüßte derzeit kein Auto, egal, ob Verbrenner oder Stromer, das ich freiwillig kaufen würde.

  2. Anonym sagt:

    Die "Kreuzschlitz"-Schrauben mit drei Kerben gibt es ja schon länger, oder die, die sich Dank Rampe nur festdrehen lassen (gerne bei Mehrfachsteckdosen). Manchmal nicht so blöd, um Unbegabte, aber allzu willige Schrauber fernzuhalten und vor sich selbst zu schützen.

    Aber was ich jetzt nicht herauslesen konnte – oder übersehen habe: Ist der passende Schraubendreher auch patentiert? Selbst geflext ist für Hobbyschrauber schnell gemacht und vor allem erlaubt, aber beruflich darf so was ja nur mit Lizenzabgabe hergestellt/genutzt werden. Sollte es aber nur die Schraube betreffen, ist das nur ein Kostenfaktor bei Nachkaufen derselbigen.

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