Die Woche ist die New Glenn getaufte Schwerlastrakete des von Amazon Gründer Jeff Bezos aufgebauten Firma Blue Origin vor einem Triebwerkstest explodiert. Es gibt riesige Schäden am Startkomplex in Florida und die Pläne für Mondmissionen der Amerikaner stehen nun möglicherweise auf der Kippe.
Das New Glenn-Projekt
Zuerst ein kurzer Rückblick. Das US-Unternehmen Blue Origin von, von Amazon Gründer Jeff Bezos im Jahr 2000 gegründet, arbeitet seit Jahren an einer Großrakete, die nach einem der erste US-Astronauten "New Glenn" getauft wurde. Die zweistufige Schwerlast-Rakete soll teilweise wieder verwendbar sein und für unbemannte wie bemannte Missionen eingesetzt werden.
Die maximale Nutzlast ist mit 45 Tonnen für erdnahe Umlaufbahnen und "über 13" Tonnen für geostationäre Transferbahnen angegeben. Die Trägerrakete soll auch für Flüge zum Mond verwendet werden können. In diesem Tweet von 2016 findet sich ein Größenvergleich diverser Raketen mit der New Glenn.
Im Januar 2025 gelang Blue Origin der Jungfernflug dieser Schwerlastrakete. Ich hatte im Blog-Beitrag Blue Origin: Jungfernflug der New Glenn-Rakete weitgehend geglückt berichtet. Beim zweiten Flug wurden zwei Marssonden in die Umlaufbahn und auf die Reise zum Mars gebracht. Dabei konnte die als Booster verwendete erste Antriebsstufe gelandet und wiederverwendet werden (siehe Grandioser Erfolg: Blue Origin startet zwei Mars-Sonden mit New Glenn und landet Booster).
Der dritte Flug ging aber daneben, denn der Satellite wurde wegen eines Fehlers nicht in ihrem richtigen Orbit abgesetzt (siehe diesen Spiegel-Beitrag). Golem hat hier eine Analyse des Problems vorgenommen und es gab ein Startverbot der FAA (siehe).
Explosion bei Test auf der Startrampe
Für den vierten Flug sollte die Schwerlast-Rakete New Glenn auf ihrem Startplatz in Cape Carneval einem Triebwerkstest unterzogen werden. Die Rakete wurde betankt und im Verlauf des Tests kam es zu einer schweren Explosion, die auf diversen Videos auf X sowie auf YouTube zu sehen ist. Blue Origin spricht in nachfolgendem Tweet von einer "Anomalie".
Zu Schaden kam keine Person, wie heise hier berichtet. Aber die Explosion war heftig, wie Videos, aufgezeichnet von Türkameras von Anwohnern, weit entfernt vom Startplatz auf X zeigen. Fotos in diesem Tweet zeigen die Zerstörungen am Startkomplex 36 (LC-36) und im umliegenden Gebiet der Cape Canaveral Space Force Station in Florida. Es sind erhebliche Brandschäden an der Startrampe, dem Turm und anderen Einrichtungen der Infrastruktur zu erkennen. Trümmerteile von New Glenn liegen rund um LC-36 verstreut.
Die Behebung der Schäden wird Monate in Anspruch nehmen, und das wird zum Problem, wie dieser Tweet offen legt. Bei dieser Explosion der New-Glenn-Rakete wurden 20 % der Energie der Atombombe von Hiroshima freigesetzt.
- Die Startrampe LC-36 ist der einzige Startplatz, von dem die New Glenn abheben kann. Diese Startrampe, deren Bau über 1 Milliarde Dollar gekostete, ist nun zerstört. SpaceX brauchte nach einem ähnlichen Vorfall 7 Monate für den Wiederaufbau.
- Amazon muss bis zum 30. Juli 2026 1.618 Satelliten im Orbit haben, um seine FCC-Lizenz zu behalten. Derzeit sind es etwa 300. Die Rakete, die dabei helfen sollte, ist gerade zweimal hintereinander explodiert.
Auch beim Konkurrenten SpaceX läuft alles mit dem Starship nicht glatt – der letzte Test hatte ebenfalls Fehlfunktionen gezeigt (Testflug des SpaceX Starship Version 3 (23. Mai 2026)). Damit wackeln die Mondpläne der Amerikaner, da diese auf New Glenn und dem Starship aufbauen. Golem hat das in diesem Artikel etwas detaillierter beleuchtet.
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