Autobauer Mercedes vollzieht einen gravierenden Wandel in neuen Modellen, und korrigiert eine Fehlentwicklung der letzten Jahre. Die Bedienung verschiedener Funktionen soll wieder über Knöpfe und Schalter im Armaturenbrett möglich sein. Die Fokussierung auf Touchbedienung war des Guten zu viel und hat die Leute nicht abgeholt.
Es ist eine Pest: Ältere Autos waren bzw. sind mit Hebeln und Knöpfen am Armaturenbrett und Lenkrad ausgestattet, um die betreffenden Funktionen bedienen zu können. Da konnte man blind diese oder jene Funktion mal eben schnell anwählen.
Moderne Autos sind dagegen mit Touchscreen ausgestattet und als Fahrer muss sich durch zig Menüs wählen, um irgend eine Funktion abzurufen oder eine Einstellung zu verändern. Ich sage es mal so: "Ich will ein Auto zum Fahren, und kein Auto, was mir wie ein Smartphone irgendwelche Wischbewegungen am Touchscreen abverlangt".
NCAP-Tests tun Herstellern mit Touchdisplay weh
Vom Sicherheitsaspekt, den diese Touchscreen-Fokussierung arg vernachlässigt, schon gar nicht zu reden. Ich hatte im März 2024 das Thema im Beitrag Autokauf für Senioren … angesprochen. Dort war meine Aussage, dass die Touchscreen-Fokussierung den Autobauern ab dem Jahr 2026 "weh tun wird". Hintergrund ist, dass der Wegfall der Bedienknöpfe die Sicherheit des Fahrzeugs für den Fahrer reduziert. Beim Handy gibt es eine Strafe, wenn das am Steuer benutzt wird. Aber man soll einen Touchscreen rechts neben dem Lenkrad bedienen, um die Temperatur der Heizung/Klimaanlage zu ändern – kannst Du dir nicht ausdenken.
Matthew Avery, Direktor für strategische Entwicklung bei Euro NCAP, sagte 2024: "Die übermäßige Verwendung von Touchscreens ist ein branchenweites Problem, da fast alle Fahrzeughersteller die wichtigsten Bedienelemente auf zentrale Touchscreens verlagern, wodurch die Fahrer gezwungen sind, ihre Augen von der Straße abzuwenden, und das Risiko von Unfällen durch Ablenkung steigt. Die neuen Euro NCAP-Tests, die 2026 anstehen, werden die Hersteller dazu ermutigen, getrennte, physische Bedienelemente für grundlegende Funktionen auf intuitive Weise zu verwenden, um die Zeit, in der die Augen nicht auf der Straße sind, zu begrenzen und somit ein sichereres Fahren zu fördern."
Mercedes will die Kurve kriegen
Auto Motor Sport berichtet bereits im September 2025, dass Mercedes in seinen neuen Fahrzeugen vom Konzept des Touchscreen-Bedienwahns weg will. Der Artikel spießt diesen Touch-Wahn auf, und erwähnt, dass Tesla sogar auf Blinkerhebel verzichten wollte. Wie ein Tesla überhaupt einen KBA-Zulassung kriegen konnte, ist für mich schleierhaft. Aber Knöpfe und Schalter war für meine jungen Ingenieurskollegen offenbar altbackenes Zeugs. Einer der vielen Gründe, warum ich mich dem Kauf eines neuen Autos so lange als möglich verweigere.
Bereits 2024 gab es ein Umdenken bei Mercedes, wie ich dem obigen Artikel entnehmen konnte. "Die Daten zeigen, dass physische Knöpfe [insbesondere für bestimmte Altersgruppen] besser sind", wird ein Vertreter des Herstellers zitiert.
Anfang August 2026 hat Auto Motor Sport das Thema erneut im Artikel Mercedes bringt Knöpfe ins Cockpit zurück aufgegriffen. Mercedes Chef Ola Källenius hat eingestanden, dass die Branche hat es beim Weglassen von Knöpfen im Auto "ein bisschen zu weit getrieben" habe. Mercedes setzt zwar weiter auf große Displays, aber holt physische Bedienknöpfe zurück.
Und man will mehr mit "Sprachbedienung" machen – die nächste große Schnapsidee der "Wasserköpfe". Wenn der Fahrer nuschelt, eine argen Akzent hat oder der Beifahrer rein quatscht und das Auto sich mit Funktionen plötzlich verselbständigt, ist Schluss mit lustig. Ich erinnere mich als Ingenieur bis 1993 beim damaligen Arbeitgeber mit Händen und Füßen wehren musste, dass bestimmte Schnapsideen des Managements und hipper Anwender nicht in Chemieanlagensteuerungen und Überwachungseinrichtungen Einzug hielten. Mit der Automobilindustrie hatte ich nie zu tun, hielt und halte deren Konzepte aber nach wie vor für absoluten Unsinn – viele Käufer wollen den Mist nicht, kriegen den aufoktroyiert. Was bleibt, ist Käuferstreik.
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Sprachbedienung heißt auch: Das Auto hört immer zu, sendet alles an die Server der Hersteller… da ist es schon fast nebensächlich, dass das Auto einem ständig reinquatscht…
Und was mit den permanent aufgenommenen Kamerabildern der (inzwischen für Neuwagen vorgeschriebenen!) sogenannten "Müdigkeitswarner" tatsächlich passiert, weiß auch niemand. Laut EU-Vorgaben dürfen die Kamerabilder zwar weder gespeichert noch zur Gesichtserkennung genutzt oder aus dem Fahrzeug übertragen werden – aber wer bitte ist so naiv, das zu glauben?
Sagen wir es mal so: Ein paar Knöpfe wiederzubringen ist schön und gut, die grellen Screens, die ablenken und in den Augen wehtun, stören aber weiterhin. Ein No-Go ist und bleibt aber ein Auto mit eingebautem "Horch und Guck"!
Ein Ausblick: Die Daten von 'Horch und Guck' landen direkt bei Palantir. Nach Analyse und Bearbeitung durch NSA und FSB werden die Daten dann an die
'German Immigration and Customs Enforcement Logistic (GICEL)' – Behörde weiter gereicht, die auch für 'undeutsche Umtriebe' zuständig ist.
Ist das jetzt Satire, Sarkasmus oder Prognose? Man weiß es nicht…
Man könnte den Spaß noch erhöhen, wenn man die Gangschaltung auf das Touchpad verlegt … ;-)
Die sind ja eh alle (gähn) Automatik – also schlage ich das Bremspedal vor ;)
Und die Windschutzscheibe sollte dringend durch einen Riesenbildschirm mit Kamerabild ersetzt werden.
Vor einiger Zeit bestellte ein Kind, mehr oder weniger absichtlich, per Alexa ein Puppenhaus.
Dieses Thema griff eine Nachrichtensendung in San Diego (afair) auf. Dabei sagte der Sprecher in etwa "Alexa, bestell das rosane Puppenhaus".
In weil in US-Haushalten Fernsehapparate im Prinzip permanent mitlaufen, auch wenn keiner kuckt, prasselten plötzlich bei Amazon dutzende Bestellungen für rosafarbene Puppenhäuser ein.
Allein die Vorstellung, im Auto mit Radio-Berieselung unterwegs zu sein und die Sprachsteuerung reagiert auf irgendeinen Blödsinn aus dem Radio….
"STOP! In the name of Love"
Jetzt hab ich nen Ohrwurm :)