Riester- und Rürup-Rente: Das "Sponsoring" der Banken/Versicherungen

Die Riester- und Rürup-Rente sollte eigentlich die Möglichkeit schaffen, dass Menschen in Deutschland sich eine Zusatzrente ansparen können. Inzwischen ist auch dem Letzten klar, dass die Politik hier eine Konstruktion geschaffen hat, die rein dem "Sponsoring" der Banken und Versicherungen diente. Hier ein kurzer Überblick, samt einer eigenen Erinnerung, was ich bei der Einführung erlebt und warum ich keinen der Verträge abgeschlossen, sondern den bereits unterschriebenen Antrag vor den entsetzten Augen der Bankberaterin zerrissen habe.

Ein Rückblick: Die Riester- und Rürup-Rente

Die Riester-Rente ist eine durch staatliche Zulagen und durch Sonderausgabenabzug geförderte, grundsätzlich privat finanzierte Rente in Deutschland für Angestellte. Die sogenannte Rürup-Rente ist quasi das Pendant für Selbständige. Die Namensgeber für diese beiden Renten waren Walter Riester (Arbeitsminister) und den Ökonomen Bernd Rürup. Anlass für die Einführung dieser Renten war die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung 2000/2001, bei der das Nettorentenniveau des Eckrentners, eines idealtypischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, der 45 Jahre lang Sozialversicherungsbeiträge eingezahlt hat, von 70 % auf 67 % reduziert worden war.

Riester- und Rürup-Rente, leider unrentabel

Wir sind nun ja so um ein Vierteljahrhundert älter, und einige sind nun schlauer. Inzwischen sollte auch dem Letzten klar sein, dass diese beiden privaten Versicherungen ausschließlich ein gutes Geschäft für Banken und Versicherungswirtschaft waren, die sich an Gebühren eine "goldene Nase" verdienten.

Gut, fairerweise muss man sagen, dass die Regeln und Bedingungen von Anfang an komplex waren, was bei den Versicherungsgebern höhere Verwaltungskosten verursacht. Fachleute hatten davor gewarnt, und die Versicherungsbranche witterte das große Geschäft, und die Politik war willig, da einzuschlagen.

Für Versicherungsnehmer sieht es dagegen so aus, dass sie durch die Gebühren in den meisten Fällen Geld verlieren und 96 Jahre alt werden müssen, um halbwegs ohne Verluste aus der Sache raus zu kommen. Das war übrigens damals schon absehbar.

Finanzwende e.V. hat zum 11. März 2026 die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die meine Aussagen belegen. Hintergrund für diese Studie war, dass die Bundesregierung am "nächsten privaten Rentenpaket" bastelt. Da ist ein Blick auf Bestehendes, also Riester & Co. immer hilfreich.

n-tv berichtet aktuell, dass Finanzminister Klingbeil ein Privatrenten-Paket mit "Gebührendeckel bei 1,5%" plant, gleiches in grün, wie bei Rieser & Co. – was von Experten bzgl. der Gebühren als überzogen angesehen wird.

In der Studie hat Finanzwende insgesamt 18 Riester- und 78 Rürup-Versicherungen untersucht, deren Daten im November 2025 über die offiziellen Muster-Produktinformationsblätter erhoben wurden. Die Frage war:  Welchen Nutzen stiften die Angebote für Sparer*innen, die heute Kapital zurücklegen, um im Alter mehr Geld zum Leben zu haben? Und die Bilanz sieht schlecht aus – hier einige Zitate aus der Studie:

Das Ergebnis ist trotz zuletzt gestiegener Zinsen trostlos: Zwei Drittel der Rententarife für Männer und Frauen erreichen über die gesamte Vertragslaufzeit nicht einmal das Mindestziel, eine Rendite von 2 Prozent. Will sagen: Die meisten Versicherten machen real Verlust.

Auch die Kosten machen wenig Freude. Im Marktmittel bleiben 35 bis 45 Prozent des eingezahlten Geldes zunächst beim Anbieter hängen. In diesem Wert sind neben den maximalen Abschluss- und Verwaltungskosten auch gesonderte Sicherheitszuschläge für den Versicherungsschutz berücksichtigt.

Man kann sagen: Das Ganze ist ein Desaster für die Versicherten, nur die Anbieter machen mit den berechneten Kosten ihren Schnitt. Die mageren Zusatzrenten (bei typischen Riesterverträgen in der Untersuchung beträgt die mittlere Monatsrente 139 Euro, bei typischen Rürup-Verträgen sind es 153 Euro) müssten bis zum Alter von 96 Jahren gezahlt werden, damit Kunden im Plus sind (also mehr gezahlt bekommen, als sie eingezahlt haben, wobei die reale Inflation – ist ja höher als 2 % – nicht mal eingerechnet ist). Aber das Desaster war absehbar …

Rücksprung in die Anfangszeit

In den Jahren 2000/2001 habe ich natürlich die Diskussion um die Riester-Rente verfolgt. Als Familienvater mit Frau und zwei Kindern wollte ich etwas für die Familie und die Rente tun. Als selbständiger Künstler musste ich, als ich mich etwas länger damit beschäftigte, feststellen, dass Riester-Rente für mich gar nicht in Frage käme (es hätte die Zulagen nicht gegeben, weil ich nicht angestellt war). Also hätte es Rürup-Rente als Vertrag werden müssen – was ich aber nie mehr angegangen bin. Und das hatte einen guten Grund.

Als die Diskussionen aufkamen, hatte ich bei der örtlichen Sparkasse nachgefragt, was ich tun könne. Ich bekam einen Antrag für den Riester-Vertrag in die Hand gedrückt mit der Bitte auszufüllen und unterschrieben zurück zu geben. Zuhause habe ich mich hingesetzt und den Antrag samt dem vielen Kleingedruckten gelesen. Dann griff ich mir Stift, Papier und einen Taschenrechner. Nach einigen Minuten kam ich zum Schluss, dass ich so um die 40 % der Einzahlungen über die Laufzeit an Gebühren und  Verwaltungskosten verliere und der Vertrag sehr "mager" ausfüllen müsse.

Ich bin nur Ingenieur, kein Versicherungsfachwirt. Daher ging mir im Kopf der Gedanke "Bestimmt hast Du dich verrechnet, so eine Sauerei wird die Politik und die Versicherungswirtschaft dir doch niemals anbieten" durch den Kopf – ich weiß heute, ich war naiv. Ich habe also den Riester-Antrag ausgefüllt, unterschrieben und bin zur örtlichen Filiale der Sparkasse gepilgert. Dort wurde ich mit "ich hätte noch ein paar Fragen" vorstellig. Die Beraterin bat mich in einen abgetrennten Raum für Kundengespräche.

Als ich ihr meine Fragen herunter ratterte bekam sie große Augen, konnte aber insbesondere nichts zu den Gebühren und Verwaltungskosten sagen. Auch wusste sie nicht ob für mich Riester oder Rürup in Frage käme. "Das hat die Verwaltung so aufgelegt, das ist dann auch gut und rechtmäßig", lautete erinnerungsmäßig die Antwort. Nach dem unerquicklichen Gespräch griff ich mir ziemlich verärgert den bereits unterschriebenen Antrag, der auf dem Schreibtisch lag, und zerriss den vor den Augen der entsetzten Frau.

Aber konnte es nicht doch noch was Gutes sein, und nur die örtliche Sparkasse bzw. deren Personal war dämlich? Die Sache mit meiner "Rechnung" nagte ja an mir. Zwei Wochen später war im ZDF wohl eine Wiso-Sendung zu Riester angekündigt – es wurde ja in allen Zeitungen und im TV für Riester getrommelt. Die ZDF-Sendung empfang ich als "einlullen" – gewohnheitsmäßig wurde das Blaue vom Himmel von den Protagonisten versprochen. Aber am Ende des Beitrags hieß es: "Im Chat stehen jetzt Finanzexperten für Fragen der Zuschauer zur Verfügung".

Also meine Gelegenheit: Zum Rechner gestürmt, die ZDF-Internetseite aufgerufen und versucht, im Chat meine Fragen zu stellen. Man sah, welche Fragen von den Zuschauern einliefen. Aber ich musste feststellen, dass meine Fragen nach den Kosten und der Rendite der Riester-Verträge und der Aussage "ist das nicht ein gigantischer Beschiss, der gerade passiert" nur kurz auftauchten, und dann sofort gelöscht wurden. Ich habe die Anfrage zwei, oder drei Mal im Chat gestellt.

Ab diesem Zeitpunkt waren das ZDF und deren Wirtschaftsredaktionen, sowie Riester und Rürup als Privatrente für mich absolut verbrannt. Ich habe in den Jahren noch einige kleine Versicherungsverträge zur Kapitalbildung für meine Frau und meine Kinder  bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit  (VVaG) und bei zwei ausländischen Versicherungen abgeschlossen.

Zwei Verträge, ein Minivertrag bei der Sparkassen-Versicherung, sowie drei kleinere Verträge bei Clerical Medical sind inzwischen vorzeitig gekündigt, da die Kosten die Rendite komplett aufgefressen haben – ich bin beim Rückkaufwerk nur geringfügig im Plus gewesen (mit einem leicht blauen Auge davon gekommen). Waren zum Glück keine großen Summen, da ich die Eier auf viele Körbe verteilt habe.

Der Großteil der Verträge bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit und bei der britischen Standard Life steht gut da bzw. wurde bereits mit sehr ansehnlicher Rendite an  meine Frau ausbezahlt – bzw. laufen noch und sehen erfreulich aus.

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5 Kommentare zu Riester- und Rürup-Rente: Das "Sponsoring" der Banken/Versicherungen

  1. Alter Sack sagt:

    Was aber zu kurz kommt, ist die unselige Rolle der ehemaligen Volkspartei SPD, die ja mal der Anwalt der "kleinen Frau" sein wollte.
    Riester: Verabschiedet 2001 unter Schröder/Fischer, SPD/Grüne.
    Hartz IV: Verabschiedet 2003 unter Schröder/Fischer, SPD/Grüne.
    Krankenkassenbeiträge auf Lebensversicherungen für gesetzlich Versicherte: Verabschiedet 2004, verantwortlich Ulla Schmidt, SPD.
    Rürup 2004: Verabschiedet unter Schröder/Fischer, SPD/Grüne.
    Alle diese "Reformen" haben eins gemeinsam: Die SPD war daran führend beteiligt und sie sind extrem zu Lasten des "kleinen Mannes" gegangen.
    Mich haben die Krankenkassenbeiträge auf Lebensversicherungen ca. 10.000€ gekostet. Die Lebensversicherungen meines Schwagers, der als Spitzenverdiener privat versichert war, haben ihn nichts gekostet.
    Kein Mitleid für die 5,5% der SPD in BW!

  2. A.B. sagt:

    Oh je, heutzutage ist es bei Finanzberatung im ZDF (wie auch in der ARD) nicht besser bestellt als damals bei Riester:
    Was da manchmal für ein Unsinn oder nur die Hälfte an essentiell wichtigem Basiswissen übers Sparen/Investieren in ETFs als Altersvorsorge erzählt wird, zeugt von erheblich mangelhaftem Finanzwissen der Öffentlich-Rechtlichen Sender…

    Aber warum soll es auch anders sein ?
    Die Öffentlich-Rechtlichen spiegeln nur die deutsche Gesellschaft wieder, und die steht größtenteils immer noch nur auf mickrige Sparbuch- oder Tages-/Festgeld-Zinsen unterhalb der Inflationsrate…
    Es wird ja auch nirgends in den Schulen oder sonstwo breit gelehrt, dass man auch auf wissenschaftlicher Basis langfristig investieren kann/sollte, so wie es z.B. Dr. Gerd Kommer oder Dr. Andreas Beck empfehlen, anstatt zu riskant/kurzfristig in Einzelaktien oder in den aktuellen heißen Schei… zu investieren – oder nach dem Telekom-Aktientrauma gar nicht mehr in Aktien.

    Da vertrauen (zu) viele leider noch ihrem persönlich bekannten Bank- oder Versicherungsvertreter (= KEIN Berater, sondern ein Verkäufer !), auch wenn er mehr als 2% Kosten als Provision abkassiert… Denn warum soll einem dieser freundliche Nachbar aus dem gleichen Ort etwas schlechtes andrehen wollen ?? *Ironie aus*

    Beim neuen geplanten Altersvorsorge-Depot der Bundesregierung war genau das vermutlich das Argument der Banken-/Versicherungslobby:
    Besser ein Standard-Vorsorgedepot mit 1,5% Kosten (aktueller Planungsstand) anbieten, als dass jemand gar nicht darin investiert – und der Staat später bei dessen Altersarmut einspringen muss. Und "wenn die Kosten "zu niedrig" sind, würde das zuviel Arbeitsplätze in der Banken- und Verscherungswirtschaft kosten, die dann keine Einkommenssteuer mehr an den Staat zahlen könnten."

    Da hat einer die Rechnung leider nicht bis zum Ende gemacht: Denn wer fürs Alter eine ausreichende AV aufgebaut hat, liegt am Ende nicht mehr 20 Jahre lang dem Sozialstaat zu Lasten, d.h. die jüngeren Generationen brauchen dann nicht höhere Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen und die Sozialkassen werden insgesamt spürbar entlastet ! Weil man dann im Alter von selbst angespartem "Privatgeld" leben kann statt Renten und Steuergelder vom Rest der Bevölkerung kassieren zu müssen.

    Ich hoffe so sehr, dass die SPD noch rechtzeitig erkennt, dass sie damit den gleichen Fehler bzgl. viel zu hoher Kosten machen würde wie damals bei Riester !

    Es gibt ja mittlerweile viel mehr private ETF-Sparer, die genau wissen und es dem Rest der Bevölkerung miteilen werden, dass ETFs bereits für nur 0,05-0,2% Kosten p.a. verfügbar sind. Und dass der Aufschlag von Banken oder Versicherungen höchstens noch 0,3% Mehrkosten rechtfertgen würde – Aber nicht bis zu 1,5% !

    Ich befürchte allerdings, dass die Wissenden hauptsächlich ihr privates Depot weiter besparen werden, und nur die Unwissenden das AV-Depot mit hohen 1,5% Kosten nutzen werden… das ihnen ihr Bank-/Versicherungs-Vertreter aufschwatzen wird.

    Es gibt dazu übrigens eine Petition von Finanztip zur Senkung der geplanten maximalen Kosten des Altersvorsorgedepots auf max. 0,5% p.a. !
    Einfach mal googeln und bitte mit unterschreiben !

  3. noway sagt:

    Da erinnerst Du mich an Unerfreuliches… ich hatte mir damals einen Riester aufschwatzen lassen, leider zu spät nachgerechnet und habe beim Kündigen einiges an Geld verloren, das ich eigentlich nicht hatte. Aber es war, wie geschrieben, ein augenöffnendes Erlebnis, ich habe immerhin etwas gelernt: Wenn der Staat will, dass Du etwas tust, dann tu genau das NICHT.

  4. Manuhiri sagt:

    Dazu aktuell an die Jüngeren, die hier mitlesen: Nach 40 Jahren privater Vorsorge auch mit kleinen Beträgen staunt man nicht schlecht, was die Excel-Funktion 'ZW' aussspuckt.
    Beispiel: ETF auf den DAX; Monatlich 50€ Einzahlung; Zins 8% (durchschnittliche jährliche Zunahme über etwa 40 Jahre); Gesamte Beiträge 24.000 €; Endkapital 174.550,39 €. Das ist das 7,27-fache der Einzahlungen. Dieser Zinseszinseffekt knallt aber erst so richtig nach 30 Jahren.

    Hier die Marken mit 50 €: (Jahre/Kapital/Endkapital); 20/12.000/29.450 — 25/15.000/47.550 — 30/18.000/74.520 — 35/21.000/114.695 — 40/24.000/174.550 — 50/30.000/396.600

    Natürlich streut man das Ganze z.B. MSCI, STOXX600, S&P500, etc. Ich persönlich habe leider erst '95 damit angefangen, aber auch schon nach 30 Jahren vervierfacht sich das Kapital.

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