Es ist eine Sensation, die Archäologen momentan Freudensprünge machen lässt. Bei der Sondierung für eine Solaranlage neben der Autobahn A3 beim Taunusstädtchen Bad Camberg sind Archäologen auf das Grab eines Keltenfürsten gestoßen, der vor 2.500 beerdigt wurde. Die Funde wecken Begeisterung, ist es doch ein extrem seltener Fund.
Ich habe es am Montag, den 8. Juni 2026 im Radio gehört – bei mir klingelte sofort was, liegt Bad Camberg doch nur knapp 15 Kilometer entfernt. Die Hessenschau und sogar die Tagesschau haben es zum 8. Juni 2026 gegen 6 Uhr in dieser Meldung gebracht und das Ganze so zusammen gefasst.
Ein Bauvorhaben bei Bad Camberg, Instinkt und schieres Glück haben zu einer der größten archäologischen Entdeckungen geführt, die es in Hessen je gab: das Grab einer hochrangigen Kelten-Persönlichkeit. Spektakulär sind die ungewöhnlichen Beigaben.
Konkret gibt es neben der Autobahn A3 beim Städtchen Bad Camberg (Kreis Limburg-Weilburg) eine brach liegende Fläche, auf der ein Solarfeld erreicht werden soll. Bekannt ist auch, dass die Kelten in der Eisenzeit ihre Spuren im Kreis Limburg-Weilburg hinterlassen haben (siehe und diesen FNP-Artikel aus 2018). Die Keltenwelt im Wetterau gelegenen Glauberg gibt einen Eindruck aus dieser Zeit.

Funde im Keltenfürstengrab in Bad Camberg
Bezirksarchäologe Kai Mückenberger veranlasste auf einer ungenutzten Fläche, direkt neben der A3 bei Bad Camberg (Limburg-Weilburg), eine geomagnetische Untersuchung, weil dort ein Photovoltaik-Feld geplant und bereits im Bau war.
Die Bilder der geomagnetischen Aufzeichnung zeigten zwei dünne, parallel verlaufende Linien, wie mit dem Lineal gezogen, direkt neben der Fahrbahn der A3. Die Linien münden in einen Kreis, in dem wiederum ein scharf abgegrenztes, dunkles Rechteck zu sehen ist.
"Ich hab gelacht und gerufen: Mensch! Ein Fürstengrab!", zitiert die Tagesschau Kai Mückenberger. Ein Scherz zuerst, weil die Linien wie die Prozessionsstraßen zu Grabhügeln aussehen – wie zum Beispiel auch am Glauberg in der Wetterau. Es wurde eine Grabung durch eine archäologische Grabungsfirma beauftragt- aber man rechnete allenfalls mit Spuren einer Siedlung. Daher wies Mückenberger die Grabungsfirma an: "Seid mutig, schaut mal locker in den Boden rein.".
Doch dann kam die Nachricht per Telefon: Die Baggerschaufel hatte Eisenreste von einer Lanzenspitze, eine typische Grabbeigabe, ausgegraben. Man war auf die Reste einer Grabkammer gestoßen. Zwar waren die beerdigte Person sowie das Holz der Grabkammer zerfallen. Aber am Ort der Grabkammer fanden die Archäologen ein Set aus drei Gold-Ringen, die die Person bei der Bestattung um den Hals, am Arm und an einem Finger getragen hatte. Gefunden wurde auch eine etruskische Kanne aus Bronzeblech.
Spektakulär sind auch die Bauteile eines Wagens, der mit im Grab war. Dessen Räder waren 1,2 Meter im Durchmesser und mit Eisen beschlagen. Reste dieser Eisenringe hat man jetzt gefunden. Die Räder waren mit großen, runden Radkappen und hülsenartigen Achsenbeschlägen aus Buntmetall – vielleicht Bronze – reich verziert. Einst hatten sie wohl rotgolden geglänzt. In einem der Beschläge stecken noch immer Reste der hölzernen Wagen-Achse.
Das Camberger Keltengrab zählt bereits jetzt zu "Spitze" der Gräber in Europa, die vor 2.500 Jahren angelegt wurden. Es wurde eine hochgestellte Person in diesem Grab bestattet. Die Untersuchungen dauern noch an, der verlinkte Beitrag in der Tagesschau enthält weitere Hinweise, was man noch alles gefunden hat. Weitere Hinweise enthält dieser n-tv-Artikel.

