Alt werden wollen wohl die meisten Menschen. Gesund alt werden, wäre das erstrebenswertere Ziel. Während früher die besonders alten Jubilare nach dem "Tipp, wie man so alt wird" gefragt wurden, kennt die Forschung heute die Faktoren, die das gesunde Altern beeinflussen. Der Medlife-Index fasst 20 – 28 Maßnahmen (je nach Quelle) zu einem Paket zusammen, dass das Sterberisiko senkt und zu gesundem Altern beiträgt. Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf sowie soziale Kontakte gehören dazu.
Mediteraner Lebensstil versus metabolische Syndrom
Als Synonym für einen gesunden Lebensstil gilt die Mittelmeer-Region mit gesunder Ernährung und viel Olivenöl. Auf der anderen Seite gibt es das sogenannte metabolische Syndrom (oft auch als „tödliches Quartett" oder „Wohlstandssyndrom" bezeichnet). Es ist eine Kombination aus vier eng miteinander verknüpften Risikofaktoren, die das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Typ-2-Diabetes stark erhöhen.
- Bauchbetontes Übergewicht (abdominale Adipositas): Zu viel Fett in der freien Bauchhöhle (Viszeralfett). Bauchumfang bei Frauen ab ≥ 80 cm und bei Männern ab ≥ 94 cm (oder > 102 cm)
- Bluthochdruck (Hypertonie): Werte von ≥ 130/85 mmHg (oder bereits in Behandlung).
- Gestörter Blutzucker (Insulinresistenz): Nüchternblutzucker von ≥ 100 mg/dl (5,6 mmol/l) oder bereits bekannter Typ-2-Diabetes.
- Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie): Erhöhte Triglyceride: ≥ 150 mg/dl (1,7 mmol/l); Erniedrigtes HDL-Cholesterin: < 40 mg/dl bei Männern bzw. < 50 mg/dl bei Frauen.
Nach den aktuell gängigen harmonisierten Kriterien liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn mindestens drei dieser Kriterien zutreffen. Das metabolische Syndrom ist für viele Erkrankungen und am Ende frühzeitige Todesfälle verantwortlich.
Der MEDLIFE-Index verrät, wie es gesünder geht
Zuerst: Eine kleine Pille, und alles wird gut, auch in Bezug auf das metabolische Syndrom gibt es nicht. Vielmehr bestimmt der Lebensstil, wie man altert und welche Wohlstandskrankheiten einen mit höherem Alter plagen.
Der mediterrane Lebensstil (MEDLIFE) als umfassendes Lebensstilmuster gilt als Ziel, das bereits erwähnte metabolischen Syndrom zu vermeiden. Ein alter Doktor hat mal gesagt: "Fress nicht so viel, rauch nicht, hör mit dem Saufen auf und bewege deinen Arsch von der Couch und geh spazieren". Recht hatte er, der alte Doc, wenn er auch ganz undiplomatisch kommuniziert hat, was viel Patienten plagt (zu dick, Typ-2-Diabetiker, von Cholesterin und einhergehender Arteriosklerose geplagt und dann noch Bluthochdruck oben drauf). Das fordert seinen Tribut, und oft viel zu früh das Leben.

(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)
In modern drückt man das nicht so plastisch aus, wie der alte Arzt, sondern untersucht das Ganze in Studien. Das Thema ist bereits 2021 in einer Studie The Mediterranean lifestyle (MEDLIFE) index and metabolic syndrome in a non-Mediterranean working population veröffentlicht worden. Untersucht wurde, ob es einen Zusammenhang zwischen einem validierten MEDLIFE-Index und dem metabolischen Syndrom sowie dessen Komponenten in einer nicht-mediterranen Erwerbsbevölkerung gibt.
Zu Deutsch: Man hat gekuckt, ob auch Leute, die außerhalb des Mittelmeerraums leben, sich vernünftig ernähren und anständig bewegen, auch dem metabolischen Syndrom zum Opfer fallen. Nicht wirklich überraschend: Auch wer außerhalb des Mittelmeerraums nach Mittelmeer-Ernährung lebt und sonst einige Sachen beachtet, kann genau so gut gesund alt werden, wie die Alten auf Sardinien oder am Mittelmeer.
Bereits 2015 wurde in dieser Empfehlung der National Library of Medicine der Begriff des Medlife-Index geprägt. Dort hatte man Erkenntnisse aus der spanischen Bevölkerung in einer Studie ausgewertet. Der Medlife-Index ist eine Sammlung von bis zu 28 Maßnahmen zum Lebensstil, die ein gesundes Altern begünstigen. Der MEDLIFE-Index bestand aus 26 Fragen zur Nahrungsaufnahme, zu Ernährungsgewohnheiten, zu körperlicher Aktivität, zur Erholung und zur sozialen Interaktionen, die mit 0 oder 1 Punkt bewertet wurden. Somit konnten die Gesamtwerte zwischen 0 und 26 Punkten liegen.
Ergebnis der obigen Studie: Teilnehmer (es wurden 249 Feuerwehrleute untersucht), die besonders viele der 26 Maßnahmen aus dem Medlife-Index erfüllten, hatten ein um 71 % geringeres Risiko für ein metabolisches Syndrom. Im März 2026 kam dann eine neue Studie heraus, die die obigen Ergebnisse bestätigt. Der Focus hat das Ganze etwas lesefreundlicher, gespickt mit vielen Informationen, was untersucht wurde, in diesem Artikel verpackt.
Aber das Ergebnis ist nicht viel anders als der alte Doktor seinem Patienten etwas direkter gesagt hat: "Lebe vernünftig, iss gesund, schlaf genügend und beweg dich ausreichend, ein Plausch mit dem Nachbarn kann auch nicht schaden". Ich sage es mal so: So richtig geschäftstüchtig war der Doktor wohl nicht, seine Praxis wäre leer geblieben, wenn alle das befolgt hätten. Und nun liegt der Ball im Feld der Leserschaft, ob der Medlife-Index befolgt wird.
PS: Nach Diktat zum Sport (nicht ans Mittelmeer) verreist … aber am heutigen Montag bin ich beim Doc – Vorsorgeuntersuchung, auch das ist wichtig.

