newgen medicals: Medizinisches Einkanal-EKG-Messgerät zur Herzüberwachung

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Mit steigendem Alter nimmt das Risiko von nicht beim Arzt entdeckten Herzrhythmusstörungen zu. In Deutschland sind Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen, ohne es zu wissen. Hier könnten Blutdruckmessgeräte mit Vorhofflimmern-Erkennung, Einkanal-EKG-Messgeräte oder Smartwatches helfen. Im nachfolgenden Beitrag gehe ich auf diese obige Fragestellung ein und beschreibe, warum ich ein medizinisches Einkanal-EKG-Messgerät zur Herzüberwachung von newgen medicals für diesen Zweck verwende und was es leisten und nicht leisten kann.

Risiko von nicht erkannten Herzrhythmusstörungen

Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland mit eine der häufigsten Todesursachen. Und nicht erkannte bzw. behandelte Kardioerkrankungen können gravierende Folgen haben.

Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche

Ich hatte es im Blog-Beitrag Risiko Vorhofflimmern, Herzschwäche und Schlaganfall droht angesprochen: In Deutschland sind ca. 1,8 bis zwei Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen (Quelle). Ursachen gibt es viele: Bluthochdruck, zu viel Alkohol, Übergewicht, Diabetes, ungesunder Lebensstil, verstopfte Herzkranzgefäße und mehr.

Ab einem Alter von 50 Jahren steigt das Risiko für Vorhofflimmern bei Frauen und Männern, wobei Männer wohl früher betroffen sind. Diese Quelle zeigt eine Grafik zur Häufigkeit von Vorhofflimmern nach Alter und Geschlecht – ab 70 Jahren sind bereits 9 % der Männer und 6 % der Frauen betroffen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich diese Werte aufgrund der Alterung der Bevölkerung erhöhen werden.

Ein Problem ist, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass sie an Bluthochdruck und oder Vorhofflimmern leiden. Bluthochdruck tut nicht weh, und wird beim Arzt noch halbwegs bei der betreffenden Messung erkannt. Aber nicht jeder geht zum Arzt oder misst sich selbst in regelmäßigen Abständen den Blutdruck. Dabei gibt es brauchbare Blutdruckmessgeräte mit Oberarm-Manschette für wenige Euro, so dass man den eigenen Blutdruck (Ideal nicht höher als 120 mmHg zu 80 mmHg) überwachen kann.

Schwieriger wird es mit dem Erkennen von Herzrhythmusstörungen und speziell dem für Schlaganfälle verantwortlichen Vorhofflimmern. Es gibt Menschen, die diese Störungen nur kurzzeitig haben, was beim Arzt nicht erkannt wird. Ich habe es in der Familie erlebt, dass bei einer älteren Person Vorhofflimmern durch Zufall bei einem EKG im Krankenhaus entdeckt wurde. Es trat nur kurz auf, aber die Ärzte konnten dort eine Medikation zur Verhinderung der Folgen verschreiben.

Mich selbst hat es da heftiger getroffen, denn ich bin 2024 (nachdem 2023 wohl erste kurze Vorzeichen auftraten, wie ich im Nachhinein feststellen musste) in ein persistentes Vorhofflimmern geraten. Ich konnte es erst nicht zuordnen, warum plötzlich gravierende Beeinträchtigungen auftraten. Ich kam kaum noch eine Treppe ohne Atemnot hoch, Walking bei leichten Steigungen war kaum noch möglich. Mir gingen Herzschwäche, Herzklappenverschleiß und was alles durch den Kopf – nur an Vorhofflimmern dachte ich nicht. Komisch war nur ein für meine Verhältnisse hoher Puls von 80 und krasse Blutdruckwerte.

Aber ein Termin beim Kardiologen mit einer EKG-Messung brachte binnen 30 Sekunden die Diagnose "Vorhofflimmern", und das persistent, also rund um die Uhr. Was folgte, war ein Behandlungs-"Marathon", der mit einer Ablation der Lungenvenen an den Vorhöfen endete. Aktuell bin ich beschwerdefrei, nehme Blutverdünner und achte auf entsprechende Anzeichen.

Aus dieser Episode habe ich zwei, drei Dinge mitgenommen. Einmal haben mich alle Kardiologen bei Untersuchungen (als vor vielen Jahren erhöhter Blutdruck festgestellt wurde, und als die Diagnose Vorhofflimmern kam) sofort per Ultraschall auf Anzeichen von Herzschwäche untersucht. Bei der Diagnose Bluthochdruck hieß es "Sie haben noch keinen verdickten Herzmuskel, alles gut, nehmen Sie Blutdrucksenker". Bei der Diagnose Vorhofflimmern hieß es bei Untersuchungen "Das Herz ist noch gut, die Vorhöfe sind nicht ausgeleiert". Die Erkrankungen wurden also rechtzeitig erkannt, bevor sie zu Herzschwäche oder Schlaganfall führten. Des weiteren habe ich gelernt, dass Vorhofflimmern trotz Ablation wiederkehren kann – das ist gar nicht mal so selten. Aus dieser Vorgeschichte achte ich einmal auf meine Blutdruckwerte und möchte auch wissen, ob eventuell Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern vorliegen. Dazu braucht man aber eine Möglichkeit zur Messung im häuslichen Umfeld.

Man könnte und sollte selbst überwachen

In diesem Kontext stand für mich fest, dass ich neben regelmäßigen Messungen des Blutdrucks auch meinen Herzschlag im Hinblick auf Herzrhythmusstörungen bzw. Vorhofflimmern kontrollieren werde, um im Fall der Fälle meinen Arzt konsultieren zu können.

Die Kardiologin hatte mir bei der Diagnose Vorhofflimmern (VHF) zwar gesagt, dass es  Blutdruck-Messgeräte mit VHF-Erkennung gäbe. Aber es war für mich eher keine wirkliche Option, ich habe ein gutes Oberarm-Blutdruckmessgerät und wollte dieses nicht austauschen.

Eine App, die Vorhofflimmern über die Kamera des Smartphones erkennen können soll, erwies sich eher als "Schätzinstrument". Wenn es gut lief, wurde der Puls an der auf die Kameralinse des Smartphones aufgelegte Fingerkuppe erkannt. Dann sagte die App "Vorhofflimmern erkannt" – aber das wusste und spürte ich selbst. In neun von zehn Messungen brach die App aber ab, weil keine Messwerte erkannt wurden.

Ich hatte dann den Gedanken, ob man mit einer SmartWatch die Herzfrequenz überwachen kann. Eine Apple Watch kann Einkanal-EKG-Messungen durchführen, und ich kenne Analysen von Kardiologen, die das als hilfreich einstuften, um ggf. kurze Phasen an Vorhofflimmern durch den Patienten aufzuzeichnen. Aber viele Hundert Euro für eine Apple Watch auszugeben, sich dann noch ein teures iPhone zur Auswertung zu beschaffen, nur um festzustellen "Du hast kein Vorhofflimmern"?

Das war keine Option für mich, und ähnliches galt für Samsung, die auch Smartwatch und Smartphone anbieten. Es gab dann den Gedanken "Schau mal ob es nicht günstiger Smartwatches gibt". Ich habe in diesem Kontext vor zwei Jahren schon mal mit den Verantwortlichen des Anbieter Pearl telefoniert. Wenn ich dort frage, bekomme ich eine realistische Einschätzung.

Ergebnis des Gesprächs mit den Leuten von der Presseabteilung war: "Die Smartwatches können wir von der Genauigkeit für Ihre Fragestellungen nicht wirklich empfehlen". Vor einigen Wochen hatte ich dann bezüglich des Themas nochmals nachgefragt, zumal aktuelle Smartwatches auch eine Blutdruckmessung etc. versprechen. Aber es hieß "Es wird was gemessen, genau ist es nicht, zur Einschätzung medizinischer Fragen ist das eher ungeeignet". Zudem bin ich jemand, der seit Ewigkeiten ohne Armbanduhr unterwegs ist, Küchenuhr und Uhr am Smartphone reichen mir. Also kam eine Smartwatch, die dann in der Schublade liegt, eher nicht in Frage.

Ein Einkanal-EKG-Messgerät als Lösung

Durch meine Recherchen und auch die Diskussion mit dem Anbieter Pearl kristallisierte sich heraus, dass es ganz brauchbare Einkanal-EKG-Messgeräte für den privaten Gebrauch gibt, die zudem bezahlbar sind. Die Geräte werden von diversen Anbietern in unterschiedlichen Varianten ab ca. 70 Euro angeboten. Vom Anbieter pearl.de gibt es zwei Geräte für solche Messungen, die mir aufgefallen sind.

Pearl-EKG-Messgerät

Es gibt das in obiger Abbildung gezeigte newgen medicals EKG-Messgerät für Zuhause, welches auf dieser Seite beschrieben ist. Und es gibt ein zweites newgen medicals EKG-Messgerät für Zuhause, welches auf dieser Seite und in nachfolgender Abbildung beschrieben ist.

Pearl-EKG-Messgerät

Das Gerät besteht aus dem in obigem Bild gezeigten Sensor, den die Person in den Fingern hält. Das Gerät besitzt einen Akku, ein kleines Display zur Anzeige des Messablaufs sowie zwei Sensorpunkte für die Messungen. Hier noch einige Kenndaten des letztgenannten Geräts.

  • Medizinprodukt der Klasse IIa
  • Zur Messung und Überwachung des Herzrhythmus bei auftretendem Unwohlsein
  • 3 Mess-Methoden: zwischen beiden Zeigefingern, zwischen Zeigefinger und Brust oder zwischen Zeigefinger und Knie
  • OLED-Farbdisplay: zeigt EKG-Kurve und Herzfrequenz während der Messung sowie Uhrzeit, Akkustand und mehr
  • Aufzeichnungsdauer je Messung: mind. 30 Sekunden bis max. 5 Minuten
  • Geräte-Datenspeicher für 10 Messungen
  • Bluetooth für Messwerte-Übertragung auf Smartphone und Tablet

Ich wusste, dass dieser Gerätetyp für sogenannte Einkanal-EKG-Messungen von verschiedenen Anbietern für Privatpersonen angeboten wird. Pearl hat mir dann vor einigen Monaten ein Gerät für einen Dauertest zur Verfügung gestellt. Ich war dann gespannt, wie sich Handhabung, Messgenauigkeit und Erkennung von Anomalien des Geräts herausstellen.

Messungen des EKG sind echt einfach

In der Handhabung ist das Einkanal-EKG-Messgerät sehr einfach. Sobald das Akku des Geräts aufgeladen ist, braucht man dieses nur in beide Hände zu nehmen und die beiden mit L und R beschrifteten metallenen Messplatten an der Unterseite des Gerät mit ggf. angefeuchteten Finger zu berühren. Alternativ könnte eine Messelektrode des Geräts auch auf das Knie oder die Brust gedrückt werden, während ein Finger die zweite Elektrode am Gerät berührt. Wichtig ist lediglich, dass ein Stromfluss quer durchs Herz gemessen wird.

EKG-Messung
EKG-Messung

Das Gerät erkennt diese Berührung der Messelektroden und beginnt automatisch mit der Erfassung des Einkanal-EKG. Das Ganze ist in meinen Augen intuitiv und narrensicher – wobei das Ganze auch in einem Booklet, welches dem Gerät beiliegt, beschrieben ist. Es braucht also keine medizinische Fachkenntnis, um eine Einkanal-EKG-Messung vorzunehmen.

Wichtig ist dabei lediglich, dass die Hände und die Finger ruhig aufliegen, um das Messsignal nicht zu verfälschen. Am kleinen Display werden der Puls (Herzfrequenz) sowie der zeitliche Verlauf des EKG-Signals angezeigt. Die Messung kann über 30 Sekunden oder fünf Minuten erfolgen, und jederzeit bei Bedarf durchgeführt werden. Das Gerät kann bis zu 10 Messungen lokal speichern.

Der Pfiff kommt in der Kopplung des Einkanal-EKG-Messgeräts mit einem Smartphone per BlueTooth-Verbindung. Dann werden die Messdaten an das Handy übertragen und können dort per App angezeigt und ausgewertet werden. newgen medicals verweist dabei auf eine kostenlose App ViHealth für Android und iOS.

Die App stammt von einem chinesischen Anbieter und kann die Daten des EKG-Messgeräts abrufen, anzeigen und auf dem Smartphone speichern. Zudem besteht die Möglichkeit, in der App ein Nutzerkonto anzulegen. Dann lassen sich die lokal gespeicherten Messdaten durch eine KI auswerten. Diese erkennt bis zu 16 Anomalien, z.B. Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen, Tachykardie und vorzeitige Vorhofkontraktionen (PAC).

Wer die App nutzt, sollte sich in der Datenschutzerklärung des Anbieters kundig machen, und nachlesen, was der Anbieter bezüglich der Verarbeitung der Daten zusichert. Das Gleiche gilt für die Verwendung der AI-Auswertung.

Ich habe jetzt über einen längeren Zeitraum immer mal wieder Testmessungen mit dem Einkanal-EKG-Messgerät (an verschiedenen Personen) durchführen lassen.

EKG-Aufzeichnung

Obiges Bild zeigt eine Einkanal-EKG-Messung, in der ein Kardiologe bereits einen unregelmäßigen Herzschlag erkennt (in der oberen und unteren EKG-Linie sind die Abstände der beiden Anfangsspitzen geringer als bei den folgenden Herzschlägen – es gab also kurze Zwischenschläge). Konnte ich an diesem Tag auch körperlich nachvollziehen.

Das 'leidige' Thema Auswertung

Beim 1-Kanal-EKG liegen ja medizinische Daten vor, die einem Arzt einerseits ein Ereignis wie Vorhofflimmern (VHF) oder Herzrhythmusstörungen anzeigen können. Andererseits ist es nur ein erster Anhaltspunkt der Art "da war was". Ein Kardiologe wird also ein 12-Kanal-EKG schreiben lassen, um genaueres zu erfahren. Damit sind wir bei der Krux des Ganzen.

  • Ein Laie mit Null Ahnung wird das EKG nicht lesen können.
  • Also muss eine Auswertung her – was die obige App irgendwie leisten kann.
  • Aber die Auswertung erfolgt per KI in der Cloud eines unbekannten Anbieters.

Nicht jeder wird seine medizinischen Daten zu einem Fremdanbieter in die Cloud hochladen wollen – und ist ggf. auch (berechtigt) skeptisch, da eine KI drüber schauen und bewerten zu lassen. Bei medizin. Geräten wie Blutdruckmessgeräte von Beurer oder Omron mit Erkennung von Vorhofflimmern (VHF) oder Herzrhythmusstörungen ist es im Grunde die gleiche Krux. Und dort habe ich sogar gelernt, dass der Export für den Arzt bei neueren Geräten sogar kostenpflichtig ist (schnell mal 10 Euro/Monat).

Kopplung und Datenübertragung

Die Kopplung zur Datenübertragung kann im sogenannten Gast-Modus der App erfolgen. Man muss nur die Bluetooth-Funktion am Smartphone freigeben. Zudem habe ich gesehen, dass das nur funktioniert, wenn die Standardorterkennung am Smartphone zugelassen wird (was ein wenig doof ist).

Ich schalte die beiden Optionen nach Übertragung der Daten vom EKG-Messgerät sofort wieder am Smartphone ab. Zudem sagt mir mein Android Smartphone in den Einstellungen, dass keine App auf die Standortdaten zugegriffen habe.

Erfahrung ist, dass die Daten nach einer Kopplung per Bluetooth problemlos übertragen und lokal gespeichert wurden. Dann kann ich die 1-Kanal-EKG-Aufzeichnung am Gerät in verschiedenen Auflösungen ansehen.

Gast-Modus und manuelle Auswertung

Für meine Versuche mit dem oben genannten EKG-Messgerät und der App habe ich daher mehrere Szenarien getestet. Wenn man die App installiert hat, kennt diese kein Cloud-Konto beim Anbieter. Dann werden alle Daten von der App nur lokal auf dem Smartphone gespeichert – was schon mal gut ist.

Ich habe dann die Aufzeichnungen im ersten Schritt einer eigenen, manuellen Auswertung unterzogen.

  • Die Schläge pro Minute ermitteln (normal sind 60 bis 100 Schläge).
  • Sind die Abstände zwischen den Herzschlägen gleichmäßig? Ein unregelmäßiger Abstand deutet auf eine Arrhythmie hin.
  • Suche die P-Welle (kleiner Ausschlag vor dem Hauptschlag) und den QRS-Komplex (der große Zacken). Fehlt die P-Welle und der Abstand ist völlig chaotisch, kann dies ein Hinweis auf Vorhofflimmern sein.

Der Artikel hier der deutsche Herzstiftung zeigt ein normales EKG sowie ein Beispiel für Vorhofflimmern. Erste Hinweise liefern auch diese Kurzanleitung und Internetseiten zur Diagnose eines EKG. Zudem gibt es dieses YouTube-Video, wo ein Kardiologe die Auswertung erklärt. Nun bin ich kein Mediziner, der so etwas final bewerten kann. Also wollte ich es besser wissen.

Auswertung per KI getestet

Ich habe dann die Aufzeichnungen neben einer eigenen, manuellen Auswertung, noch als Bildschirmfoto von einer freien KI sowie von der App auswerten lassen. Bei beiden Varianten wird das alles zu Fremdanbietern hochgeladen – war für meine Zwecke aber kostenlos. In beiden Auswertungen wurden die erwähnten Anomalien erkannt und benannt. Nachfolgender Screenshot zeigt die Auswerteergebnisse einiger Messungen – die ich für verschiedene Testpersonen anfertigen ließ.

EKG-Auswertungen

Der Begriff Sinus-Bradykardie besagt lediglich, dass das Herz "zu langsam" schlägt und die Herzfrequenz unter 60 Schlägen liegt. Für mich über viele Jahre normal, da mein Puls in Ruhe durch viel Sport bei 55 Schlägen pro Minute lag. Aber es wurden auch vorzeitige supraventrikuläre Kontraktionen (PAC) erkannt (also vorzeitige Herzschläge). Braucht i.d.R. keine Behandlung, aber man kann so etwas ggf. mit dem behandelnden Arzt abklären.

Kostenloser Export für den Arzt

Ich konnte in der App in allen Fällen (als Gast oder nach Anmeldung am Cloud-Konto des App-Anbieters) einen PDF-Bericht erzeugen und über die Android-Funktion Teilen der App per E-Mail an mich (oder bei Bedarf an den Arzt) verschicken. Der Bericht enthält einige Testangaben zur Messung, ggf. eigene Kommentare, sowie das geschriebene EKG als Grafik. Das ist das Gleiche, was auch die "KI zu sehen bekommt". Das Teilen war für mich kostenlos möglich (also keine x Euro Abo pro Monat für den Export).

Mein Fazit

Inzwischen habe ich das EKG-Messgerät über mehrere Monate sporadisch für entsprechende Messungen verwendet. Die Handhabung empfinde ich als ausgesprochen einfach, die Messgenauigkeit erscheint mir – bei richtiger Handhabung – stimmig (es gibt "saubere" EK-Kurven). Das Akku des Geräts hält viele Messungen durch, bevor es erneut aufgeladen werden muss. Die Kopplung mit dem Smartphone ist bei eingeschaltetem Bluetooth in der App narrensicher – ich hatten keinen einzigen Fall, wo der Datentransfer nicht funktionierte. App am Smartphone starten, Bluetooth einschalten lassen, das EKG-Messgerät in die Finger nehmen und loslegen. Schon wird gemessen und man kann das Ergebnis am Display des Smartphones sehen. Nach einer Messung lässt sich die Auswertung in der App vornehmen.

Mit der Darstellung durch die App bin ich zufrieden – es lassen sich verschieden Darstellungen des EKG wählen, so dass ggf. eine manuelle Auswertung erfolgen kann.  Erfordert aber Erfahrung und Zeit. Für Laien besteht daher die Möglichkeit, Bildschirmfotos des EKGs durch eine eigene KI auswerten zu lassen (hat mich interessiert und ich habe das mal selbst getestet), oder die KI-Analyse der App zu nutzen (was der Standardweg für die meisten Nutzer sein dürfte).

Ich bin kein Arzt, aber zur Überwachung des eigenen Herzschlags, speziell, wenn der Verdacht auf Herzrhythmusstörungen besteht, halte ich das Einkanal-EKG-Messgerät in der oben beschriebenen Variante für durchaus geeignet und gut für Patienten handhabbar. Man kann die Aufzeichnungen ja jederzeit starten, auf dem Handy speichern und ggf. mit zum Arzt mitnehmen, falls z.B. Vorhofflimmern bei einer ärztlichen 12-Kanal-EKG-Messung nicht auftritt. So bekommt der Arzt eine Möglichkeit, das – vom Patienten während eines Ereignisses – aufgezeichnete Einkanal-EKG zu beurteilen und einzuschätzen.

Inzwischen plädieren auch Mediziner (siehe hier, hier und hier) für ein solches 1-Kanal-EKG in der Hand des Patienten. Was eine 1-Kanal-EKG-Ableitung nicht leisten kann, ist eine Diagnose von Herzinfarkten oder anderen Kardioerkrankungen. Bei Hypchondern  sollte so etwas aus naheliegenden Gründen auch eher nicht benutzt werden – eine Gefahr, die auch von Medizinern gesehen wird.

Zudem ist immer der Arzt letztlich die Instanz, die ein EKG beurteilt. Wenn man aber beim Arzt auf der Liege ein EKG geschrieben bekommt, welches keine Anomalien zeigt, kann ein selbst aufgezeichneten 1-Kanal-EKG-Ereignis hilfreich sein. Das Fazit der Apotheken-Umschau lautet hier: "Ein EKG für zuhause ist besonders sinnvoll, wenn bei Patienten unklares Herzstolpern, Herzrasen oder der Verdacht auf Vorhofflimmern vorliegt. Es hilft dabei, seltene Rhythmusstörungen aufzuzeichnen, die während eines Arztbesuchs oft nicht messbar sind, und dient der Risikoprävention." Dem stimme ich zu. Als Betroffener kann man dann im Fall eines Falles die Messwerte zum Arzt mitnehmen und das Ganze abklären lassen.

Ob es eine Smartwatch oder doch eher ein 1-Kanal-EKG-Messgerät, wie oben beschrieben, wird, muss jeder Betroffene für sich selbst entscheiden. Für mich hat sich der obige Ansatz als der preisgünstigere und am Besten funktionierende Ansatz erwiesen. Es dient zur Prävention und liefert Hinweise, die ggf. eine frühzeitige Erkennung von Vorhofflimmern oder anderen Kardiostörungen durch den Arzt ermöglichen.

Ähnliche Artikel:
Risiko Vorhofflimmern, Herzschwäche und Schlaganfall droht
Risiko Vorhofflimmern: Was kann und sollte ich selbst tun?
Im Herzkatheter-Labor: Inneneinsichten eines Betroffenen
Vorhofflimmern: Ich gönne mir eine elektrische Kardioversion …
Vorhofflimmern: Die chemische Kardioversion, ob's hilft?
Vorhofflimmern: Die Katheter-Ablation steht an

Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit, Technik, Wissenschaft abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

3 Kommentare zu newgen medicals: Medizinisches Einkanal-EKG-Messgerät zur Herzüberwachung

  1. JochenS sagt:

    Sehen Sie sich mal die Produkte von WITHINGS an: die Waage "Body Scan 2" und die Smartwatch "ScanWatch 2". Die Sensoren sind zertifiziert, auch für Vorhofflimmern.
    Die App ist mit guten Tipps und Hilfen ausgestattet. Man kann Berichte für den Arzt exportieren.
    Die Uhr ist ein guter hybrider Kompromiss (echte Zeiger, unauffälliges Message-Fenster) zu den Smartwatches von Google, Apple und Samsung. Der Akku der Uhr hält fast einen Monat!

    • guenni sagt:

      Danke für die Hinweis. Einige Anmerkungen: Ich hatte im Text erklärt, warum die Smartwatches keine Alternative für mich sind. Und die Waage eigentlich auch nicht. Ich habe mal deren technische Daten angeschaut. Die Waage rechnet zwar ein 6-Kanal-EKG aus vier Messelektroden – was gut ist. Aber mal Hand auf's Herz: Ich laufe nicht hoch ins Bad, ziehe Schuhe und Strümpfe aus und ich stelle mich mit nackten Füßen auf eine Waage, wenn es mir schlecht geht und ich mal schnell checken möchte, ob ich Extra-Systolen habe. Der offizielle Preis von 499 Euro für die Waage (Straßenpreis wohl > 300 Euro) ist auch eine Nummer. Wie es mit der App, dem Ersatz des Lithium-Ionen-Akkus etc. ist, ist für mich auch offen. Das alles ist eine Klasse oberhalb dessen, was ich anstrebe.

      Wenn, wäre ein Oberarm Blutdruckmesser mit VHF-Erkennung eine Möglichkeit. Heute habe ich aber (auch aus der Diskussion mit einem Leser) gelernt, dass die Branche stramm in Richtung Cloud-Anbindung, kostenpflichtiger Export und KI-Auswertung als Zwangsfunktion marschiert. Mit dem oben vorgestellten kleinen Sensor zur EKG-Erfassung bin ich ganz gut bedient – gibt es ja in der Bauform von verschiedenen Anbietern.

  2. MaxM sagt:

    @guenni: Die KI-Analyse der Aufzeichnungen der PEARL-Geräte zeigt ja "Diagnosen" wie PAC, PVC oder Sinus-Bradykardie an (siehe Deine Screenshots).

    Kann die KI auch Vorhofflimmern (im Rahmen seiner Möglichkeiten) analysieren?
    Will sagen: Hat bei Dir (oder Deinen Freunden) die KI-Analyse auch einmal VHF ergeben?

    Oder kann das Gerät diese Verdachtsdiagnose nicht stellen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert