Die Sintflut im Mittelmeer fand nicht statt

In der Bibel ist von der großen Sintflut die Rede, die die Menschheit auslöschte. Wissenschaftler glaubten, dass ein großer Wassereinbruch in der Straße von Gibraltar in das ausgetrocknete Mittelmeer dieses Ereignis ausgelöst habe. Scheint alles nicht zu stimmen.

Die Sintflut in Erzählungen

Die Sintflut wird in den mythologischen Erzählungen verschiedener Kulturen der orientalischen Antike als eine gottgesandte Flutkatastrophe beschrieben, die die Vernichtung der gesamten Menschheit und der Landtiere zum Ziel hatte. Einzig wenige besonders gottesfürchtige Personen entkommen der Katastrophe. Als Gründe für die Sintflut nennen die Sintflut-Erzählungen meist den Zorn Gottes oder der Götter über die Verfehlungen der Menschheit.

Die Flut im Schwarzen Meer

Ein mög­li­cher Schau­platz der bi­bli­schen Sint­flut war das Schwar­ze Meer. So 2007 bis 2009 gab es dann Berichte von einer Flutung des Schwarzen Meeres. Der verlinkte Bericht besagt, dass es deut­li­che Hin­wei­se dar­auf gibt , dass sich vor etwa 8.000 Jah­ren ver­mut­lich mäch­ti­ge aus dem Mit­tel­meer kom­men­de Salz­was­ser­flu­ten in das da­mals tie­fer ge­le­ge­ne Bin­nen­ge­wäs­ser er­gos­sen.

Ein Team von Wis­sen­schaft­lern um den Bre­mer Max-Planck-For­scher Chris­ti­an Bo­row­ski und sei­nem Kol­le­gen Hel­ge Arz vom Geo­for­schungs­zen­trum Pots­dam zeig­te jetzt zum ers­ten Mal, dass es dort be­reits vor ca. 130 000 Jah­ren schon ein­mal zu ei­ner Über­schwem­mung ge­kom­men sein muss.

Wäh­rend der letz­ten Eis­zeit in der Zeit vor etwa 115.000 bis 10.000 Jah­ren war das bis zu 2200 Me­ter tie­fe Schwar­ze Meer ein gro­ßer Süß­was­ser­see und durch den da­mals tro­cken ge­fal­le­nen Bos­po­rus vom Mit­tel­meer ge­trennt. Erst mit dem Ab­schmel­zen der mäch­ti­gen po­la­ren Eis­kap­pen und dem An­stieg des welt­wei­ten Mee­res­spie­gels konn­te sich vor etwa 8.000 Jah­ren das Mit­tel­meer über den Bos­po­rus in das da­mals etwa 100 Me­ter tie­fer lie­gen­de Schwar­ze Meer er­gie­ßen. Die Über­flu­tung weit be­sie­del­ter Küs­ten­ge­bie­te könn­te so­mit Schau­platz der bi­bli­schen Sint­flut ge­we­sen sein.

Be­ein­dru­ckend ist der da­mit ein­her ge­hen­de Wech­sel von ei­nem Süß­was­ser­see in ein stark ge­schich­te­tes sal­zi­ges Meer, in dem heu­te mit Aus­nah­me der obers­ten 150 Me­ter le­bens­feind­li­che Ver­hält­nis­se herr­schen. Un­ter­halb die­ser Zone gibt es kei­nen ge­lös­ten Sau­er­stoff mehr, weil der Ab­bau ab­ge­stor­be­ner or­ga­ni­scher Ma­te­rie im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Jahr­tau­sen­de sämt­li­che Sau­er­stoff­vor­rä­te auf­zehr­te. Hö­he­res Le­ben ist in den un­te­ren Schich­ten des­halb nicht mög­lich. In dem rhyth­mi­schen Wech­sel von Kalt- und Warm­zei­ten wäh­rend der letz­ten Jahr­hun­dert­tau­sen­de muss es wie­der­holt Pha­sen ge­ge­ben ha­ben, in de­nen durch die Mee­res­spie­gel­hoch­stän­de wäh­rend der Warm­zei­ten das Schwar­ze Meer über den Bos­po­rus mit dem Mit­tel­meer ver­bun­den war.

Die Theorie der Mittelmeer-Flut

Dann gibt es noch die Theorie der Messinische Salinitätskrise, ein Abschnitt der Erdgeschichte, in dem das Mittelmeer teilweise oder vollständig ausgetrocknet war. Hierbei lagerten sich in den tiefsten Meeresbecken bis zu drei Kilometer mächtige Verdunstungsgesteine (Evaporite) ab. Dies geschah in der Zeit vor ungefähr sechs Millionen Jahren bis vor etwa fünf Millionen Jahren am Ende des Messiniums, der letzten Stufe des Miozäns.

Die ersten handfesten Belege für die ehemalige Austrocknung des Mittelmeers ergaben sich im Sommer 1970 im Rahmen der Leg-13-Expedition des Tiefseebohrschiffs Glomar Challenger. Die Geologen unter der wissenschaftlichen Leitung von William Ryan und Kenneth Hsü förderten im Balearen-Becken Bohrkerne zu Tage, die dies enthüllten.

Vor ungefähr 5,33 Millionen Jahren erfolgte nach neuesten Erkenntnissen zunächst eine leichte Senkung der Landbrücke zwischen Europa und Afrika, sodass für einige Jahrtausende nur geringe Wassermengen aus dem Atlantik in das ausgetrocknete Mittelmeerbecken schwappten. Nach und nach grub sich das Wasser immer tiefer in die Landbrücke, bis schließlich durch einen 200 Kilometer langen und bis zu 11 Kilometer breiten Kanal etwa 100 Millionen Kubikmeter pro Sekunde einströmten und dabei mit einer Geschwindigkeit von 144 Kilometern pro Stunde den Strömungskanal um 40 Zentimeter pro Tag vertieften.

Insgesamt wurden dabei 500 Kubikkilometer Gestein weggewaschen. Das führte dazu, dass auf dem Höhepunkt dieses Vorgangs der Wasserspiegel im Mittelmeerbecken täglich um mehr als 10 Meter anstieg, bis nach maximal zwei Jahren das Mittelmeer wieder aufgefüllt war. Seither ist diese Meerenge die einzige natürliche Verbindung zwischen Atlantik und Mittel- und Schwarzem Meer.

Wurde die Sintflut also gefunden? Im Tagesspiegel ist dieser Artikel aus 2009 erschienen, der den Tenor hat: "Ja, es gab ausgetrocknete Meeresbecken, die sich wieder gefüllt haben. Aber statt einer Sintflut gab es nur ein Rinnsal." Sprich: Die Überflutungen waren nicht so groß, wie ursprünglich beschrieben. Und dann gab es noch

Die von Forschern lang diskutierte These einer katastrophalen Megaflut, die das ausgetrocknete Mittelmeer innerhalb kürzester Zeit füllte, wird heute von Geologen ebenfalls angezweifelt. Neuere Studien, in Spektrum der Wissenschaft (leider Paywall) veröffentlicht, widerlegen diese Sintflut: Das Mittelmeer trocknete wahrscheinlich nie komplett aus, und die Wiederbefüllung verlief wesentlich langsamer.

Der geologische Hintergrund zur Sintflut-Theorie: Nach Bohrungen in den 1970er Jahren ging man davon aus, dass das Mittelmeer vor etwa 6 Millionen Jahren durch tektonische Verschiebungen vom Atlantik abgeschnitten und ausgetrocknet war. Eine halbe Million Jahre später sollte der Atlantik die Straße von Gibraltar durchbrochen haben. Gewaltige Wasserfälle hätten das Becken in der größten Flut der Erdgeschichte gefüllt.

Nach aktuellem wissenschaftlichen Konsens ist diese Vorstellung falsch. Neuere Studien legen jedoch nahe, dass es sich um einen langsameren Prozess handelte und der Einlass möglicherweise ganz woanders lag.

Inzwischen geht man davon aus, dass Ereignisse vor rund 12.000 Jahren, wie das Ende der letzten Eiszeit und der abrupte Kometeneinschlag der Jüngeren Dryaszeit, zu dramatischen Klimaveränderungen und massiven, weltweiten Meeresspiegelanstiegen führten. Diese prähistorischen Flutkatastrophen könnten den wahren historischen Kern der biblischen Sintflut-Mythen bilden.

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