Das wäre es: Wenn die Zähne ausfallen, einfach die nächsten Exemplare im Mund nachwachsen lassen. Was bei Haifischen funktioniert, könnte auch beim Menschen klappen. Im Jahr 2024 sind erste klinische Studien in Japan geplant.
Die ersten Zähne kommen bei Babies mit Schmerzen – dann fallen diese sogenannten Milchzähne im Alter von fünf bis sechs Jahren aus, um der nächsten Generation Zähne im Mund Platz zu machen. Danach ist aber Schluss, wer seine zweiten Zähne durch Krankheit (Paratontose, Karies) oder Unfall verliert, muss ohne auskommen oder sich ein Gebiss, eine Brücke oder ein Implantat anfertigen lassen.

Diese Erkenntnis könnte zukünftig überholt sein, die Zahnmedizin hilft. In Japan ist Forscher ein Durchbruch gelungen, denn ein Medikament soll natürliche Zähne nachwachsen lassen können.
"Die Idee, neue Zähne wachsen zu lassen, ist der Traum eines jeden Zahnarztes. Ich habe daran gearbeitet, seit ich ein Doktorand war. Ich war zuversichtlich, dass ich es schaffen würde", sagte Katsu Takahashi, leitender Forscher und Leiter der Abteilung für Zahnmedizin und Oralchirurgie am Medical Research Institute Kitano Hospital in Osaka, dem englischsprachigen Medium The Manchi aus Japan. Die Kollegen von Golem haben das Thema in diesem Artikel aufgegriffen.
Das Forscherteam hat ein Medikament entwickelt, um erneut natürliche (dritte) Zähne wachsen zu lassen. In früheren Tierversuchen hat das Medikament das Wachstum von Zähnen der "dritten Generation" nach den Milchzähnen und dann den bleibenden Zähnen der Erwachsenen ausgelöst.
Hintergrund zur Entwicklung des Medikaments durch die Forscher sind zwei Erkrankungen des Menschen bei der Zahnbildung. Anodontie ist eine angeborene Erkrankung, bei der keine Zähne oder weniger als ein komplettes Gebiss im Mund wächst. Die Erkrankung tritt bei etwa 1 % der Bevölkerung auftritt. Man geht davon aus, dass genetische Faktoren die Hauptursache für das Zehntel der Anodontie-Patienten sind, denen sechs oder mehr Zähne fehlen, ein Zustand, der als Oligodontie bezeichnet wird.
Dieser Zustand wird auch als Zahn-Agenesie bezeichnet. Menschen, die mit einer Zahn-Agenesie aufwachsen, haben von klein auf mit grundlegenden Fähigkeiten wie Kauen, Schlucken und Sprechen zu kämpfen, was sich negativ auf ihre Entwicklung auswirken kann, heißt es in obigem Artikel.
Nach seinem Abschluss in Zahnmedizin absolvierte Takahashi 1991 ein Studium der Molekularbiologie an der Universität Kyoto. Danach studierte er in den USA und wurde mit den Forschungsergebnissen der Biochemie vertraut. Denn zu dieser Zeit startete die Forschung damit, Gene ausfindig zu machen, deren fehlen bei genetisch veränderten Mäusen weniger Zähne wachsen zu lassen. "Die Anzahl der Zähne variierte durch die Mutation eines einzigen Gens. Wenn wir das zum Ziel unserer Forschung machen, sollte es einen Weg geben, die Anzahl der Zähne (bei Menschen) zu verändern", sagt Takahashi über seine Überlegungen zu jener Zeit.
Als Dr. Takahashi sich 2005 nach seiner Rückkehr nach Japan an der Universität Kyoto weiter mit dem Thema beschäftigte, sah er einen guten Weg für seine weitere Forschung. Die Forscher fanden heraus, dass Mäuse, denen ein bestimmtes Gen fehlte, eine erhöhte Anzahl von Zähnen hatten. Es wurde festgestellt, dass ein Protein namens USAG-1, das von dem Gen synthetisiert wird, das Wachstum der Zähne begrenzt.
Das Forschungsteam von Takahashi konzentrierte sich auf USAG-1 und entwickelte ein neutralisierendes Antikörpermedikament, das die Funktion des Proteins blockieren kann. In Experimenten im Jahr 2018 wurde Mäusen mit einer angeborenen geringen Anzahl von Zähnen ein Medikament verabreicht, das dazu führte, dass neue Zähne nachwuchsen. Die Forschungsergebnisse wurden 2021 in einer wissenschaftlichen Publikation in den USA veröffentlicht und erregten große Aufmerksamkeit als Beginn des weltweit ersten Medikaments zur Zahnregeneration.
Derzeit wird daran gearbeitet, das Medikament für die Anwendung beim Menschen vorzubereiten. Sobald bestätigt ist, dass es keine schädlichen Auswirkungen auf den menschlichen Körper hat, soll es zur Behandlung von Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren eingesetzt werden, die eine Anodontie aufweisen. "Wir hoffen, den Weg für die klinische Anwendung des Medikaments zu ebnen", sagte Takahashi.
Im Erfolgsfall könnte ein Medikament zur Regeneration von Zähnen den gesamten Bereich der Zahnmedizin verändern. Denn Takahashi glaubt, dass die Fähigkeit des Menschen, ein drittes Gebiss wachsen zu lassen, in den meisten Fällen im Laufe der Evolution verloren gegangen ist.
Denn etwa 1 % der Bevölkerung weist das Gegenteil von Anodontie auf: Hyperdontie, eine angeborene Erkrankung, die zu einer überdurchschnittlich hohen Anzahl von Zähnen führt. Nach den Forschungen von Takahashis Team äußert sich einer von drei solchen Fällen durch das Wachstum eines dritten Gebisses.
Tiere wie Haie und einige Reptilienarten können kontinuierlich Zähne nachwachsen lassen. Bisher ging man davon aus, dass dem Menschen im Laufe seines Lebens nur zwei Sätze Zähne wachsen. Aber es gibt Hinweise darauf, dass Menschen auch die "Knospen" für einen dritten Satz Zähne haben.
Ist die Behandlung von Zähnen wegen schwerer Karies oder Erosion der Zahnhälse, der so genannten Pyorrhoe, nicht mehr möglich, verlieren Menschen ihre Zähne und sind auf Zahnersatz angewiesen. Die Möglichkeit, eine dritte Generation Zähne zu züchten, könnte dies ändern. "Auf jeden Fall hoffen wir auf eine Zeit, in der die Zahnwachstumsmedizin eine dritte Wahl neben Zahnersatz und Implantaten ist", so Takahashi.
Das japanische Forscherteam plant im Juli 2024 mit klinischen Versuchen am Menschen zu beginnen. Das Medikament ist für Menschen gedacht, denen aufgrund angeborener Faktoren ein vollständiger Satz erwachsener Zähne fehlt. Das Team strebt an, dass das Medikament im Jahr 2030 für den allgemeinen Gebrauch bereit ist. Auf der japanischen Seite hier präsentiert das Team weitere Informationen (ist aber für Menschen, die des japanischen nicht mächtig sind, a bisserl schwierig zu lesen).

