Energetische Sanierung überfordert Hausbesitzer

Die EU möchte den Gebäudebestand energetisch sanieren, um in einigen Jahren CO2-neutral zu werden. Aber viele Hausbesitzer geraten wohl bei der energetischen Sanierung ihrer Gebäude an ihre Grenzen.

Die Tagesschau hat das Thema Ende 2025 im Beitrag Wenn energetische Sanierung Haushalte überfordert aufgegriffen, wobei es dort um den Einbau von Wärmepumpen geht.

Studie untersucht Haushalte

Eine Studie des Sozialklimarats hat ergeben, dass sich viele Haushalte den Umstieg auf ein klimafreundliches Heizsystem wie die Wärmepumpe schlicht nicht finanziell leisten können. Die Studie basiert auf einem umfassenden infas 360-Datensatz des  betreffenden Marktforschungsunternehmens. In der Studie wurden die rund 42 Millionen Haushalte in Deutschland in 16 Gruppen kategorisiert. Für jede dieser Gruppen entwickelten die Forschenden eine fiktive "Persona". Sie stellen zentrale Merkmale wie Alter, Wohnsituation, Einkommen und Energiebedarf gebündelt dar. Anhand dieser Eigenschaften bewertete die Studie die Anpassungsfähigkeit der Haushalte und ordnete sie fünf Kategorien zu – von sehr gut bis sehr schlecht.

In manchen Regionen sind Hausbesitzer überfordert

Laut Tagesschau-Artikel können sich im Saarland rund 40 Prozent der Haushalte eine solche Sanierung aus finanziellen Gründen (in der Studie als "Anpassungsfähigkeit" an neue Auflagen bezeichnet) schlecht oder sogar sehr schlecht leisten. Auch in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen liegt der Wert mit 38 % sehr hoch. In Berlin liegt der Wert bei nur 20 Prozent der Haushalte, die von finanziellen Problemen bei der Sanierung betroffen sind. In Hamburg liegt der Anteil bei rund 24 Prozent. Im Bundesgebiet geht man davon aus, dass sich im Durchschnitt rund 30 Prozent der Hausbesitzer keine energetische Sanierung mit neuen Heizsystemen wie Wärmepumpe finanzieren können.

Kosten zu hoch, Förderung zu niedrig

Die Kosten für Wärmepumpen sind zu hoch, die Förderung zu niedrig – was zu sozialen Schieflagen führen wird. Angesichts der hohen Anteile von Haushalten mit geringer Anpassungsfähigkeit fordern Sozialklimarat und Arbeitskammer, die Förderprogramme für energetische Sanierungen stärker nach Einkommen zu staffeln.

Hier schiebe ich die Anschaffung einer Wärmepumpe vor mir her, weil die Gasheizung (Brennwert-Therme im Dachgeschoss)  noch keine 20 Jahre auf dem Buckel hat. Und angesichts der immer noch geringen Heizkosten für Gas – es ist ein voll gedämmtes Doppelhaus, werden die Einsparungen einer Wärmepumpe, wenn sie denn zu Einsparungen führt, die Kosten erst nach mehreren Jahrzehnten herein holen.

Aber vielleicht kontaktiere ich meinen Heizungsbauer im Sommer, um auszuloten, was eine Wärmepumpe kostet, was wirklich gebraucht wird, und was es an Förderung gibt. Hier tut sich die Heizungsbranche meiner Beobachtung auch schwer – viele Reihen- und Doppelhaushälften haben eine Gastherme im Dachgeschoss eingebaut, die kaum Platz braucht und preisgünstig ist. Da wird dann mit Aggregaten vor der Haustür, Schichtspeichern im Keller (wo ich kaum Platz habe) und irre langen Leitungen geplant. Mal schauen, ob sich ein Heizungsbauer findet, der die Gebäudedecken mit der Fußbodenheizung als "Schichtspeicher" projektieren kann (die Ingenieure der Wärmepumpenhersteller schreiben, dass dies möglich sei).

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7 Kommentare zu Energetische Sanierung überfordert Hausbesitzer

  1. MaxM sagt:

    @Günter: Hier ähnlicher Fall wie bei Dir:

    Gas-Brennwerttherme im DG noch bestens in Schuss, Reparaturen in 20 Jahren fast Null, Gaspreis erträglich, Haus relativ gut gedämmt.

    Bei Wärmepumpe müsste man die Wasserleitungen vom Garten im EG "dekorativ" über die äußere Hauswand in das DG führen. Der Heizungsbauer meint, dass Wärmepumpen zwar wenig reparaturanfällig seien, aber wenn mal ein Defekt käme, dann würde es teuer :-(

    Und der CEO unseres lokalen Gasversorgers hat öffentlich für wenigen Tagen prognostiziert, dass der Gaspreis auf 20 Jahre im Durchschnitt nicht über 4-5 ct Beschaffungspreis pro kWh steigen würde. Gas gäbe es auf der Welt genügend. Dh. nur die Politik mit Ihren verbissenen CO2-Zielen macht den Gaspreis teuer.

    • guenni sagt:

      Es wird auf lange Sicht drei Probleme geben:

      – wenn die Brennwert-Therme kaputt geht, gibt es Ersatz und darf dieser eingebaut werden?
      – der monatliche Grundpreis für die Erdgasversorgung wird mit sinkenden Abnehmerzahlen steigen
      – wenn der Versorger die Leitung abstellt müsste man auf Flüssiggas-Tank gehen – ist halt auch teuer und man braucht Platz.

      Das heißt: In einigen Jahren sollte man schon schauen, dass man auf eine Lösung kommt. Ob die günstiger wird, als die Lösung "Augen zu und durch mit der Gasheizung" und hoffen, dass da nichts kaputt geht, muss sich dann zeigen.

      • MaxM sagt:

        @guenni: Deine Einwände sind alle korrekt, wenn man von der derzeitigen Gesetzeslage ausgeht

        – "kaputt": Ersatzteile dürfen eingebaut werden, ein Ersatzgerät nicht. Unser Schornsteinfeger meinte: "Solange das Gehäuse an der Wand bleibt, darf alles ausgetauscht werden."

        – Grundpreis: Gäbe es die aktuelle Gesetzgebung nicht, wäre das kein Problem.

        – Flüssiggas: Gute Frage, ob dies möglich wäre. Die Brennwerttherme bleibt ja unverändert. Es wird ja nur der Betriebsstoff ausgetauscht. Trotzdem kommen wir wieder zu Problem "kaputt".

    • guenni sagt:

      Danke für die Links. Ich hatte die Tage einen ähnlichen Artikel bezüglich der Thematiken gelesen – es ging um Einfrieren der Wasserleitung bei Split-Systemen – sowie um das Thema Leck im Propan-Kühlmittelkreislauf. Das muss ich dann im Fall der Fälle vor Projektvergabe in Ruhe vorab mit dem Heizungsbauer klären – halte es aber in meinem Szenario für beherrschbar. Der Bild-Artikel enthält zwar einen realen Kern als Hintergrund, ist aber in der Aufbereitung etwas Panik-Mache (alle denkbaren Worst-Case-Szenarien werden an die Wand gemalt).

    • MaxM sagt:

      Zitat aus dem Weltartikel: "Friert der Wärmetauscher ein und platzt dadurch, kommt das einem Totalschaden der Wärmepumpe gleich".

      Im Artikel werden sehr sachlich Gegenmaßnahmen beschrieben, die z.B. im kalten Skandinavien greifen (aber natürlich alle wieder zusätzlich kosten).

  2. Jörsch sagt:

    Guten Abend,
    interessantes Thema, von dem ich auch betroffen bin. Bisher werkelt hier eine Gasheizung, die aus einem Flüssiggastank versorgt wird. Nach 10 Jahren hat der Tank die 10jährige Prüfung nicht bestanden (uns wurde ein oberirdischer Tank als sog. erdgedeckter Tank verkauft – funktioniert nicht). Ich brauche also dringend Ersatz.

    Angebote von Heizungsfirmen sind für mich zu teuer. Im Heise Verlag wurde ich auf einen DIY Artikel aufmerksam und bin darüber zum Panasonic Aquarea Forum gekommen:
    http://aquarea.smallsolutions.de/index.php?title=Hauptseite

    Meine Empfehlung – DIY. Panasonic Monoblock (es ist nur Außengerät, braucht innen keinen Stellplatz) aufstellen und direkt in den Heizkreis einbinden. Wenn kein Platz für Warmwasserspeicher ist – Und z.B. das Haus nur von 2 Personen bewohnt wird – Dann würde ich über elektrischen Durchlauferhitzer nachdenken.

    Ich beschäftige mich seit dem Sommer damit, meine Zielkosten sind ca 8 T€. Und ich lerne was dazu…
    Bin inzwischen bei der Installation und zuversichtlich, dass ich das hinbekomme :-)

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