Abzocke beim Altersvorsorgedepot? Die Jagd ist eröffnet …

Die geförderte private Altersvorsorge wurde in Deutschland gerade neu aufgestellt. Riester-Verträge sollen für Neuabschlüsse auslaufen, neue Altersvorsorgeverträge wie das Altersvorsorgedepot sollen an ihre Stelle treten.  Die Tage habe ich mitbekommen, dass "die Jagd auf Kunden" eröffnet wurde.  Und die Gebühren könnten sich bei einem "ungünstigeren" Anbieter auf bis zu 160.000 Euro belaufen.

Rückblick auf die Reform

Ich hatte ja Ende März 2026 im Beitrag Riester-Rentennachfolger beschlossen; Riester-Abzocke 2? bereits auf den Sachverhalt hingewiesen. Gesetzlich wurde am 27. März 2026 in dritter Lesung eine grundlegende Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen und ein Nachfolger für die Riester-Rente in Deutschland auf den Weg gebracht.

Die neuen Regeln für das Altersvorsorgedepot sollen vom 1. Januar 2027 an gelten. Der  Gesetzgeber hat zwar, entgegen der Riester-Rente, die jährlichen Effektivkosten der Verträge auf maximal 1,0 Prozent (statt der geplanten 1,5 Prozent) gedeckelt. Und es gibt Produkte mit Garantie zur Auswahl, bei denen zum Rentenbeginn 80 oder 100 Prozent der Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen müssen. Zudem werden Abschlusskosten über die Laufzeit gestreckt, ein Wechsel der Anbieter wird erleichtert und neben lebenslangen Renten sind auch Auszahlungspläne bis mindestens zum 85. Lebensjahr zugelassen.

Aber ich habe mich seinerzeit spontan gefragt, wann die große Abzocke, wie bei Riester-Renten, beginnt. Denn bei Riester-Verträgen waren die Versicherungsgeber die Nutznießer, Kunden bekamen gerade mal die eigenen Einlagen, die staatlichen Zulagen wurden durch die laufenden Vertragskosten aufgefressen.

Die Jagd auf Kunden ist eröffnet

Ich hatte Anfang August 2026 im Beitrag Altersvorsorgedepot löst Riester ab bereits darauf hingewiesen, dass man sich über die Thematik informieren sollte, um nicht in der Gebührenfalle zu landen. Mir war eine Information der Verbraucherzentralen zum Thema untergekommen, die ich in diesem Beitrag aufgegriffen habe.

Die Tage ist mir dann von Stiftung Warentest die Meldung Scalable Capital eröffnet Preiskampf um Kunden untergekommen. Die Botschaft: Der Neobroker Scalable Capital geht im Ringen um Millionen Kunden in die Offensiv und buhlt um Verträge. Scalable Capital "lockt" mit einem Depot ohne Gebühren. Lediglich die laufenden Kosten des jeweiligen ETF müssten beglichen werden. Die aber sollen maximal 0,15 Prozent im Jahr betragen. Im ersten Jahr will Scalable diese Kosten auf 0 Prozent reduzieren, heißt es im Artikel von Stiftung Warentest.

Der Artikel in Verbindung mit Scalable Capital hat bei mir sofort einige Assoziationen getriggert. Bei Riester hatte ich, wegen der Kosten, nie einen Vertrag abgeschlossen (wobei ich mich für Rürup hätte entscheiden müssen). Im Rückblick war es die richtige Entscheidung.

Bei Scalable Capital hatte ich über die Ing zwei kleiner Depots, die per Robo Advisor mit Wertpapieren befüllt wurden. Erfahrung war, dass beide Depots nach dem Start, durch die Ver- und Zukäufe, als Geldvernichtungsmaschinen fungierten. Während meine Depots bei der Ing und anderen Banken im Plus waren, wiesen die Scalable Capital-Depots immer einen Verlust auf. Ich habe beide (Klein-)Depots bei Scalable Capital gekündigt und diese zur Ing transferieren lassen. Inzwischen sind beide Depots, ohne die ständigen Käufe und Verkäufe, im Plus. Ist zwar nur eine anekdotische Anmerkung, zeigt aber, dass 0 Euro-Konten auch ihre Tücken haben – oder es ist wie im Kasino "die Bank gewinnt immer".

Stiftung Warentest rät im oben verlinkten Artikel "keine Panik", es droht keine Eile, man sollte sich ausgiebig informieren, bevor man abschließt. Passend zum obigen Thema ist mir dann der Beitrag Gebühren beim Altersvorsorgedepot kosten bis zu 160.000 Euro auf Focus Online untergekommen. Dort wird auf die Gebühren hingewiesen, die die Rendite beim Altersvorsorgedepot drücken. Der Artikel hat das Scalable Capital-Angebot zum Thema. Dort wird es also darauf ankommen, wie das Depot geführt wird – wenn es wie im obigen Beispiel ständig zu Verkäufen und Käufen kommt, schlagen die Transaktionskosten durch.

Man sollte sich, in meinen Augen, also Zeit nehmen, diverse Angebote studieren und auf die Details achten. Einer der Punkte, der im Focus Online-Artikel mit auftaucht, lautet "Deswegen sollten Sie besonders vorsichtig bei Angeboten sein, die mit „kostenlosen Sparplänen" oder „0 Euro Depotgebühr" werben. Damit sind dann tatsächlich nur die Depotführungsgebühren gemeint. Der Anbieter kann aber weiterhin Kauf- und Verkaufsgebühren und Beratungsgebühren sowie die laufenden Fondskosten an Sie weiterreichen. Entscheidend sind die ausgewiesenen Effektivkosten." Also keine leichte Entscheidung für Versicherungsnehmer. Wobei das jetzt unfaire Dialektik war – den "die Anbieter wollen nur ihr Bestes" – ihr Geld.

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