Chinese kauft Wohnung im 34. Stock eines 32-stöckigen Hochhauses

Skurrile Geschichte, die mir letztens untergekommen ist. In China hat jemand eine Wohnung in einem Hochhaus gekauft. Soll es geben. Das Problem: Die Wohnung sollte im 34. Stock liegen, aber das Haus ist nur 32 Stockwerke hoch. Der Mann hat also "Luft gekauft" – und er hat eine Anzahlung teilweise verloren, und erhält auch keine Entschädigung.

Als ich die Schlagzeile las, fiel mir sofort ein Donna Leon-Krimi ein. Commissario Brunetti (gespielt von Uwe Kockisch) besitzt eine Eigentumswohnung auf dem Dach eines Hauses in Venedig. In der Folge "Feine Freunde" erfährt Brunetti vom Katasteramts-Mitarbeiter Signor Rossi, dass seine Wohnung ohne Genehmigung und Pläne gebaut wurde. Es droht der Abriss.   

Die Wohnung im 34. Stock

Szenewechsel: 2013 kaufte ein Chinese mit Namen Chen aus der Provinz Shaanxi eine Neubauwohnung im 34. Stock eines Hochhauses in Nähe der Stadt Xi'. War ein "Schnäppchen-Angebot", was bei 1/3 der üblichen Summe lag. Der Bauträger habe dem Käufer Berichten zufolge mitgeteilt, dass die für die Bebauung des Grundstücks erforderlichen Genehmigungen später erteilt würden.

Der Mann leistete glücklicherweise nur eine Anzahlung in Höhe von 117.700 Yuan (umgerechnet 15.000 Euro). Im Jahr 2017 teilte ihm der Bauträger mit, dass das Gebäude fertiggestellt sei, und forderte ihn auf, den ausstehenden Betrag zu begleichen. Shen erklärte, er werde dies tun, sobald man ihm die Schlüssel übergebe.

Monate später teilte der Bauträger dem Käufer mit, dass das Gebäude, in dem sich seine Wohnung befand, nur 32 Stockwerke habe. Die Wohnung von 90 qm Größe im 34. Stock hatte sich buchstäblich in Luft aufgelöst und war im Rückblick ein "teures Schnäppchen". Der Bauträger bot zwar eine Ersatzwohnung im 32. Stock an, für die der Käufer aber kurzfristig keine Zahlung in geforderter Höhe leisten konnte.

Da dieses Angebot nach kurzer Zeit verfiel, wollte der Käufer seine Anzahlung zurück. Das verweigerte der Bauträger, wie die South China Morning Post berichtete, und teilte mit, dass er kein Geld mehr habe.

Im Jahr 2020 erstattete der Bauträger dem Käufer Shen zwar 20.000 Yuan (6.470 Euro) zurück, im Jahr 2022 weitere 50.000 Yuan (6.440 Euro). Es fehlten nach meiner Rechnung aber noch 47.700 Yuan (6.140 Euro), die nicht erstattet worden waren (Zinsen habe ich nicht veranschlagt). Seitdem nahmen die Leute beim Bauträger die Anrufe des Käufers nicht mehr entgegen.

Der Käufer beantragte ein Schiedsverfahren bei den Behörden in Xian. Dort wurde der Bauträger von der Schiedskommission zur Rückzahlung der ausstehenden Anzahlung in Höhe von 47.700 Yuan sowie von Zinsen in Höhe von 27.000 Yuan verurteilt. Die Vereinbarung sah außerdem vor, dass der Bauträger eine Entschädigung in Höhe von 47.000 Yuan zahlen muss, falls er die geschuldeten Beträge und Zinsen nicht an Shen zurückzahlt.

Bis Mai 2026 dieses Jahres hatte Shen jedoch noch immer keine weitere Rückerstattung vom Bauträger erhalten. Die Angelegenheit ging vor das örtliche Gericht, das daraufhin eine Verbrauchsbeschränkungsverfügung zur Rückzahlung gegen den Bauträger als Schuldner erließ. Der Bauträger verfügte aber weder über entsprechende Mittel zur Rückzahlung noch über auf seinen Namen eingetragene Immobilien. Worauf der Käufer damit sein restliche Geld endgültig verlor.

Der Grund, die Wohnung war auf Land gebaut, das dafür nicht offiziell zugelassen war. Die South China Morning Post erklärt diese Konstruktion genauer. Es war eine "Wohnung mit eingeschränkten Eigentumsrechten". Das ist eine inoffizielle Bezeichnung für eine Art von Wohnraum aus dem Graumarkt, der illegal auf landwirtschaftlichen Flächen in Gemeinschaftsbesitz errichtet wurde.

Solche nicht genehmigten Bauprojekte nutzen landwirtschaftliche Flächen, die im Zuge der Urbanisierung Chinas brachliegen. Solche Wohnungen können nicht weiterverkauft werden und genießen keinen rechtlichen Schutz. Dennoch kaufen die Menschen sie, weil sie günstig sind.

Hochhaussprengungen in China

In China gab es in den 2010er Jahren einen riesigen Bauboom, und viele Bauträger gingen Pleite. Nachfolgender Tweet enthält ein Video (auf das Bild klicken), in den 15 Hochhäuser in China gesprengt werden.

Hochhaussprengung in China

Das Video stammt aus dem Juli 2023 und zeigt die gleichzeitigen Sprengung von 15 unfertigen Hochhäusern in Kunming, Yunnan-Provinz, China, am 27. August 2021.
Die Gebäude standen sieben Jahre leer und waren durch Regen beschädigt, da der Bauträger die Arbeiten nicht abschließen konnte – ein Beispiel für Chinas Probleme mit Geisterstädten und Fehlinvestitionen im Immobiliensektor.

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Ein Kommentar zu Chinese kauft Wohnung im 34. Stock eines 32-stöckigen Hochhauses

  1. Rolf sagt:

    20.000 Yuan sind nur 2580 Euro

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