Die auch als "Hobbit" bezeichneten kleinwüchsigen Primaten, deren Knochen 2003 auf der indonesischen Insel Flores gefunden wurden, kannten wohl kein Feuer und jagten auch nicht. Sie ernährten sich wohl von Pflanzen, Insekten sowie rohem Fleisch von Tieren, die von anderen Tieren getötet wurden. Die Hobbits waren also das, was man als Aas-Fresser bezeichnet. Inzwischen wird auch diskutiert, ob man Homo floresiensis als Menschenart einstufen kann.
Homo floresiensis ("Mensch von Flores") ist eine ausgestorbene kleinwüchsige Primaten-Art, die derzeit noch der Gattung Homo, also den Menschen, zugeordnet wird. Bekannt wurde das Lebewesen, als im September 2003 seine Knochen auf der indonesischen Insel Flores entdeckt wurden. Inzwischen wurden die Funde auf ein Alter von mindestens 60.000 Jahren datiert (ursprünglich ging man von einem Alter von rund 18.000 Jahren aus.
Dieser Deutschlandfunkt-Artikel aus 2016 skizziert die Geschichte der Funde und ordnet die Datierung der Funde und Erkenntnisse ein. Die Hobbits ernährten sich wohl von Stegodonten, also Zwergelefanten, die auf der Insel lebten und die Größe einer Kuh erreichten. Wie eng die Verwandtschaft von Homo floresiensis mit anderen Arten der Gattung Homo ist, ist unter Anthropologen und Paläoanthropologen umstritten.
Forschung belegt: Kein Feuer, keine Jagd
Bisher ging man davon aus, dass die Hobbits Tiere wie den Stegodont jagten, um an dessen Fleisch zu gelangen. Nun haben neueste Untersuchungen der Paläoanthropologin Dr. Elizabeth Grace Veatch das Bild der Hobbits grundlegend gewandelt.
Eine kürzlich durchgeführte Zusammenarbeit zwischen der Colorado State University und der Universität Tübingen in Deutschland hat Zweifel an langjährigen Behauptungen über das Jagd- und Feuerverhaltens des Homo floresiensis aufkommen lassen, schreibt die Colorado State University in dieser Mitteilung.
Die Auswertung der in der Höhle auf Flores gefundenen Tierknochen, die von den Hobbits zurückgelassen wurden, ergab, dass keines der Fundstücke verkohlt oder angebrannt war. Erst in Schichten, die dem modernen Menschen zugeschrieben wurden, fanden sich angebrannte Knochen. Dieser traf aber erst auf die Höhle, als die Hobbits bereits ausgestorben waren. Die logische Schlussfolgerung der Wissenschaftler lautet, dass Homo floresiensis schlicht kein Feuer kannte.
Und es gab noch eine weitere wichtige Erkenntnis: Die Hobbits waren wohl nicht in der Lage auf die Jagd zu gehen. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Komodowarane die Zwergelefanten jagten. Die Wissenschaftler um Dr. Elizabeth Grace Veatch gehen davon aus, dass die Hobbits sich wahrscheinlich eher von Aas, also den Resten der von Komodowaranen getöteten Zwergelefanten, ernährten. Das belegen Spuren, die an den Knochen gefunden wurden.
"Unsere Analyse zeigt, dass Komodowarane die Haupträuber der Stegodons waren und Zahnspuren hinterließen, die wir eindeutig von den Schnittspuren durch Steinwerkzeuge unterscheiden konnten", sagte Mitautor Pante, der das Fressverhalten früher Vertreter der Gattung Homo erforscht. "Dieser Beweis stellt die seit langem vertretene Annahme in Frage, dass der Homo floresiensis diese Tiere jagte, und legt stattdessen nahe, dass er sich von den Überresten ernährte."
Die Ergebnisse stellen die Annahme in Frage, dass H. floresiensis eng mit dem Homo erectus verwandt war, und deuten auf eine weiter zurückreichende evolutionäre Abstammung hin, schreiben die Wissenschaftler, die die neuen Ergebnisse in dieser Studie veröffentlicht haben. Deutschsprachige Zusammenfassungen der neuesten Erkenntnisse finden sich in den Artikeln hier und hier.

