Riester-Rentennachfolger beschlossen; Riester-Abzocke 2?

Der Bundestag hat die "neue Zusatzaltersvorsorge" als Nachfolger der Riester- und Rürup-Rente veröffentlicht. Das soll eine neue Möglichkeit schaffen, dass Menschen in Deutschland sich eine Zusatzrente ansparen können. Mir bleibt die Frage, ob es eine "Riester-Abzocke" Teil 2 wird. Hier einige Informationen, Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema.

Der Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot

Der Bundestag hat am 27. März 2026 in dritter Lesung eine grundlegende Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen (siehe diese Mitteilung). Damit soll das bisherige Riester-Sparen ersetzt werden. Auf Beschlussempfehlung des Finanzausschusses (21/4996) stimmte das Parlament dem Gesetzentwurf der Bundesregierung "zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge" (Altersvorsorgereformgesetz, 21/4088) mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD zu.

Bei n-tv gibt es diesen Artikel, der die Details etwas breiter beschreibt. Die neuen Regeln für das Altersvorsorgedepot sollen vom 1. Januar 2027 an gelten und die 2002 eingeführte Riester-Rente ablösen. Natürlich feiert Finanzminister Klingbeil diese Reform als Meilenstein.

Der Ratgeber-Artikel auf n-tv, der mir zufällig unterkam, fasst noch einige Informationen zusammen. Hier ein Zitat aus diesem Artikel:

Kern der Reform ist die Abkehr von der starren Beitragsgarantie. Das soll höhere Renditen am Kapitalmarkt ermöglichen. Künftig haben Sparer die Wahl zwischen verschiedenen Produkten.

Wichtig ist noch folgende Information: die jährlichen Effektivkosten der Verträge werden auf maximal 1,0 Prozent (statt der geplanten 1,5 Prozent) gedeckelt. Und es gibt Produkte mit Garantie zur Auswahl, bei denen zum Rentenbeginn 80 oder 100 Prozent der Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen müssen. Zudem werden Abschlusskosten über die Laufzeit gestreckt, ein Wechsel der Anbieter wird erleichtert und neben lebenslangen Renten sind auch Auszahlungspläne bis mindestens zum 85. Lebensjahr zugelassen, fasst n-tv zusammen. Den aller größten Auswüchsen scheint da also ein Riegel vorgeschoben worden zu sein.

Die Riester-Hypothek am Horizont

Für mich ist die Riester-Rente aber schlicht "verbrannt" – ich hatte im Vorfeld der obigen Entscheidung des Bundestags kürzlich den Artikel Riester- und Rürup-Rente: Das "Sponsoring" der Banken/Versicherungen hier im Blog veröffentlicht. Dort habe ich die Sauereien seziert, die mit Riester-Rentenverträgen veranstaltet wurden. Die Leute bekommen teilweise nicht mal das eingezahlte Geld am Vertragsende zurück und müssten weit über 90 Jahre werden, um keine Verluste einzufahren. Nur Banken und Versicherungen haben gut verdient.

Die Artikel, weiter unten, am Beitragsende verlinkt, zeigen, welche Hypothek Riester-Verträge hinterlassen haben. Im Kontext dieses vor Wochen erschienenen Artikels hatte ich die geplanten 1,5 effektive Kosten pro Jahr beim Altersvorsorgedepot angesprochen. Experten hielten 0,5% für angemessen. Nun sind es 1 % geworden und es gibt Verträge, die ohne Kapitalgarantie angeboten werden, um "Renditechancen" nutzen zu können. Nach dem Schreiben des Textes am gestrigen Freitag bin ich dann noch auf diesen Focus-Beitrag gestoßen, wo Verbraucherschützer des Ratgeberportal Finanztip harte Kritik üben und vor den Kosten warnen. Das weckt böse Vorahnungen bei mir …

Hoffentlich geht das für Sparer gut

Um keine Unklarheit aufkommen zu lassen: Ich gönne jedem kleinen Sparer dass er ein paar Euro auf die hohe Kante fürs Alter bekommt. Aber bei den obigen Konditionen und den gelesenen Schlagworten rollen sich mir die Fußnägel hoch und es "poppen" sofort Erinnerungen bei mir im Hinterkopf auf. Dass ich, wegen der hohen Kosten, nie einen Riester-Vertrag abgeschlossen habe, wurde ja in meinem vorherigen Blog-Beitrag zur Riester-Renter bereits deutlich. Aber ich bin bei Lebensversicherungen und Finanzprodukten doch mehrfach über die "Kostenfalle" hereingefallen.

Den letzten dieser "Renditechancen-Verträge auf Aktienbasis" einer Sparkassenversicherung (war kein Riester-Vertrag, sondern eine Kapital-bildende Lebensversicherung auf Aktienbasis) habe ich vor 2 Jahren gekündigt – nach knapp 20 Jahren dümpelte der immer noch bei "knapp über der Abschlusssumme", obwohl die Aktienmärkte zwischenzeitlich gigantische Gewinne eingefahren haben. Der Vertrag hätte locker den doppelten Wert haben müssen. Der Einzige, der abgesahnt hat, war die Sparkassenversicherung. Gut, war nur ein 5.000 Euro-Vertrag, abgeschlossen für ein Kind. Aber es hat mich im Rückblick geärgert, weil ich so doof war und beim Abschluss nicht auf mein Bauchgefühl (Finger weg von allem wo Sparkassenversicherung drauf steht) gehört habe.

Einige weitere kleinere Mini-Verträge bei einem britischen Lebensversicherer, abgeschlossen für Familienangehörige,  habe ich voriges Jahr ebenfalls gekündigt, weil "ohne Spesen nix gewesen" die Gebühren die Rendite aufgefressen haben. Es gab dann zumindest noch ein "hauchdünnes Plus" bei der Vertragsauflösung. Andere Verträge bei diversen Lebensversicherern haben sich bei gleicher Laufzeit in der Summe bei Auszahlung oder im aktuellen Rückkaufswert glatt verdoppelt.

Eine weitere Negativerfahrung gibt es bei zwei kleinen Wertpapier-Depots die ich vor einigen Jahren mal (so im Bereich der Mindestanlagesumme) eingerichtet hatte, weil die Ing-Bank mit einem "Robo-Investor" geworben hatte. Die Idee war, diese Depots mit eigenen Wertpapieren nachzubauen, wenn der Robo-Investor Erfolg hatte. War ein "Satz mit X, war wohl nix", denn die Depots dümpelten Jahre im Minus. Die ständigen Umschichtungen und Gebühren des "Robo-Investors" fraßen die Rendite. Erst seit ich vor zwei Jahren den Robo-Investor rausgeworfen und die Depots auf "statisches Investment" gesetzt habe, sind beide Konten im Plus.

Die einzigen "Investitionen", bei denen ich unter dem Strich mit einem Plus raus gekommen bin, waren Lebensversicherungen bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit oder Wertpapierdepots, die ich selbst verwaltet habe. Im Rückblick habe ich mich geärgert, "hättest Du alles auf den Vertrag mit dem besten Versicherer gesetzt, hätte es ein fettes Plus geworden". Es waren aber alles immer sehr, sehr kleine Versicherungsverträge oder Depots. Mein Vorteil: Ich konnte "meine Eier auf viele Körbe verteilen", so dass die "faulen Eier" nicht ganz so weh taten. Und ich hatte die Freiheit, mir dies über die letzten 40 Jahre immer mal wieder mit kleineren Einmaleinzahlungen "leisten zu können".

Bei staatlichen Vorhaben ist dies i.d.R. nicht gegeben, da wird alles auf einen Vertrag gesetzt. Geht das schief, wird es für Leute, die sich ein paar Euro über Jahrzehnte sozusagen "vom Munde abgespart haben" arg bitter. Aus diesen Erfahrungen der Vergangenheit heraus bin ich arg skeptisch, dass das neue Modell des "Altersvorsorgedepots" für Verbraucher besser läuft.

Interessenten sollten sich genau anschauen, was sie da abschließen. Vielleicht gibt es ja Angeboten von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit, die die Einlagen im Sinne ihrer Mitglieder klug und mit minimalen Kosten verwalten. Oder öffentliche Anbieter schnüren ein attraktives Paket, welches die Alterssicherung der Sparer, und nicht die Dividenden der Aktionäre, im Fokus hat.

Beim Schreiben dieses Beitrags habe ich noch kurz mit meiner Frau diskutiert und die letzten 40 Jahre Revue passieren lassen. Dabei fiel mir ein, dass ich bei meinem letzten Arbeitgeber (ich bin seit 32 Jahren Selbständig) eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte. Der Arbeitgeber hatte ein Konsortium an Versicherern beteiligt, denen aber sehr strikte Regeln bezüglich Kosten auferlegt. Als ich den Arbeitgeber verließ, musste ich mich entscheiden, bei welchem Versicherer des Konsortiums ich den Vertrag weiterlaufen lassen möchte. Die Prognosen der vier Versicherer für die Ablaufleistung sprachen bereits Bände.

Ich habe mich seinerzeit für einen Direktversicherer entschieden, bei dem ich bereits einen weiteren kapitalbildenden Lebensversicherungsvertrag besaß (der Versicherer hatte keinen Vertrieb, also auch keine Abschlussgebühren). Ist gut gegangen, und die Ablaufleistung vor einigen Jahren hat die Abschlusssumme glatt vervierfacht (war erinnerungsmäßig noch so etwas wie ein 10.000 DM-Vertrag). Aber auch bei diesem Versicherer hat ein Vorstand (Uckermann-Skandal, kurz nach der Jahrtausendwende) mal ziemlich viele Versichertengelder "in den Sand gesetzt und mit Spekulationen verbrannt".  Meine Skepsis kommt also nicht von ungefähr, sondern wurde in den letzten 45 Jahren durch verschiedene Erfahrungen "hart erarbeitet" und ist gut begründet.

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2 Kommentare zu Riester-Rentennachfolger beschlossen; Riester-Abzocke 2?

  1. Tobias sagt:

    Tja, das deckt sich mit meinen Erfahrungen und ich hab noch ein paar Jahre vor mir. Der Roboter der ING war ein Draufzahlgeschäft. Alles, was extern gemacht wurde, lief negativ hinaus. Mein Riester läuft an sich relativ gut, weshalb ich den sogar noch bedien.
    Ansonsten bin ich inzwischen so weit, dass ich sage: Was du nicht selbst machst, das ist einfach nichts. Also selbst die Papiere etc. heraussuchen und sparen. Oder dann ganz konventionell Tagesgeld und Festanlagen, und auch da gibt es noch 2 – 3 %, was nicht viel ist, aber entsprechend sicher.
    Traurig aber wahr…

  2. noway sagt:

    Sie wollen alle nur Dein Bestes… Dein Geld. So sehe ich es auch. Wenn ich schon das Wort "Finanzprodukt" höre, bin ich raus. Das sind keine Produkte, die produzieren nichts. Es gibt keine wundersame Geldvermehrung.

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