Stell dir vor, Du machst einen Morgenspaziergang im Wald, siehst einen umgestürzten Baum, in dessen Wurzelbereich etwas liegt, was sich später als Goldschwertscheide entpuppt. Genau das ist einem Mann in Norwegen passiert.
Die Pressemitteilung der Universität von Stavanger enthält ein Bild und eine Beschreibung des Funds. "Ich bin von Natur aus neugierig und erkunde gerne die Umgebung, um sie besser kennenzulernen", sagt der Wanderer, der den Fund gemacht hat. Der Mann wohnt in Austrått, ganz in der Nähe des Hügels Riaren, einem beliebten Wandergebiet. Bei einer Morgenwanderung entdeckte er einen Baum, der vor vielen Jahren in einem Sturm umgestürzt war, und war neugierig, was sich unter dem Baum befand.
"Ich sah eine Erhebung im Boden unter dem Baum und stocherte mit einem Stock darin herum. Plötzlich sah ich etwas Glänzendes. Ich verstand nicht ganz, was ich gefunden hatte", gab der Wanderer zu Protokoll.
Bei dem Fund handelte es sich um eine 1500 Jahre alte, reich verzierte Schwertscheide aus Gold, die wahrscheinlich einem Häuptling gehörte, der in Hove regiert hatte. Es ist ein Zeugnis eines Machtzentrums vor 1500 Jahren, und der Archäologe und außerordentliche Professor Håkon Reiersen vom Archäologischen Museum der Universität Stavanger hält den Fund für großartig.
Das Gold stammt aus dem 6. Jahrhundert, also aus der Zeit der Völkerwanderung in Norwegen. Es ist reich verziert und schmückte eine Scheide am Gürtel, an der das Schwert hing. Es ist das erste Mal, dass ein solcher Fund in Rogaland gemacht wurde, und bisher wurden in Nordeuropa nur 17 weitere Exemplare gefunden.
Derjenige, der das Schwert trug, an dem es befestigt war, war wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts der Anführer in dieser Gegend und hatte ein Gefolge aus loyalen Männern um sich versammelt. Schwertscheidenbeschläge aus Gold weisen in der Regel kaum Gebrauchsspuren auf, doch dieser ist abgenutzt und stark beansprucht, was darauf hindeutet, dass der Häuptling ihn tatsächlich häufig benutzt hat. Das unterstrich seine Stellung und Macht, sagt Reiersen.
Die Schwertscheide ist sechs Zentimeter breit und ein paar Zentimeter hoch sowie nur wenige Millimeter dick. Sie gehörte zu einem Prunk-Schwert, das zu dieser Zeit nur von den Mächtigsten getragen wurde.
Der Goldfund auf Austrått wurde in einer Felsspalte vergraben. Er wurde wahrscheinlich aus religiösen Gründen dort deponiert, als Opfergabe an die Götter irgendwann im 6. Jahrhundert. Zu dieser Zeit herrschten Missernte und Krise – und die Menschen legten wahrscheinlich wertvolle Gegenstände als Opfergaben nieder, in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Indem sie den Göttern solch prächtige Gegenstände opferten, bekräftigten die Herrscher von Hove ihren Status und ihre Macht, sagt Reiersen.

