Die von Boeing entwickelte Raumkapsel Starliner hat sich ja beim Jungfernflug als "Desaster" erwiesen – die Besatzung strandete auf der internationalen Raumstation (ISS). Nun steht fest: Es war ein Desaster mit Ansage und durch Ignorieren bzw. Wegschauen unvermeidbar. Nun stellt sich die Frage, ob das Raumschiff jemals wieder für den Transport von Astronauten zur ISS fliegen wird.
Rückblick auf das Starliner-Desaster
Der Starliner ist eine Raumkapsel, die von Boeing entwickelt wurde, und sollte amerikanische Astronauten ins Weltall (z.B. zur Internationalen Raumstation) befördern und sicher zur Erde zurückbringen. Das Raumschiff sollte für die US-Raumfahrtbehörde NASA eine Alternative zur SpaceX Crew Dragon-Raumkapsel, die seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz ist, darstellen.
Boeing Starliner an ISS angedockt; Quelle: NASA
Das Projekt entwickelte sich aber zum Desaster: Erst gab es riesige Verzögerungen, bis das Raumschiff, um Jahre verspätet, einsetzbar war.
- Der unbemannte Jungfernflug des Starliner endete 2019 im Desaster (Boeing Starliner Raumschiff: Start erfolgreich, ISS verpasst!). Auf Grund von technischer Fehler erreichte das Raumschiff die Internationale Raumstation (ISS) nicht, konnte immerhin aber sicher landen.
- Dann wurde 2020 ein zweiter, unbemannter Demonstrationsflug zur ISS angekündigt (Boeing wiederholt den Demonstrationsflug des Starliner). Im Jahr 2021 fand dieser Testflug statt, das Raumschiff erreichte die ISS und kehrte heil zur Erde zurück (siehe Links am Artikelende).
- Im Jahr 2024 sollten erstmals Menschen mit dem Starliner zur ISS fliegen. Ich hatte dann im Mai 2024 im Beitrag Klappt der Flug des Starliner-Raumschiffs zur ISS? über diese Mission berichtet. Der Nasa-Astronaut Butch Wilmore und die Astronautin Suni Williams waren als Besatzungsmitglieder an Bord.
- Aber dieser Flug geriet wegen technischer Probleme mit dem Raumschiff zum Desaster. Die Raumkapsel mit der Besatzung erreichte zwar noch die ISS und konnte auch andocken. Wegen der technischen Probleme wurde der Rückflug zur Erde aber aufgeschoben (siehe Boeing Starliner: Rückflug von ISS zur Erde weiter unklar).
- Statt sieben Tage Aufenthalt musste die Besatzung bis März 2025 auf der ISS ausharren, um dann mit einem SpaceX-Raumschiff zur Erde zurück zu kehren (siehe ISS-Besatzung der SpaceX Crew Dragon Mission 9 auf der Erde zurück).
Der Starliner flog unbemannt zur Erde zurück und konnte auch sicher landen (Starliner-Raumschiff soll heute leer von der ISS zur Erde zurückkehren).
Ein Desaster mit Ansage
Gebaut wurde das Starliner Raumschiff von Boeing, einem großen US-Hersteller von Flugzeugen und Raumfahrtkomponenten. Das Unternehmen geriet nach zwei 737 Max Flugzeugabstürzen 2018 und 2019 in eine große Krise. Hintergrund waren gravierende Versäumnisse bei Boeing sowie bei der US-Zulassungsbehörde – bedingt durch Personalmangel und eine toxische Management-Kultur, bei der Profite höher als Sicherheit wogen.
Ich hatte bereits im Beitrag Wer hat Schuld am Starliner-Debakel? Management-Kultur ist die Ursache berichtet, dass die Management-Kultur beim Hersteller und bei der NASA für das oben skizzierte Debakel verantwortlich waren.
Am 30. Juni 2026 wurde der Bericht des Generalinspektorats der US-Raumfahrtbehörde Nasa veröffentlicht. Die Kollegen von Golem haben sich dieses Dokument vorgenommen und in diesem Artikel aufbereitet. Die Kurzzusammenfassung:
- Die NASA hat, trotz jahrelanger Verzögerungen bei der Bereitstellung des Raumschiffs, lange so agiert, als stünde der Start kurz bevor.
- Personalmangel und Unklarheiten über interne Zuständigkeiten bei der Sicherheitsüberprüfung haben das Problem verschärft.
- Statt die Probleme anzugehen, habe die NASA diese aufgeschoben, in der Hoffnung, dass es irgendwie gut geht.
- Wann und ob der Starliner überhaupt wieder bemannt starten wird, ist obigem Bericht der OIG unsicher.
- Aufgrund der bevorstehenden Stilllegung der ISS im Jahr 2030 unklar, ob der Starliner für eine Besatzungsrotationsmission zu der Raumstation überhaupt zertifiziert werde.
Ob ein Frachtflug zur ISS stattfinden wird, ist demnach ebenfalls unklar. Weitere Details lassen sich ggf. bei Golem in diesem Artikel nachlesen. Ein Debakel für alle Beteiligten.
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