Rätselhafter "Homo naledi" – alle Funde stammen von weiblichen Mitgliedern

Es ist ein absolutes Rätsel, was Funde von Knochen der ausgestorbenen Menschenart "Homo naledi" der Wissenschaft aufgeben. Wenn die Forschungsergebnisse stimmen, hat man ausschließlich weibliche Mitglieder dieser Menschenart in einer Höhle in Afrika ausgegraben. Es stellt sich die Frage nach dem "warum".

Homo naledi-Funde in Südafrika

In Südafrika gibt es die sogenannte Rising-Star-Höhle südwestlich von Swartkrans und knapp 50 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. In heute kaum noch zugänglichen Kammern der Höhle wurden im Jahr 2015 Fossilien des Homo naledi, eine ausgestorbene Art der Gattung Homo gefunden. Die durchschnittliche Körpergröße eines Homo naledi im Erwachsenenalter betrug ca. 1,50 Meter, das Gewicht 40 bis 55 kg.

Insgesamt wurden im Jahr 2015 fossile Knochen und Zähne von mindestens 15 Individuen nachgewiesen, weswegen dieser Fund die bislang größte Ansammlung von Belegen für eine frühe Art der Hominini ist. Die Fossilien waren bereits seit November 2013 geborgen, aber zunächst keiner bestimmten Art zugeordnet worden. Analysen der Funde wurden im Jahr 2017 schließlich dahingehend interpretiert, dass die Fossilien 335.000 bis 236.000 Jahre alt sind. Die Höhle ist so etwas wie die "Wiege der Menschheit".

Es wurden nur weibliche Funde geborgen

Die Wikipedia hält einige Informationen zu Homo naledi und zur Interpretation der Funde vor. Bisher wurden die Funde der fossilen Knochen anhand anatomischer Merkmale männlichen und weiblichen Individuen zugeordnet. Allerdings kam bald die Frage auf, in welcher Beziehung das 1,4 Meter große Wesen zu den bekannteren Vorfahren des modernen Menschen stand. Und es gab die Frage, wie so viele Überreste in die enge, schwer zugängliche Höhle gelangt sein konnten. Berger und seine Kollegen stellten außerdem fest, dass sich die bleibenden Zähne in Größe und Form kaum unterschieden.

Zunächst fragten sich die Forscher, ob es bei dieser Art keinen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus gab, bei dem ein Geschlecht – in der Regel das männliche – größer ist als das andere, wie es beim modernen Menschen der Fall ist. Dann zeigte der Paläoproteomiker Enrico Cappellini von der Universität Kopenhagen, dass sich anhand alter Proteine im Zahnschmelz fossiler Zähne das Geschlecht von Hominidenfossilien bestimmen lässt.

Lee Berger, "National Geographic Explorer in Residence", der die Expeditionen zur Suche nach den Fossilien leitete, ergriff diese Chance. Wissenschaftler begannen uralte Proteine aus dem Zahnschmelz von 20 Exemplaren des Hominiden Homo naledi aus der Höhle zu extrahierten.

Als die Analyse vorlag, war die Überraschung perfekt: Keines der verstorbenen Individuen, die vor 241.000 bis 335.000 Jahren tief im Höhlensystem "Rising Star" abgelegt worden sind, wies einen molekularen Marker auf, der männlichen Exemplaren zugeordnet werden kann. Sprich: Alle verstorbenen Individuen waren laut genetischer Analyse weiblich. Das geht aus einer Veröffentlichung der Forscher in der Fachzeitschrift "Cell" hervor (science.org berichtet in diesem englischsprachigen Artikel).

Es stellt sich die Frage, wie dieses Rätsel aufgelöst werden kann. Für Lee Berger liegt die Erklärung auf der Hand: H. naledi muss "ein kulturelles Verhalten an den Tag gelegt haben, das Männer und Frauen in ihren Bestattungsritualen voneinander trennt".

Paläoproteomiker Enrico Cappellini von der Universität Kopenhagen sagt, dass in seltenen Fällen biologischen Männchen das AMELY-Protein fehlt, und es sei auch möglich, dass H. naledi einfach das AMELY-Gen fehlte. Das wäre jedoch seltsam, meint er, da das AMELY-Gen bisher bei jeder anderen bisher analysierten Hominidenart gefunden wurde.

Fokus Online hatte diese Geschichte vor einigen Tagen hier aufgegriffen und befasst sich näher mit diesem Rätsel. Im Artikel werden weitere Erklärungen genannt und als wenig plausibel verworfen. Ich finde es spannend, mit was sich Wissenschaftler befassen.

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