Kinderspielzeug Gilbert U-238 Atomic Energy Laboratory der 50er Jahre

Stop - PixabayHeute hole ich mal wieder eine irre Geschichte aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts hoch. In den USA gab es ein "Kinderspielzeug", wo die "Kleinen" mit einem Atom-Experimentierkasten" herumspielen sollten. So ganz nebenbei wurden die Kinder den in den mitgelieferten Uran-Mineralien mit Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlen ausgesetzt. Der Experimentierkasten war glücklicherweise ein Misserfolg und rangiert heute auf der Liste der gefährlichsten Kinderspielzeuge aller Zeiten ganz oben.

Erinnerungen an die eigene Kindheit

Manchmal bin ich echt froh, dass meine Eltern in den 50er und 60er Jahren so arm waren, dass wir die Irrungen aus Amerika alleine aus finanziellen Gründen nicht mitmachen konnten. So mit 2-3 Jahren bekam ich zu Weihnachten ein Blechauto, dass per Schlüssel aufgezogen werden und dann fahren konnte. Habe ich keine Erinnerung mehr dran, aber Mutter erzählte, dass ich bei diesem Weihnachtsgeschenk schreiend unter der Couch verschwunden sei.

Nun gut, das Weihnachtsgeschenk wurde ein Jahr eingepackt, und ein Jahr später wieder unter den Weihnachtsbaum gepackt. Und der Jung wollte das Ding nicht mehr her geben, musste sogar mit ins Kinderbett. Habe ich auch keine Erinnerungen mehr dran.

Später gab es (Brumm-)Kreisel oder den Peitchenkreisel, ein auf der Spitze stehender Kegel, der mit einer Peitsche in Rotation versetzt wurde, sowie Das Murmelspiel der Kindheit … Erinnerlich sind mir auch Weiden-Pfeifen, die wir uns aus frischen Weidenzweigen geschnitzt haben. Ein Wurstseil und Weidenruten, sowie Hühnerfedern, ließen sich für Pfeil und Bogen herrichten. Dann gab es Blasrohre aus getrockneten Holunderstängeln, wo das Markt entfernt wurde. Wir haben früher dann grüne Holunderbeeren als Munition benutzt.

Später kam dann die Experimentierphase – Lego gab es bei mir noch nicht, der jüngere Bruder spielte aber bereits mit diesen Bausteinen. Ich hatte einen Trix-Metallbaukasten, mit dem man schrauben und bauen konnte. Und später gab einen Philipps Elektronik-Baukasten (siehe Vor 75 Jahren: Der Transistor wurde vorgestellt).

Kinder in den USA und der Atom-Baukasten

In den USA drehte sich die Welt teilweise anders – die hatten ja den 2. Weltkrieg nicht im Land erlebt. Im Jahr 1050 kam das "Gilbert No. U-238 Atomic Energy Lab" als Spielzeug-Labor-Set für Kinder heraus.

Das Spielzeug-Labor-Set enthielt mehrere radioaktive Proben von uranhaltigen Erzen – Autunit, Torbernit, Uraninit und Carnotit – sowie eine frische, kurzlebige Polonium-210-Alphateilchenquelle mit einer Aktivität von 740 Becquerel und einer Halbwertszeit von 138,4 Tagen.

Mit dem Set sollten Kinder mithilfe des radioaktivem Materials nukleare und chemische Reaktionen auslösen und beobachten können. Die mitgelieferte Nebelkammer fungierte als Teilchendetektor, der zur Visualisierung des Durchgangs ionisierender Strahlung dient.

Ich bin kürzlich erneut über nachfolgenden Post auf dieses Experimentierset gestoßen, hatte das Thema aber schon mal 2023 im Blog-Beitrag Die 50er Jahre: Als Kinder noch mit "Atom" spielen sollten aufgegriffen. Denn heute schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen, dass man Kinder damals ionisierender Strahlung ausgesetzt hat. Aber in meinem Beitrag aus 2023 hatte ich auch erwähnt, dass man in Schuhläden beim "Schuhe anprobieren für Kinder" Röntgenstrahlen eingesetzt habe.

Irre Zeiten – das Magazin Radar setzte das Set 2006 auf Platz 10 seiner Liste der "gefährlichsten Spielzeuge aller Zeiten". Das Deutsches Museum schätzt das Risiko heute als gering ein, da die künstlichen Quellen weitgehend abgeklungen sind und die Uransalze meist sicher verpackt blieben, die offene Handhabung durch Kinder damals jedoch hochgradig kritisch zu sehen war.

Glücklicherweise war das Set auf Grund des hohen Preises (49,50 US Dollar, heute umgerechnet 700 Dollar) kein Erfolg. Es wurden wohl nur um die 5000 Sets verkauft. Später hat Victor von Bülow das als Loriot im Film "Weihnachten bei Hoppenstedts" umgesetzt. Das Kind bekam ein "kleines Atomkraftwerk" als Weihnachtsgeschenk.

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Ein Kommentar zu Kinderspielzeug Gilbert U-238 Atomic Energy Laboratory der 50er Jahre

  1. Wolf789 sagt:

    Unglaublich, aber in der Geschichte finden sich leider laufend "Vergiftungsvorfälle" weil die Menscheit einfach nicht weiß, überwiegend nicht wissen kann, was die Folgen Ihres Handels sind – und dann noch ewig braucht, bis es sich rumspricht oder reagiert.
    Bspe: Bleirohre in der Römerzeit bis in die Neuzeit, Zinnverbindungen (Trinkbecher od. Antifoulingfarben für Schiffe (TBT) bis in die heutige Zeit), Röntgenstrahlung, Verdünnen (Verklappen), …, Asbest, Plastik, Pestizide, Lebensmittelindustrie mit ihrem Gepansche usf.

    M.M. gehört nichts in die Natur, was nicht von ihr gekommen ist – diese hat ja schon selbst genügend Gifte. Keine guten Aussichten insbesondere durch den Welthandel von xx nach.

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