Waldbaden hilft: Forschungsergebnisse aus Japan

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Spaziergänge im Wald können das Immunsystem stärken und die Gesundheit fördern. Das ist das Ergebnis von 20 Jahren Forschung eines chinesischstämmigen Wissenschaftlers in Japan. Die japanische Regierung fördert dies. Waldbaden (auch Shinrin Yoku genannt) kann durchaus gesundheitliche Vorteile haben. Heute ein kleiner Blick auf das Thema.

Ich gestehe, ich bin da immer etwas "zweigespalten", wenn mir der Begriff des "Waldbadens" unterkommt. Leute, die ggf. barfuß im Wald rennen, Bäume umarmen und sich wie in einem Jungbrunnen fühlen. Ich selbst bin zwar häufig in den Taunuswäldern unterwegs und genieße diese Aufenthalte. Die Spaziergänge bzw. Wanderungen stimulieren mental, machen den Kopf frei, lassen einen ruhig und entspannt werden. Aber Bäume umarmen muss nicht sein.

Ich habe dann nachgeschaut: Waldbaden (auch Shinrin Yoku genannt) ist das bewusste Eintauchen in die Waldatmosphäre. Es ist eine in den 1980er-Jahren in Japan entwickelte Achtsamkeitspraxis, die durch das bewusste Erleben mit allen Sinnen Stress abbaut, das Immunsystem stärkt und das allgemeine Wohlbefinden nachweislich fördert.

Waldbaden hilft

Kürzlich bin ich dann auf obigen Tweet gestoßen, der die gesundheitlichen Vorzüge der Waldtherapie hervorhebt. Qing Li ist ein  chinesischstämmiger Wissenschaftler, der sein Medizinstudium in China absolvierte und in Japan promovierte. Qing Li arbeitet als Professor an der Nippon Medical School in Tokio und leitet die japanische Gesellschaft für Waldmedizin.

Seit 20 Jahren studiert Qing Li die Wirkung von Bäumen bei der Waldtherapie auf die menschliche Gesundheit. Hintergrund ist, dass Japan sehr dicht besiedelt ist und Stress in den Ballungszentren bei den Menschen herrscht. Japan verfügt über Tausende Quadratkilometer ungenutzter Waldfläche. Die Idee war, den Menschen einen Grund zu geben, in den Wald zu gehen. Aber niemand hatte eine Ahnung, was während dieser Spaziergänge tatsächlich im menschlichen Körper vor sich ging. Qing Li führte dann im Jahr 2005 das erste richtige Experiment durch.

Li nahm zwölf gesunde erwachsene Männer mit auf einen dreitägigen Ausflug mit zwei Übernachtungen in einen Waldpark. Sie wanderten jeden Tag ein paar Stunden lang. Nichts Anstrengendes. Keine vorgegebenen Routen oder Atemübungen. Sie gingen einfach langsam durch den Wald, atmeten die Luft ein und betrachteten die Umgebung.

Li entnahm vor dem Ausflug, am zweiten Tag, am dritten Tag, am siebten Tag nach der Rückkehr und erneut am dreißigsten Tag Blut- und Urinproben.

Die Ergebnisse aus dem Labor entsprachen nicht den Erwartungen. Die Aktivität einer bestimmten Art von Immunzellen, der sogenannten natürlichen Killerzellen – also jener Zellen, mit denen der Körper Krebszellen und virusinfizierte Zellen aufspürt, bevor sie sich ausbreiten können –, war während des Waldausflugs um rund 50 Prozent gestiegen. Die tatsächliche Anzahl der im Blutkreislauf zirkulierenden natürlichen Killerzellen hatte deutlich zugenommen.

Drei verschiedene krebsbekämpfende Proteine, die diese Zellen produzieren – Perforin, Granzyme und Granulysin – waren alle stark angestiegen. Die Stärkung des Immunsystems war am siebten Tag noch messbar und am dreißigsten Tag teilweise noch vorhanden.

Die Erkenntnisse aus diesem Studien: Phytonzide aus Bäumen steigern natürliche Killerzellen im Immunsystem des Menschen um etwa 50 %, senken Cortisol und wirken immunstärkend sowie stressreduzierend. Diese Effekte können bis zu 30 Tage anhalten.

Die Forschung wird von der japanischen Regierung gefördert, unterstreicht messbare Vorteile von 20–30 Minuten Aufenthalt in Wäldern, dient jedoch als Ergänzung und nicht als Ersatz für Therapie oder Medikamente, heißt es im Tweet.

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