Hautkrebs-Screening senkt Sterblichkeit für schwarzen Hautkrebs nicht

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Deutschland ist das einzige Land auf der Welt mit einem bevölkerungsweiten Hautkrebsscreening. Der Nutzen ist seit Jahren umstritten und dieses Screening soll als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen abgeschafft werden. Eine OFFIS-Studie weckt neue Zweifel, da das Screening die Sterblichkeit bei schwarzem Hautkrebs, im Vergleich zu Ländern ohne Screening, nicht senkt.

Hautkrebsscreening ab 35 Jahren

In Deutschland können gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre ein sogenanntes Hautkrebsscreening beim Arzt in Anspruch nehmen. Das wird von der zuständigen gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. So sollen Anzeichen von Hautkrebs frühzeitig erkannt werden, um dann eine Behandlung einzuleiten.

Dieses flächendeckende Hautkrebsscreening ist aber hoch umstritten, da es Kosten verursacht, ohne dass, laut Kritikern, ein Nutzen erkennbar ist. Im Rahmen der Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen ist auch geplant, das Hautkrebsscreening aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen – Patienten könnten dann das Screening als IGEL-Paket beim Arzt in Anspruch nehmen und dann selbst zahlen.

Neue OFFIS-Studie weckt Zweifel an Wirksamkeit

Die Anfang Juni 2026 in JAMA Dermatology veröffentlichte Studie Population Skin Cancer Screening and Melanoma Mortality Rates hat einige Diskussionen über den Sinn des Hautkrebsscreening ausgelöst. Was ist Sache? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Klinischen Landesauswertungsstelle Niedersachsen (KLast), des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) haben die Wirksamkeit des Hautkrebsscreening untersucht.

Das Team um Privatdozent Dr. Dr. Joachim Hübner, Leiter der Klinischen Landesauswertungsstelle, ging von einer einfachen Annahme aus: Wenn das Hautkrebsscreening den erhofften Nutzen hat, müsste sich die Melanomsterblichkeit in Deutschland seit der Einführung des Screenings im Jahr 2008 günstiger entwickelt haben als in den neun Nachbarländern, in denen es kein entsprechendes Programm gibt.

Diese Erwartung bestätigte sich nicht. Im Beobachtungszeitraum 2009 bis 2022 zeigten die Trends in allen untersuchten Ländern einen Rückgang der Sterblichkeit – im Durchschnitt um ca. 2% jährlich. Im Gruppenvergleich fiel der Rückgang in Deutschland sogar (trotz Screening) etwas schwächer aus als in den Nachbarländern.

Enttäuschendes Ergebnis

"Das Ergebnis ist enttäuschend", wird Dr. Dr. Joachim Hübner in dieser Meldung des Informationsdiensts Wissenschaft (idw) zitiert. "Bereits frühere Untersuchungen konnten keinen eindeutigen Nutzen des Screenings zeigen. Allerdings sind die methodischen Herausforderungen eines solchen Nachweises nicht zu unterschätzen." Ein naheliegender Forschungsansatz sei, die Sterblichkeit von Personen, die am Screening teilnehmen, mit der Sterblichkeit von Nichtteilnehmenden zu vergleichen.

Problem der Studien

Dieses Vorgehen ist in klinischen Studien üblich, heißt es. Da solche Studien aber extrem aufwendig sind, haben frühere Studien Routinedaten aus der Versorgung genutzt. Dabei hat sich gezeigt, dass ein entscheidendes Detail in den Abrechnungsdaten nicht zuverlässig abgebildet ist. Es bleibt unklar, ob es sich bei der dokumentierten Untersuchung um ein anlassloses Screening gehandelt hat oder ob jemand wegen einer verdächtigen Hautveränderung untersucht wurde.

Sterblichkeit als Untersuchungskriterium

Die neue Studie, die nicht Personen, sondern Länder mit und ohne allgemeines Screeningangebot vergleicht, vermeidet dieses Abgrenzungsproblem. "Natürlich ist auch unsere Studie nicht frei von möglichen Fehlerquellen", sagt Hübner. "Die Aussagekraft unserer Ergebnisse hängt davon ab, dass Deutschland und die Nachbarländer in Bezug auf andere Faktoren, die die Entwicklung der Sterblichkeit beeinflussen können, vergleichbar sind. Zu denken ist etwa an den Einsatz neuer Medikamente zur Behandlung des metastasierten Melanoms. Wir konnten diesen Einfluss zumindest ansatzweise kontrollieren, indem wir zusätzliche Analysen für Teilzeiträume durchgeführt haben."

Unter dem Strich bleibt aber das Ergebnis der Studie: Die Sterblichkeit bei schwarzem Hautkrebs hat sich in Deutschland, trotz Hautkrebsscreening, im Vergleich zu den Nachbarländern ohne Screening, nicht reduziert.

Unklar, warum das Ergebnis so schlecht ausfällt

Warum Deutschland trotz des Hautkrebsscreenings keine günstigere Entwicklung zeigt, lässt sich auf Grundlage der Studie nicht beantworten, heißt es.

Arzt
(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Die Forschenden diskutieren verschiedene mögliche Ursachen. "Es ist denkbar, dass die Untersuchung im Praxisalltag nicht immer mit der erforderlichen Qualität durchgeführt wird", deutet Prof. Dr. Alexander Katalinic, Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck und Koautor der Studie, an. Als weiterer möglicher Grund  für das Ergebnis wird auch folgendes in Erwägung gezogen: "Möglicherweise erreicht das Screeningangebot auch nicht die Menschen, die davon am meisten profitieren könnten. Wenn vor allem Menschen mit niedrigem Risiko teilnehmen, muss der Erfolg des Screenings begrenzt bleiben."

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