Fails der Raumfahrt: Starlink-Satellit kaputt; Rakete wegen Montagefehler abgestürzt

Noch ein Kurzbeitrag zu Fehlern in der Raumfahrt, so im Vorfeld des möglichen Mondflugs in wenigen Stunden. Gerade hat das US-Unternehmen SpaceX den Kontakt zu einem ihrer vielen Starlink-Satelliten verloren. Und vor einigen Jahren stürzte eine russische Sojus-Rakete wegen Montagefehlern ab.

Starlink-Satellit durch Zusammenstoß kaputt?

Die US-Raumfahrtfirma SpaceX schießt ja Tausende Satelliten für ihr Starlink-Internet in den nahen Weltraum. Die Satelliten bewegen sich auf niedrigen Umlaufbahnen von 590 km über der Erdoberfläche. Dadurch verglühen die Satelliten mit der Zeit in der Atmosphäre. Aber es kann auch Schäden durch Kollisionen mit Weltraumschrott geben.

Satelliten-Crah?

Vor Stunden las ich in obigem Tweet, dass der Starlink Satellit Nummer 34343  Probleme habe (man spricht von einer "Anomalie"). Der Funkkontakt mit dem Satelliten ist verloren gegangen, während dieser in ~560 km Höhe über der Erdoberfläche kreist. Noch ist unklar, was passiert ist.

Aber der Satellit dürfte sich zerlegt haben, obiges Bild vermittelt den naheliegenden Schluss: Ein Stück Weltraumschrott ist auf der Umlaufbahn mit dem Satelliten zusammen gestoßen, und nun ist dieser ausgefallen. SpaceX spricht dann von "Disintegration" – die Trümmer werden dann noch mehrere Jahre in der Erdumlaufbahn kreisen, bevor sie durch die Reibung in der Atmosphäre langsam absinken und dann verglühen. Die verglühenden Satellitenteile sind inzwischen übrigens bereits ein Problem, weil sehr viele Schadstoffe in höhere Atmosphärenschichten eingetragen werden. Der Artikel hier (English) hat noch einige Informationen samt einer Meldung von SpaceX zum Vorfall.

Ergänzung: Der Satellit ist nicht zerbrochen, rotiert aber – wie man in diesem Video sehen kann.

Raketenabsturz durch falsche Montage

Als Ingenieur, der die Entwicklung der Raumfahrt seit Jahrzehnten verfolgt (aus der Branche bin ich ja 1981 ausgestiegen), weiß ich, dass Raketen keine Fehler verzeihen. Am 2. Juli 2013 sollte eine Proton-M-Rakete vom Kosmodrom Baikonur aus ins Weltall starten. Der nachfolgende Tweet hat ein Video eingebunden, das zeigt, wie sich die Rakete kurz nach dem abheben dreht und spektakulär abstürzt.

Raketenabsturz

Die Ursache für diesen Absturz ist bekannt. Ein Techniker hatte drei Sensoren (für die Messung der Bewegungen um die Gierachse) verkehrt herum installiert. Das führte zu falschen Orientierungsdaten für die Steuerung, und die Rakete zerlegte sich 17 Sekunden nach dem Start und explodierte.

Die falsch eingesetzten Sensoren hatten klare Pfeilmarkierungen und Verriegelungspins. Letztere wurden vom Techniker verbogen, um die Sensoren falsch einzusetzen. Eine Überprüfung durch den Vorgesetzten fehlte, der inzwischen in Russland häufig berichtete Schlendrian. Bei diesem Start gingen drei GLONASS-Satelliten zur Navigation im Wert von über 200 Millionen US-Dollar verloren.

Der Vorfall hatte einige Konsequenzen in diesem Bereich, um den Fehler zukünftig zu vermeiden. Mich erinnert dies spontan an die Laborpraktika in Regelungstechnik, wo ich beobachten konnte, wie falsche Werte oder Einstellungen eine Regelungsstrecke zum Schwingen bringen konnten. Und es erinnert mich an meine erste Stelle als junger Ingenieur in der Luft- und Raumfahrttechnik, wo bestimmte Sachen doppelt und dreifach überprüft sowie dokumentiert werden mussten, um Fehler zu vermeiden und alles nachvollziehbar zu machen.

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