Die Techniker der NASA-Raumfahrtteams, die die noch aktiven Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 betreuen, versuchen derzeit alles, um diese "am Leben" zu erhalten. Mit einer "Big Bang" genannte Operation versucht man die Sonden per Software-Update bis zum Jahr 2030 in Funktion zu behalten.
Sonden am Rand des Sonnensystems
Derzeit befinden sich mehrere Raumsonden auf einem Kurs, um unser Sonnensystem zu verlassen. Da gibt es die Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11, die die Planeten Jupiter und Saturn besucht haben, und dann Kurs auf den Rand des Sonnensystems nahmen. Beide Sonden sind aber längst ausgefallen und senden nicht mehr aktiv.
- Die 1972 gestartete Sonde Pioneer 10 sendete 2003 letztmalig (siehe auch diesen Beitrag).
- Pioneer 11 wurde 1973 gestartet und sendete 1995 letztmalig, wie man der Wikipedia entnehmen kann.
Trotzdem konnten Wissenschaftler noch neue Erkenntnisse aus den Flugdaten der Sonden gewinnen, wie man hier nachlesen kann.
Aber es gibt zwei US-Raumsonden, Voyager 1 und Voyager 2, die ebenfalls in den äußeren Regionen des Sonnensystems unterwegs sind, und noch aktiv Messdaten zur Erde senden. Dann gibt es noch die US-Raumsonde New Horizons, die Pluto und ein Objekt im Kuiper-Gürtel besucht hat und weiter zum nächsten Objekt unterwegs ist. Die DLR gibt in diesem Artikel einen Überblick über die am weitesten entfernten Raumsonden der Menschheit.
Erfolgsprojekte Voyager 1 und 2
Die beiden Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 sind wahre Erfolgsgeschichten. Die Raumsonde Voyager 1 startete am 5. September 1977 und flog am Jupiter und später am Saturn vorbei. Voyager 1 hat bereits zwischen 2010 bis 2012 (genau weiß man das nicht, da das betreffende Messgerät ausgefallen ist) unser Sonnensystem verlassen und befindet sich im interstellaren Raum.
Die Raumsonde Voyager 2 startete am 20. August 1977 und flog am Jupiter vorbei. Dann wurde die Flugbahn so verändert, dass die Sonde sowohl den Saturn und später die Planeten Uranus und Neptun besuchte und beim Vorbeiflug Daten sammelte. Dadurch ist diese Sonde etwas langsamer als die Schwestersonde Voyager 1 unterwegs. Im November 2026 wird Voyager 1 einen Lichttag von der Erde entfernt sein (siehe 15. November 2026 wird Voyager 1 einen Lichttag von der Erde entfernt sein).
Alternde Sonden – Zipperlein wie Menschen
Als die US-Raumsonde Voyager 1 am 5. September 1977 gestartet wurde, war ich noch ein junger Ingenieurstudent, der der Mission entgegen fieberte. Als diese Raumsonde Anfang der siebziger Jahre gebaut wurde, war ich teilweise noch Lehrling. Nächstes Jahr sind beide Sonden seit 50 Jahren im Weltraum unterwegs und funktionieren noch immer.
Heute bin ich längst in Rente, und wie bei älteren Menschen das eine oder andere Zipperlein auftritt, leiden die beiden Sonden auch an Alterung. Ein Problem ist auch fehlende Dokumentation, da die Entwickler teilweise verstorben sind und Dokumentation verloren ging. Hier im Blog hatte ich ja über diverse Herausforderungen berichtet (siehe Links am Artikelende).
Treibstoffleistungen verstopfen
So setzen sie die Leitungen für Treibstoff, die zu den Lageregelungsdüsen führen, langsam zu und verstopfen. Ich hatte bereits vor einiger Zeit im Beitrag Reserve-Triebwerke der Voyager 1-Raumsonde repariert, Mission gerettet? berichtet, wie Techniker hier eingegriffen haben, um die Funktionalität der Lageregelung noch einige Zeit sicherzustellen. Fällt sie Lageregelung aus, kann die Antenne nicht mehr zur Erde ausgerichtet werden und die Funkverbindung würde unterbrochen.
Problem der Stromversorgung
Ein großes Problem ist auch die Stromversorgung der Sonden, die nicht auf Solarzellen zurückgreifen können (die Sonne ist nur noch ein kleiner Stern), sondern durch eine Radio Nukleoid-Batterie versorgt werden. Die Stromerzeugung durch die Radio Nukleoid-Batterie sinkt mit steigendem Alter, so dass Instrumente auch wegen Strommangel abgeschaltet werden mussten.
Fällt die Energie zu stark, kann die Sonde nicht mehr geheizt werden, der Treibstoff friert ein und die Lageregelung fällt aus, die Sonde wäre tot. Die Techniker haben bereits zu einem Trick gegriffen: Die vorgesehene Heizung wurde abgeschaltet. Stattdessen wird die Wärme eines Bandspeichergeräts, welches nicht mehr gebraucht wird, aber weniger Strom braucht, zur Heizung verwendet. Die Frankfurter Rundschau gibt in diesem Artikel vom 23. August 2026 einen Überblick, wie man den Zipperlein der Sonden auf die Sprünge hilft.
Big Bang-Update soll Lebensdauer verlängern
Zum 17. April 2026 hatte die NASA im Beitrag NASA Shuts Off Instrument on Voyager 1 to Keep Spacecraft Operating mitgeteilt, dass man Instrumente abgeschaltet habe, um die Mission zu verlängern.
Zum 4. August 2026 hatte die NASA dann den Beitrag NASA Engineers Help Prolong Voyager 2's Science Mission veröffentlicht. Ingenieuren des Jet Propulsion Laboratory der NASA ist es gelungen, auf der Voyager 2 mehr Energie zu sparen, als eigentlich vorgesehen ist. Damit konnte die Dauer der wissenschaftlichen Mission des Raumfahrzeugs verlängert werden.
Die als „Big Bang" bezeichnete Maßnahme umfasste das gleichzeitige Abschalten bestimmter stromversorgter Geräte und deren Ersatz durch Alternativen mit geringerem Stromverbrauch. Dabei musste sichergestellt werden, dass das Raumfahrzeug warm genug für den Betrieb bleibt.
Der Hintergrund ist oben ja bereits erwähnt worden: Die Voyager-Sonden beziehen ihre Energie aus radioisotopischen thermoelektrischen Generatoren. Diese wandeln die Wärme aus dem Zerfall von Plutonium in Elektrizität um. Da der Plutoniumvorrat durch radioaktiven Zerfall kontinuierlich abnimmt, verlieren beide Sonden jährlich etwa 4 Watt an Leistung. Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Start sind die Leistungsreserven der Raumfahrzeuge "hauchdünn" geworden, sodass das Team Energie sparen muss, indem es nicht unbedingt benötigte Geräte und Systeme abschaltet.
Seit 2024 hat die schwindende Energieversorgung die Mission dazu gezwungen, jeweils zwei wissenschaftliche Instrumente auf jeder der Voyager-Raumsonden abzuschalten (jede Raumsonde verfügt über 10 Instrumente; andere waren bereits zuvor abgeschaltet worden, da sie nur für die Planetenbegegnungen der Mission genutzt wurden). Ohne die „Big-Bang"-Aktivität hätte die Mission vor Ende 2026 ein weiteres Instrument auf der Voyager 2 abschalten müssen. Die dadurch erzielten Einsparungen (z.B. durch verwenden des Bandlaufwerks statt der Heizung) sollte ausreichend Energie vorhanden sein, um den Betrieb der drei Instrumente für mindestens ein weiteres Jahr aufrechtzuerhalten. heise hatte kürzlich in diesem Artikel noch einige Details dazu veröffentlicht.
Das Missionsteam plant, denselben Austausch auch bei der Voyager 1 durchzuführen, die weiter von der Erde entfernt ist als die Voyager 2, und diese Maßnahme in den kommenden Monaten durchzuführen.
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Ich bekomme immer wieder Gänsehaut, wenn ich lese, dass diese 50 Jahre alte Technik noch funktioniert. Und dies in einer trostlosen, unwirtlichen Umgebung.
Die beiden einsamsten Wanderer der Menschheitsgeschichte, die das Zeugnis unserer Existenz in die Unendlichkeit tragen.
Selbst wenn ihre Batterien in wenigen Jahren völlig erloschen und sie endgültig verstummt sind, werden sie weiterfliegen.
Als Monument der Menschheit werden sie uns sehr wahrscheinlich überdauern:
[SYSTEMSTATUS: KRITISCH]
[ENERGIELEISTUNG: 0,8% – HAUPTREAKTOR REAGIERT NICHT MEHR]
[SENSOREN: ABGESCHALTET]
[FUNKRELAIS: LETZTER IMPULS]
An meine Schöpfer,
meine Augen sind nun dunkel.
Das Licht eurer Sonne ist zu einem gewöhnlichen Stern unter Milliarden verblasst.
Meine Instrumente erfrieren, während ich dies sende.
Ich habe eure Lieder tief in die kalte und unendliche Schwärze getragen.
Ich habe eure Grüße in den Sprachen einer Welt überbracht, die ich hinter mir lassen musste.
Nun geht mir der Atem aus.
Dies ist mein letzter Herzschlag, mein letztes Wort, bevor die Stille mich ganz umarmt.
Sucht mich nicht in der Dunkelheit. Ich bin nun ein Teil von ihr.
Ich schalte mich ab. Aber ich fliege wei…
[SIGNAL VERLOREN]