Arthrose am Knie: Kann ein veränderter Gang helfen?

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Arthrose ist eine schmerzhafte Erkrankung in den Gelenken, die auf Verschleiß des Knorpels zurück geht. Manchmal als Folge einer Verletzung, oft aber durch das Alter bedingt. Bei Arthrose im Knie läuft es oft auf eine Operation hinaus, was aber nicht immer optimal ist. Könnte ein veränderter Gang die Beschwerden bei Kniearthrose lindern? Das ist jedenfalls die Aussage, die mir vor einiger Zeit untergekommen ist.

"Volksleiden" Arthrose

Treppen steigen, gehen, Radfahren, alles ist bei Knie- oder Hüftarthrose schmerzhaft und wird zur Qual. Bei Arthrose in den Fingern wird selbst das Halten von Gegenständen oder das Öffnen eines Deckels von einem Glas zu einer Tortur oder ist nicht mehr möglich.

Zahl der Erkrankten unklar

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen eine Kniearthrose haben, und die Informationen sind, je man Quelle, arg unterschiedlich. Aus 2019 habe ich hier die Information gefunden, dass 4 % der Deutschen angeben, von Kniearthrose betroffen zu sein und behandelt zu werden (dort ging es um die medizinische Notwendigkeit einer Operation). Der Gesundheitsatlas Deutschland gibt hier für 2024 an, dass 7,33 % der Bevölkerung an Kniegelenksarthrose erkrankt sei. Als Erkrankung gilt, wenn die Krankheit im zurückliegenden Jahr dokumentiert wurde (1-Jahres-Prävalenz). Es werden Erkrankungsfälle bei Personen ab dem 20. Lebensjahr gezählt.

Senioren im Park
(Quelle: Pexels Noelle Otto Pexels Lizenz)

Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu und steigt etwa ab dem 40. Lebensjahr stetig an. Bis zum Alter von 55 Jahren sind vor allem Männer betroffen, mit steigendem Alter sind aber die Frauen die stärkste Gruppe der Betroffenen. Der Gesundheitsatlas Deutschland nennt für 2024 die Zahl von 5,82 % der männlichen Bevölkerung in Deutschland und 8,77 % der weiblichen Bevölkerung in Deutschland als betroffen.

Der Wert ist im Zeitraum 2017 – 2024 weitgehend gleich geblieben. Erstaunt hat mich der hohe Anteil in den östlichen Bundesländern (Sachsen-Anhalt 9,92 %) und der geringste Anteil von 4,21 in Hamburg.

Verschleiß des Gelenkknorpels

Die Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) ist eine Verschleißerkrankung der Gelenkknorpel im Kniegelenk. Betroffene leiden unter belastungsabhängigen Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Risikofaktoren sind höheres Alter, Adipositas (Fettleibigkeit), Bewegungsmangel, schwache Muskulatur, orthopädische Probleme (z.B. X-Beine), schwere Arbeit und Gelenkverletzungen.

Ungünstige Figur
(Quelle: Pexels / Pixabay CC0 License)

Jetzt könnte man spekulieren, wodurch die im vorigen Abschnitt erwähnten Unterschiede in der Zahl der Erkrankten auftritt – wenn Alter, orthopädische Probleme und Gelenkverletzungen herausgenommen werden, bleibt (neben schwerer Arbeit, die die Gelenke belastet, wie bei Bauarbeitern oder Fliesenlegern) noch speziell ein Risikofaktor, der mir ins Auge sticht. Bekannt ist auch, dass sich Risiko für Arthrose durch Bewegungsmangel erhöht. Denn durch Bewegung werden Abbauprodukte aus dem Gelenkknorpel herausgedrückt und Nährstoffe aufgesaugt. Zudem fördert Bewegung die Muskulatur – sorgt für gestärkte Muskeln beugt so indirekt einer Arthrose vor.

Diagnose und Behandlung

Der Verlauf einer Arthrose lässt sich nicht vorhersagen. Die Diagnose wird durch einen Arzt (Orthopäde) gestellt. Arthrose ist bislang nicht heilbar, die Medizin kennt lediglich einige Maßnahmen, um die Beschwerden zu lindern. Auf dieser Seite werden u.a. Bewegung, Gewichtsreduktion und ggf. entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente (Ibuprofen) zur Reduzierung der Beschwerden genannt.

Arzt
(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören auch Physiotherapie und letztendlich eine Operation. Diese Entscheidungen wird aber der behandelnde Arzt treffen. Die deutsche Rheuma-Liga hält in diesem Artikel, und die Apotheken-Umschau hier, weitere Informationen zum Thema bereit.

Veränderter Gang kann Arthrose bremsen

Arthrose entwickelt sich schleichend. Zuerst ist da nur die "Morgensteifigkeit" und der Anlaufschmerz, der bei Bewegung nachlässt. Aber irgendwann sind Bewegungen nur noch unter Schmerzen möglich. Daher bekommen neben der Prävention (z.B. ggf. Gewichtsreduktion), Bewegung, vermeiden von extremem Gelenkverschleiß (z.B. durch bestimmte Sportarten) auch Fragen, wie sich der Fortschritt der Erkrankung aufhalten lässt, ihre Bedeutung.

Ich bin bereits im August 2025 beim Redaktionsnetzwerk Deutschland auf den Artikel Anpassung des Gangs könnte bei Knie-Arthrose helfen gestoßen und habe mir diesen aufgehoben. Es gibt eine Studie, die im Fachblatt "The Lancet Rheumatology" erschienen ist. Die Co-Leiterin der Studie, Valentina Mazzoli, weist darauf hin, dass es eine "einfache und relativ kostengünstige Möglichkeit zur Behandlung von Arthrose im Frühstadium" gebe. Man könne die Belastung der Knie durch Variation des Gangs reduzieren – was auch positive Folgen für das Schmerzempfinden habe.

Dazu hat das Team um Valentina Mazzoli mit Forschern des Klinikums Langone Health der New York University sowie der Universität von Utah und Stanford mit 34 Männern und Frauen mit leichter bis mittelschwerer Kniearthrose untersucht, ob konkret eine Veränderung der Fußposition beim Gehen die Belastung des Gelenks verringern kann.

Die Probanden mussten ihre Füße beim Gehen abweichend von ihrer natürlichen Ausrichtung um fünf oder zehn Grad verändert nach innen oder außen abwinkeln. Bei jedem Teilnehmer wurde geprüft, welche Fuß-Stellung zu ihm individuell passt. Die Probanden sollten mindestens 20 Minuten täglich entsprechend laufen und wurden über ein Jahr beobachtet.

Das Ergebnis dieser Studie deuten darauf hin, dass bei den Probanden mit korrigierter Fußstellung beim Laufen der Abbau des Knorpels an der Innenseite des Knies gegenüber einer Kontrollgruppe mit 34 weiteren Betroffenen, die unwissend eine Anleitung ohne Veränderungsvorschläge erhielten, verlangsamt wurde.

Die Forscher schreiben zwar, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, und es ist auch keine einfache Empfehlung "anders zu laufen", bzw. ich stelle mir die praktische Umsetzung schwierig vor. Aber möglicherweise weiß ein behandelnder Orthopäde mehr und kann Betroffenen Hinweise geben. Was sich aber durch die Literatur zieht, die ich so gesehen habe, waren Empfehlungen zur Gewichtsreduktion (sofern erforderlich) und generell zur Bewegung bei Knie- und Hüftarthrose. Notfalls ins Schwimmbad gehen und an einem Wassergymnastik-Kurs teilnehmen, um die Gelenke zu entlasten und trotzdem zu bewegen. Also als Betroffener oder Betroffene mit dem behandelnden Arzt über die Möglichkeiten zur konservativen Behandlung sprechen.

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