Fast in Sa Calobra gestrandet, in der Serra de Tramuntana verschollen und doch noch angekommen

Heute mal eine kleine Geschichte die mir auf einem Mallorca-Urlaub (es muss 1997  gewesen sein) widerfahren ist. Eine Wanderung, schöne Berge, schönes Meer, und am Ziel kein Bus. Fast wäre ich mit meiner Frau gestrandet – aber am Ende des Tages ist es doch noch gut ausgegangen …

Die Geschichte steckt tief im Hinterkopf, auch weil das Mädel an meiner Seite, was seit 52 Jahren durch Dick und Dünn mitkommt, den "nix umkehren, das ziehen wir jetzt durch"-Ansatz verfolgt hat. Ich bin ja eher der "vorsichtig Typ", der sich aber auch schon mal beim Sport "den Hals gebrochen hat und mit partieller Querschnittsymptomatik in der Sporthalle lag". Aber es gilt noch immer die alte Erkenntnis: "Die allermeisten Menschen sterben im Bett …".

Die Geschichte ist mir im Hinterkopf aufgepoppt, weil ich vorige Woche nach einem Wald-Spaziergang durch die Nachbarstraße lief, und mir ein Herr entgegen kam. Auf seinem T-Shirt prangte ein Sa Calobra. Schon war die Erinnerung da und die Geschichte für den Blog stand fertig im Kopf.

Der Urlaub 1997 in Port de Sóller

Das Jahr 1997, in dem die Geschichte spielt, kann ich durch einen Zufall genau festmachen. Ich hatte im Blog-Beitrag Neues von Komet C/2020 F8 (SWAN) erwähnt, dass ich in einem Urlaub auf Mallorca einen Kometen mit bloßem Auge am Abendhimmel sehen konnten. Es bleibt dann nur noch der Komet Hale Bop übrig, der in diesem Jahr sichtbar war.

Ein erster Aufenthalt mit meiner Frau in Port de Sóller (ohne Kinder, die damals bei den Omas waren) führte jeden Abend nach dem Essen, zu einem Gang auf einen benachbarten Hügel, in Nähe des damaligen Hotels. Es gab den Blick auf das Meer, den Sternhimmel, der gerade hervorkam, nachdem die Sonne gerade untergegangen war. Und am Horizont stand Hale Bop, der als Komet gut sichtbar am Himmel war. Lang ist's her.

Wolle mer wandern gehen?

Meine Frau und meine Wenigkeit sind so aufgestellt, dass wir im Urlaub auch – sofern Gegend und Wetter das erlauben – kleine Wanderungen unternehmen. Auf Mallorca war ein Abstecher nach Deià Bestandteil solcher Wanderungen – ich erinnere mich, fluchend immer vor Einzäunungen gestanden zu sein, die die Wanderpfade von Port de Sóller nach Deià versperrten. Und es fing am Nachmittag an zu nieseln, was ich gar nicht cool fand – an so etwas erinnerst Du dich nach 28 Jahren.

Aber da war dann auch der geplante Wanderausflug von Port de Sóller nach Sa Calobra. Wer es nicht weiß: Sa Calobra ist ein kleiner Ort auf der spanischen Baleareninsel Mallorca. Er liegt in der Gemeinde Escorca an der Nordwestküste der Insel, in der Region Serra de Tramuntana. Zusammen mit den Siedlungen Cala Tuent und Port de sa Calobra hat der Ort 72 Einwohner.

Es gab das Angebot einer geführten Wanderung, von Port de Sóller über den Camí de sa Costera nach Sa Calobra. Mein Fehler, an dem Tag, der uns für die Wandung blieb, konnte ich keinen Wanderausflug über einen Führer buchen, der den Rücktransport organisiert hätte. Ich verließ mich auf die öffentlichen Verkehrsmittel.

Es ging am frühen Morgen nach dem Frühstück auf Schusters Rappen los – ich hatte mir über eine Karte im Hotel grob den Weg über Wanderpfade entlang von Mallorcas Westküste eingeprägt. Wir fanden einen Weg und begegneten auf den Pfaden entlang der Küste auch anderen geführten Reisegruppen, die ebenfalls nach Sa Calobra unterwegs waren – "hier sind wir also richtig". Es war eine herrliche Wanderung mit Blick aufs Meer.

Es sind so 3,5 bis 5 Stunden Wegstrecke, und irgendwann nach einigen Stunden meine ich "Wollen wir nicht lieber umkehren? Wenn wir in Sa Calobra keinen Bus zurück kriegen, sind wir verratzt!". "Nix, das wird jetzt durchgezogen, es wird ja ein Bus oder ein Taxi in Sa Calobra geben, mit dem wir zurück kommen" war die Antwort. Ich hatte zwar kein gutes Gefühl aber auch keine Gegenargumente.

In Sa Calobra gestrandet

So sind wir nach einer langen Küstenwanderung von Sóller über Mirador de ses Barques bis nach Sa Calobra in Sa Calobra gestrandet. Denn vor Ort fuhr kein öffentlicher Bus, und es war auch kein freies Taxi verfügbar. Das Schiff nach Sóller war auch weg, und es war späterer Nachmittag. Ich habe dann eine Frau mit Auto angesprochen, die an der einzigen Ausfallstraße Richtung der Bergkette der Serra de Tramuntana fuhr. Sie meinte "Ich fahre nicht nach Soller, aber bis oben zur Straße könnte ich sie mitnehmen".

Angesichts der Tatsache, dass wir kaum von Soller weg kommen würde, willigte ich ein. Und so fuhren wir als Anhalter die 14 Kilometer lange Serpentinenstrecke bis zur Straße in den Serra de Tramuntana mit, um dort im Gebirge fast erneut zu stranden. Denn dort standen wir an einer Straßenabzweigung nach Sa Calobra, aber weit und breit nur Berge. Und es war später Abend …

Aber ich hielt wacker meinen Daumen als Anhalterzeichen raus. Und in der Tat, irgendwann hielt ein kleines Auto mit drei Spaniern. Sie fuhren nach Sóller und nahmen uns mit. Dann waren die 2,5 km Fußweg von Sóller nach Port de Sóller, wo unser Hotel lag, nur noch ein Klacks. Ich meine mich zu erinnern, dass wir sogar noch Reste vom Abendessen im Hotel bekamen.

Aber die Lehre dieses Tages war "höre in deinem jugendlichen Leichtsinn nicht auf deine Frau, sondern wähle den sichereren Weg". Bei Gesprächen am Folgetag erfuhren wir, dass es anderen Leuten "ähnlich" gegangen war, die hatten sich in den "Bergen" verlaufen und fanden erst spät nach Mitternacht zum Hotel zurück. Anderen sind wohl ähnliche Missgeschicke passiert, wie ich hier lese. Aber zu Trinken hatten wir wohl genug – und wir waren damals noch jung und hätten wohl auch den Rückweg zu Fuß (trotz Dunkelheit) geschafft. War aber eine "Experience", die ich mir nicht nochmals gegönnt habe.

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Ein Kommentar zu Fast in Sa Calobra gestrandet, in der Serra de Tramuntana verschollen und doch noch angekommen

  1. Alter Sack sagt:

    Ja, Wandern auf Mallorca ist nicht einfach. Ich habe ungefähr zur selben Zeit ähnliche Erfahrungen gemacht.
    Musste Mitte der 90er Jahre 2 Wochen Resturlaub im Oktober abbauen und bin für 150DM nach Mallorca geflogen. Unterkunft spontan vor Ort organisiert, öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad, Taxi.
    Die örtlichen Grundbesitzer sind ein Problem! Das Wandern war problematisch, da viele Wege nur an einem Tag der Woche begangen werden durften, der höchste Gipfel war militärisches Sperrgebiet, unangenehme Hundebegegnungen. Da lobe ich mir das Verfassungsrecht in Bayern, das den freien Zugang zur Natur gewährleistet.
    Schönste Erinnerung: Die stillen Nächte in den Zellen des Klostes Santuari de Lluc!

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