"Heathub" senkt Heizkosten von Engländern auf fast die Hälfte

Kürzlich bin ich auf eine interessante Meldung aus Großbritannien gestoßen. Dort verwenden Leute die Abwärme von Rechenzentren, um die Häuser mit zu heizen und Kosten zu sparen. Das Ganze läuft unter dem Begriff "Heathub" – das Mini-Rechenzentrum steht bei den Nutzern im Gartenhaus oder im Keller.

Wir haben Winter und es muss kräftig geheizt werden. So manchem stellt sich die Frage, was das wieder kosten wird. Andererseits gibt es viele Prozesse, wo Wärme entsteht und abgeführt werden soll. Diese Abwärme könnte man eigentlich zum Heizen nutzen. In der Industrie ein gängiges Verfahren, um Energie zu sparen.

Aber bei Privathaushalten, die über große Gebiete verteilt sind? Energiespezialisten sind auf eine geniale Idee gekommen: Gerade Rechenzentren fressen riesige Strommengen und müssen diesen Energieverbrauch über Kühlung als Abwärme in die Umwelt abführen. Diese Wärme könnte man eigentlich zum Heizen nutzen.

Der Heathub von thermify

Nun können wir nicht alle in ein Rechenzentrum ziehen, um es in den gemieteten Räumen wohlig warm zu haben. Und eine Fernwärmeleitung vom Rechenzentrum zu Haushalten funktioniert nur in der nahen Umgebung – wenn überhaupt. Nun, wenn Du nicht zum Rechenzentrum kannst, kommt das Rechenzentrum halt zu dir. In Großbritannien dürfen seit 2025 keine Gasheizungen mehr in neue Gebäude eingebaut werden. Daher ist das Unternehmen thermify auf die Idee gekommen, die Abwärme von Rechenzentren für Privathaushalte nutzbar zu machen. Die bauen einfach "Heathub" genannte Mini-Rechenzentren, die sie in Privathaushalte in Großbritannien stellen. Das Unternehmen fragt auf seiner Webseite:

Was wäre, wenn es eine neue Art von Rechenzentrum gäbe, das direkt Häuser beheizen und Warmwasser erwärmen könnte, anstatt eines Gasboilers? Ein Rechenzentrum, das die Energie aus dem Cloud Computing wiederverwenden könnte und den zusätzlichen Energiebedarf für die Kühlung überflüssig machen würde…

Und bietet auch gleich die Lösung an: Die HeatHub-Technologie von Thermify ersetzt die herkömmliche Gastherme (als Gasboiler bezeichnet) des Hauses durch ein brandneues Gerät, das es dem Cloud-Netzwerk von Thermify ermöglicht, eine sichere, dezentrale Datenverarbeitung für Geschäftskunden durchzuführen und die dabei entstehende Wärme zum Heizen des Hauses zu nutzen.

Berichte über das Projekt

Ich habe mal recherchiert, als mir die ersten Nachrichten dazu unterkamen. Bereits 2021 gab es einen Artikel Could modular data centres heat Britain's homes? A look at Thermify's HeatHub in einem einschlägigen Medium für Solartechnologie.

Der HeatHub enthält 450 Raspberry Pi-Prozessoren, die zusammen in einem Gehäuse von der Größe eines Kombi-Heizkessels untergebracht sind. Die durch die Ausführung der an das Unternehmen vergebenen Cloud-Computing-Aufgaben erzeugte Wärme wird verwendet, um einen Wassertank über einen Zeitraum von etwa zwei Stunden zu erwärmen.

Der Thermify HeatHub hat derzeit einen Wirkungsgrad von 80 %, wobei das Unternehmen künftig 90 % anstrebt. Ein wesentlicher Vorteil der Lösung des Unternehmens im Vergleich zu anderen elektrifizierten Lösungen wie Wärmepumpen sind laut Felgate die Energiekosten. Dies folgt auf Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Stromkosten auf die Umstellung auf kohlenstoffarme Lösungen, da Umweltabgaben eher auf Strom als auf Gas ausgerichtet sind und somit die Kosten in die Höhe treiben.

Thermify konzentriert sich zunächst auf Neubauten, plant jedoch, sein Angebot anschließend auf die 11 Millionen Haushalte in Großbritannien auszuweiten, die über einen Warmwasserspeicher verfügen. Das Unternehmen arbeitet derzeit daran, seine ersten Geräte in den nächsten 12 Monaten in Haushalten zu installieren und dann die Produktion bis 2022-24 hochzufahren.

„Unser Geschäftsplan sieht den Verkauf von 40.000 Einheiten pro Jahr vor", fügte Felgate hinzu. „Der Ausschuss für Klimawandel sagt, dass 20.000 Einheiten pro Woche ersetzt werden müssen, um unsere Ziele für 2050 zu erreichen, sodass wir in Bezug auf unseren Geschäftsplan zwei Wochen Arbeit vor uns haben.

Inzwischen haben wir das Jahr 2026 und im Jahr 2025 ist mir dieser Artikel vom 20.11.2025 des SWR untergekommen, der sich mit diesem Pilotprojekt aus Großbritannien befasst. Beeinflusst wurde dieser Artikel wohl durch den BBC-Bericht Data centre in the shed reduces energy bills to £40 vom 16. November 2025. Dort wird das Projekt am Beispiel des Ehepaars Terrence und Lesley Bridges aus Essex vorgestellt.

Das Ehepaar gehört zu den Testkunden und hat so ein Mini-Rechenzentrum im Gartenhaus stehen. Es heißt, dass die Energiekosten des Ehepaars für Heizung drastisch gesunken sind. Seit sie ihren Gasboiler gegen einen HeatHub ausgetauscht haben, sind die Kosten von 375 Pfund pro Monat auf nur noch 40 Pfund gesunken.

Ich bin Ende des Jahres auf diesen deutschsprachigen Artikel dazu gestoßen, der noch einige Informationen und Fotos beinhaltet. Es ist ein spannender Ansatz, der sicherlich einigen Haushalten helfen kann und das Thema Nachhaltigkeit bedient. Wenn in Zukunft wirklich gigantische Rechenleistungen für KI benötigt werden, wird man diese nicht in die Landschaft pflanzen und die Abwärme in die Luft blasen können. Andererseits ist es aufwändig, Kleinst-Rechenzentren über Tausende Haushalte zu betreiben und zu warten.

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